Interview: Köpfe des Onlinedrucks – zeitgemäßer E-Business Print aus dem Hause Longo

Print-Portale, Druck und Print-Logistik – bei Longo gibt es Web-to-Print Full Service. Wie blickt jemand auf den Onlineprint-Markt, der als Anbieter so breit aufgestellt ist?

Die Initiative Online Print vertritt die Interessen großer und kleiner Onlinedrucker gleichermaßen. Und da beim Online Print Symposium kommende Woche wieder einige Mitglieder dabei sein werden, wird auch die Zusammenarbeit in der IOP zur Sprache kommen. Deshalb berichte ich hier auf beyond-print.de nicht nur über die Entwicklung des gesamten Marktes, sondern auch über die einzelnen Entscheidungseinheiten, sprich: die Unternehmensköpfe. Aber wer sind die Entscheidungsträger im Onlinedruck-Umfeld? Um hier mal jenseits von eigenen Recherchen den Weg einiger Köpfe des Onlinedrucks aus der D/A/CH-Region und auch den von Mitgliedern der Initiative nachzuzeichnen und für die Zukunft einschätzen zu können, gibt es hier Informationen aus erster Hand. Wie bereits angekündigt, geht es also mit den Interviews hier auf beyond-print.de weiter, und zwar heute mit der Longo Deutschland GmbH aus dem Süden der Bundesrepublik. Zu seiner Sicht auf die Position und die Entwicklung des Unternehmens aus Augsburg (Hauptsitz ist in Bozen, Südtirol) habe ich mit Helfried Prünster, CEO Longo Deutschland, gesprochen.

Bernd Zipper: Kurz und knackig: Wer ist die Longo Deutschland GmbH und was macht das Unternehmen aus?

Helfried Prünster, CEO Longo Deutschland GmbH

Helfried Prünster: Longo Deutschland in Augsburg ist das Digitaldruck-Kompetenzzentrum der Longo Gruppe aus Bozen und verantwortet den Bereich E-Business-Print. Wir entwickeln und betreiben B2B-Shops für unterschiedliche Kundengruppen aus dem europäischen Raum, sowie das B2C-Portal www.tapeterie.com über das maßgefertigte Vlies-Tapeten vertrieben werden. Mittlerweile etablieren wir uns aber auch als Dienstleister für Web-to-Print-Lösungen die wir betreiben. Unsere Kunden sind hier z.B. Mymuesli und weitere Industriekunden, aber auch einige Druckereien. Wir hätten am Anfang nicht gedacht, dass das Thema „Coopetition“ bei uns so durchschlägt.

 

 

Bernd Zipper: Euer aktuelles E-Business Print-Portal deckt die meisten Geschäftsdrucksachen ab. Wie hat sich das Unternehmen mit dem Portal und den anderen Druckdienstleistungen bis heute zu entwickelt? Welche Druckverfahren, Produkte und Dienstleistungen wurden hinzugenommen und welche wieder abgesetzt?

Helfried Prünster: Zu den Geschäftsdrucksachen kommen immer stärker Large Format Produkte und Lösungen für den Point-of-Sale hinzu. Diese meist individualisiert und in Kleinstauflagen. Ein Trend in den letzten beiden Jahren ist, dass unsere Kunden ihr Lager an Marketingmaterialien an uns auslagern und wir die Konfektionierung und den Versand durchführen. Das ist aber nicht neu. Nun kommt noch hinzu, dass unsere Kunden uns mittlerweile auch auffordern bestimmte Leistungen via Web abzubilden. So wächst unser E-Business-Bereich stetig. Wir haben uns ein wenig auf Magento spezialisiert – das hebt uns schon etwas von den Marktbegleitern ab.

Bernd Zipper: Wie siehst Du die Entwicklung im Onlinedruck in Deutschland in 2017 und darüber hinaus?

Helfried Prünster: Onlinedruck wird weiterwachsen, im B2C- wahrscheinlich nicht so stark wie im B2B-Geschäft. Für uns „kleinere Anbieter“ bedeutet dies aber, dass wir auf der einen Seite mit den großen Anbietern kooperieren wollen und werden – auf der anderen Seite jedoch auch sehr vorsichtig sein müssen, nicht „gefressen“ zu werden. Wir fokussieren klar auf B2B, da wir hier mehr an der Leistung gemessen werden als am Preis. Das dürfte anderen genauso gehen.

„Mit dem Fundus an Produktionsmöglichkeiten und den Online-Angeboten geht Longo definitiv mit der Zeit. Von deren Markteinschätzung können andere noch was lernen.“ – Bernd Zipper

Bernd Zipper: Mass Customization ist der Kundenmagnet der Zukunft. Welche Geschäftsfelder siehst Du in der Zukunft als Umsatz-bestimmend und weshalb? Wo steckt Potenzial?

Helfried Prünster: Mass Customization sehe ich als großes Potenzial für sämtliche Branchen. Eine Marke wird für jeden von uns hochwertiger, wenn wir treffend individualisierte Ansprache erhalten. Das geht bis hin zum Versandkarton, den ein Modelabel zukünftig für den User individualisieren wird. Da wir nahezu jeden Druckbereich anbieten und meist sogar mit eigenen Maschinen abbilden können, sind wir für Mass Customization gewappnet und – ehrlich gesagt – machen wir das auch schon seit Jahren.

