Kooperationen schaffen und pflegen, um für die Zukunft im Onlineprint gerüstet zu sein – hört sich nach einem klasse Geschäftsmodell an. Nur ein Grund für ein ausführliches Gespräch mit Olav Kollin – Chef von „MyMatz“.

Im Nachgang zum 5. Online Print Symposium habe ich mit einigen der Branchen-Köpfe über ihr Unternehmen, dessen Entwicklung und ihre Einschätzung zum Onlineprint-Markt gesprochen. Damit erhalten Sie als Leser die Möglichkeit, die Sichtweise einiger Lenker nachzuvollziehen und Einblicke aus erster Hand zu gewinnen. Kollin ist als Druck- und Mediendienstleister schon seit mehr als zehn Jahren am Markt und als Onlineprinter langjähriges Mitglied der Initiative Online Print. Ich freue mich immer betonen zu dürfen, dass Olav Kollin, Geschäftsführer der Kollin Mediengesellschaft, den Netzwerkgedanken im Printbereich lebt und stets als gutes Vorbild vorangeht. Sein neuestes Kind ist „MyMatz“.

Bernd Zipper: Olav, kurz und knackig: Wer ist Kollin Medien und was macht das Unternehmen aus?

Olav Kollin: Mit eigenem Druckzentrum in Neudrossenfeld sind wir mit rund 80 Mitarbeitern ein bunter Mix aus branchenerfahrenen „alten Hasen“ und frisch motivierten, jungen Durchstartern.Gerade deshalb sind wir anders. Von A wie bedruckbare 100% ökologische Anzuchtsets bis Z wie klassischen Zeitungsdruck – wir produzieren und vermarkten neben dem Standard außergewöhnliche Trendprodukte sowie verschiedenste Sonderanfertigungen und Dienstleistungen rund um den Druck.

 

Bernd Zipper: Seit 2009 seid Ihr mit print4reseller auch online vertreten und mit dem Marktplatz 4.0 habt Ihr eine Plattform für Druckereien und Wiederverkäufer geschaffen. Wie hat sich das Unternehmen und auch die Plattform bis heute zu entwickelt? Welche Druckverfahren, Produkte und Dienstleistungen wurden hinzugenommen und welche wieder abgesetzt?

Olav Kollin: Wir haben uns seit 2009 als Onlinedruckerei mit der Marke PRINT 4 RESELLER auf die Bedürfnisse der Wiederverkäufer konzentriert und haben früh angefangen zu „netzwerken“ und mit Partnerschaften zu arbeiten – mit Erfolg. Bis heute haben wir zahlreiche Shops und Schnittstellen zu anderen Systemen aufgebaut und werden die Erfahrungen nun in unseren neuen Marktplatz einfließen lassen. Der ist ganz neu und auch ganz anders, denn jeder kann mitmachen!

Das ist der Neue – frisch vorgestellt auf dem OPS 2017; Quelle: Kollin Mediengesellschaft

Bernd Zipper: Ein neuer Marktplatz? Wie funktioniert der denn?

Olav Kollin: Mit MyMatz wollen wir noch einen Schritt weitergehen und allen, die Print- und/oder Kreativleistungen anbieten wollen oder entsprechenden Bedarf an zugeschnittenen Lösungen haben, eine Plattform für gewinnbringende Kontakte bieten und weitere Sortimente vereinen. Als Teil der MyMatz-Community können Partner Angebote und Jobs pinnen, Print- und Marketing-Leistungen gezielt suchen oder offerieren und ihre Reichweite vergrößern. Besonders wichtig ist uns dabei, dass alle Partner einen Überblick über die mächtigen Möglichkeiten rund um das Printprodukt bekommen, sich austauschen und persönlichen Kontakt pflegen können.

Bernd Zipper: Wie siehst Du die Entwicklung im Onlinedruck in Deutschland in 2017 und darüber hinaus?

Olav Kollin: Ich glaube, dass der Onlinedruck an Image gewinnen wird, dass zudem die Produkte noch vielfältiger und die Services noch umfangreicher werden und dass es noch Platz für neue Ideen im E-Commerce gibt!

 „Mehr Service, frische Ideen und wertvolle Kooperationen – so kann das Erfolgsrezept für die Zukunft des Onlinedrucks lauten.“ – Bernd Zipper

Bernd Zipper: Mass Customization ist der Kundenmagnet der Zukunft. Welche Geschäftsfelder siehst Du in der Zukunft als Umsatz-bestimmend und weshalb? Wo steckt Potenzial?

