Neues TÜV-Siegel „Safer-Shopping Online Print“ – Wie konnte es nur dazu kommen?

1. Februar 2016, 10:41 Uhr | Hintergrund, Neues

Cewe-Print qualifiziert sich als erstes Unternehmen, weltweit und kann fortan mit dem neuen TÜV-Siegel glänzen. Doch wie kam es zu diesem Siegel? Was sind die Hintergründe? Zeit mal aus dem „Nähkästchen“ zu plaudern…

Zertifikatsübergabe am 25. Januar (v.l.): Arndt Bessing, Geschäftsführer „cewe-print.de“, Ulrich Wolzenburg, Analyst/Auditor „praeambel.com“, Jörg Hammermeister, Marketing Manager „cewe-print.de“, und Marko Hoffmann, TÜV Süd Sec-IT GmbH, Leitung Team Neue Medien.

Zertifikatsübergabe am 25. Januar (v.l.): Marko Hoffmann, TÜV Süd Sec-IT GmbH, Leitung Team Neue Medien, Ulrich Wolzenburg, Analyst/Auditor „praeambel.com“, Jörg Hammermeister, Marketing Manager und Arndt Bessing, Geschäftsführer „cewe-print.de“.

Es gibt eine Menge „Qualtitätssiegel“ im E-Commerce. Die einen fragen nach dem Kauf ab, ob der Kunde auch zufrieden war und andere verteilen irgendwelche Sternchen. Mir bleibt oft unklar warum welche Sterne verliehen wurden und was das alles zu bedeuten hat – und so nahm das Schicksal vor zwei Jahren seinen Lauf. Ja, ich gestehe, ich bin nicht ganz unschuldig an diesem TÜV-Siegel. Denn mir ging es schlicht auf den Keks, dass man sich kaum auf ein Siegel verlassen kann. Gerade im Online Print ist es wichtig, dass der Kunde nicht nur sicher kaufen kann – also er sicher sein kann, dass er keinem Online-Halodri aufsitzt – sondern dass auch die Qualität stimmt.

Nun machen wir vom zipcon-Team seit Jahren „Mystery Shopping“. Das hat nichts mit einem Laienspiel rund um die bekannte Serie „Akte X“ zu tun, sondern schlicht damit, dass wir von Zeit zu Zeit Onlineprinter und deren Qualität testen. Natürlich verdeckt, mit neutralen Absendern und sehr diskret. Dies tun wir zum einen (Achtung: Werbeblock) im Kundenauftrag – zum anderen um ein Marktgefüge über Print-Qualitäten in D/A/CH abzubilden. Ursprung ist hier, dass ich glaube, dass ein günstiger Preis nicht allein die „Qualität“ eines Druckproduktes ausmachen kann. Ich glaube fest daran, dass Kunden auch gerne für einen gescheiten Druck gescheites Geld bezahlen. Und die derzeitige Letterpress-Euphorie, meist recht kostspielige Drucksachen in einer Hammer-Qualität und Haptik, gibt mir Recht.

Was mich aber seit Jahren ärgert, ist das niemand mal auf die Idee gekommen ist die angebotenen Leistungen der Online-Drucker zu prüfen. Nun, das dürfte der Leser dieses Blogs wissen, bin ich echt ein Freund des Online Prints und ich freue mich darüber, dass „Print“ so einen neuen Stellenwert im Mediengefüge erreicht. Aber, das darf nicht allein nur auf „billig“ oder „sau-billig“ basieren. Es geht um viel mehr. Es geht darum, dass ein Produkt das zum Beispiel unter einer bestimmten ISO-Norm oder dem PSO-Standard vom bvdm das Licht der Welt erblickt, diese Eigenschaften auch wirklich hat.

Schon früh haben wir mit eigenen „geheimen“ Testformen Online-Printer getestet. Mit oft miserablen Ergebnissen. Was da gemurkst wurde, füllt lange Bierabende… Daher bin ich vor ein paar Jahren auf den TÜV Süd zugegangen. Der TÜV Süd hat seinerzeit das Prüfsiegel „Safer-Shopping“ initiiert und hat mir mit der Art und Weise, wie die Jungs Onlineshops checken, echt imponiert. Da wird geprüft, die Customer-Experience bewertet und sogar aktiv gehackt, denn im Mittelpunkt steht der sichere Einkaufsprozess. Was mir aber fehlte, war eine Produktbewertung. Gut, wenn ich Turnschuhe kaufe, kann meist der Shop-Betreiber nichts dafür, aber wenn das Produkt ein Werkprodukt ist, sprich für den Anwender individuell produziert wird, muss eine Überprüfung her.

