Geld verdienen mit Self Publishing im Onlinedruck – lohnt sich das?

15. März 2016, 10:02 Uhr | Meinung, Neues

Ein eigenes Buch herausbringen, das Ganze verlagsunabhängig und gleichzeitig für den stationären Buchmarkt sowie den eBook-Markt verfügbar machen – gelungenes Self Publishing macht das möglich, oder nicht? Online-Kalkulationen von Book-on-Demand Selbstverlag-Anbietern wie BoD oder epubli machen den Schritt zum Self Publishing auf den ersten Blick mit geringen Preisen schmackhaft. Sie werben mit hohen Honoraren und einfacher Veröffentlichung. Self Publisher, Selbstverleger, finanzieren den Verlag ihrer Werke persönlich und damit auf eigenes Risiko – ein Zug, der wohlüberlegt sein soll. Ich finde, dass das erstmal nach einem überschaubaren Risiko klingt. Aber wie ist die Reichweite eines Werkes aus dem Selbstverlag und welche Vertriebswege sind möglich?

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Im Folgenden schaue ich mir an, wie attraktiv das Onlineangebot für den potentiellen Self Publisher aussieht und welche Konsequenzen sich aus der Wahl eines Dienstleisters zum Vertrieb der eigenen Bücher ergeben. Bekannte und häufig genutzte Anbieter von Print-on-Demand-Büchern sind z. B. BoD, epubli, CreateSpace oder Tredition.

Über die Webseite von BoD haben Endkunden und ambitionierte Selbstverleger per Onlinekonfigurationen die Möglichkeit, ihr eigenes Buch zu gestalten, zu veröffentlichen und zu bestellen. Kostenberechnungen werden auch ohne Anmeldung bereitgestellt. Gedruckt wird im Digitaldruck, im Print-on-Demand-Verfahren. Die in Norderstedt, nördlich von Hamburg ansässige Books on Demand GmbH, ist seit über 15 Jahren im Geschäft. Sie bietet verschiedene Lösungen an, die von der individuellen und flexibel anpassbaren Buchgestaltung (Format – millimeterweise anpassbar, Papierart, Bindungsart und Einband) bis hin zur vollumfänglichen Dienstleistung als Vertreiber der Print- oder eBook-Versionen reichen. Ein Blick auf die entstehenden Kosten lohnt aber. Soll es ein Taschenbuch in S/W mit 380 Seiten sein, belaufen sich die Kosten auf 11,94 bis 7,55 € pro Exemplar bei einer Abnahmemenge von 24 bzw. ab 200 Exemplaren. Wohlgemerkt handelt es sich dann nur um die reinen Druckkosten bei selbst zu verantwortendem Absatz – möchte ich den Vertriebsweg von BoD nutzen und mich nicht selber um den Vertrieb kümmern müssen, wird eine Marge angegeben, die vom Empfehlungspreis und dem möglicherweise selbst gewählten Verkaufspreis abhängt. Also: Verkaufspreis minus Mehrwertsteuer, abzüglich Händleranteil, abzüglich Produktionskosten. Was bleibt sind etwa 10 % vom durch BoD empfohlenen Preis, eine Marge von etwa einem Euro je Taschenbuch. BoD bietet auf seiner Webseite, die insgesamt einen aufgeräumten Eindruck macht, vorrangig seine Dienste als Komplettlöser und damit als Aufbereiter, Drucker und Distributor des Buches und/oder eBooks an, was für den möglicherweise vertriebsmäßig unerfahrenen Autor lukrativ sein kann. Geworben wird mit einem Modell, das augenscheinlich ein umfangreiches Gesamtpaket für den angehenden Self Publisher bietet, Kostenpunkt einmalig: 209 €. Übermittelt werden die druckfertigen Dateien als PDF entweder als Upload oder per Email, bei Bedarf können Bilddateien separat eingereicht werden. Ausreichende bebilderte Hilfen und Erklärungen bietet die Seite über Informationsabschnitte und die Suchfunktion. Diese gibt auch Auskunft über die Dauer der Auslieferung der Print- und die Online-Bereitstellung der eBook-Exemplare: Online-Verfügbarkeit der eBooks und Bücher nach ein bis zwei Wochen und im stationären Buchhandel etwa sechs Wochen nach Freigabe.

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„Wer Self-Publisher sein will, der muss sich über die Kosten von Gestaltung und Vermarktung im Klaren sein. Das ist nichts für unausgereifte Versuche, sonst wird´s teuer!“ – Bernd Zipper

