3D-Druck 2.0 auf der drupa: Größer, schneller, schöner… und wie ist’s mit dem Geld verdienen?

16. Juni 2016, 12:05 Uhr | Meinung, Neues

Es entwickelt sich eine neue Branche, jenseits der Druckindustrie – Additive Fertigung wird so langsam aber sicher zu einem neuen Geschäftsfeld. Dementsprechend groß war das Interesse an diesem Bereich auf der drupa.

Auch bei der diesjährigen drupa war der 3D-Druck – wie auch 2012 schon – vertreten. Im Gegensatz zu damals schien das Interesse am Additive Manufacturing jedoch diesmal wesentlich höher zu sein. Vom Angebot und der Technologie her hat sich nämlich seit 2012 einiges getan: Branchengrößen wie Canon, HP, Ricoh und Mimaki haben entweder begonnen, eigene 3D-Drucker zu entwickeln oder die Zusammenarbeit mit ursprünglich am 3D-Druck arbeitenden Unternehmen zu suchen. So hat Ricoh bspw. eine eigene 3D-Druckmaschine speziell für die Fertigung funktionaler Teile entwickelt. Canon hingegen bietet über sein Netzwerk seit 2015 nicht nur die Maschinen (Hersteller ist 3D-Systems) an sich, sondern auch weitere Serviceangebote als 3D-Druck-Gesamtlösungen an, um die Innovationsprozesse seiner Geschäftskunden zu unterstützen. Dazu zählt z. B. auch die softwaremäßige Unterstützung der Workfloweinbindung bei Kunden.

Beispiele für kleine 3D-Doobs; Quelle: Eigene Aufnahmen

Beispiele für kleine 3D-Doobs; Quelle: Eigene Aufnahmen

2012 noch wurden die langsam und eher ungenau druckenden 3D-Drucker von einigen drupa-Besuchern eher belächelt als ernst genommen; heute kann die additive Fertigung eine größere Menge an Interessenten auf sich ziehen. Wahrscheinlich, weil einige Besucher die Möglichkeiten der Technologie für das B2C-Geschäft, das in Zukunft neben dem Prototyping ein weiterer Ast des 3D-Druckbusiness sein soll, erahnen. Aufgrund des allgemein steigenden Interesses am 3D-Druck, ist 2013 unter Mitwirkung des VDMA die Marke 3D fab+print ins Leben gerufen worden, unter der relevante 3D-Druck-Anbieter gesammelt auf Messen auftreten. Am Touchpoint 3D fab+print in Halle 7A gab es neben den Vorträgen zu den technologischen Fortschritten aus dem Umfeld des 3D-Drucks auch zahlreiche praktische Beispiele und Live-Fertigungen am Touchpoint selbst und direkt nebenan am Stand von Massivit.

Was ist in diesem Bereich in den letzten 4 Jahren passiert? Welche Weiterentwicklungen gibt es in diesem Bereich? Und wenn ich mich recht erinnere, hat Anfang des Jahres doch ein bekannter Online-Print Marktführer sein „My3D“-Projekt eingestellt und die einzig richtige Konsequenz, aus dem daraus resultierenden Aufwand in der Produktion und den damit verbundenen hohen Kosten, gezogen. Grund genug für mich, mir die Thematik im Rahmen der drupa nochmal etwas detaillierter, anhand zweier Beispiele anzuschauen.

