Die Zukunft druckt online – denn jeder Drucker wird ein Onlinedrucker – irgendwie.

18. Dezember 2015, 14:11 Uhr | Meinung, Neues

Es gibt Grund zu hoffen: Viele Marketingabteilungen und Agenturen erkennen in Print so langsam wieder ein wirksames Werbemittel – viele „Pure Online“-Player nutzen Print um beim Kunden bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Selbst das Paket des Onlinehändlers, gleich welcher Provenienz, kommt mit unzähligen Flyern, Gutscheinen und Rabattkarten daher. Und so kommt es wie nach jedem Hype: Der Mix der Kanäle macht das Marketing, denn so flexibel wie das Internet ist, so flüchtig ist es auch. Strom weg – Netz weg – Print bleibt. Und wer Wissen besitzen will, kauft sich schlicht und ergreifend ein Buch oder gar ein Fachmagazin. Trotz Internet, trotz E-Book.

Nun, selbst wenn wirklich einige Branchenkenner von einer „Renaissance des Druckens“ fabulieren, es ändert sich eines: Der Zugang des Kunden zur Initiierung eines Druckauftrages. Und dies in einer ungeahnten Dramatik. Während klassische Drucker, also Anbieter ohne Onlinezugang, noch immer mit sinkenden Margen hadern – geht’s den meisten Onlinedruckern prima. Auch die Drucker, die selbst gar keine Online-Shops betreiben, sondern eher Online-Beschaffungsportale oder B2B-Portale, können sich über regen Umsatz freuen. Dies bedeutet letztlich nichts anderes, als dass – auch wenn der Kunde persönlichen Service schätzt – er verstanden hat online bequem und als „Herr des Prozesses“ seine Drucksachen zu bestellen.

Liefergüte, Service, Qualität, die Produktauswahl sowie der Ruf des Anbieters und selbst der Online-Beratungsservice wird vom Druckkunden, so unterschiedlich er auch ist, sehr geschätzt.

Liefergüte, Service, Qualität, die Produktauswahl sowie der Ruf des Anbieters und selbst der Online-Beratungsservice wird vom Druckkunden, so unterschiedlich er auch ist, sehr geschätzt.

Dennoch wäre es falsch hier einfach zu pauschalisieren. Nicht jeder Kunde der online bestellt, hechelt nach dem günstigsten Preis. Liefergüte, Service, Qualität, die Produktauswahl sowie der Ruf des Anbieters und selbst der Online-Beratungsservice wird vom Druckkunden, so unterschiedlich er auch ist, sehr geschätzt. Denn wenn es wirklich nur um den Preis gehen würde, warum sind dann Anbieter erfolgreich die nicht den günstigsten Preis anbieten? Es geht um mehr. Der Kunde wünscht eigentlich einen Service den er selbst skalieren kann, zu dem Zeitpunkt an dem er diesen Service auch wirklich benötigt. Ja und natürlich: 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche.

Dieser Herausforderung kann man als Dienstleister nur online begegnen. Oder mit massivem Personaleinsatz.

Aber auch für die erfolgreichen Onlinedrucker ist die Welt nicht eitel Sonnenschein: Die Aufwände für den Kunden stetig attraktiv zu bleiben steigen. Gut, die einen machen es sich einfach, denn billig geht immer – irgendwie. Onlinedrucker die aber einen reellen Preis für ihre Produkte erzielen möchten, müssen sich ranhalten und sich neue Strategien und Services überlegen. Ferner erhöht Marktführer Cimpress den Druck: Noch mehr Produkte, in noch kürzerer Produktionszeit und noch individueller. Da wird die Latte recht hoch gehängt. Mit konsequenter Ausrichtung in Richtung Mass Customization wird daran gearbeitet, dass Online-Print für den ganz normalen Online-User alltagstauglich, sprich Mainstream, wird. Aber Cimpress ist da nicht allein, auch andere Player im Markt haben diesen Trend erkannt und handeln entsprechend.

Und so treibt der Megatrend Mass Customization nicht nur die großen Marktmacher an, sondern stellt auch kleinere Anbieter, die mithalten möchten, vor große Herausforderungen. Denn wer „Mega-Personalisierung“ via Mass Customization betreiben möchte, muss Themen wie Highend-Printproduktion, Automatisierung, Lean-Production genauso im Griff haben, wie Produktentwicklung, Trendscouting, Online-Marketing und modernste Onlinesales-Architekturen. Gleiches gilt für die Themen Industrie 4.0 und Robotik – wer hier schläft wird ein böses Erwachen erleben.

Tja, wird sich der geneigte, druckende (N)onliner nun fragen, was muss ich tun damit ich in diesem Spiel noch eine Rolle spielen kann? Wie hoch mag der Aufwand sein, jetzt ein erfolgreiches Onlineangebot aufzubauen? Hier kann ich nur Mut zusprechen. Ok, niemand wird mehr in kurzer Zeit mit ehrbarer Arbeit und einem massiven Investment ein Unternehmen á la Flyeralarm aus dem Boden stampfen. Aber es gibt genügend Nischen in denen sich ein Druckdienstleister online etablieren kann.

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„Wer pfiffig und mit einem modernen Geschäftsmodell im Onlineprint-Markt unterwegs ist, wird sich wundern wie dankbar sich neue, „nischige“ Produkte verkaufen lassen.“ – Bernd Zipper

Gleiches gilt für B2B-Portale für Bestandskunden, von den einen todgesagt, von den anderen bejubelt, die letztlich nur eine gescheite Manifestierung der Kundenbeziehung online abbildet. So gibt es genügend Chancen im Markt und es gilt ein gigantisches Umsatzpotential zu heben. Denn letztlich geht es darum jeden, wirklich jeden, Druckprozess über Online-Schnittstellen direkt oder indirekt, für den Kunden verfügbar zu machen.

Eines wird aber alle „Onliner“, ob kleines oder großes Unternehmen, einen: Die Herausforderungen online Print zu verkaufen wird, ob des äußerst attraktiven Wettbewerbs härter, und die Anforderungen an eine saubere, durchautomatisierte Produktion höher werden. Interessant wird hierbei jedoch, dass bei wieder ansteigender Beliebtheit des Medienkanals Print, die Chancen mit Druck Geld zu verdienen wieder steigen. Wenn dann Qualität und Lieferleistung stimmen, steht einer „Renaissance des Druckens“ nichts mehr im Wege.

In diesem Sinne – Keep cool and print on!

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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