Google: Mobile Centric als Zukunftskonzept für den digitalen Vertrieb von Print

2. November 2016, 11:53 Uhr | Hintergrund, Meinung, Neues

Bis zu 98% aller Suchergebnisse für Online Print in D/A/CH kommen von Google – es wird Zeit, dass die Online Printer „Mobile Centric“ ernstnehmen.

Wie bereits angekündigt, kommt mit dem Thema Mobile Centric nun ein weiterer Wink mit dem Zaunpfahl für so manchen Online-Drucker. Dabei geht es nicht nur um das Ranking, das wie bereits berichtet immer stärker auf die mobile Darstellungsgüte zurückgeht, sondern vielmehr um die Interaktion von potenziellen Kunden mit ihrem treuesten Begleiter, dem Smartphone.

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Die Jungs von moo.com schaffen es oftmals besser Emotionen mit Print zu vermitteln. Quelle: zipcon consulting

Anbieter, die die Psychologie hinter dem Umgang von Kunden mit ihrem Smartphone verstehen, treffen auch bei mobilen Suchen den Kern der Sache: eine vorteilhafte User Experience. Denn nur mit ihrer Hilfe kann beim Besucher die Motivation für die anstehende und auch für zukünftige Kaufentscheidungen zugunsten der besuchten Seite geschaffen werden. So manch einer wird nun sicherlich denken, dass ich die Themen mobile Suche und mobile Darstellung mal ruhen lassen sollte, da das sowieso jeder halbwegs zukunftsorientierte Printer auf dem Schirm hat. Aber ich kann Ihnen verraten, dass viele deutlich weniger an ihrer Mobilstrategie feilen als notwendig.

Aber was genau meine ich damit nun wieder? Suchen, finden und bestellen sind keine rein rational bzw. an Algorithmen auszurichtenden Vorgänge. Wie ich bereits berichtet habe, zählt neben der technisch nachweisbaren Mobiltauglichkeit von Webseiten auch die User Experience, die Nutzer im positiven Fall zu einem Kauf führt. Eine Unzahl an Verknüpfungen und überflüssigem Content kann die Usability deutlich herabsetzen und Nutzer abschrecken – Unübersichtlichkeit und zeitintensives Suchen auf der Seite führen dann nicht unbedingt zum Kauf, sondern eher zum Sprung zum „bewährten Wettbewerber“.

„Mobile Centric“ ist ein Ansatz, der das Smartphone in den Vordergrund stellt. Wie Googles Mitte Oktober angekündigtes Ranking-Update zeigt, wird das mobile Endgerät schon bald nicht mehr nur `Second Screen´ sein, sondern als Primus fungieren, wenn es um die Gestaltung und Bewertung von Webseiten geht. Jetzt kann man das Ganze auf eine Investition in eine mobile Webseite reduzieren – oder man fragt sich, was in Zukunft darüber hinaus relevant sein wird. Klar, das Ranking ist eine Sache – zu Lasten der Übersichtlichkeit sollte die Content-Anpassung aber niemals gehen. Vielmehr kann eine sinnvoll informierende Inhaltsgestaltung auch mobil zu mehr Absatzerfolg führen.

Positivbeispiele dazu lassen sich im Onlinedruck wie in anderen Branchen finden. Komplexe Angebotspaletten lassen sich dagegen nicht so geschmeidig mobil abbilden. Deshalb sind immer die Seiten vorne mit dabei, die nicht nur einen Katalog an Rankingfaktoren abarbeiten, sondern vor allem solche, die attraktiv – z. B. mit einer ausreichenden Menge an Zusatzinformationen zum Druck- oder den Veredelungsverfahren gespickt –, schnell und übersichtlich sind. Wer mobil online nach etwas sucht, der hat eine Vorstellung von seinem Ziel.

Jeder Entscheider sollte also an entsprechender Stelle darüber nachdenken, was er selbst gerne vorfinden würde und wie sich in Bezug auf das Produkt eine optimale User Experience gestalten lässt. Was noch zum Mobile Centric-Ansatz gehört, sind Aspekte, die auch schon für die Desktop-UX dienlich waren: Übersichtliches Design mit kurzen, zielführenden Klickwegen und inhaltliche Verknüpfung über mehrere Kanäle bzw. Plattformen – eben das, was das Online-Leben der User trifft, nun aber mit optimalem Zuschnitt auf das mobile Surfverhalten.

