Entscheidungen treffen, den Markt kennen, das Unternehmen voranbringen – nicht weniger als das wird von Unternehmensleitungen im Onlinedruck erwartet. Nur wie sehen die Verantwortlichen die Lage und Entwicklung des Onlinedrucks?

Das Online Print Symposium steht im April an und wie in den letzten Jahren wird auch dieses Mal wieder die Initiative Online Print zur Sprache kommen. Deshalb berichte ich hier auf beyond-print.de nicht nur über die Entwicklung des gesamten Marktes, sondern auch über die einzelnen Entscheidungseinheiten, sprich: die Unternehmensköpfe. Denn: Häufig wird schon fast anonymisierend von den Entscheidungsträgern innerhalb unserer Branche gesprochen. Und um hier mal jenseits von eigenen Recherchen den Weg einiger Köpfe des Onlinedrucks aus der DACH-Region und auch den von Mitgliedern der Initiative nachzuzeichnen und für die Zukunft einschätzen zu können, gibt es hier Informationen aus erster Hand. Auch die Entscheider der „kleineren“ Onlinedrucker gehören dazu. Einer von denen, die mich immer wieder begeistern, ist Ortmaier-Druck. Geschäftsführer Stefan Ortmaier hat mir als erster auf die Fragen geantwortet – herausgekommen sind Reaktionen mit Weitsicht…

Bernd Zipper: Kurz und knackig: Wer ist Ortmaier-Druck und was macht das Unternehmen aus?

Stefan Ortmaier: Ortmaier Druck produziert seit über 50 Jahren im bayerischen Frontenhausen – vor den Toren Münchens. Seit 2004 sorgt der Onlineshop flyerpara.de für einen großen Teil der täglich zu produzierenden Aufträge.
Dabei legen wir viel Wert auf zusätzlichen Service wie Schmuckfarben, eigene Formate, eigene Auflagen aber auch auf persönliche Ansprechpartner. Unsere Kunden profitieren auch von individuellen Lösungen. Sei es im Bereich Web-to-Print oder Verarbeitungen wie Veredelungen und Stanzformen. Und aufgrund von Sammelformen können wir günstige Preise bieten.
In der Region Niederbayern sind wir der Platzhirsch. Darüber hinaus dürfen wir aber auch viele Firmen aus den Ballungsräumen München, Ingolstadt, Regensburg und Passau zu unseren Kunden zählen.

 

Bernd Zipper: Ortmaier-Druck ist seit fast 15 Jahren mit flyerpara.de auch online vertreten. Wie hat sich das Unternehmen und auch die Plattform in dieser Zeit entwickelt? Welche Druckverfahren, Produkte und Dienstleistungen wurden hinzugenommen und welche wieder abgesetzt?

Stefan Ortmaier: Das Sortiment von Ortmaier-Druck wurde nach und nach mit neuen Produkten aus den Bereichen Offsetdruck, Digitaldruck, Werbetechnik, Textildruck und Siebdruck erweitert. Waren es anfangs nur Flyer und Plakate in zwei Papiersorten, die bei flyerpara.de bestellt werden konnten, sind mittlerweile viele Papiere und Broschüren in eigenen Formaten, Klatschpappen, Tischaufsteller und vieles mehr im Produktportfolio. Über eine Million Produkte sind im Onlineportal kombinierbar. Dabei können Drucksachen auf Wunsch auch klimaneutral gedruckt werden. Auf Anfrage besteht auch die Möglichkeit individuelle Projekte dank FSC- und PEFC-Zertifizierung umweltbewusst produzieren zu lassen. Mit unserem hauseigenen Fuhrpark liefern wir an Kunden fast in ganz Bayern. Ein toller Service, vor allem wenn es eilt.
Generell muss man sagen, wir haben eine optimale Mischung durch die einzelnen Druckverfahren und durch Kombination Sammelform mit normaler Produktion. Dies ist definitiv unsere Stärke!

Bernd Zipper: Wie siehst Du die Entwicklung im Onlinedruck in Deutschland in 2017 und darüber hinaus?

Stefan Ortmaier: Standardprodukte werden hauptsächlich von den großen Onlineportalen produziert. Da diese durch eine bessere Auslastung auch einen niedrigeren Preis machen können. Allerdings gibt es eine Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen, die mit guten Ideen neue Produkte auf den Markt bringen. Oder durch besonderen Service viele Nischen bedienen können. Ortmaier-Druck nimmt den Kunden an die Hand und begleitet ihn bei der Umsetzung seiner Drucksachen. So bekommt der Kunde von der Fachberatung, über die Gestaltung der Drucksachen bis hin zur Produktion alles aus einer Hand. Wichtig ist meiner Meinung nach hier der gute Kontakt zum Kunden. Dabei ist es eher nachrangig wer die Drucksachen wo produziert, sofern die Qualität passt.

Bernd Zipper: Mass Customization ist der Kundenmagnet der Zukunft. Welche Geschäftsfelder siehst Du in der Zukunft als Umsatz-bestimmend und weshalb? Wo steckt Potenzial?

