Interview: Fokus B2B – zuverlässiger Onlinedruck bei prinux

Mit optimierten Prozessen und einer differenzierten Sichtweise auf die Branche bereichert prinux den europäischen Onlinedruck. Wie das funktioniert, dazu habe ich mit Kurt Egger gesprochen.

Als Interessenvertretung ist die Initiative Online Print nicht nur für Onlinedrucker aus Deutschland ein Anlaufpunkt – ein Mitglied der ersten Stunde ist prinux aus Österreich. Mit Kurt J. Egger, Gründer und Geschäftsführer des B2B-Onlinedruckers aus Wien, habe ich über die Entwicklung des Unternehmens gesprochen. Eine klare Meinung hat er zur richtigen Positionierung von Onlinedruckern – auch im Hinblick auf den Wachstumstreiber Mass Customization. Hier das Interview.

Bernd Zipper: Kurz und knackig: Wer ist die prinux GmbH und was macht Ihr genau?

Kurt J. Egger: prinux ist der Spezialist für Geschäftsdrucksachen – insbesondere Visitenkarten. Dafür bieten wir unseren Kunden die effizienteste Online-Bestellplattforum sowie Druck und Logistik in gleichbleibend hoher Qualität. Wir verkaufen zurzeit ausschließlich über Closed Shops für Unternehmen und Organisationen.

Bernd Zipper: Als Druckdienstleister seid Ihr ausschließlich online und im B2B unterwegs. Weshalb gerade Geschäftsdrucksachen?

Kurt J. Egger: Weil wir hier den größten Kundennutzen stiften können. Bei Visitenkarten ist der Effizienzgewinn durch eine gute Web-to-Print-Lösung am größten – denn die Prozesskosten haben hier einen riesigen Anteil am Gesamtaufwand. Eine von uns beauftragte Studie hat ergeben, dass etwa jedes 2. Unternehmen mehr als 20 Minuten für eine Visitenkartenbestellung aufwendet, wenn man wirklich alle Schritte von der Bedarfsmeldung bis zur Abrechnung berücksichtigt. 20 Minuten pro Name, um genau zu sein! Mit prinux funktioniert das in 2 Minuten. Je nach Stundenlohn kommt man hier sehr schnell auf interne Kostenreduktionen von 10 oder 20 Euro. Bei anderen Geschäftsdrucksachen, wie z. B. Briefpapier oder Stempeln, ist die Einsparung im Vergleich zum Bestellwert nicht mehr so enorm, aber unsere Kunden schätzen es natürlich, wenn sie auch diese Produkte komfortabel bestellen können. Ein weiterer Grund für unsere Spezialisierung ist der teilweise extreme Qualitätsanspruch, der mit Visitenkarten verbunden ist – von der auftragsübergreifenden Farbkonstanz über Endfertigung und Veredelung bis zu Verpackung und Versand. Da akzeptieren Businesskunden nur geringe Toleranzen, und so können wir uns gegenüber dem Mitbewerb gut profilieren.

Bernd Zipper: Wie hat sich prinux seit dem Jahr 2000 in Sachen Produktionstechnik entwickelt? Welche Druckverfahren und Produkte oder Dienstleistungen habt Ihr im Laufe der Zeit hinzugenommen?

Kurt J. Egger: Ja, da hat sich einiges getan. In der Produktion haben wir mit der klassischen Offset-Sammelformproduktion gestartet, wobei wir dafür einen ausgezeichneten externen Partner hatten – und noch immer haben. Wir wollten ursprünglich ja nie Drucker im engeren Sinn werden. Doch dann hat sich bald gezeigt, dass mit wir mit 4-farbigen Sammelformen längst nicht alle Wünsche unserer Kunden abdecken können – weder qualitativ noch terminlich. Daher haben wir unsere eigene Digitalproduktion aufgebaut, unter anderem mit HP Indigo. Dazu kommen immer mehr, teils ziemlich aufwändige Veredelungen, die wir aber größtenteils zukaufen. Unsere Kunst liegt darin, für jeden Kunden den perfekten Produktionsweg zu finden, ihn dann auch täglich in wiederholbarer Qualität umzusetzen und das Ganze auch noch zu leistbaren Preisen anzubieten.
Was das Produktportfolio betrifft, so haben wir uns – aus den erwähnten Gründen – bewusst auf Geschäftsdrucksachen und deren Bestellprozess fokussiert. Da gab und gibt es laufend Erweiterungen und Verbesserungen, z. B. bei den Anbindungen an verschiedene Procurementsysteme, bei den Freigabeworkflows und nicht zuletzt beim Editor, den wir selbst entwickelt haben. In dieser – gar nicht so kleinen – Nische gibt es eigentlich fast nichts mehr, was wir nicht können.