Bereits von den „Real Innovation Seekers“ als Innovation befunden, war die Massivit 1800 durchaus ein Hingucker auf der Messe; vielleicht kann man es sogar als Highlight bezeichnen, dass mit der Maschine ungewohnt große monochrome Körper live gefertigt wurden. Zumindest tummelten sich fast durchgängig einige Interessierte um die Massivit 1800, die mit den maximalen Ausgabemaßen 1,8 x 1,5 x 1,2m (B x H x T) mit Hilfe von 2 gleichzeitig arbeitenden Druckköpfen bis zu 35cm pro Stunde an UV-härtendem Gelmaterial an Höhe aufbaut. Dieser Wert wird jedoch nur dann erreicht, wenn beide Druckköpfe simultan am selben Objekt formen. Baut jeder der Druckköpfe ein eigenes Erzeugnis schichtweise auf, ist mit deutlich längeren Fertigungszeiten zu rechnen – man bedenke aber, dass dann zwei Drucke parallel (im selben Drucker und in einem Durchgang) gefertigt werden. In etwa fünf Stunden lässt sich mit Hilfe der proprietären GDP-Technik (Gel Dispensed Printing) ein stehender Erwachsener aufschichten, wobei die Statue dann aus einem robusten, polymerisierten Außenmaterial besteht. Gehärtet wird das extrudierte, kalte Gelmaterial, das ähnlich wie beim FDM-Verfahren gefördert wird, dazu direkt, sodass die jeweils nächste Schicht auf festem Grund haften kann. Im folgenden Bild kann man links sehen, wie zwei Portraitbüsten parallel gefertigt werden und daneben, wie sie fertig aussehen können.

Die parallele Fertigung zweier Portraitbüsten und daneben mehrere fertige Exemplare; Bild: zipcon consulting

Die parallele Fertigung zweier Portraitbüsten und daneben mehrere fertige Exemplare; Quelle: Eigene Aufnahmen

Massivit 3D entstammt einer Kooperation verschiedener Konzerne aus der Druckbranche (schwerpunktmäßig Digitaldruck), unter denen sich auch HP (Scitex) als etablierte Instanz findet. Mit dem Vertrieb des 3D-Riesendruckers adressiert das Unternehmen aus Israel vor allem Geschäftskunden, die ihrerseits den Bedarf ihrer Kunden an Einzelfertigungen in derartigen Größen decken wollen – vor allem sollen sich die großen 3D-Drucke dann als Blickfang am POS eignen oder im industriellen Umfeld für das Prototyping eingesetzt werden. Preise für die Massivit 1800 gibt es wohl auf Anfrage; interessant wird auch sein, wie viel die 3D-Drucke dann bei den jeweiligen Anbietern kosten werden.

Zipperkopf_MalUeberlegen

„Technologisch interessant sind die Neuerungen aus der additiven Fertigung allemal, obwohl in den 3D-Startups auch alte Kräfte aus der graphischen Industrie mitwirken, konnte ich den Brückenschlag zum etablierten Druckgewerbe auch diesmal leider nicht erkennen.“ – Bernd Zipper

Schon länger verfügbar ist das Angebot von Doob, die am Touchpoint 3D ihre aktuelle Technik in der additiven Fertigung vorgestellt haben. Dabei haben sich die Besucher vor allem für die Scantechnik des Unternehmens interessiert, mit Hilfe derer Personen und/oder Gegenstände in Sekundenschnelle dreidimensional vermessen werden, um die entsprechende Ausgabedatei für den späteren Druck zu erzeugen. Nachdem die etwa 60 DSLRs innerhalb der Kammer das Bild des zu druckenden Motivs festgehalten haben, erfolgt das Zusammenfügen der Einzeldaten und eine digitale Optimierung der Datei vor der Ausgabe. Doob bietet seine Scanner bzw. die gesamte Scantechnik im B2B an, eigene Shops, bspw. in Düsseldorf, gibt es auch. Dort kann der Kunde gemäß dem Slogan `Doob yourself in 3D!´  ein Abbild von sich selbst erstellen lassen, und zwar in verschiedenen Größen und ziemlich lebensechter Anmutung. Auch die Fertigung von Paaren oder Gruppen als 3D-Figuren ist möglich.