Stefan Ortmaier: Potenzial sehe ich in vielen neuen Druckprodukten die in Zukunft „erfunden“ werden. Und die durch Mass Customization günstig hergestellt werden können. Viele kleine Startups machen uns das ja gerade vor. Wie bereits oben gesagt, wichtig ist was der Kunde will. Wir bieten ja auch jetzt schon viele Artikel an, die wir nicht selbst fertigen (z. B. Werbekugelschreiber etc.). Das wird wachsen. Natürlich haben aber auch wir einige Spezialitäten, die wir gerne Wiederverkäufern anbieten. Genannt sind hier nur mal Stanzflyer, Stanzbroschüren oder Veredelungen.

Bewährte Plattform mit neuem Erscheinungsbild – seit mehr als zehn Jahren ist Ortmaier-Druck mit flyerpara.de online; Quelle: flyerpara.de

Bernd Zipper: In welchen Feldern soll bzw. wird sich Ortmaier-Druck noch weiterentwickeln? In welche Richtung steuert Ihr?

Stefan Ortmaier: Den Service noch mehr ausbauen: 4-Stunden-Service für bestimmte Produkte anbieten, Service-Portale im B2B-Bereich einrichten, Sonderwünsche für den Kunden erfüllen (evtl. auch im kundeneigenen Shop eingebettet), erweiterten Lieferservice. Und natürlich in den Nischen, die wir für unsere Kunden besetzen noch besser werden.

Bernd Zipper: Wie wichtig ist in Zeiten, in denen die Promotion von Produkten häufig über Erfolg oder Misserfolg am Markt bestimmt, überhaupt noch das Druck- bzw. Produktionsverfahren?

Stefan Ortmaier: Ich denke das tritt mehr und mehr in den Hintergrund. Dem Kunden ist es letztendlich egal, wie oder von wem sein Auftrag produziert wird. Wichtig ist, dass der Kunde sich gut aufgehoben fühlt, er einfach zu seinem Produkt kommt und mindestens genau das bekommt, was er sich vorstellt. Und unsere kompetenten Ansprechpartner und Mitarbeiter sorgen hier tagtäglich dafür. Mit unseren umfangreichen Serviceleistungen sind wir auf einem richtigen Weg. Ortmaier-Druck ist klein genug für besten Service und groß genug um alle Druckwünsche der Kunden zu erfüllen

„Konzentration auf das eigene Können und sinnvoller Ausbau der (Druck-) Kapazitäten – mit diesem Vorgehen sichert sich Ortmaier-Druck als Onlinedrucker mit Familientradition seit vielen Jahren seinen Platz am Markt.“ – Bernd Zipper

Bernd Zipper: In Zeiten von Social-Media-, Service- und Mobile-Zwang sowie zum Teil extrem vielfältiger Kundenanforderungen für Online-Unternehmen, wird es immer komplexer, ein Unternehmen angemessen auf dem Markt abzubilden. Wie macht Ihr das?

Stefan Ortmaier: Das ist in der Tat schwierig. Uns steht ja keine große Programmierer- oder Marketingmannschaft zur Verfügung, wie das bei großen Mitbewerbern der Fall ist. Wir müssen aber auch nicht eine der großen Nummern in ganz Deutschland oder Europa sein. Wir wollen eines der besten Druckunternehmen für unsere Zielgruppe und in unserer Region sein. Das macht das Ganze überschaubarer. Natürlich bieten wir auch internationalen Versand an. Grundsätzlich legen wir den Fokus aber auf Deutschland bzw. noch konkreter: Bayern. Eine aktuelle Online-Shop-Software ist dafür aber auch unverzichtbar.

Bernd Zipper: In der IOP treffen verschiedene, teils konkurrierende Mitglieder des Online-Print-Umfeldes zusammen. Weshalb habt Ihr Euch dazu entschieden, dass Euer Unternehmen auch Mitglied dieser Initiative sein soll?

Stefan Ortmaier: Der Austausch mit „Gleichgesinnten“ macht einfach Spaß, bringt neue Ideen und nicht zuletzt auch die ein oder andere Kooperation.

Bernd Zipper: Wenn es einen freien Wunsch Deinerseits für den aktuellen und/oder zukünftigen Onlinedruck gäbe, wie würde dieser lauten?

Stefan Ortmaier: Dass auch kleine und mittlere Unternehmen die Möglichkeit haben, ihre Produkte zu annähernd gleichen Kosten herstellen zu können wie die „großen“ Online-Portale.

My Take: Als ehemals klassischer Drucker ist Ortmaier-Druck nicht nur online, sondern auch offline tätig. Stefan Ortmaier als Teil der Druckereileitung schätzt meiner Ansicht den Markt richtig ein und sucht nicht die Konkurrenz zu den ganz großen Playern wie Flyeralarm und Konsorten, sondern bündelt zielgruppengerechtes Anbieten von klassischen Drucksachen und zusätzlich Bedrucktes aus dem Sieb- und Digitaldruck in seinem Portfolio zusammen mit dem passenden Service – und konzentriert sich dabei auf Süddeutschland. Runde Sache.