Individualisierte Bademäntel und Posterdrucke, und das alles aus einem Haus. Was macht den Print-Individualisierer CowCow aus Hong Kong so besonders?

Im Februar diesen Jahres habe ich noch über Picture This Clothing berichtet, das junge Startup, das sich auf selbst gestaltbare Kinderkleidung und die kinderfreundliche Gestaltungsweise der bedruckten Textilien spezialisiert hat. Um das Selbstgestalten soll es im Folgenden auch gehen, und zwar um CowCow als etablierten Anbieter aus Asien mit einem breiten Portfolio an individualisierbaren Drucksachen. Darauf gestoßen bin ich bei meiner Recherche nach weiteren Anbietern wie Picture This Clothing – und siehe da: CowCow hat kurze Zeit nach dem Launch von PTC sein YAAS-Programm (Young Aspiring Artists) ins Leben gerufen und bildet damit genau das gleiche Produkt wie der Konkurrent aus den USA am Markt ab. Der Unterschied ist, dass CowCow von Anfang an auf Grundlage seines schon bestehenden Knowhows auch T-Shirts für Jungen und Männer sowie Kleider für erwachsene Frauen nach dem gleichen Prinzip – Kleidungs-Template runterladen, ausdrucken, händisch individualisieren, abfotografieren und hochladen – anbieten kann. Ohne Versandkosten liegen die sogar preislich unter dem Angebot von PTC. Da das Portfolio aber über selbst gestaltbare Kinderkleidung deutlich hinausgeht, gibt´s hier mal einen Überblick über die Möglichkeiten, die der Print-Individualisierer aus Hong Kong seinen Kunden bietet.

Gleiches Prinzip, anderer Anbieter, diesmal aus Asien – CowCow hat in seinem breiten Angebot auch Drucksachen für Kinder; Quelle: cowcow.com/yaas

Vom Bademantel über Messenger-Bags bis zur Tablet-Schale bietet der 2003 gegründete Print-Individualisierer eine extrem große Vielfalt an Artikeln an. Produziert wird an drei Standorten in Südost-China; die Zentrale ist in Hong Kong ansässig. Von dort aus bietet CowCow den weltweiten Versand aller Artikel an, von denen ein Großteil aus den USA bestellt wird. Und wie sieht´s mit dem Produktportfolio aus?

Als umfassende Plattform bieten die sowohl selbstgestaltbare Artikel aus den Kategorien bedruckte Kleider, Taschen und Etuis, Posterdruck, Kleidung und Accessoires, Home & Office, Smartphone & Tablet, Buttons & Magnete, Uhren & Schmuck und Geschenkideen als auch vorgefertigte, zumeist farblich noch anpassbare Designs von Künstlern aus verschiedenen Teilen der Welt an. Gut finde ich auch, dass Kreative über CowCow ihre eigenen Shops starten und dazu das „Rohling-Portfolio” von mehr als 400 Artikeln mit ihren eigenen Designs bestücken können – so kann ein schneller und – wie beschrieben und rezensiert – einfacher Einstieg in den eigenen Shop-Betrieb erfolgen. Die Abwicklung mitsamt Erstellung (Konfiguration und Editorfunktion), Druck und Versand übernimmt dann CowCow. Als Anbieter der eigenen, angeschlossenen Stores verzichtet CowCow auf eine Registrierungsgebühr, gibt aber die monatliche Gebühr, die maximal 9,99 USD beträgt, und die Basispreise für die „blanken“ Produkte in Abhängigkeit der gewählten Shopgröße (Free/Premium/VIP) vor. Wer sich damit ernsthaft auseinandersetzt und die doch sehr günstigen Fixkosten für eine der besseren Optionen in Kauf nimmt, der spart bei jedem über seinen Shop verkauften Produkt schon fast die Differenz zum teureren Basispreis für die Rohlinge. Dabei ist das Grundprinzip – egal, ob ein Künstler über CowCow oder via eigenem Shop anbietet – das gleiche: Der Grundpreis wird festgelegt und der Aufschlag wird selbst gewählt. Wie viel Marge der Anbieter haben möchte, darf er sich also selbst überlegen.

„Nicht nur die Menge an personalisierbaren Produkten ist hier erschlagend – selbst die Einzelteile von komplexeren Kleidungsstücken wie Ärmel- oder Taillenbund bei Hoodies kann man bei CowCow selbst gestalten.“ – Bernd Zipper

Einige wenige Artikel von CowCow sind auch über Amazon verfügbar, dort aber in limitierter Auswahl und mit bereits fertigen Designs, bei denen nur noch die Größe gewählt werden kann. Auf mich macht das den Eindruck, als ob die das Geschäft über Amazon nicht sonderlich forcieren, da der Auftritt dort (noch) sehr verhalten aussieht.