Olav Kollin: Wenn man von Mass Customization (kundenindividuelle Massenproduktion) spricht, muss man ja in unserer Branche zwischen der Personalisierung von Produkten für z.B. Endkunden wie der „Kevin“ auf der Butterbrotbox und andererseits aber auch vom komplexen Druckjob, der dann doch standardisierbar hergestellt werden kann, sprechen. Bei den personalisierten Produkten ist sowieso klar, dass diese noch enormes Wachstumspotential haben. Bei den komplexen Druckjobs sehe ich die Chance für heutige Druckanfragen, die bislang noch nicht online abbildbar waren. Da spielt die Technik eine entscheidende Rolle, dass diese Jobs auch online kalkulier- und abwickelbar werden. Das kann z.B. der hochqualitative Katalog mit komplexen Datenfreigabeprozessen, Farbabnahmen, Veredelungen und Logistik sein.

Bernd Zipper: In welchen Feldern soll bzw. wird sich die Kollin Mediengesellschaft noch weiterentwickeln? In welche Richtung steuert Ihr?

Olav Kollin: Wir wollen zukünftig noch mehr als Dienstleister wahrgenommen werden und unseren Kunden und Partnern mit weiteren Druckprodukten, drucknahen Serviceleistungen sowie als Ansprechpartner für Marketing und Medialeistungen zur Verfügung stehen. Unser Ziel dabei ist: ein Marktplatz, ein Login, ein Ansprechpartner und eine Rechnung.

Bernd Zipper: Wie wichtig ist in Zeiten, in denen die Promotion von Produkten häufig über Erfolg oder Misserfolg am Markt bestimmt, überhaupt noch das Druck- bzw. Produktionsverfahren?

Olav Kollin: Was letztendlich für den Kunden zählt ist die Response. Welches Werbemedium er dazu einsetzt ist ihm dabei oftmals egal. Unabhängig ob online oder Print: unsere Aufgabe ist es doch, ihm die richtigen Medien anzubieten. Gerade das ist für Print die Herausforderung und Chance. Die Stärke liegt in der Kombination der Medien!

Die Kombination macht´s. Kollin vereint in seinem bewährten Marktplatz 4.0-Netzwerk die relevanten Punkte für Wiederverkäufer; Quelle: print4reseller.com

Bernd Zipper: In Zeiten von Social-Media-, Service- und Mobile-Zwang sowie zum Teil extrem vielfältiger Kundenanforderungen für Online-Unternehmen, wird es immer komplexer, ein Unternehmen angemessen auf dem Markt abzubilden. Wie macht Ihr das?

Olav Kollin: Eine spannende Frage! Wir mussten uns hier enorm weiterentwickeln und haben hier sehr viel erfahren und lernen müssen. Aber heute können wir sagen, dass all diese Erfahrungen in unseren neuen Marktplatz eingeflossen sind.

Unser Hauptfokus wird nicht nur darauf liegen, eine Plattform zu bieten, auf welcher die Kaufabwicklung im Vordergrund steht. Selbstverständlich bleiben wir ein Onlineshop, aber das wird nur ein Teil des künftigen Marktplatzes sein. Viel wichtiger ist es jedoch, dem Kunden einen Mehrwert zu bieten, ihn vollumfänglich mit Service zu versorgen und ein Einkaufserlebnis zu schaffen, von dem gleichzeitig auch Kooperationspartner profitieren.

Bernd Zipper: In der IOP treffen verschiedene, teils konkurrierende Mitglieder des Online-Print-Umfeldes zusammen. Weshalb habt Ihr Euch dazu entschieden, dass Euer Unternehmen auch Mitglied dieser Initiative sein soll?

Olav Kollin: Wir möchten branchennah sein, Gesicht zeigen, unseren Marktplatz repräsentieren und den Markt beobachten. Die IOP als ein Schmelztiegel der Branchenrepräsentanten ist dafür genau richtig und ist auch hinsichtlich des Netzwerkgedankens nicht zu unterschätzen.

So konnten wir dadurch neue Partnerschaften und Kooperationen schließen, Wissensaustausch betreiben sowie voneinander profitieren – aber auch inzwischen Freundschaften knüpfen und pflegen!

Bernd Zipper: Wenn es einen freien Wunsch Deinerseits für den aktuellen und/oder zukünftigen Onlinedruck gäbe, wie würde dieser lauten?

Olav Kollin: Pin to win! Wettbewerb war gestern, Partnerschaft ist heute!

My Take: Tolle Einstellung! Wie schon gesagt – Kollin lebt den Netzwerkgedanken. Wer sich im Onlinedruck auf Augenhöhe begegnen, Partnerschaften initiieren und den Markt im Blick haben will, der ist also bei der Initiative Online Print an der richtigen Stelle. Olav Kollin zeigt, dass wirtschaftliches Denken nicht immer Konkurrenz und Verdrängung bedeuten muss. Auch seine Meinung zur Entwicklung des Onlinedrucks kann ich nur teilen: frische Ideen schaffen Potenziale und ein Mehr an Serviceumfang wird dem Image von Onlinedruckereien zu weiterem Wachstum verhelfen.