„Machen wir´s so wie Flyeralarm“ – Copy ´n Paste Kultur in der Online Shop-Entwicklung

22. Februar 2016, 9:09 Uhr | Meinung, Neues

Von den Erfolgreichen lernen – wer will das nicht. Nun beobachten wir viele Onlineshops und sind teilweise wenig begeistert über aktuelle Re-Designs. Viele Shop-Macher kopieren lieber die Strategien und GUI-Ideen anderer. Schade. Dabei gibt es Rezepte die durchaus funktionieren…

So ungefähr alle 18 Monate steht für die großen Online-Print Shops ein Re-Design an. Während die großen Anbieter wie Flyeralarm, Cewe oder auch Onlineprinters über ganze Heerscharen von Screendesignern und Programmierern verfügen, müssen kleinere Anbieter mit größerer Vorsicht walten. Zu schnell wird sonst ein Re-Design zu einem kostspieligen Unterfangen. Gut, die Unerfahrenheit einiger Online-Printer spielt hier auch eine große Rolle, denn oft wird bei der Erstentwicklung eines Online-Shops vergessen, dass dieser ja irgendwann mal auf den aktuellen Stand der Technik gebracht werden muss. Und dann ist das Dilemma groß… denn auf einmal stellt man fest, dass das moderne Design oder gar ein Responsive Design mit dem „damals“ entwickelten „eigenen“ Shop-System nicht umsetzbar ist.

Von den Erfolgreichen lernen – wer will das nicht. Aber Copy ´n Paste ist dabei nicht der richtige Weg.

Von den Erfolgreichen lernen – wer will das nicht. Aber Copy ´n Paste ist dabei nicht der richtige Weg.

Was macht also der findige Unternehmer aus deutschen Landen um Geld zu sparen? Genau. Er kopiert einfach die Logik und den Aufbau großer Onlineshops in der Hoffnung ein wenig von dem Glanz und Gloria (=Umsatz) der Marktführer erheischen zu können. Na ja, genau genommen kopiert er immer nur die Teile die ihm gefallen und generiert so zu guter Letzt meist immer nur eine schlechte Kopie vom Original. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass viele Onlineshops einfach grauenhaft aussehen. Mag es bei Wir-machen-Druck noch Masche sein, bewusst auf ein „günstiges Design“ zu setzen, um dem Abnehmer mit dem „Hier-ist-es-billig“-Mindset zu versehen, ist es bei anderen schlicht optisch wie logisch kaum ertragbar.

Woher kommt diese Einstellung? Warum wird für eine Druckmaschine ratz-fatz ein siebenstelliger Betrag ausgegeben – für die Entwicklung einer gescheiten Benutzeroberfläche aber noch nicht einmal 10% davon? (Nur um es auf den Punkt zu bringen, ich rede nicht von der gesamten Shop-Entwicklung, sondern nur von der Entwicklung einer gescheiten Customer-Journey und einem halbwegs erträglichem Design.) Die Antwort liegt auf der Hand: Während die wirklich einigermaßen guten Shopdesigns von „echten“ Onlinern gemacht werden – basteln „konvertierte“ Onliner gerne rum. Quasi per Bauchgefühl und nur bedingt auf die Bedürfnisse von Onlinenutzern ausgerichtet.

„Konvertierte Onliner“ – spricht Zipper wirr? Eher nicht. Denn wenn man mal genau hinschaut, die Onlinedrucker, die ein eigenständiges Konzept verfolgen, sind meist entweder Seiteneinsteiger in die Druckindustrie – oder verfügen über langjährige Erfahrung im E-Commerce. Man denke nur an Flyeralarm, Cimpress, Spreadshirt oder auch Wir-machen-Druck – alles Unternehmen mit einem eigenen Konzept und einer eigenen Idee und einer klaren E-Business-orientierten Ausgangsbasis. „Konvertierte Onliner“ hingegen sind in erster Linie Drucker, die das Internet als Vertriebskanal nutzen und gerne den Aufwand, einen gescheiten Shop zu realisieren, unterschätzen.

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„In Sachen CX, UX und Usability müssen auch Flyeralarm und Co. noch ihre Hausaufgaben machen – da hilft abkupfern gar nix!“ – Bernd Zipper

Und so kommt es dann, dass auf einmal ein Re-Design von einem großen Onlineshop live gestellt wird und in den Monaten danach lauter kleine, leider meist schlechte, Klone im Web zu finden sind. Mein Rat: Ja, man kann von den großen Anbietern lernen – aber bitte nehmt Euch die Zeit ein eigenes Konzept zu entwickeln und – auch als Chef – vielleicht vorher (!) mal zu lernen worauf es im Internet ankommt. Das ist übrigens auch Hintergrund für die Chef- und Mitarbeiterqualifizierung, die ich gemeinsam mit dem VDMB und manymize in Kürze anbiete (Details sind unter www.vdmb.de/e-business-manager zu finden).

Daher gilt in meinen Augen: Ja, als Online-Printer muss man den Wettbewerb im Auge behalten. Ja, man darf auch mal eine Idee „ausleihen“, aber: Nein, ohne eigenes Konzept, eigenes Design und eigene Bildsprache geht es einfach nicht. Wie sollen Kunden denn unterscheiden können, dass sie grad bei „Onlinedruck Meier“ sind, wenn der Shop eine schlechte Kopie eines anderen Shops ist? Wie soll der Shop als „Kundenbindungsinstrument“ dienen, wenn sich der Kunde noch nicht einmal an das Design des Shops erinnern kann? Hierüber sollte man sich vor dem Re-Design Gedanken machen und auch überlegen, wie man einen eigenständigen Shop im Netz präsentieren möchte. Daher ist es unabdingbar, dass sich der Onlineshop-Betreiber eigene Gedanken über die Usability, die Customer Journey, die User Experience und die spätere Customer Experience konzeptionelle Gedanken macht.

Grund hierfür sind vor allem die Erwartungen des digitalen Nutzers der, verwöhnt von den großen Playern im Netz wie Google, Facebook und Co, auf „digitale Convenience“ normiert wird. Und das bedeutet nichts anderes, als das auch ein Print-Onlineshop modernen Anforderungen gerecht werden muss. So hilft dann das Abkupfern bei Flyeralarm und Co. nur wenig – denn auch die Giganten des Onlineprints müssen diesbezüglich echt noch Hausaufgaben machen – eigene kreative und auf die Zielgruppe optimierte Konzepte sind gefragt. Dann, nur dann klappt‘s auch mit der Umsatzsteigerung.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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