Den kreativen Möglichkeiten sind in dem übersichtlichen Editor kaum Grenzen gesetzt; Quelle: cowcow.com

Der Fokus der E-Commerce-Plattform liegt unverkennbar an der individuellen Gestaltung der Produkte. „Design Your Own“ bildet deshalb die erste wählbare Kategorie auf der Website, die ansonsten benutzerfreundlich erscheint. Der Editor ist simpel gehalten – nur bei den komplexeren Textilien wie Jumpsuits für Herren (siehe oben – die gibt es wirklich) muss man sich über die einzelnen Gestaltungselemente Gedanken machen. Da gibt es alleine mehr als vier gestaltbare Seitenelemente, was den kreativen Gestaltungsmöglichkeiten viel Raum lässt. Eine direkte Warnung bei zu geringer Auflösung gibt es auch. Hierzu ist der kurze Erklärtext für Anwender ohne Print-Knowhow durchaus hilfreich. Und wer als Browser Chrome oder den Internet Explorer nutzt, der kann auch den Silverlight Designer als Editierumgebung nutzen. Einen wirklichen Mehrwert bringt das doch schon betagte Tool gegenüber den gut verständlichen Möglichkeiten im Standard-Editor meines Erachtens jedoch nicht.

Rein von der Unternehmensgröße her gehört CowCow nach deutschen Maßstäben mit mehr als 150 Mitarbeitern zu den mittleren Unternehmen. Die teilen sich auf die Bereiche Produktion (größter Anteil), Marketing und Programmierung auf. Wohlgemerkt sorgen auch diejenigen, die als Shopbetreiber Kunden von CowCow sind für zusätzlichen Umsatz. Obwohl die schon mehr als zehn Jahre am Markt sind, findet man kaum quantitative Angaben über das Unternehmen. Da jährlich ein einstelliger USD-Millionenbetrag in den Portfolio-Ausbau investiert wird, können sich Kunden und Reseller aber jedes Jahr über mehr als 100 neue gestaltbare Produkte freuen.

Von Billigpreisen, die manch ein Kunde mit einem Produkt direkt aus China assoziieren mag, kann hier nicht die Rede sein. Da jedes Produkt einzeln bzw. nach häufig wechselnden Vorgaben gefertigt wird, können sich nur schwer Skaleneffekte einstellen – was sich folglich manches Mal auch am Preis bemerkbar macht. Aber rund 60 USD für einen Hoodie, bei dem 13 (!) verschiedene Elemente frei mit Bildern, Text und Hintergründen etc. gestaltbar sind, sind in keiner Weise zu teuer.

Die gesamte Seite macht auf mich einen soliden Eindruck; einzig die Sache mit den Versandkosten macht mich etwas hellhörig. Denn konsistent sind die mit den Angaben für die Versandkosten nicht ganz: An einer Stelle steht, dass der Versand kostenfrei wäre – schaut man sich jedoch die zusätzlich anfallenden Kosten für bestimmte Artikel an, so zeigt sich eine doch lange Liste an „Ausnahmen“, was sich auch in einigen Produktrezensionen widerspiegelt. Wie gesagt – geliefert wird in die ganze Welt. Laut eigenen Angaben soll die Zeit dazu als reguläre Versanddauer mit USPS zwischen acht und 12 und mit Fedex zwischen zwei und vier Arbeitstagen liegen. Sollte es zeitlich mal etwas drängen, dann muss sich der Käufer mit zusätzlichen 30 USD an Versandkosten für einen, und mit weiteren Aufschlägen für jeden weiteren Artikel abfinden, denn der Versand mit Fedex kostet das standardmäßig.

My Take: Gutes Handling und sehr umfangreiches Angebot, das sich nicht nur auf bedruckte Textilien beschränkt. CowCow offeriert Kreativen, nebst eigenem Geschäft, auch das Hochladen eigener Designs oder gar die Nutzung der Produktionskapazitäten und der Produktbreite, um einen eigenen Shop führen und damit Geld verdienen zu können. Der nette Nebeneffekt ist, dass der etablierte Print-Individualisierer durch die Grundpreise für die Rohlinge immer ausreichend mitverdient und die Designer ihrerseits durch Social Media die Produktionskapazitäten von CowCow auslasten. Und wer wirklich besondere Kleidungsstücke wie z. B. Jumpsuits für Männer sucht, der wird hier fündig. Was das Produkt in Stoff- und Druckqualität angeht, so sind diese laut Kundenmeinungen erwartbar solide. Textilien aus reinem Polyester muss man zwar mögen, aber immerhin sehe ich das ja vorher. Wie so häufig  ist es doch so, dass bei solchen Individualisierungsmöglichkeiten und den angemessenen Preisen die „eigene Handschrift“ sowieso die meisten kleineren Mängel überwiegt.