Ein Blick ins Innere des Körperscanners; Quelle: doobgroup.com

Ein Blick ins Innere des Körperscanners; Quelle: doobgroup.com

Lässt der Kunde sich vor Ort vermessen, um sich dann “selbst drucken“ zu lassen, kann er zwischen verschiedenen Größen mit verschiedenen Preisen wählen. Zum Beispiel ist bei Brillenträgern noch zu beachten, dass ein ausreichend detailgetreuer Druck erst ab einer Größe von 25cm stattfinden kann. In den Händen halten kann man sein kleines Abbild etwa drei bis vier Wochen nach dem Besuch des Shops. Welche Preise für welche Größen bei den empfindlichen Figuren anfallen, kann man anhand des nachstehenden Bildes sehen. Es ist ein Ausschnitt aus dem Flyer, der auf der drupa verteilt wurde. Die kleinste gedruckte Version des eigenen Abbilds kostet 95€ (10cm) und für die größte Ausführung (35cm) werden schon 575€ fällig. Weitere Optionen wie Haustiere oder persönliche Gegenstände können auch Teil des eigenen Denkmals werden. Dafür werden aber mindestens weitere 50€ berechnet, was den Doob bei der Wahl der mittleren Größe (25cm) schon auf über 300€ und damit auf einen Betrag bringt, bei dem es sich die meisten Endanwender zwei Mal überlegen, ob es ihnen das wert ist.

Größen und Preise für das gedruckte Selbstbild; Quelle: Flyer von Doob

Größen und Preise für das gedruckte Selbstbild; Quelle: Flyer von Doob

Da direkt mit mehreren verschiedenen Farben gefertigt wird, erreichen die Figuren schon einen ordentlichen Detailgrad, hohe Kontraste und ausreichend große Muster bei Klamotten vorausgesetzt. Eine echt-originalgetreue Abbildung ist aber nicht vollständig möglich, da die Filamentfarben nicht alle ursprünglichen Farben abdecken können; erfahrungsgemäß erscheinen sie auch deutlich blasser als die Originalfarben – Corporate-Farben wären für Werbezwecke also nicht in jedem Fall garantiert.

Online bestellbar sind die eigenen Denkmäler leider nicht, denn der Anspruch an die Dateien für die Fertigung ist sehr hoch. Diese Daten können ausschließlich mittels der professionellen Scantechnik generiert werden. Insgesamt konnten Interessierte hier zwei durchaus attraktive Angebote aus der additiven Fertigung sehen, von den das erste mit der drupa 2016 gelauncht wurde und das zweite ein bereits bestehendes Modell mit eigenen Shops ist. Restlos überzeugen konnte mich der 3D-Druck diesmal jedoch wieder nicht, da die Abbildungsgüte sowohl im kleinen als auch im großen Maßstab an einigen Stellen nicht scharf genug war. Technologisch hat sich das Verfahren zwar weiterentwickelt, aber eine direkte Verbindung zur Produktion zusammen mit den etablierten Druckverfahren bleibt noch aus. Was mich jedoch brennend interessiert ist der Bereich „Metalldruck“ – hier werden wir in der nächsten Zeit mal genauer nachschauen, denn der Traum „…ich drucke mir mein Ersatzteil“, wird dank neuer Verfahren wohl bald Wirklichkeit. Schauen wir mal…

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

1 Kommentar

  1. Antworten

    Werner Leitmūller

    16. Juni 2016

    Sehr geehrter Herr Zipper,
    ich teile ihre oben gemachten Einschätzungen. Die Technologie ist für Endanwender noch schwer zugänglich, was hauptsächlich an der Komplexität der Modellerstellung liegt. Für die Verbindung zum Druckbereich gibt es besonders im 3D Farbdruck noch Mängel an CI farbtreue und auch an den Lieferzeiten der Modelle.
    Online Bestellungen zumindest für Tiermodellen gibt es aber schon, zum Beispiel auf copypet.
    Und auch die Weiterentwicklung der 3D Scannerhardware wird es zukünftig den Endanwendern ermöglichen sein eigenes 3D Selfi zu machen.


Was meinen Sie zu diesem Thema?

Wir freuen uns über Ihren Kommentar.

Schreibe einen Kommentar

* Pflichtangaben; Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
 

Copyright

Copyright 2015 Bernd Zipper, zipcon consulting GmbH

Archiv