Web-to-Packaging Lösungen – Neue Umsätze für Online-Print?

5. April 2016, 9:06 Uhr | Meinung, Neues

Das drucktechnische Veredeln und Individualisieren von Verpackungen erfüllt neben der Schutz- und Informationsfunktion auch eine Werbeträgerfunktion, die der Hersteller oder Versender gezielt nutzen kann. Im April 2015 habe ich bereits berichtet wie ein neues Unternehmen es schafft, Verpackungsdruck, Individualisierung und E-Business Print interessant zu verknüpfen. Wie aber ist der Stand heute, ein Jahr später?

Screenshot: Faltschachteln bei print24.de

Quelle: Screenshot Faltschachteln bei print24.de

Der Verpackungsdruck gilt als Segment des Druckmarktes, das in Zukunft mit weiter steigenden Absatzzahlen in den Bereichen flexible Verpackungen, Etiketten und Faltschachteln rechnen kann. Von der „einfachen“ Folienverpackung bis zur hochveredelten Faltschachtel mit vielerlei Sonderfarben tummeln sich auf diesem Marktsegment Anbieter, die unterschiedliche Technologien nutzen.

Eine grobe Übersicht über verschiedene Anbieter von Web-to-Packaging Lösungen im deutschsprachigen Raum habe ich zur Eigenrecherche mal zusammengestellt. Nicht alle der Shops bieten auch eine Direkt-Visualisierung des Produkts; so kann bei einigen erst nach der Konfiguration und Kalkulation und im Anschluss an den eigentlichen Bestellvorgang per Upload die Druckdatenübermittlung stattfinden. Eine Voransicht ohne Registrierung oder Anmeldung im Shop ist dementsprechend nicht möglich.

Liste_Verpackungsdrucker

So richtig interessant finde ich aber nur die Web-to-Packaging Anbieter, die eine Editorfunktion im Open Shop anbieten und schon ab einer Menge von 100 Exemplaren liefern.

Zur unitedprint-Gruppe gehören easyprint, richtet sich an kleine Unternehmen und Endanwender sowie print24, das eher größere Unternehmen adressiert. Beide nutzen den FreeDesign Online-Editor zur Gestaltung und Voransicht des späteren Druckprodukts, das inhouse im Offsetdruck gefertigt wird. Unter print24 gibt es z. B. für Faltschachteln eine größere Auswahl an Formaten, möglicherweise um den differenzierten oder spezielleren Wünschen größerer Kunden nachzukommen. Preislich liegen die beiden Shops bei identischer Produktkonfiguration und Lieferzeit gleichauf. Schnelllieferung (etwa zwei Wochen) bieten beide gegen Aufpreis an – für eine Lieferzeitverkürzung von drei Tagen muss man deutlich tiefer in die Tasche greifen und mit einer Erhöhung von einem Drittel bis zur Hälfte des ursprünglichen Preises rechnen. Die Navigation durch die Seite funktioniert bei beiden Shops intuitiv, mehr Konfigurationsmöglichkeiten bietet aber print24. Aufwarten kann der Shop mit einem riesigen Produktportfolio und diversen Veredelungsmöglichkeiten, z. B. Sonderfarbendruck oder UV-Lackierungen wie sie für Kartonagen üblich sind; Prägungen werden nicht angeboten.

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„Web-to-Packaging Lösungen gibt es im deutschsprachigen mittlerweile einige, doch nur wenige Shops bieten eine direkte Online-Gestaltungsmöglichkeit für die individuelle Verpackung an.“ – Bernd Zipper

Der Editor ist übersichtlich gestaltet und mit einer Hilfefunktion lassen sich die Icons schnell ihren Zwecken zuordnen. In der Draufsicht auf den Schachtelrohling lassen sich dann verschiedene Formen, Textfelder, RGB-Mischfarben (kanalweise mischbar) wählen und einfügen. Der Upload eigener Daten und die Nutzung vorgefertigter Designs ist ebenso möglich. Sehr gut gefällt mir, dass neben der eigentlichen Produktansicht auch die anderen Parameter wie Lieferzeit, Grammatur, Veredelung, Auflagenhöhe angezeigt und ggf. verändert werden können. Preislich wird das Ganze im selben Fenster zeitgleich angepasst.