„Als Onlinedrucker muss man nicht auf jede Bewegung im Markt reagieren. Umso wichtiger ist es, die Balance zwischen den Ansprüchen der Kunden nach Effizienz und Qualität und dem damit verbundenen Aufwand zu schaffen.“ – Bernd Zipper

Bernd Zipper: Wie siehst Du die Entwicklung im europäischen Onlinedruck? Wo steckt noch Potenzial?

Kurt J. Egger: Dass der Onlinedruck insgesamt weitere Marktanteile gewinnt, steht wohl außer Frage. Es kommen immer mehr Segmente dazu, wie beispielsweise der Verpackungs- oder der Textildruck. Spannend ist vor allem, wie weit die derzeit schon laufende Konzentration noch weitergeht. Die Großen werden sicher noch ein Stück größer, aber irgendwann sind die zusätzlichen Skaleneffekte dann nur noch gering. Neben den großen Druckfabriken wird weiterhin viel Platz für Spezialisten bleiben, die bestimmte Dinge einfach besser können als ein Generalist. Gerade im B2B-Sektor schauen heute wieder mehr auf Prozess- und Produktqualität – „online“ und „billig“ als einzige Argumente reichen nicht mehr.

Bernd Zipper: Mass Customization ist einer der Wachstumstreiber der Zukunft im Onlinedruck. Welche Geschäftsfelder siehst Du in der Zukunft als Umsatz-bestimmend und weshalb?

Kurt J. Egger: Mass Customization gibt es in vielen Branchen, und wir Onlinedrucker betreiben das schon länger als viele andere. Na und? Ich verstehe ehrlich gesagt den Hype rund um dieses Wort nicht ganz. Nur weil mancher große Online-Printer das Produktportfolio laufend ausdehnt und nun auch bedruckte Werbeartikel anbietet, ist das noch nichts besonders Revolutionäres. Und wenn wir uns zu weit von unserem Kerngeschäft bewegen, wird der gemeinsame Nenner „Mass Customization“ nicht reichen, um erfolgreich zu sein. Für jedes neue Produkt braucht es wieder neues Know-how – siehe 3D-Druck. Erfolgversprechend für unsere Branche sind sicher alle Bereiche, in denen Druck nicht substituierbar ist – Stichwort: Verpackungen oder Werbeartikel – oder einfach nicht substituiert wird, wie eben auch Visitenkarten. Deren Tod hat man oft prophezeit, aber das Gegenteil ist passiert: Der Stellenwert ist eher größer als kleiner geworden, man investiert in Qualität und Einzigartigkeit. Ähnlich läuft es derzeit mit hochwertigen Büchern.

Visitenkarten gehören für prinux zum Kerngeschäft. Quelle: prinux.com

Bernd Zipper: In welchen Feldern wird sich die prinux GmbH noch weiterentwickeln? In welche Richtung steuert Ihr?

Kurt J. Egger: Zunächst einmal: Ganz einfach mehr vom Gleichen – wir wachsen in unserem Kernsegment ganz ordentlich, aber da ist noch viel mehr drinnen. Zweitens werden wir unsere Online-Tools weiterentwickeln, um unseren Kunden das Leben noch leichter zu machen. Und drittens wollen wir das Produktportfolio für unsere B2B-Kunden durchaus erweitern – aber nicht mit der Gießkanne, sondern sehr überlegt und gezielt. Das Vertrauen, das wir bei Unternehmen genießen, ist unser größtes Kapital – daher müssen wir auch bei neuen Produkten immer zuerst auf verlässliche, wiederholbare Qualität achten.

Bernd Zipper: Print zu bewerben reicht nicht aus – wie wichtig sind die Produktionsverfahren und die Qualität im Onlinedruck?

Kurt J. Egger: Im B2B-Bereich ist und bleibt Qualität extrem wichtig, und damit auch das Herstellungsverfahren. „Good enough“ ist für Unternehmen nicht gut genug. Aus unserer Sicht gibt es in der Druck- und Veredelungstechnologie noch eine ganze Reihe Probleme, die zum Teil nur mit viel Aufwand zu umgehen sind. Aber vielleicht ist das ja auch ganz gut für uns, weil unser diesbezügliches Know-how damit doch einen Unterschied macht.

