Labelprint im Onlinedruck: Etikettendrucker unter der Lupe

13. Juni 2016, 13:45 Uhr | Hintergrund, Meinung, Neues

Packaging und Labeling – sind ohne Zweifel die Boommärkte zurzeit im Online-Print. Ich habe mir das Angebot online konfigurier- und bestellbarer Etiketten angeschaut. Fazit: Es ist nur schwer überschaubar. Zeit für einen Überblick: Was wird angeboten? Was macht Sinn?

Intro_430x287Wer bietet was an?

Bei meiner Recherche bin auch auf einige Printer gestoßen, die zwar auf Etiketten spezialisiert sind, aber nicht über Online-Shops verfügen. Schade eigentlich, denn damit verschenken die Spezialisten einen wichtigen Direktkanal zum potenziellen Besteller. Der müsste sich bei diesen Shops zunächst mit einer telefonischen oder einer Anfrage via E-Mail begnügen. Bleibt die Frage, ob auch andere Nicht-Nischenanbieter mit anspruchsvollen Anwendungen aufwarten können. Ich habe dazu den Fokus auf Haftetiketten gelegt, die als Rollenware entweder auf Folie oder Papier gefertigt werden.

Die großen Onlinedrucker führen den Etikettendruck nur als eines von vielen Feldern im B2B- und B2C-Geschäft. So ist der Etikettendruck bei wir-machen-druck.de als neue Produktkategorie ausgezeichnet; bestellbar sind aber schon verschiedene Formate und Formen, auf Papier wie auf Folie. Bei flyeralarm.de liegen wir bei ähnlicher Konfiguration der Etiketten (Stückzahl 2500, Papier, Größe 8,5 x 5,5cm, Standard 4C) mit etwa 100€ beim annähernd doppelten Preis von wir-machen-druck.de, wobei trotz des höheren Preises die Lieferzeit etwa doppelt so lang ist. Preislich gleichauf mit flyeralarm.de liegt print24.de bei gleicher Konfiguration. Auch hier werden neben Folienetiketten auch solche auf Papier angeboten. Nicht jeder von den Großen bietet die Möglichkeit, sowohl die witterungsbeständigeren Folienetiketten als auch die papierbasierten Etiketten (eher für den „Inneneinsatz“ geeignet) zu ordern, bspw. gibt es bei print24.de und diedruckerei.de „nur“ Etiketten auf Papier. Basisoptionen wie Datencheck und Expressversand sind – wie bei den anderen Produkten auch – noch wählbar. Gedruckt werden die Etiketten auf Folie zumeist dann im UV-Inkjet-Druck, wenn der Vierfarbdruck nach Skala ausreicht; für Sonderfarben werden oft Flexo- oder Offsetdruck bemüht.

Dass die Etiketten auf Rolle bereits entgittert sind, scheinen alle von den großen Onlineprintern anzubieten. So können die Haftetiketten bei Bedarf ausgeliefert direkt weiterverarbeitet werden. Eigene Formen nach individueller Vorgabe? Fehlanzeige – für die doch (vergleichsweise) recht günstigen Konditionen gibt es im Endeffekt bis auf wenige Ausnahmen nur dürftige Auswahl bei den Formen. Vorreiter in Sachen Kosten sind hier die großen Onlineprinter, obwohl die Etiketten in den Shops – wenn es überhaupt Abbildungen gibt – nicht sonderlich ansprechend wirken. Dass aber schon mehr Möglichkeiten bei der Auswahl von Material, Farbe und anderen Eigenschaften auch bei den Großen bestehen, kann man am Beispiel von print24.de sehen.

Quelle: print24.de

Quelle: print24.de

Hier lassen sich verschiedene Substrate auf Papierbasis und auch bestimmte Größen (Sonderformate) wählen. Besteller aber, die regelmäßig ordern und höhere Ansprüche bzgl. der (individuellen) Konfiguration der Etikettenform mitbringen, greifen wohl eher auf Lösungen von Spezialisten zurück.

Etikettendruck „only“

Mehrere Spezialisten für den Etikettendruck konnte ich dann doch noch finden: z.B. etikett.de (sogar mobile-friendly), e-tikett.de und labelprint24.com. Sie haben sich auf das B2B-Geschäft festgelegt und arbeiten mit closed shops. Schaut man sich die Shops und die Auswahl an Varianten für Etiketten an, wird schnell deutlich, dass die Anbieter etwas von ihrem Metier verstehen. Wo die üblichen Verdächtigen mit ihrer großen Sortimentsbreite trumpfen, können die Spezialisten für Etiketten mit Materialvielfalt und verschiedenen Veredelungsmöglichkeiten in ihrem Kernbereich aufwarten. Dazu findet der potenzielle Kunde neben Beispielbildern auch zahlreiches Textmaterial zur Erläuterung von Bestellvorgang, Produktion und Lieferung. Das Layout bei etikett.de ist übersichtlich und schafft einen guten Zugang zum Geschäft. Produziert wird bei etikett.de auf Bogen oder Rollen, entweder im Offset oder auf HP Indigo-Maschinen; je nach Verwendungszweck können auch noch weitere Arten wie Nassleimetiketten gewählt werden, womit die Labeldruckerei aus Rheinland-Pfalz Abnehmer aus verschiedenen Branchen adressiert.

