Die Großen im Onlinedruck werden weiterwachsen – die passenden Konzepte dazu müssen die Entscheider in der Tasche haben. Mit Dr. Michael Fries habe ich über seine Sichtweise zur Unternehmens- und Branchenentwicklung gesprochen…

Wie in den letzten Jahren kam auch dieses Mal auf dem Online Print Symposium wieder die Initiative Online Print zur Sprache. Als Mitglieder der Initiative sind die Unternehmensköpfe an Diskussionen über Entwicklungen im Onlinedruck und an der Kontaktpflege interessiert. Was also neben dem Drucken für Erfolg im Onlineprint notwendig ist, können Sie hier auf beyond-print.de erfahren, und zwar aus dem Dialog mit den Machern unserer Branche. Michael Fries, Entscheider bei den Onlineprinters aus dem Süden Deutschlands, hat mir in diesem Sinne Rede und Antwort auf Fragen rund um den Onlinedruck und die IOP, in der das Unternehmen seit Anfang 2015 Mitglied ist, gestanden. Authentisch und realistisch – als CEO einer Gruppe, die über die Grenzen der D/A/CH-Region aktiv ist, muss er die eigene Position im Onlinedruck-Markt kennen.

Bernd Zipper: Kurz und knackig: Wer ist die Onlineprinters GmbH und was macht das Unternehmen aus?

Michael Fries: Wir waren einer der First Mover im Onlinedruck und sind heute eine der größten und internationalsten Onlinedruckereien Europas. Mit unseren Marken diedruckerei.de und Onlineprinters beliefern wir aktuell 600.000 Kunden in 30 Ländern, letztes Jahr mit einer Gesamtauflage von 2,1 Milliarden Drucksachen.

Bernd Zipper: Mit Eurem Webshop seid Ihr nun schon seit 2004 auch online vertreten und seit Längerem auch international aktiv. Wie hat sich das Unternehmen und auch der Webshop bis heute zu entwickelt? Welche Druckverfahren, Produkte und Dienstleistungen wurden hinzugenommen und welche wieder abgesetzt?

Michael Fries: Unser Produktportfolio umfasst aktuell etwa 1.500 Produkte in 10 Millionen Varianten vom Flyer über Broschüren bis zu großformatigen Werbesystemen. Wir produzieren in hauseigener Fertigung mit Offset- und Digitaldruckmaschinen und haben unsere LFP-Fertigung im letzten Jahr ausgebaut. 2016 haben wir mehr als 80 neue Produkte eingeführt und bei vielen Druckprodukten kleinere Auflagen und schnellere Produktionszeiten möglich gemacht. Dies trifft den Bedarf im Markt. Zur Frage der Absetzung: Wir haben einen guten Riecher – die meisten Produkte werden von unseren Kunden gut angenommen.

Bernd Zipper: Wie siehst Du die Entwicklung im Onlinedruck in Deutschland in 2017 und darüber hinaus?

Michael Fries: Besonders im internationalen Bereich sehen wir viel Wachstumspotenzial. Nach wie vor gibt es viele Erstkäufer und Kunden, die zu uns finden. Wer Drucksachen einkauft, kommt an Online-Angeboten nicht mehr vorbei.

Bernd Zipper: Mass Customization ist der Kundenmagnet der Zukunft. Welche Geschäftsfelder siehst Du in der Zukunft als Umsatz-bestimmend und weshalb? Wo steckt Potenzial?

Michael Fries: Unter Mass Customization verstehe ich persönlich eher die Individualisierung kleinster Auflagen, dementsprechend halte ich den Begriff für das, was wir als BtoB-Onlinedruckerei tun, nur für begrenzt geeignet. Grundsätzlich sind individuelle Druckprodukte das, was unsere Kunden wollen und für ihren Erfolg brauchen. Potenzial und erfolgreiche Anwendungen sehen wir in segmentierter Kundenansprache durch kleine Auflagen.

Auch wenn die Ausstattung an Maschinen nicht gleichbedeutend mit Erfolg ist – die Weiterverarbeitung der Druckerei in Neustadt fertigt mehrere Millionen Drucksachen jährlich ab; Quelle: Onlineprinters

Bernd Zipper: In welchen Feldern soll bzw. werden sich die Onlineprinters noch weiterentwickeln? In welche Richtung steuert Ihr?

