Interview: „Die digitale Transformation muss im Kopf des Chefs beginnen!“

16. September 2016, 15:54 Uhr | Meinung, Neues

Martin Spaar, der Chef vom Schweizer Fachmagazin Publisher, hat mich jüngst zum Thema Onlinedruck vs. Digitale Transformation befragt – ein Gespräch das ich den Lesern meines Blogs nicht vorenthalten möchte. Feedback erwünscht.

Trotz wachsender Dominanz der Großen mit ihren Druckfabriken sieht Bernd Zipper für kleine Druckdienstleister gute Chancen im Online-Geschäft. Dies vor allem mit pfiffigen, kundenorientierten B2B-Portalen.

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PUBLISHER: Sie haben am letzten Online Print Symposium interessante, ja fast alarmierende Zahlen und Prognosen vorgestellt: Der extreme Preisdruck hält an und bis 2020 sollen die großen Druckfabriken 50 Prozent Anteil am gesamten Druckvolumen haben. Kommen die Kleinen jetzt definitiv unter die Räder?
Bernd Zipper: Das sind in der Tat unsere Prognosen. Unsere Erhebungen zeigen, dass bei den Open-Shops die großen Anbieter jährlich 10% wachsen, kleinere Anbieter jedoch nur um rund vier Prozent: Jedoch legen die Closed-Shops – auf den einzelnen Kunden maßgeschneiderte Portale – mit knapp 14 Prozent am stärksten zu. Wir sehen somit bei kleinen, pfiffigen B2B-Portalen sehr gute Wachstumschancen, speziell für kleinere Druckdienstleister.

PUBLISHER: Aber auch hier werden die Druck­fabriken einen markanten Preisvorteil haben. Und man sieht, wie die jetzt versuchen, diese Märkte an sich zu reißen.
Bernd Zipper: Sicher, es dreht sich immer alles um den Preis oder besser die Kosten. Man muss dabei jedoch den ganzen Prozess betrachten – da sind die reinen Druckkosten nicht der allein entscheidende Faktor. Die ganzen Handlingkosten inklusive Logistik fallen viel mehr ins Gewicht. Wenn man E-Business Print gescheit betreibt, lässt sich für die Unternehmen enorm viel einsparen. Das ist der springende Punkt.

PUBLISHER: Und warum sollen das die Kleinen besser können? Die Großen sind doch im Optimieren von Prozessen die Weltmeister.
Bernd Zipper: Es geht um die Anbindung an die Prozesse der Kunden. Die kann man nicht immer standardisieren – da sind die Kleinen einfach näher dran. Sie betreiben das Geschäft mit mehr Herzblut und erreichen eine größere Betreuungstiefe. Sie kennen ihre Kunden seit Jahren und können proaktiv mitdenken, um solche schlanke Drucksachen-Prozesse zu entwickeln.

PUBLISHER: Tönt gut – und wie soll ein kleiner Akzidenzdrucker vorgehen, um diese Vorteile auszuspielen?
Bernd Zipper: Es geht um E-Business, das heißt darum, bestehende Abläufe und Dienstleistungen online abzubilden. Diese digitale Transformation ist die große Herausforderung für die kleinen Druckdienstleister, die in diesem Bereich oft noch kaum Erfahrungen haben.

Hier haben die großen Portale tatsächlich einen entscheidenden Vorsprung. Um vorwärtszukommen, muss man die digitale Transformation zuerst einmal selber im eigenen Betrieb leben. Dies verlangt meist tiefe Einschnitte bezüglich der Firmenkultur.

PUBLISHER: Und da hapert es wohl noch da und dort …
Bernd Zipper: Und wie! Ich komme immer wieder in Betriebe und denke: Bin ich hier im Mittelalter gelandet? Es herrscht oft ein verstaubtes Ambiente, das beileibe kein Umfeld für eine erfolgreiche digitale Transformation ist.

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Cover der aktuellen Publisher-Ausgabe 4 I 16

PUBLISHER: Wenn man das mal erkannt und den Betrieb entstaubt hat, wie geht man weiter vor?
Bernd Zipper: Um sie leben zu können, muss die digitale Transformation im Kopf stattfinden – zuerst im Kopf des Chefs und dann bei allen andern in der Firma. Die erste Frage lautet dabei: «Was können wir in unserem Betrieb sinnvoll digitalisieren.» Die zweite Frage für den Chef muss dann aber auch lauten: «Was muss ich an mir ändern.» Man muss da wirklich raus aus der Komfortzone!