Bei Betrachtung der kostenpflichtigen Zusatzoptionen, die nicht jeder Autor selbst leisten kann, die für eine ordentliche Präsenz auf dem Buchmarkt jedoch vonnöten sein können, werden höhere Einstandskosten offensichtlich. Die meisten Selbstverleger schätzen nämlich Marketingmaßnahmen, Covergestaltung und Lektorat neben dem eigentlichen Buchinhalt als unbedingte Erfolgsfaktoren für die Vermarktung ihrer Werke an.  Happig wird´s, wenn die BoD-eigenen Serviceleitungen in Anspruch genommen werden, um die Reichweite der Veröffentlichung zu erhöhen. Damit will ich nicht sagen, dass diese Leistungen nur bei BoD ihren entsprechenden Preis haben – auch bei anderen Anbietern derartiger Serviceangebote findet man ähnliche Preise. Immerhin kostet die Inanspruchnahme zusätzlicher Leistungen wie Gestaltung, Korrektorat (von Lektorat mal abgesehen), eBook-Konvertierung und einer soliden Bekanntmachung nach der Veröffentlichung zusammen mit den Grundkosten etwa 1700 €. Professionalitätscheck (Konzeptionierung und Zielgruppenabstimmung), professionelle Cover-Gestaltung, Buchhandelspräsenz und eBook-Promotion sind dann inbegriffen! Ein Angebot mit vergleichbarem Umfang kostet beim Anbieter Ruckzuckbuch etwa 2000 €. Ein Unterschied von 300 € hört sich nicht viel an, mag man meinen. Aber: bedenkt man, dass ein Self Publisher in den Jahren 2014/2015 durchschnittlich etwa 500 € monatlich mit dem Buch- und eBook-Verkauf verdient hat, entspricht das mehr als der Hälfte eines Monatsverdiensts. Innerhalb von maximal vier Wochen werden die eBooks von BoD an die Shops übermittelt, womit sie online kaufbar werden.

Eine kleine Übersicht über Anbieter von Angeboten für Self Publisher und ihre Dienstleistungsofferten habe ich hier zusammengestellt.

Eine kleine Übersicht über Anbieter von Angeboten für Self Publisher und ihre Dienstleistungsofferten habe ich hier zusammengestellt.

In Anbetracht der Attraktivität von eBooks (trotz des geringen Umsatzanteils von aktuell etwa 5 % am Publikumsmarkt) müssen diese als Option für den Eigenverlag einbezogen werden. Vor allem, weil die Nettomarge bei den ePUB-basierten eBooks bis zu drei mal so hoch ist wie bei Printausgaben und die Vermarktung über Anbieter wie z. B. amazon eher erfolgsversprechend ist. Das ist auch ein Grund dafür, dass viele Self Publisher vermehrt oder sogar ausschließlich auf den eBook-Markt setzen.

Verlagsunabhängiges Publizieren kostet Geld, erfordert viel Eigeninitiative, muss also durchgeplant sein und eignet sich nicht für einen Schnellschuss. Die sozialen Medien und eine eigene Webseite können zumindest eine Basis für die Bekanntheitssteigerung schaffen. Wer mit Self Publishing Geld verdienen will, der muss nicht nur inhaltlich ein gutes Buch liefern, sondern auch Marketing, mögliche Zusatzaufwendungen sowie Vertriebsaufwand und Absatzmöglichkeiten beherzigen. Trotzdem haben gute Schreiber damit die Möglichkeit, unabhängig und vergleichsweise zügig auf den Markt zu kommen.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

3 Kommentare

  1. Antworten

    Anton Goldberg

    9. Oktober 2016

    Hallo,

    woher stammt denn die Zahl, dass ein Selfpublisher in den Jahren 2014/2015 durchschnittlich 500 Euro im Monat verdient hat? Das scheint mir doch arg hoch angesetzt und dürfte vermutlich nur auf diejenigen Selfpublisher zutreffen, die sich mindestens in etwa unter den Top500 der Bestseller-Rankings befanden. Da ist aber natürlich nicht genügend Platz für all die Zehntausenden von Selfpublishern, die es allein in Deutschland gibt... Die Angabe dieser Durchschnittszahl (selbst wenn sie zutreffend sein sollte) gibt ein etwas verzerrtes Bild der Realität wieder.

    Viele Grüße,
    Anton Goldberg
    www.indieautor.com

    • Antworten

      Bernd Zipper

      10. Oktober 2016

      Moin Anton - um ehrlich zu sein: Ich bin mir nicht sicher ob ich nicht die Zahl von BoD übernommen haben. Danke für die Relativierung! Gruss - Bernd

  2. Antworten

    Marc

    15. März 2016

    Neben den o.g. Punkte, die jeder Autor der als Unternehmer tätig werden will wissen sollte, sollte sich dieser evtl. auch mal über Anreize/Mehrwert/Innovationen Gedanken machen. Viele Bücher sind bspw. in der heutigen schnelllebigen Zeit nämlich schon kurz nach Publizierung veraltet. Konkurrenz gibt es zu dem von "Online-Autoren" in Blogs usw.

    Daher sollte der Autor globaler und moderner die Aufbereitung durchführen.
    So sollten Verlinkungen für Fußnoten, Videos usw. vorhanden sein oder aber auch die inhaltliche Aktualisierung über einen längeren Zeitraum gewährleistet - es muss "leben".
    Denn nur so wird sich das x-ten Windows10-Buch auf dem Markt durchsetzen.
    In einem ganz anderen Bereich, nämlich an der Fa. AVM sieht man, dass durch Kundenzufriedenheit (5 Jahre Garantie), ständige Aktualisierung der Firmware und Service, die Kundenbindung und Werbekraft so groß ist, dass das Unternehmen Marktführer wurde und die Mitbewerber zwischenzeitlich den Kurs kopieren, da ein (einmaliger) Produktverkauf und keinerlei Updates, keine Kundenbindung erzeugt.


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