Michael Fries: Wir werden unser Produktspektrum ausweiten, wie wir es bisher getan haben. Hier gilt es, Bedarfe im Markt zu erkennen und seinen Kunden zuzuhören. Zudem werden wir, wie jeder es tun sollte, Services und Leistung für unsere Kunden verbessern. Dies ist ein stetiger Prozess, nicht nur im E-Commerce. Durch große Player wie Amazon und Co. lernen Kunden, dass fast alles am nächsten Tag verfügbar ist – an diesen Maßstäben müssen wir uns messen lassen.

Bernd Zipper: Wie wichtig ist in Zeiten, in denen die Promotion von Produkten häufig über Erfolg oder Misserfolg am Markt bestimmt, überhaupt noch das Druck- bzw. Produktionsverfahren?

Michael Fries: Platt gesprochen: Solange die Qualität des Druckverfahrens den Ansprüchen der Kunden gerecht wird, interessiert es kaum jemanden, wie produziert wird.

„Dem Ausbau des Service und der Wahrnehmung des Geschäftspotenzials im internationalen BtoB-Bereich schenken die Onlineprinters als großer deutscher Onlinedrucker viel Beachtung – zurecht!“ – Bernd Zipper

Bernd Zipper: In Zeiten von Social-Media-, Service- und Mobile-Zwang sowie zum Teil extrem vielfältiger Kundenanforderungen für Online-Unternehmen, wird es immer komplexer, ein Unternehmen angemessen auf dem Markt abzubilden. Wie macht Ihr das?

Michael Fries: Es ist die Aufgabe jedes Unternehmens, die eigenen Kunden und Zielgruppen zu kennen. Darauf aufbauend sollte man wissen, auf welchen Kanälen sich diese bewegen. Dementsprechend können zielgruppenspezifische Botschaften und Angebote ausgespielt werden. Dies kann über Erfolg und Misserfolg entscheiden – eine Aufgabe, der sich jeder Onlineprinter stellen muss.

Bernd Zipper: In der IOP treffen verschiedene, teils konkurrierende Mitglieder des Online-Print-Umfeldes zusammen. Weshalb habt Ihr Euch dazu entschieden, dass Euer Unternehmen auch Mitglied dieser Initiative sein soll?

Michael Fries: Es gibt gemeinsame Interessen in der Beobachtung von Technologien, rechtlichen Entwicklungen und Markteinschätzungen, die gut in einem solchen Umfeld gepflegt werden können. Außerdem hat jeder seine eigenen Stärken, so dass Partnerschaften zur Fertigung bestimmter Produktgruppen oder auch Projekte zu neuen Softwaretools gut in der IOP entstehen können.

Bernd Zipper: Wenn es einen freien Wunsch Deinerseits für den aktuellen und/oder zukünftigen Onlinedruck gäbe, wie würde dieser lauten?

Michael Fries: Eine weiter dynamische Entwicklung des Online-Druck-Marktes mit genug Wachstum für alle IOP-Mitglieder.

My Take: In Sachen Produktangebot und Expansion beweisen Fries und Co. ein gutes Urteilsvermögen – und durch den letzten Erwerb von Solopress (GB) kann immer mehr international produziert werden. Was deren Kontaktpflege im eigenen Land angeht, da arbeiten die Onlineprinters genauso zielführend. Und genau das funktioniert über die IOP bestens, zumal auch Coopetition durch die große Anzahl an innovativen Branchenvertretern aus dem Onlinedruck möglich ist und regelmäßig entsteht. Das zeigt, dass die Köpfe des Onlinedrucks ihre Marktchancen sehen und wahrnehmen. Zusammenfassend kann ich nur sagen: In einigen Feldern lohnt es sich die Maßstäbe für das eigene Unternehmen an den Erfolgreichen auszurichten, wenn man die Kundenerwartungen – insbesondere was Ansprache und Logistik angeht – als richtungsweisend annimmt. Das haben die Teilnehmer des Online Print Symposiums nicht zuletzt von den Keynotes aus verschiedenen Blickwinkeln erfahren dürfen…