E-Business Print Öko-System: Online Print ist kein One-Way-Ticket

28. April 2016, 10:05 Uhr | Hintergrund, Neues

„Nur“ ein Online Printshop hilft in Zeiten der großen Online-Printgiganten kaum einem Einsteiger in den Online Druck zur ersten Million – erst wenn man das System verstanden hat, kann man auch als kleinerer Player seine Chancen nutzen. Ich nenne es das E-Business Print Öko-System.

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Das Feld „Online-Print“ scheint geteilt, so mag man meinen. Dies ist zumindest der Eindruck, den man als Online Print-Aspirant bekommen könnte, wenn man den Top-5 Onlinedruckern auf dem Online Print aufmerksam zugehört hat. Die Top-5 in Deutschland: Cewe, Cimpress, Flyeralarm, Onlineprinters und Unitedprint – generieren zusammen über 1,23 Milliarden Umsatz in D/A/CH. Schon beachtlich. Und der Markt der Top-5 wächst weiter, nach unseren Schätzungen im Jahr 2016 um fast 22%. Da mag man als potentieller Online-Drucker in spe, durchaus dazu neigen das Handtuch zu werfen. Und genau das würde den großen Anbietern wohl auch gerne gefallen – und exakt deswegen werden die Top-5 auch nimmer müde ihre Größe zu betonen. Strategie: Wettbewerb auf Abstand halten. Auf der anderen Seite brauchen die großen Anbieter die kleinen Nischenanbieter die „auch“ online sind. Denn vieles was dem kleinen Spezialisten leicht fällt, ist in einer großen, standardisierten Online-Produktion nicht realisierbar.

Und wenn mal genau hinschaut, wird einem schnell bewusst was ich mit „Nische“ meine. Hier wäre zum Beispiel der boomende Bereich der Verpackung. Hier ist noch reichlich Platz im Markt und viele Anbieter tummeln sich bereits in diesem Segment. Aber so richtig sexy ist noch keine Lösung im Markt. Während die großen Anbieter wie Flyeralarm oder Unitedprint sich mit Standardschachteln begnügen – gibt es schon den einen oder anderen kleineren Anbieter der flexible Lösungen anbietet. Hier kann der Kunde selbst „seine“ Verpackung konfigurieren. Na ja, aber auch diese Lösungen sind noch weit weg von einem „genialen E-Commerce-Angebot“. Hier ist noch Luft nach oben.

Eine andere Nische, auch wenn es sich nicht so anfühlen mag, ist der Bereich Service. Klar, Flyeralarm bietet auch alle erdenklichen Services an. Aber, aufgrund der Größe, kann der Branchenprimus gar nicht jeden Kunden wirklich gleich gut bedienen. So kann sich ein kleinerer Anbieter mit speziellen Services in vertikalen Marktbereichen, zum Beispiel Gastro, Reise oder andere Branchen, durchaus noch etablieren. Es muss nur richtig angegangen werden. Insbesondere im lokalen Bereich sind noch längst nicht alle Chancen von Marktteilnehmern besetzt – aber darüber habe ich ja die Tage schon berichtet.

Was aber muss ein kleinerer Online-Player tun, um gegen die allgegenwärtigen Online-Giganten zu bestehen – oder gar zu wachsen? Hier muss ich leider etwas weiter ausholen… Während die großen Anbieter von Anfang an auf ein relativ massives Marketing gesetzt haben, sind die kleineren Anbieter entweder deswegen gewachsen weil sie „per Zufall“ gerade zur richtigen Zeit ihre Fangemeinde gefunden haben, vorhandene Kunden der analogen Druckerei erfolgreich transformierten oder weil sie den richtige „Spirit“ für ihren Onlineshop gefunden haben. Wer jetzt neu dazukommt, muss entweder auf den Spirit des „lieben Gottes“ warten – oder echt Gehirnschmalz in sein Angebot investieren.

