Photokina 2016: Für den Onlinedruck gab´s viel Bekanntes und wenig Neues.

23. September 2016, 11:18 Uhr | Meinung, Neues

Nach einem Messetag auf der Photokina in Köln ist es natürlich angebracht, das Gesehene auch für diejenigen Revue passieren zu lassen, die die Messe nicht besuchen werden oder bisher noch nicht besucht haben. Was gab´s und gibt´s also zu entdecken für den Druck-affinen Marktteilnehmer?

Quelle: photografix-magazin.de

Quelle: photografix-magazin.de

Vorweg kann ich schon sagen, dass, was den Onlinedruck angeht, nicht sonderlich viel stattgefunden hat. Etwas enttäuscht war ich auch darüber, dass sich in Sachen Direct-to-Shape-Print mit Fotos, was nichts Anderes meint als den digitalen Foto-Direktbedruck auf dreidimensionale Oberflächen, quasi nichts getan hat. Besonders in diesem Bereich hätte ich von einigen Maschinenherstellern mehr erwartet. Aber: Es war kein vertaner Tag, denn ein paar recht interessante, zuweilen sogar innovative Lösungen mit dem Schwerpunkt Druck bzw. Druckverarbeitung ließen sich dann doch noch finden.

Ein Softwarespezialist war vor Ort, der sich mit der Entwicklung, dem Verkauf und dem anschließenden Service zur Software-Plattform befasst, die vielfach zur Erstellung von Fotobüchern und anderen Fotoartikeln genutzt wird. Taopix liefert als weltweit agierender Softwaredienstleister von Applikationen, um auf jeder Art von Endgerät Fotoprodukte personalisieren zu können. Zu ihren Kunden gehören neben Einzelhändlern auch Fotolabore, die ein Absatztool benötigen und sonstige Betriebe, die Fotos zu weiteren Produkten verarbeiten. Partnerschaften unterhält das Unternehmen z. B. mit HP, Canon oder Imaging Solutions (s. u.) – die sind im Kooperationsfall für die Hardware mit zuständig.

Taopix Designers ermöglicht die Personalisierung auf jeder Art von Endgerät; Quelle: printingnews.com

Taopix Designers ermöglicht die Personalisierung auf jeder Art von Endgerät; Quelle: printingnews.com

Zum recht großen Angebotsumfang gehören unter anderem das E-Commerce Control Center – ein browserbasiertes Administrationsportal –, die Design-Applikationen, die auch die mobile Produktpersonalisierung ermöglicht und Taopix Production, das zur allgemeinen Verbesserung des Workflows, beispielsweise bei der Datenübertragung zwischen verschiedenen Endgeräten, dienen soll. So können zur Integration in bestehende Systeme auch einzelne Module mit den systemseitig vorhandenen APIs eingebunden werden. Nicht ganz uninteressant ist dazu auch die Möglichkeit zur Verlinkung zu bestehenden Bildersammlungen. Was die Software zur personalisierten Produktion von Fotoartikeln anbetrifft, findet der Geschäftskunde wahlweise also ein Software-Gesamtpaket oder verschiedene Module als Möglichkeiten, um in den Onlinevertrieb mit Fotoartikeln einzusteigen oder ihn zu erweitern.

Was die technische Umsetzung der Produktion von Fotoartikeln angeht, ist mir besonders Imaging Solutions aufgefallen. Der Schwerpunkt der Schweizer Techniker, die für die Foto- und die Druckindustrie tätig sind, liegt auf der buchbinderischen Verarbeitung der Fotos zu Fotobüchern. Frisch dabei und am Stand zu begutachten ist nun das fastBook Professional Buchblock-System für Layflat-Formate bis zu 457 mm x 457 mm (!), das auf der Photokina gelauncht wurde. Mit diesem Aggregat werden aufgeschlagene Fotobücher mit einer Breite von 914 mm produzierbar – und durch die Bindetechnik mit wölbungsfreiem Liegeverhalten können auch doppelseitige Bilder wie z. B. Panoramen ohne Qualitätsverlust dargestellt werden.

