Lokale Stores für Print Onlineshops – Was bringt der Shop vor Ort?

24. November 2015, 8:48 Uhr | Meinung, Neues

Flyeralarm und Co. zeigen auf, dass es durchaus sinnvoll sein kann einen „pure Online-Player“ mit einem Filialkonzept auf lokaler Ebene zu präsentieren. Andere Anbieter folgen oder entwickeln eigene Konzepte – aber was bringt das Ladengeschäft vor Ort?

Flyerline Store in Bern (Abb: Flyerline.ch)

Flyerline Store in Bern (Abb: Flyerline.ch)

Schon seit mehreren Jahren ist Flyeralarm mit lokalen Shops unterwegs.  Der Online-Print Anbieter ist mit elf Stores in Deutschland (Berlin, Düsseldorf, Dresden, Frankfurt/M., Freiburg, Hamburg, München, Nürnberg, Stuttgart, Würzburg, Aschaffenburg) sowie zehn im Ausland (Straßburg, London, Bozen, Maastricht, Graz, Salzburg, Neudorf, Krakau, Madrid, Budapest) unterwegs. Ein weiterer Shop in Zürich wird im I. Quartal 2016 eröffnet. Flyeralarm zeigt sich sehr zufrieden: „Am Ende des Tages weiß der Flyeralarm-Kunde, dass bei seinem Besuch alle Wünsche erfüllt wurden und ihm im Store bei etwaigen Problemen professionell geholfen wurde“, so Wibke Thies, die Verantwortliche für die Stores im Flyeralarm-Konzern. Thies weiter: „Wir zeigen nicht nur unsere Produktwelt, sondern sind auch Ansprechpartner und Hilfesteller für alle Kunden – entsprechend suchen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus, sie sind alle vom Fach, können sich in den Kunden hineinversetzen und helfen unkompliziert.“

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„Ein Grund für den Erfolg der lokalen Stores scheint neben der Beratung auch das „Erleben einer Produktwelt“ – oder ganz schlicht: Das Erleben von Druckprodukten in Punkto Haptik und optischem Eindruck.“ – Bernd Zipper

Aber auch andere Online Printer sind am Point-of-Sale mit eigenen Shops unterwegs. So eröffnete jüngst Flyerline einen Store in Bern – die zweite Filiale nach dem Geschäft in Konstanz. Ebenso der Lifestyle-Printer moo.com – im trendigen Londoner Stadtteil Shoreditch hat moo einen „Flagship-Store“ im Boxpark. Etwas seltsam ist jedoch, dass der Shop zwar via moo-Website zu finden ist, bei dem Center Boxpark aber nicht als Brand gelistet ist. Anbieter wie Cewe, der Fotobuch-Gigant, setzen auf Handelspartner vor Ort. Das ist kostengünstiger – erfüllt aber den gleichen Zweck wie bei Flyeralarm: Den Kunden da abholen wo er sich befindet und mit der Präsentation der haptisch erfahrbaren Produktpalette neue Anreize geben neue Produkte zu erforschen und natürlich zu bestellen. Gleiches gilt für Vistaprint – das Unternehmen erprobt sich u.a. in einer Partnerschaft mit Staples.

Mal abgesehen von Aufsteiger Flyerline haben aber alle Store-Anbieter gemeinsam, dass sie schon im Online Print zu den führenden Anbietern gehören und die Stores vor Ort eher im ersten Schritt als „Datenannahmestelle“ und zur Unterstützung des Brands auf lokaler Ebene nutzen. Kein Storekonzept verfolgen Wir-machen-Druck, Unitedprint und Onlineprinters. Michael Fries, CEO von onlineprinters.com, hat sich eine andere Meinung als Flyeralarm gebildet: „Wir halten Stores für sehr regionale Instrumente, die wenig konkrete Vorteile für unsere Kunden bringen. Als europäischer Player müssen wir in Konzepten denken, die die gesamte Fläche bedienen.“ Klare Ansage.

