1, 2, 3 versendet – Versandlogistiker aus der Cloud? Geht das?

10. März 2016, 9:27 Uhr | Meinung, Neues

Was habe ich nicht schon alles in der Cloud gesehen – Musik, Services, Payment, (schlimme Fotos) und jetzt noch Logistik. Ein – mittlerweile auch im Onlineprint angekommener – Anbieter ist shipcloud als Shipment Service Provider. Ich habe mir das ganze einmal genauer angesehen.

Vor fast genau einem Jahr habe ich bereits über das Onlineprint-Geschäftsmodell „Physical API“ gesprochen und in diesem Zusammenhang auch das Start-Up Unternehmen shipcloud als Multi-Carrier-Lösung für den Logistikbereich in den Ring geworfen. Ende letzten Jahres wurde auf der Plattform des Hamburger Unternehmens die millionste Paketmarke erstellt und mittlerweile werden über 2.600 Nutzer von dem 2013 gegründeten Unternehmen bedient.

Quelle: shipcloud

Quelle: shipcloud

Das Prinzip ist im Grunde schnell erklärt und Onlinern schon seit vielen Jahren in den Paymentprozessen durch Payment Service Provider bekannt: shipcloud kümmert sich um das Shipment als Shipment Service Provider. Dabei schließt shipcloud Partnerschaften mit den größten Logistik- und Versanddienstleistern und bindet diese über eine Schnittstelle (Rest API) an. Die API ist so flexibel, dass sie (mittlerweile) in so gut wie alle gängige Shopsysteme integriert werden kann. Neben Shopsystemen können auch Warenwirtschaftssysteme angebunden werden. Der Shopbetreiber bindet die API in seinen Shop ein und kann somit auf die, von shipcloud mit dem Versanddienstleister ausgehandelten, Preise zurückgreifen oder seine eigenen Verträge hinterlegen. Sind nun Bestellungen im Shop eingelaufen, ruft der Onlineprinter diese über die API ab und schaut bei welchem Versanddienstleister er diese beauftragen möchte. Er bekommt dabei zum einen eine Übersicht über die Preise, zum anderen über die möglichen Services der Anbieter, z.B. Express, Abholung oder auch Retoure.

Nach der Beauftragung durch Zuweisung des Versenders zu einem Auftrag können die Versandmarken automatisch ausgedruckt und die Sendungsverfolgung genutzt werden. Soweit zu den Vorteilen für den Onlineshopanbieter. Für den Endkunden ideal ist es aus einem Pool an Logistikern wählen zu können – denn meistens weiß er doch am besten welcher Versender genau in seiner Region ist, denn nicht alle Versender sind in jedem Land oder jeder Region die zuverlässigsten.

Quelle: shipcloud

Quelle: shipcloud

Entstanden ist die Idee von shipcloud aus der eigenen „Not“ heraus berichtet Claus Fahbusch, Co-Founder und Geschäftsführer, shipcloud GmbH: „Wie viele wirklich gute Ideen kam auch die von shipcloud in ganz entspannter Atmosphäre zustande. Bei uns ist das bis heute die gemeinsame Frühstücksrunde mit dem ganzen Team. Mit dessen Ursprungsmitgliedern wir damals schon einen Onlineshop für exklusive Uhren betrieben haben und dabei ganz praktisch erfahren durften, welche Schwierigkeiten man als kleiner Händler im Umgang mit den großen Logistikern so hat. Aus dem Problem wurde die Lösung geboren.“ Die beiden Geschäftsführer Stefan Hollmann und Claus Fahlbusch sind aktuell mit 10 Mitarbeitern unterwegs und dank der fast monatlich erscheinenden Meldungen über neue Partnerschaften zu Dienstleistern oder ERP-/Shopsystemen wird auch das Team weiter wachsen. Gut bekannte Onlineprint-Kunden von shipcloud sind z.B. printmate und mimeo.

Der Cloudservice wird in 3 Paketen angeboten und die Abrechnung erfolgt monatlich direkt mit Shipcloud. Das Basispaket bietet bis zu 100 Sendungen und max. 1.000 API Anfragen und kann im ersten Monat kostenlos getestet werden, danach kostet es 9,99 Euro/Monat. Das Pluspaket ist für 24,90 Euro/Monat (500 Sendungen, 3.000 API-Anfragen), das Premiumpaket für 49,90 Euro/Monat (1.000 Sendungen, unbegrenzte API-Anfragen) zu haben. Die Gesamtkosten ergeben sich also durch das gewählte Cloudservicepaket und die Kosten für die Versandmarken bzw. -dienstleistung je nach Versender.

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„Shipcloud ist eine einfache, flexible und vielfältige Anbindung und für alle die mehr Vielfalt wollen und eine Einzelanbindung scheuen, wäre diese Cloudlösung ein Blick Wert.“ – Bernd Zipper

Natürlich ist shipcloud nicht der einzige Anbieter der in diese Richtung denkt. Ähnliche Ansätze bieten LetMeShip, Metapack oder Packlink PRO. Aber shipcloud gefällt mir gut, weil die Idee einfach so ist wie ich mir Software oder Cloudlösungen wünsche: Smart & Simple – eine einfache, flexible und vielfältige Anbindung. Keine komplizierten Module bei denen man nicht weiß, wo das eine aufhört und das andere anfängt und ein Dashboard mit dem man alles im Blick hat und dem Kunden in der Hotline direkt Rede und Antwort stehen kann. Sicherlich haben einige Onlineprinter bereits bessere Konditionen mit ihren Versendern ausgehandelt, aber für alle die mehr Vielfalt wollen und eine Einzelanbindung scheuen, wäre dies ein Blick Wert. Zudem wird shipcloud gerade für größere Onlineshops immer interessanter – obwohl diese ursprünglich gar nicht zur Zielgruppe gehörten (das waren nämlich kleine und mittlere Shops), aber diese Entwicklung kann für das Netzwerk und die Konditionen positiv sein.

Und was plant shipcloud für die nächste Zeit? „Wir arbeiten an spannenden Innovationen, um den Multicarrier-Versand für unsere Kunden noch komfortabler zu machen und Ihnen die technischen Möglichkeiten zu geben, mit den Großen im eCommerce zu konkurrieren. Ein wichtiges Thema ist für uns weiterhin die Internationalisierung. Das ist aber weniger ein technologisches Problem als ein verhandlungstechnisches mit den Logistikern. Da fühlt man sich manchmal selbst im europäischen Raum wie ein E-Commerce Diplomat“, berichtet Claus Fahlbusch mit norddeutscher Gelassenheit.

Die Gründer: Stefan Hollmann (links) und Claus Fahlbusch (rechts) von shipcloud. (Quelle: shipcloud)

Die Gründer: Stefan Hollmann (links) und Claus Fahlbusch (rechts) von shipcloud. (Quelle: shipcloud)

Shipcloud ist damit nur der Auftakt für die kommende digitale Vernetzung im Logistikbereich. In den nächsten zwei Jahren wird sich hier einiges tun damit dieser Markt noch schneller und transparenter ist – nicht nur in der Anbindung zwischen Shops und Logistikern sondern auch mit ERP- und Warenwirtschaftssystemen. Diese Logistikdienstleister der neuen Art sollten auf alle Fälle mit in die Versandplanungen von modernen Onlineprintern einbezogen werden. Von den günstigen Konditionen kann man allemal profitieren …

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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