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„Kleinere Anbieter können sich mit speziellen Services in vertikalen Marktbereichen, zum Beispiel Gastro, Reise oder andere Branchen, durchaus noch etablieren – es muss nur richtig angegangen werden.“ – Bernd Zipper

Was aber – um den lieben Gott wieder zu strapazieren – soll nun um Gotteswillen „Gehirnschmalz“ bedeuten? Ganz simpel: Wer E-Commerce oder E-Business betreiben will, sollte es auch wirklich ernst meinen und die Prinzipien vielleicht auch erstmal lernen. 😉

E-Commerce geht immer Hand in Hand mit der erfolgreichen Nutzung und Erweiterung erprobter Mechanismen:

a) „Sexy Präsentation“ – lasche, langweilige Onlineshops- oder Portale mag niemand auf Dauer nutzen. Und: Wenn die Präsentation, also das Design langweilig ist und dem ANWENDER nicht gefällt, fällt man einfach durch das Raster der Online-Selektion

b) „Sexy Angebote“ – Kunden lieben es wenn Angebot auf sie, ihre Branche oder ihre Vorlieben hin ausgerichtet werden. Es muss nicht immer der beste Preis sein, manchmal helfen auch die schnellste Lieferung, kleinere Produktionsmengen oder ähnliches. Trotzdem sollte der Preis immer Marktgerecht sein.

c) „Sexy Personalisierung“ – Mass Customization (ja, ja ich weiß, das Modewort der Saison) fängt schon im Shop an. So könnten zum Beispiel, Produktmuster direkt mit den richtigen Anwenderdaten versehen werden – das hilft auch in Bezug auf Punkt A

d) „Sexy Anwenderführung“ – die meisten Shops, ja auch die der großen Anbieter, müssen dringend in Sachen „Customer-Journey“ optimiert werden. Hier sind andere Shops im „normalen Leben des Anwenders“ eher maßgebend. Der Kunde mag es zum Ziel geführt zu werden – und das gerne ganz charmant und dezent.

e) „Sexy Information“ – ein 0815-Text im Shop reizt niemanden an zu kaufen, hier braucht der Kunde eine Mischung aus „Animation“ und „Information“

f) „Sexy Marketing“ – Werbung darf ruhig Spaß machen und es darf auch gerne mehr sein als übliche Google-AdWord-Kampagne. Klappt es mit dem Marketing, klappt es auch mit der …

g) „Sexy Reputation“ – wenn der Kunde bei einem „coolen“ Unternehmen kauft, kauft er gern. Hier ist es wichtig eine gescheite Story zu präsentieren, so kann man zum Beispiel mit dem Foto eines tollen Produktes auf Instagram werben, auf Facebook die Story wie das Produkt entstanden ist und via Xing und LinkedIn wird das Produkt an sich hervorgehoben. Dies in Verbindung mit einem gescheiten E-Mail-Newsletter und einer (jeweils!) zielgruppengerechten Ansprache ist fast schon ein Erfolgsrezept – wenn man ein wenig Ausdauer hat

h) „Sexy Privacy“ – Kunden, gleichgültig ob Business- oder Endkunde, lieben es wenn sie persönliche Angebote erhalten. Dies greift auch wieder in den Bereich Mass Customization. Wenn man schon mit Shops und Datenbanken arbeitet, sollte man diese auch für die Umsetzung von persönlichen Angeboten oder Portalen nutzen. Wenn dann hier – im privaten Umfeld – noch ein persönlicher (nicht monatlich wechselnder) Ansprechpartner lauert, dann fühlt sich der Kunde wohl und kaum einen Grund bei der Konkurrenz zu kaufen.

Abb: moo.com Onlineshop – Ein schönes Beispiel für eine gelungene "Customer Journey"

Abb: moo.com Onlineshop – Ein schönes Beispiel für eine gelungene „Customer Journey“

…und schon ist man wieder am Punkt A angelangt: Der richtigen Präsentation. Und genau hier hapert es dann immer wieder. Denn oft wird nur wenig, selten oder gar nie ein Shop auf Vordermann gebracht. Es gibt Shops im deutschen Markt die sind seit ihrer Erstellung noch nie (!) neu gestaltet werden. Kein Wunder also, wenn Kunden abwandern – oder der Wettbewerb das schönere Angebot hat.

Und da ist es dann auch schon, das E-Business-Ökosystem (also Punkt A bis H) – denn oben genanntes funktioniert vor allem dann, wenn man es beständig betreibt. Also nicht installieren und mal schauen was geht – sondern stetig und immer. Leider vermeiden gerade Drucker die beständige Bearbeitung und Entwicklung ihrer Angebote – denn das Verständnis, dass die oben genannten Punkte, wirklich jeden Tag beackert werden müssen, ist nicht bei allen ausgeprägt. Da kann es dann auch eines Tages mal eine fette Quittung geben. Naja, oder auch keine, da der Kunde einfach weg bleibt.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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