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„Wenn ein Onlineshop das Siegel „Safer-Shopping Online Print“ erhält, kann er schon ein wenig stolz sein, denn er hat die härteste Prüfung im E-Commerce erfolgreich bestanden.“ – Bernd Zipper

So kamen wir mit dem TÜV Süd ins Gespräch und wurden uns schnell einig: Ein neues Siegel muss her. Nach langen Definitionsphasen und der Entwicklung einiger „geheimer“ Testformen wurde die Zusammenarbeit zwischen zipcon und dem TÜV Süd konkret. Nur, dass ich jetzt in einem Dilemma steckte: Ich kann ja schlecht selbst meine Kunden, also Online-Shop-Betreiber, auditieren. So war schnell klar, dass der Bereich „Qualitätscheck und TÜV“ in eine eigene, selbstständige Firma überführt werden musste: praeambel.com.

Gut. Die Firma gehört mir. Aber, man mag es glauben oder nicht, in die Prüfergebnisse habe ich – freiwillig und via Vertrag – keine Einsicht. Es schickt sich einfach nicht und lässt sich mit meiner „Berater-Ethik“ nicht verbinden. Daher sind Rudolf Tippner, Kopf der praeambel, und Ulrich Wolzenburg die beiden Hauptakteure. Der klaren Trennung wegen. Die beiden Profis testen, unterstützt von zipcon consulting Berlin – Prof. Florian Süßl – die Druckqualität „Undercover“ und geben, sofern Probleme auftauchen sollten, wertvolle Tipps wie diese Probleme zu beheben sind. Erst anschließend legt das TÜV-Team los – eine prima Ergänzung für beide Unternehmen.

Rudolf Tippner, Senior Consultant und Ulrich Wolzenburg, Analyst/Auditor bei praeamble.com

Rudolf Tippner, Senior Consultant und Ulrich Wolzenburg, Analyst/Auditor bei praeambel.com

Und so bin ich jetzt ein wenig Stolz, dass Cewe-Print – nach langen Prüfprozessen als erstes Unternehmen weltweit dieses Siegel erhalten hat. Doch es war keine einfache Geburt. Denn die Prüfverfahren sind echt hart und wer diese Prüfung übersteht, kann schon ein wenig stolz sein. Hintergründe online hier.

Ok, man mag sich fragen: Wenn der Zipper so ein Siegel angeschoben hat – warum freut der sich dann so? Geht’s jetzt ans Geldscheffeln? Na, eher nicht. Wir haben seit zwei Jahren in praeambel und die Entwicklung von Testformen und Testprozeduren investiert, da wir fest daran glauben, dass die Industrie eine neutrale Prüfstelle für Qualität im Druck bzw. Online-Druck benötigt. Allein um die Verbraucherrechte zu stärken und den oft druck-unkundigen Verbraucher eine Hilfestellung zu geben, hat sich die Arbeit gelohnt. Nein, ich bin nicht Robin Hood, aber mein Business ist die Beratung nicht das Auditieren von Onlineshops – daher wird zipcon consulting auch zukünftig streng getrennt von praeambel.com operieren. Wollte ich nur mal loswerden …

Im Rahmen der TÜV-Prüfung – die Jungs nennen das Audit – werden viele Fehler und Sicherheitslücken im Shop aufgedeckt. Mehr als eine Woche sitzt ein ganzes TÜV-Team an den Tests, mehr als zwei Tage dauert der Audit vor Ort und mehr als zwei Wochen die Überprüfung der Druckqualitäten und das Mystery-Shopping. Das Ergebnis ist dann meist eher erstmal ernüchternd: Aber anhand der TÜV-/praeambel-Prüfberichte kann der Shopbetreiber seine Problemstellen erkennen und beheben. So wird nach Abschluss der Prozedur nicht nur der Shop sicherer, sondern auch der gesamte Kaufprozess und, das ist für Online-Print besonders wichtig, auch die Produkte sind gecheckt und in einer geprüften Top-Qualität. Mission accomplished.