Bernd Zipper: In Zeiten von Social-Media-, Service- und Mobile-Zwang sowie zum Teil extrem vielfältiger Kundenanforderungen für Online-Unternehmen, wird es immer komplexer, ein Unternehmen angemessen auf dem Markt abzubilden. Wie macht Ihr das?

Kurt J. Egger: Social Media ignorieren wir derzeit komplett – ob uns das viel schadet, wissen wir ehrlich gesagt nicht. Und zum Thema Mobile: Natürlich spielt Mobile auf der Kundenseite zunehmend eine Rolle, aber im Moment noch vor allem bei der Lieferantenrecherche, weniger für die laufenden Bestellungen. Aber selbst beim Traffic auf unserer Akquisitionswebsite – die natürlich responsive ist – sehen wir, dass im B2B-Bereich der Desktop-PC noch sehr dominant ist. Trotzdem arbeiten wir daran, auch die Bestellplattformen komplett responsive zu machen. Der dritte Punkt, also das Thema Service, ist tatsächlich ein Schlüsselfaktor für uns: Da versuchen wir, die richtige Mischung aus persönlicher Betreuung und Self-Service anzubieten. Nicht unsere Kunden müssen sich prinux anpassen, sondern umgekehrt. Das ist vielleicht auch eine Strategie, die uns von den Großen unterscheidet. Gleichzeitig müssen wir aufpassen, dass unsere schlanken Abläufe nicht durch zu viele Ausnahmen und manuelle Eingriffe zu viel Fett ansetzen. Aber solange die kundenspezifischen Lösungen nicht für einzelne Aufträge, sondern für eine lange Kundenbeziehung mit vielen Bestellungen entwickelt werden, ist das für uns ok.

Bernd Zipper: In der IOP treffen verschiedene, teils konkurrierende Mitglieder des Online-Print-Umfeldes zusammen. Weshalb habt Ihr Euch dazu entschieden, dass Euer Unternehmen auch Mitglied dieser Initiative sein soll?

Kurt J. Egger: prinux war von Anfang an dabei – genau genommen waren wir sogar eine Art Mitinitiator, weil wir das Thema Web-to-Print-Patente bei einer Veranstaltung mit Dir zur Sprache brachten. Damals ging es darum, abstruse Patentansprüche von Mitbewerbern gemeinsam abzuwehren, und da auch wir bedroht waren, sind wir selbstverständlich Mitglied geworden. Heute geht es mehr um persönliche Kontakte und darum, am Puls der Branche zu bleiben. Natürlich tauscht man keine Geschäftsgeheimnisse aus, aber es gibt bei jedem Treffen wieder neue Impulse und viel zu lernen.

Bernd Zipper: Wenn es einen freien Wunsch Deinerseits für den zukünftigen Onlinedruck gäbe, wie würde dieser lauten?

Kurt J. Egger: Nur einen Wunsch? Ich hätte eigentlich eine ganze Reihe. Aber der größte ist wohl, dass die Kunden weniger auf den reinen Druckpreis und mehr auf die Prozess- und Produktqualität schauen. Viele B2B-Kunden sind schon so weit, aber noch längst nicht alle.

My Take: Den Markt im Blick haben und gleichzeitig den Fokus auf die eigenen Stärken richten – das macht prinux zu einem erfolgreichen B2B-Onlinedrucker, der nicht nur in Österreich, sondern auch im wachsenden Schweizer Onlineprint-Markt vertreten ist. Kurt Egger kennt die Anforderungen in Bezug auf einfache Bestellvorgänge und die Qualitätsansprüche im B2B-Bereich, effizientes Vorgehen wird da großgeschrieben. Auch in Sachen mobile Darstellung und Mass Customization vertritt er nachvollziehbar seine differenzierte Sichtweise und dosiert „neue“ Maßnahmen entsprechend. Von der Umsicht, die einige der interviewten Köpfe aus dem D/A/CH-Onlinedruck zeigen, können sich viele Onlineanbieter eine Scheibe abschneiden. Ein Grund mehr, hier auf beyond-print.de mit den konstruktiven Gesprächen zu den einzelnen Unternehmen und der Entwicklung des europäischen Onlinedrucks weiterzumachen.

2017-06-30T09:56:04+00:00 23.06.2017|Markt|0 Comments

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