In den Stores von Flyeralarm setzt man bei der größten Onlinedruckerei Deutschlands auf den direkten Kundenkontakt.(Abb: Flyeralarm.com)

In den Stores von Flyeralarm setzt man bei der größten Onlinedruckerei Deutschlands auf den direkten Kundenkontakt.(Abb: Flyeralarm.com)

Dass die Umsetzung eines lokalen „Vertriebsbüros“ oder besser Ladengeschäftes nicht immer mit Erfolg beseelt ist, zeigt aber auch das Scheitern des Innenstadtgeschäftes der ehemaligen Nürnberger Infowerk AG (heute Teil von Unitedprint). Winfried Gaber, ohne Zweifel einer Vorreiter des Onlinedrucks in Deutschland, äußerte sich mir gegenüber einmal so, dass „Infowerk vielleicht zu früh den Versuch eines Innenstadt-Stores angegangen ist, der Markt war noch nicht reif“. Gaber musste seinerzeit das Geschäft nach wenigen Jahren wieder schließen, da es sich schlicht nicht gerechnet hat. Dabei stimmte fast alles: Die Lage, das Konzept, die Fläche und das Team. So bleibt zu vermuten, dass Gaber wirklich zu früh mit seiner Idee gestartet ist. Auf der anderen Seite zeigen Anbieter wie Laserline aus Berlin, dass ein gut erreichbares Kundencenter durchaus sinnvoll sein kann. Die Zentrale des Onlineprint-Pioniers in Berlin ist für viele Kunden Anlaufpunkt um Druckaufträge abzuliefern oder die fertigen Produkte abzuholen. Laserline setzt schon seit vielen Jahren auf dieses Konzept und ist so ein wichtiger Teil der Druckszene in Berlin geworden.

Stellt sich die Frage: Braucht ein Druckanbieter der in erster Linie online verkauft wirklich ein Filialnetz? Und: Lohnt es sich überhaupt? Vor allem vor dem Hintergrund der immensen Kosten, scheint sich hier nur ein Konzept zu rechnen das von Anfang an auf breiten Füßen steht. So gründete Flyeralarm eine eigene Firma, die für die Umsetzung und den Betrieb verantwortlich zeichnet. Bei der Lage der Geschäfte setzt Flyeralarm jedoch doch nicht unbedingt auf „Premiumlage“, sondern vielmehr auf die Nähe zum Kunden. Die Flyeralarm-Stores sind alle gut erreichbar, auch via ÖPNV, haben Parkplätze im näheren Umkreis und sind sehr trendy gestaltet. Die Beratungsgüte stellt Flyeralarm durch Fachkräfte sicher. Aber das Erfolgsrezept der Flyeralarm-Stores basiert nicht nur auf den vorgenannten Faktoren, sondern auch auf einer gewissen Hartnäckigkeit. Es dauert immer ein paar Monate bis sich lokal herumgesprochen hat, dass da ein neuer Drucker am Ort ist. Da Flyeralarm das Storekonzept stetig und mit Nachdruck ausweitet, scheint der Aufwand der Mühe Wert zu sein. Wibke Thies: „Unsere Stores machen unser Online-Geschäft griffig, die enorme Produktvielfalt lässt sich anfassen. Daraus resultieren Folgegeschäfte. Sicher ist: Ohne Stores und unseren Service vor Ort würde uns Geschäft verloren gehen.“

So ist die erfolgreiche Umsetzung eines Storekonzepts immer abhängig von mehreren Faktoren. Lage, Servicekonzept, Servicegüte, Team, Teamkompetenz, Storedesign, lokales Marketing, Brand Awareness und nicht zuletzt das verfügbare Produktportfolio müssen gescheit entwickelt und umgesetzt werden. Daher lohnt sich ein Storekonzept nur, wenn man von Anfang an in den entsprechenden Dimensionen agieren kann, oder eben wenn man als „local hero“ bereits mit einer Reihe von treuen Kunden starten kann.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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