Quelle: etikett.de

Quelle: etikett.de

Online kalkulieren kann man seine Bestellung, die auch aus verschiedenen Sorten bestehen kann, hier auch ohne Login. Die Vielfalt an Bedruckstoffen, allein für Haftetiketten auf Rolle, zeigt die Abbildung. Zusätzlich kann man zu den standardmäßigen Farboptionen (4C, 4C + Sonderfarbe, „nur“ Schwarz) auch den Druck ausschließlich mit Sonderfarben wählen, was besonders wichtig für das Corporate Design der Geschäftskunden sein kann. Wohlgemerkt schlagen sich Auswahl und Expertise auch auf den Preis nieder: Konfiguriert man den Bestellwunsch wie oben (vergleichbar zu den anderen Angeboten), dann wird hier preislich in einer ganz anderen Liga gespielt. Schauen wir uns aber die Preisstaffeln zu den Stückzahlen an, wird der Fokus auf B2B mit größeren Abnahmemengen deutlich. Eigene Druckdaten können dann nach dem Login beigefügt werden; die Staffelung von verschiedenen Sorten wird auch erst dann vorgenommen. Wünscht der Kunde darüber hinaus Expressproduktion und -versand, schlägt das mit einem i.d.R. 25%igen Aufschlag der Kosten zu Buche.

Wie werden denn die deutlich höheren Preise im Vergleich zu anderen Anbietern gerechtfertigt? Die hohe Flexibilität bei den Formen, Farben und Substraten gibt hier wohl den Ausschlag. Laut bisher 260 Bewertungen über Trusted Shops entsprechen die Lieferungen qualitativ in mehr als 96% der Fälle den genauen Vorstellungen der Kunden.

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„Anbieter für Etiketten gibt es im Onlinedruck viele. Die kostengünstigen Angebote sind aber nur preislich attraktiv – für richtig Anspruchsvolles gibt es ja schließlich die Spezialisten im Labelprint.“ – Bernd Zipper

Gut gefallen hat mir auch das Angebot für das `grüne´ Gewissen von mail-druck.de. Das grüne Etikett wird mit Hilfe von nachwachsenden Rohstoffen gefertigt und soll laut Herstellerangaben auch biologisch abbaubar sein.

Quelle: das-gruene-etikett.de

Quelle: das-gruene-etikett.de

Wie aber die optische Qualität der Etiketten ist, muss man selber herausfinden. Ob damit Farbbrillanz und optische Dichte für alle Anwendungen und für alle Kundenwünsche ausreichen, ist dann im Einzelnen zu bewerten. Gefertigt wird das grüne Etikett – anders als bei den anderen Anbietern – zumindest ohne Lösemittel und Additive.

Mein persönlicher Favorit – wenn man mal vom „etwas sperrigen“ Screendesign absieht, ist labelprint24.com. Stefan Harder, der Gründer und Chef des Unternehmens, hat unfassbar viele Produkte im Portfolio und ist mein persönlicher Label-Guru in deutschen Landen. Selbst komplexe Sandwich-Labels lassen sich online kalkulieren und sofort bestellen. Aber, das muss ich leider sagen: Der Shop schaut für mich eher so aus, als ob man ein ERP oder MIS online gestellt hat. Dies ist aber auch der Tatsache geschuldet, dass Harder sein gesamtes System selbst entwickelt hat. Shop, ERP, Produktionssteuerung – alles stammt vom Unternehmen selbst. Aber auch wenn das IT-Team wirklich sehr schlagkräftig ist – es wäre wünschenswert wenn an der Optik und der Customerstory noch ein wenig nachgebessert wird. Hoffentlich kommt da noch was.

Abb. Screenshot labelprint24.com

Abb. Screenshot labelprint24.com

Abschließend möchte ich noch festhalten, dass es natürlich noch einige weitere Onlineangebote zum Etikettendruck gibt, die ich aber hier unmöglich alle aufführen kann. Darunter sind zwar auch welche mit Online-Editor im Open Shop, aber einen aufgeräumten Eindruck machten deren Websites und Tools nicht auf mich.

Da ich ein Freund von Spezialisierung bin und man bei der Betrachtung der Veredelungsmöglichkeiten und Materialvielfalt bei den Spezialisten einen Qualitätsvorteil erwarten kann, sehe ich die Spezialisten zurzeit vorne im Online-Etikettendruck. Zwar muss der Geschäftskunde hier zum Teil deutlich tiefer in die Tasche greifen, Auswahl, Qualität und Zuverlässigkeit sollten ihn dafür aber entschädigen. Und günstiger als eine Offlinebestellung ist es allemal.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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