Quelle: print24.de Editor

Quelle: print24.de Editor

Einen Editor mit den gleichen Funktionen, hier genannt Customizing-Box, aber anderem Layout bietet boxshop24. Clevererweise wird bei diesem Tool noch der Beschnitt am Rohling angezeigt, um – bei Bedarf – auch einen direkten Eindruck von der notwendigen Überfüllung an den Rändern der Schachtel zu bekommen. Eine weitere Option zur eigenen Gestaltung bietet der Shop hier auch noch: den Stanzkontur-Download, mit dessen Hilfe das Druckdesign eigens (oder mit Hilfe einer Agentur) angelegt und später als fertige Druckdatei hochgeladen werden kann. Insgesamt findet man hier eine ordentliche Sortimentstiefe, wenn individualisierte Faltschachteln das Ziel sind.

Den spannendsten Editor bietet printmate.de an. In Bezug auf die Sortimentsbreite bietet der Open Shop zwar weniger Auswahlmöglichkeiten, aber eine Direkt-3D-Visualisierung des selbst gestalteten Versandkartons entschädigt dafür, insofern man nach einem individualisierbaren Versandkarton sucht. Und ich bin mir sicher, dass Hersteller und Versender mit einer CI-konformen Kartonage das Empfangs- und Auspackerlebnis für den Kunden deutlich verstärken können.

Bild_Karton_Beyondprint

Eine individualisierte Verpackung, egal welche Form, dient als wichtiges Kommunikationsmittel und identifiziert das Gekaufte oder Bestellte. Der deutschsprachige Markt bietet dafür einige Lösungen an, wobei das Anspruchsniveau und die Möglichkeiten nach Produktveredelungen je nach Shop variieren. In jedem Fall wird man aber bei den aufgeführten Web-to-Packaging Lösungen mit kreativem Vorhaben fündig, wenn man nicht unbedingt nach Iriodin- oder Dripoff-lackierten und verschieden geprägten Faltschachteln sucht, die neunfarbig bedruckt sind.

Ich bin gespannt, welche Verpackungslösungen in naher Zukunft im Online-Print dazu kommen. Und da darf einiges erwartet werden, denn Lieferzeiten von 14 Tagen und mehr – Jobkonfigurationen ohne Voransicht oder gar freie Formatwahl – sind die Grundlage für ein umfassenderes Business. In der Branche munkelt man über so manches Vorhaben in diesem Bereich und ich konnte auch schon, ganz im Vertrauen, den Blick auf die eine oder andere Lösung werfen. Man darf also gespannt sein, denn ich glaube das Jahr 2016 wird das Jahr in dem die Verpackungsindustrie erstmals mit einem neuen, ernsthaften Wettbewerber konfrontiert wird: Dem Online-Verpackungsdruck – ganz im Zeichen des Mass Customization.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

1 Kommentar

  1. Antworten

    Karsten

    8. April 2016

    Der vorgestellte FreeDesign-Editor ist echt schön und auch für Laien intuitiv zu bedienen.
    Was mich aber stört sind im B2C Bereich die Abnahmemenge von mindestens 100 Stück. Selbst kleinere Unternehmen wären mit 100 Schachteln schon längerfristig versorgt.
    Für Webshops finde ich ein individuelles Verpackungsdesign interessant um sich aus der Masse der Pakete abzuheben. Schöne Verpackungen sind bei Kunden beliebt und werden gern auch mal "upgecycelt". Als bestes Beispiel können hier zB die bei den Beautyfreaks beliebten Glossyboxen genannt werden. Da erhalten die Boxen quasi ein zweites Leben, was ich auch in Hinblick auf Ressourcenschonung gut finde.


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