PUBLISHER: Was wären mögliche Antworten?
Bernd Zipper: Jeder Mitarbeiter soll eine digitale Identität haben. Der Arbeitstag be­ginnt nicht mehr an der Stechuhr, sondern mit digitalem Einchecken. Wissen soll intern geteilt werden, zum Beispiel über ein Unternehmens-Wiki. Ein Infoscreen zeigt aktuelle Informationen und begrüßt Kunden.

In einem nächsten Schritt kann man sich nach außen wenden, beispielsweise mit einem Facebook-Auftritt des Unternehmens. Oder man peppt die Website auf, zum Beispiel mit einem Blog des Lehrlings. Diese Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. Und natürlich soll dann bald einmal auch das erste Projekt mit einer Online-­Anbindung eines Kunden folgen.

PUBLISHER: Da sind die Patrons ganz schön ge­fordert!
Bernd Zipper: Der Patron muss die Notwendigkeit der Transformation erkennen, aber nicht alles alleine stemmen. Er muss lernen, dass er Komplizen braucht – und nicht nur Mitarbeiter. Er soll diese einbinden und kann beispielsweise einen Ideen-Wettbewerb ausschreiben. Oder ein Tiger-Team innerhalb der Firma auf die Beine stellen, das den ganzen Prozess Step-by-Step vorantreibt.

Was es sicher braucht, ist die Bereitschaft, in dem durch das Internet angetriebenen Wettbewerb jeden Tag am Ball zu bleiben. Wenn der Patron das nicht will, muss er einen Ersatz oder einen Partner suchen. Denn eines ist sicher: Das mit den alten Geschäftsmodellen funktioniert schon heute nicht mehr!

Zum Artikel auf Publisher.ch 

Über den Autor

beyond-print.de

4 Kommentare

  1. Antworten

    Kai Pflaume

    21. September 2016

    Sehr geehrter Herr Zipper,
    Ihre Ausführungen strotzen nur so mit Buzzwords.
    Inhaltlich haben sie mir ihren Text keinen Beitrag leisten können.
    Mit freundlichen Grüßen
    Kai Pflaume

    • Antworten

      Bernd Zipper

      23. September 2016

      Lieber Kai,
      schade das du dich hinter dem Pseudonym einer Fernsehstars verbirgst - gerne hätte ich direkt mit Dir kommuniziert. Leider bringt mir Deine Kritik auch nur sehr wenig. Ich würde mich freuen wenn auch Du statt nur pauschaler Kritik, eher etwas direkter werden würdest und vielleicht weniger die Anonymität suchen würdest. So ist kein Austausch möglich. Faszinierenderweise ist aber genau dieses Interview sehr erfolgreich und viele, viele Leser von beyond-print.de und auch von publisher geben ein gutes Feedback darauf. Wer liegt nun falsch?
      Liebe Grüße
      Dein Bernd

  2. Antworten

    Pascal Bachmann

    16. September 2016

    Hallo,
    ich finde mich sehr in Ihren Aussagen wieder. Wobei das mal gut und mal schlecht für mich ist. Auch wir haben es wahrgenommen, dass wir eine interne Wissensplattform brauchen. Es gibt keine Hierarchien, aber natürlich gibt es spezielle Themen. Die Schwierigkeit liegt denke ich darin, gute Anstöße zu geben -nicht zu viel und nicht zu wenig- damit der Ball in der richtigen Geschwindigkeit in die richtige Richtung geht.
    Auch würde ich sagen, könnte man noch hinzufügen, dass die Kultur auch vorhanden sein sollte um einen Wandel einzuleiten. 'Bin ich wohlwollend und lebe ich diese Offenheit des Internetzeitalters aus?' Nur dann kriegt man das ganze Unternehmen ins Boot und jeden dahin seine optimale Rolle zu finden um der/die Beste Matrose/in zu sein die er/sie sein kann.

    Liebe Grüße aus Schloß Holte-Stukenbrock,

    Pascal Bachmann

    • Antworten

      Bernd Zipper

      17. September 2016

      Gute Ergänzung - Danke

      BZ


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