Und so gratuliere ich dem praeambel-Team an dieser Stelle zu der guten Arbeit und möchte der TÜV-Truppe meinen Respekt ausdrücken. Aber auch Cewe-Print möchte ich danken, denn sich als großes Unternehmen einem solchen Testverfahren auszusetzen, das bedarf nicht nur Mut, sondern auch einem gewissen Standing.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

4 Kommentare

  1. Antworten

    Thomas

    2. Februar 2016

    "Es gibt eine Menge „Qualtitätssiegel“ im E-Commerce."

    Genau das ist der Punkt. Es sind zu viele.
    Die großen Onlineprinter wissen vor lauter Geld nicht mehr wohin damit, da kann doch das 17. Gütesiegel auf der Website nicht schaden. Den Zertifikat-Ausstellern oder "Siegelverkäufern" geht es ums Geld verdienen.
    Was ein Siegel ausmacht, weiß der Endverbraucher eh nicht mehr.
    Im Zweifelsfall erfindet der Betreiber selber eines ("Cewe-Qualitätsversprechen", direkt neben dem TÜV-Siegel). Der TÜV ist auch schon weit weg von einem vertrauensvollen Verein.
    Und so ist dieses Siegel auch nur wieder ein überflüssiges Siegel mehr auf den Markt.

    Nur meine Meinung

  2. Antworten

    Bernd Zipper

    2. Februar 2016

    Hallo Thomas,
    hm... dann haste aber meinen Artikel nicht so richtig gelesen - oder? Wir haben uns mit Absicht für den TÜV entschieden, auch wenn vielleicht andere Organisationen hipper oder marketing-stärker in der Online-Community sind, da der TÜV mit uns gemeinsam ein echt heftiges Testprogramm aufgestellt hat. Und wer das übersteht, der hat wirklich was auf dem Kasten. Sorry, also - wenn ich Dir da wiedersprechen muss.

    Gruß

    Bernd

  3. Antworten

    Thomas

    2. Februar 2016

    Hallo Bernd,

    doch habe ich - und hab mir eben so meine Gedanken gemacht.

    Bei cewe-print sehe ich unten aktuell 13 Logos, welche sowas wie eine Zertifizierung zeigen (Blauer Engel, Trusted Shop, ClimatePartner, etc.).
    Welchen Aufwand hat es wohl benötigt, für "100% Qualitätsversprechen" oder "Datensicherheit SSL"? Da wird künstlich etwas aufgebauscht, was selbstverständlich oder nicht nachweisbar ist.

    Außerdem kommt bestimmt noch hinzu PSO, PSD, ISO9001, ISO14001 oder EMAS, OHSAS 18001 und was weiß ich noch...

    Ist es da wirklich sinnvoll, ein weiteres Zertifikat einzuführen? Für einen wie ich glaube relativ kleinen Markt der großen Onlinedruckereien? Ich glaube viele Druckereien kämpfen ums Überleben und haben oftmals keine Zeit und kein Geld für die 68. Zertifizierung.

    Für wen sind diese Logos denn? Für den Drucksacheneinkäufer. Und der soll mit dem allen etwas anfangen können?

    ...und ja ich weiß, bei einer Zertifizierung werden natürlich alle Prozesse durchleuchtet, hinterfragt und optimiert - was wiederum eine Schritt nach vorne bringt.

    Viele Grüße

  4. Antworten

    Bernd Zipper

    2. Februar 2016

    Moin Thomas,

    sicher - es ist ne Menge. Aber wenn Du mal schaust was B2B-Kunden so alles fordern - da bleibt großen Unternehmen nur eines: Mitmachen. Und: Im E-Commerce, und das ist Fact, ist jede in Richtung Verbraucher gerichtete Maßnahme der Vertrauensarbeit Gold wert. Ich kann aber verstehen, dass Du das als etwas inflationär betrachtest - mach ich ja auch. Daher aber auch die Initiative im Online Print Sektor für Klarheit zu sorgen. Ist halt ne andere, weitere Baustelle. Rock on!


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