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„Mobile Suche und mobiles Navigieren fordern inhaltsreichen Webseiten einiges ab. Als Drucker muss man sich der Dynamik anpassen und den digitalen Vertriebskanal attraktiv halten.“ – Bernd Zipper

Um eine optimale UX zu erreichen, muss sich der Anbieter selbst inszenieren und die Marke präsent halten. Je klarer sich ein Shopbetreiber mit seinem Produktportfolio positionieren kann, umso besser kann er seinen potenziellen Kunden auch – und das gilt insbesondere für die platzmäßig eher eng bemessene Mobildarstellung – informieren und über den digitalen Vertriebskanal zum Kauf motivieren. Besucher erwarten einfach, dass es schnell geht und genau das erscheint, was gesucht wird. Alternativen gibt es auf dem Markt genug, da zieht das Preisargument also nicht immer.

Nehmen wir beispielsweise einen Spezialanbieter aus dem Druckbereich: Moo.com. Die Jungs schaffen es oftmals besser Emotionen mit Print zu vermitteln – und zwar gerade weil ihr Angebot nicht in die Breite geht. Die definieren sich eher über die Qualität der Webseiteninformation und des Produkts.

Übersichtlichkeit und kurze Klickwege entscheiden über den Erfolg des digitalen Vertriebsweges; Quelle: zipcon consulting

Übersichtlichkeit und kurze Klickwege entscheiden über den Erfolg des digitalen Vertriebsweges; Quelle: zipcon consulting

Damit eignen sie sich bestens für eine übersichtliche Mobildarstellung, ohne dass von der Desktop-Variante Content abgespeckt werden muss. Einige der weniger fokussierten bzw. Printer mit einer größeren Angebotsbreite konnten deshalb auch seltener als mobile friendly identifiziert werden. Klar, es stellt sich schnell die Frage „wie mache ich das dann mit dem Editor…?“ – aber auch hier können eigene Wege gegangen werden. Ich schaue mir dies dieser Tage genauer an und werde darüber berichten.

My Take: Mobile Centric fasst wichtige Aspekte der mobilen Darstellung zusammen und fokussiert dabei die User Experience. Wer aber denkt, dass er dazu nur die Rankingfaktoren abzuarbeiten hat, der liegt falsch. Denn im Hinblick auf zukünftige mobile Erfordernisse werden sich Anbieter tiefgründiger mit dem Interaktionsverhalten ihrer Kunden mit den mobilen Endgeräten auseinandersetzen müssen. Und das unabhängig vom Marktanteil oder der Größe des Brands; wer hier nicht reagiert wird böse abgestraft – und das nicht nur von Google, sondern vor allem von dem,  um den es geht: Den Kunden.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

1 Kommentar

  1. Antworten

    Philip Simon

    2. November 2016

    Warum sich der Mobile-First Ansatz in der Druckbranche so schwer tut, kann ich auch nicht nachvollziehen.

    Damit ist nicht nur die Zugänglichkeit eines Auftrittes für Mobilgeräte gemeint, dies sollte schon lange selbstverständlich sein. Es bedeutet vor allem, wie Sie richtig sagen, die gleiche Überzeugungskraft wie eine Desktopseite" erzeugen zu können. Oft erweckt es den Anschein, als glauben Seitenbetreiber, Besucher kennen die "große Seite" und brauchen mobil nur die rudimentärsten Funktionen. Das heute die Neukundenakquise mobil entschieden wird, scheint weniger bekannt zu sein.

    Ein Auftritt muss überall überzeugen, egal ob als Imagebroschüre oder auf einem 5 Zoll großen Bildschirm. Und ein Besucher erwartet auf einer mobilen Seite zurecht natürlich die gleichen Informationen wie auf der "Hauptseite". Der Mobile-First Ansatz führt zu einer Konzentration auf das Wesentliche, was wiederum einer Desktopseite zugute kommen kann.

    Der Shop lx-luxuskarten zeigt zum Beispiel auch, wie eine solche "gleichberechtigte Behandlung" von Mobil- und Desktopkunden aussehen kann, sofern man dies überhaupt unterscheiden will. Bei einer solchen Seite braucht es auch keine App. Apps machen meiner Meinung auch nur für konkrete "mobil personalisierbare Produkte" Sinn, nicht aber, um eine klassische Webseite im mobilen Bereich zu ersetzten. Der Installationsaufwand ist dafür aus Kundensicht viel zu hoch.


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