Magento 2.0 – Neue Version, neue Herausforderungen für Online Shop Betreiber

26. November 2015, 11:31 Uhr | Neues, Technik

Viele Online Printshops setzen auf Magento und die Magento-Architektur. Mit der neuen Version 2.0 präsentiert sich die Anwendung, nach sieben Jahren, in neuem Look und zahlreichen Optimierungen, doch vor dem Umstieg steht wohl erst einmal eine echte Herausforderung …

Ich gebe zu: Ich war vor ein paar Jahren noch einer der vielen Zweifler, ob Magento wirklich für Online Print zu gebrauchen ist. Mittlerweile jedoch muss ich meine Meinung zum Teil revidieren: Passt schon, kann man sagen. Viele meiner Kritikpunkte, wie dürftige Lastperformance, veraltetes Userinterface und eine schwerfällige, wenn auch funktionale, Architektur dürften aber der Vergangenheit angehören, wenn man dem Marketingbuzz von Magento Glauben schenken mag. Und so liest sich die Liste der Neuerungen mehr als angenehm.

Schneller. Mit einer neuen Cache-Technologie, die auch schon in anderen Plattformen ihr zuhause findet, können nun Shopseiten in einem Zwischenspeicher geladen werden. Via Varnish-Cache verspricht die stabile Version 2 von Magento nun Seiten schneller zu laden – gerade für sehr intensiv genutzte Webshops ein echter Segen. Auch in punkto Installation und Betrieb wird sich Magento beschleunigen. Der neu eingeführte Befehl „magento“ hilft bei der Automatisierung via Cronjobs, Installation und Tests. Die lästige Installation von Zusatztools hierfür entfällt.

Seat traut sich und hat mit Magento gemeinsam schon auf Magento V2 umgebaut. (Abb: www.shopworld.seat.de)

Seat traut sich und hat mit Magento gemeinsam schon auf Magento V2 umgebaut. (Abb: www.shopworld.seat.de)

Schicker. Die Version 2.0 präsentiert sich in HTML5 und mit einer aktuellen GUI. Frontend-Entwickler werden sich ob der Magento UI Library, basierend auf LESS, über eine umfassende Bibliothek freuen. Ferner kommt jQuery zum Einsatz und macht Zusatzinstallationen überflüssig.

Ordentlicher. Mit einer neuen Verzeichnisstruktur soll Ordnung ins System einziehen und die Anzahl der Verzeichnisse wird reduziert. Schön auch, dass die Erweiterungen von Magento nun in einem „Modulverzeichnis“ gesammelt werden – dies erleichtert das Handling ungemein.

Handsome. Durch die verbesserte Verzeichnisstruktur und die neue Möglichkeit Magento komplett via Kommandozeile zu installieren, wird Magento so manchem Hoster einiges an Zeit sparen. Magento setzt hier auf Composer als Verwaltungstool.

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„Wurde auch Zeit, dass der Onlineshop-Dino Magento renoviert wird – die Portierung wird jedoch spannend.“ – Bernd Zipper

Was sonst? Ansonsten verspricht das Update für einige Shopbetreiber echt Ärger: Da Magento Composer nutzt, wird das FTP-Handling schwieriger bis unmöglich. Da wird nichts verschlüsselt und Magento rät dringend zu einem SSH-Zugang. Gut, der Einsatz von MySQL ab Version 5.6 und PHP ab Version 5.5 wird ggf. dann doch zur Versöhnung der Entwickler beitragen. Wenn da nicht die komplexe Systemportierung von Version 1 auf Version 2 wäre – aber, ist dies einmal geschafft werden künftige Updates einfacher.

Wie aber gehen die Anbieter von Online Printshops auf Magento-Basis mit den Neuerungen um? Nico Olejniczak, Sprecher des Unternehmens CloudLab, das zahlreiche Shops in D/A/CH auf Magento umgesetzt hat, sieht die Herausforderungen so: „Zuerst ist es wichtig, dass man Magento 2 als vollständig neue Shop-Software sieht. Bzgl. Software und Architektur gibt es große Unterschiede – letztendlich ist der Name Magento das einzig wirklich Beständige. Aus diesem Grund beinhaltet die neue Version noch einige Bugs und Kinderkrankheiten. Erfahrungsgemäß benötigen selbst weit kleinere Magento-Updates einige Monate, um das Niveau hinsichtlich Stabilität, Datensicherheit und Funktionsumfang der vorherigen Magento Version zu erreichen. Wir rechnen nicht damit, dass es im Falle von Magento 2 anders sein wird und gehen davon aus, dass 2016 zur Angleichung und Verbesserung der neuen Magento Version genutzt werden wird.​“ Also eher vorsichtig, kritische Töne aus Dortmund, der deutschen Zentrale von Cloudlab.

Es besteht aber kein Grund zur Eile bezüglich des Updates: „Für unsere Kunden ändert sich kurzfristig nichts. Magento 1.9​ wird noch drei Jahre lang weiter mit Updates versorgt – wir vermuten, dass diese Zeitspanne sogar noch verlängert wird. Dies liegt in dem großen Aufwand begründet, welchen viele Extension-Anbieter für die Migration Ihrer Produkte auf Magento 2 benötigen. Sobald Magento 2 als vorteilhaftes Upgrade für unsere printQ Kunden bereit steht, werden wir unsere Kunden informieren und entsprechende Upgrades anbieten.“ so Olejniczak weiter.

Nico Olejniczak, Sprecher des Unternehmens CloudLab

Nico Olejniczak, Sprecher des Unternehmens CloudLab

Dennoch sieht Nico Olejniczak einige Herausforderungen für sein Unternehmen: „Magento 2 bietet verglichen mit Magento 1 unter anderem optimierte Seiten-Ladezeiten, ein übersichtlicheres Backend sowie einen optimierten Checkout-Prozess. Von einigen dieser neuen Features profitieren unsere Kunden bereits seit längerem mit printQ. So bieten wir zum Beispiel eine wesentlich bessere Seiten-Ladezeit, als es im Standard-Magento möglich ist. Andere, Magento 2 vorbehaltene Verbesserungen, werden wir mit entsprechenden Upgrades einführen. Die neue Code-, Ordner- und Datenbankstruktur ist die größte Herausforderung für unser Entwicklungsteam. Auch unsere druckrelevanten Schnittstellen müssen wir zum Beispiel überarbeiten – manche kosmetisch, wieder andere von Grund auf neu. Dabei ist das nicht nur für CloudLab so, sondern auch für jeden weiteren Extension- und auch Theme-Anbieter“

Mein Fazit: Prima das endlich mal ein großer Wurf in Sachen Architektur und zeitgemäßem Update für den Onlineshop-Dino ansteht, aber für bisherige Anwender gilt: Nichts überstürzen – die Portierung braucht ihre Zeit und sollte so gescheit geplant und budgetiert werden.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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