Bernd Zipper: In welchen Feldern soll bzw. werden sich die Onlineprinter noch weiterentwickeln? In welche Richtung steuert Ihr?

Helfried Prünster: Die Online-Printer werden hochwertigere, veredelte Produkte anbieten, da sie mit dem Standard-4C-Bereich kaum neue Kundenschichten erreichen können – in dem Bereich herrscht mittlerweile ein recht großer Verdrängungswettbewerb. Wir steuern im B2B-Bereich auf stärker individualisierte E-Business-Print-Anwendungen, das heißt, dass als Endprodukt nicht immer ein gedrucktes Produkt stehen muss, wie schon gesagt. Ich denke aber, dass wir als Longo – also einem Unternehmen mit klassischem Hintergrund – noch mehr lernen auch „Online“ richtig zu leben. Das dauert natürlich, denn wenn jemand 15 Jahre offline gearbeitet hat, muss er erstmal lernen, was es bedeutet online unterwegs zu sein. Wir versuchen hier Stück-für-Stück den Bereich auszubauen, ohne den Fokus auf B2B zu verlieren.

Bernd Zipper: Wie wichtig ist in Zeiten, in denen die Promotion von Produkten häufig über Erfolg oder Misserfolg am Markt bestimmt, überhaupt noch das Druck- bzw. Produktionsverfahren?

Helfried Prünster: Jede Druckmaschine ist eine reine Output-Station und absolut austauschbar – und dennoch ist es wichtig die wichtigsten Druckverfahren zu bedienen. Zumindest was den 24-Stunden-Service angeht. Hier können wir manchmal große Anbieter übertrumpfen, da wir einfach schneller sind. Für mich ist der Inkjet-Bereich sehr interessant – denn die Kombination aus Online und bedarfsgerechtem Highend-Druck wird neue Märkte erschließen.

Bernd Zipper: In Zeiten von Social-Media-, Service- und Mobile-Zwang sowie zum Teil extrem vielfältiger Kundenanforderungen für Online-Unternehmen, wird es immer komplexer, ein Unternehmen angemessen auf dem Markt abzubilden. Wie macht Ihr das?

Helfried Prünster: Wir bespielen alle Online-Kanäle und versorgen unsere Premium-Kunden mit einem gedruckten Kundenmagazin mit Informationen. Das Bespielen der vielfältigen Online-Kanäle wird aufwändiger und in den Bereich werden wir uns auch personaltechnisch stark weiterentwickeln.

Bernd Zipper: In der IOP treffen verschiedene, teils konkurrierende Mitglieder des Online-Print-Umfeldes zusammen. Weshalb habt Ihr Euch dazu entschieden, dass Euer Unternehmen auch Mitglied dieser Initiative sein soll?

Helfried Prünster: Wir verstehen das überhaupt nicht als Konkurrenz – auch ein kleines Unternehmen kann für einen der großen Online-Printer ein interessantes Nischenprodukt liefern und im Gegenzug auch vom Produktionsnetzwerk der Großen profitieren. Die Zeit, in der jeder alles machen kann, ist vorbei. Wir schätzen den freien und offenen Austausch in der Gruppe und über die Zusammenarbeit die daraus entsteht.

Bernd Zipper: Wenn es einen freien Wunsch Deinerseits für den aktuellen und/oder zukünftigen Onlinedruck gäbe, wie würde dieser lauten?

Helfried Prünster: Hersteller und Kunden könnten den Bereich der Mass Customization schneller vorantreiben wollen, um ihre Marke am Markt besser zu platzieren. Das würde zu sehr spannenden Projekten und auch weiteren innovativen Lösungen führen. Naja – und es wäre echt wichtig, dass die Verbände mal was in Sachen Ausbildung tun. Wenn wir Mitarbeiter für den E-Business-Bereich suchen, dann müssen wir viel Zeit und Geld aufwenden, damit wir Entwickler und Projekt-ITler in die Druckindustrie locken können – und denen müssen wir dann erstmal das kleine 1×1 des Druckens beibringen. Hier tut Bildung Not.

My Take: Longo ist als ursprünglicher Litho-Spezialist zunehmend zum Allrounder geworden, wenn es um Web-to-Print-Dienstleistungen geht. Helfried Prünster schätzt meiner Ansicht nach die Markt-Erfordernisse und ein angemessenes Verhalten gegenüber Wettbewerbern – mit denen man durchaus gewinnbringende Kooperationen einrichten kann – richtig ein. Nicht umsonst ist Longo Teil der IOP, in der wir durch die Breite und Qualität unserer Mitglieder eine wichtige Wissens-, Dialog- und Netzwerkplattform pflegen können. Und endlich betont mal jemand neben mir die Themen Ausbildung und Fachkräftemangel im Onlineprint – da wird sich in den nächsten Jahren noch einiges tun müssen… 

2017-04-04T10:43:59+00:00 04.04.2017|Menschen|0 Comments

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