Der Betrachtungsvorteil beim Layflat-Fotobuch; Quelle: imagingsolutions.ch

Der Betrachtungsvorteil beim Layflat-Fotobuch; Quelle: imagingsolutions.ch

Weitere Maschinen für die industrielle Fotobuchproduktion gibt es natürlich auch noch im Portfolio des Schweizer Herstellers. Der Fertigungsprozess der neuen fastBook-Anlage basiert ja auch weitestgehend auf bereits vorhandener Technik. Es ist aber die Kombination aus dem – bildlich gesprochenen – Ausmaß der Fotobuchgröße und dem besonderen Liegeverhalten der aufgeschlagenen Seiten, die es besonders wirken lassen. Wer sein hochwertiges Fotobuch in dieser Manier gefertigt haben möchte, der gönnt sich zur haptischen Optimierung des Buches noch Kartoneinlagen zwischen dem wahlweise zu verarbeitenden Echtfoto- oder Digitaldruckpapier. Gerillt, gefalzt, gepresst und geklebt werden die einzelnen Bogen zu einem Layflat-Buchblock dann in einem Produktionsgang.

Was die Printproduktion angeht, kooperiert Imaging Solutions beispielsweise mit Fuji; die Fotobuch-Software dazu stammt von einem weiteren Kooperationspartner, nämlich Taopix (s. o.). Mit der Thematik Weiterverarbeitung von Onlinedruckprodukten und im Speziellen auch mit dem Layflat-Verhalten gedruckter Bücher werde ich mich an gleicher Stelle in naher Zukunft nochmal eingehender befassen.

 

Zipperkopf_NeutralFreundlich

„Ob Digitaldruck-Maschinenhersteller oder Softwaredienstleister, für den Onlinedruck hatten auch die Etablierten auf der Photokina weniger Neues zu zeigen als erwartet. Und das selbst bei einem so breiten Bereich wie den Fotoartikeln und -geschenken.“ – Bernd Zipper

 

Ein bekannter Vertreter innovativer Druckideen im Bereich Visitenkarten war ebenfalls vertreten. Das Team von Moo hatte für die Photokina drei neue Finishings für Visitenkarten im Gepäck, die allesamt zur neuen Tailored Collection gehören.

Die drei neuen Finishings neben der NFC-Visitenkarte; Quelle: zipcon consulting

Die drei neuen Finishings neben der NFC-Visitenkarte; Quelle: zipcon consulting

Aus dem Verpackungsbereich und mittlerweile auch aus anderen Anwendungen bekannt ist das Spotlackieren. Mit Hilfe dieses glänzenden UV-Lack-Finishings vermittelt die Karte eine gewisse Kontrastwirkung zu dem matten Untergrund, die je nach Betrachtungswinkel stärker wird. Dazu kommt noch, dass beim Betasten der Karte der Oberflächenunterschied in der Höhe leicht und im Reibwiderstand schon deutlicher zu spüren ist. Gute Idee also, die vorhandene Technik auf Visitenkarten für die optisch-taktile Verbindung zu nutzen. Daneben gibt es jetzt auch die Möglichkeit, Teile der Visitenkarte mit Goldfolie überziehen zu lassen, um – wie auf dem Bild zu sehen – einen deutlichen Goldeindruck zu hinterlassen oder alternativ dazu beispielsweise nur einen Schriftzug oder gar einzelne Buchstaben in Gold zu folieren. Damit können unaufdringliche und gleichzeitig wirksame Akzente gesetzt werden. Ähnlich wie beim Spotlack wird auch mit der dritten neuen Möglichkeit, dem Relieflack, auf Haptik gesetzt. Besonders wirken kann dieser auf den unbedruckten Stellen der Visitenkarten. Jeweils zu haben sind die Karten auch in quadratischer Form.

My Take: Interessantes zu sehen gab es schon was auf der Photokina. Legt man aber den Schwerpunkt auf Verfahren und Technologie rund um den Onlinedruck, gab es diesmal nicht viel zu entdecken, was wir nicht schon kennen. Vielleicht hält die Photokina 2018 ja wieder was mehr bereit, mal abwarten…

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

0 Kommentare


Was meinen Sie zu diesem Thema?

Wir freuen uns über Ihren Kommentar.

Schreibe einen Kommentar

* Pflichtangaben; Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
 

Copyright

Copyright 2015 Bernd Zipper, zipcon consulting GmbH

Archiv