Interview: Ripple Maker – Kundenbindung mit personalisiertem Kaffee-Print

Interview: Ripple Maker – Kundenbindung mit personalisiertem Kaffee-Print

Mit dem Kaffeedrucker Ripple Maker expandiert Steam CC nun auch auf den europäischen Markt, Rückenwind gibt´s unter anderem von Landa. Was macht die Nischenanwendung des Start-ups aus Israel aus?

Print war nicht Kern der dmexco 2017, klar. Und gedruckt wurde auf der Messe gar nicht – oder? Doch! Das prämierte Start-up Steam CC hat auf der dmexco den Ripple Maker vorgestellt, da es zurzeit auch den europäischen Markt von dem Kaffee-Drucksystem überzeugen will. Am Stand von Taboola habe ich mich auf einen Cappuccino mit dem CEO von Steam CC, Yossi Meshulam, niedergelassen und ein kurzes Interview mit ihm geführt, dass ich den beyond-print.de-Lesern natürlich nicht vorenthalten möchte.

Bernd Zipper: Herr Meshulam – wann wurde die Idee zum Ripple Maker geboren und wie wurde das System am Markt angenommen?

Yossi Meshulam: Wir hatten schon eine Weile an der Technologie gebastelt, aber 2014 konnte Ripples endlich auf den Markt gehen. Unser erster Kunde war die Fluggesellschaft Lufthansa, die den Ripple Maker 2015 in ihren Flughafenlounges der First und Business Class einsetzte. Der Ripple Maker gewann dann 2016 auf der in den USA stattfindenden Messe Consumer Electronics Show (CES) auch noch den Onlinewettbewerb „Last Gadget Standing“. Seitdem bekommen wir von vielen Marken weltweit, die Ripples in verschiedenen Veranstaltungen einsetzen, unglaublich positives Feedback, darunter von Twitter, Match.com, IBM sowie von Hotelketten wie Marco-Polo-Hotels, Shangri-La und Four Seasons. Unsere Kunden waren mit den Reaktionen auf den bedruckten Kaffeeschaum hoch zufrieden, und unser Produkt hat sich vor allem in der Medienberichterstattung, zur Steigerung des Social-Media-Traffic und in Hinblick auf Markentreue als äußerst erfolgreich erwiesen.

Bernd Zipper: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Print bzw. Digitaldruck und Kaffee in einem Produkt zu vereinen?

Yossi Meshulam: Unsere beiden ursprünglichen Gründer, Eyal Eliav und Danny Lavie, haben oft in Cafés gesessen und über Ideen für Neugründungen sinniert. Und so entstand die Idee. Ihnen fiel auf, dass der Milchschaum auf einem Cappuccino oder Latte Macchiato eigentlich einer Leinwand gleicht, die sich zur Kommunikation mit Kunden und anderen Menschen verwenden ließe. Der Ripple Maker kann die als Latte Art bzw. Ripples bekannten Bilder oder Botschaften auf den Schaum zaubern. Ein Kunde, der einen auf solche Weise verzierten Kaffee kredenzt bekommt, muss immer schmunzeln. Die Ripples machen aus jeder Kaffeepause ein Erlebnis, das im Gedächtnis bleibt und positiv mit Ihrer Marke assoziiert wird.

„Die Idee, den flexiblen Inkjet-Druck auch mal für außergewöhnliche Substrate einzusetzen, finde ich gut – das Vermarktungsprinzip dahinter muss in Zukunft aber auch auf weitere Anwendungen bzw. Getränke ausgeweitet werden, um den Markt breiter bedienen zu können.“ – Bernd Zipper

Bernd Zipper: In welcher Auflösung kann das Drucksystem die Bilder erstellen?

Yossi Meshulam: Der Ripple Maker kann mit 600 dpi drucken, die Qualität hängt aber letztendlich von der Größe der Schaumbläschen ab, auf die man das Bild druckt. Ganz kleine Bläschen, die eine feine, glatte Fläche bilden, eignen sich am besten für die hochauflösenden und langanhaltenden Ripples. Am besten nimmt man dafür Milch, die erwärmt und mit einer Dampfdüse aufgeschäumt wurde. Nitro-Brew-Kaffee ist ebenfalls perfekt geeignet.

Bernd Zipper: Und wie genau funktioniert die Kombination aus Tintenstrahl und 3D-Druck beim Ripple Maker?

Yossi Meshulam: Die Tinte des Ripple Maker verwendet eine geringfügige Menge Kaffeeextrakt, und der Tintenstrahl-ähnliche Druckkopf sprüht den sehr feinen Spritzstrahl ganz gezielt auf. Wie beim 3D-Druck besteht das gedruckte Bild aus sehr feinen Schichten des Kaffeeextraktes. Durch diesen Aufbau entstehen die helleren und dunkleren Bereiche eines Bildes. Bei beiden Technologien wird die Bildvorlage vom Computer erzeugt. Der User kann aus einer am Gerät vorinstallierten Ripples-Library auswählen oder per Coffee Ripples Smartphone-App sein eigenes Bild hochladen. Unsere Kunden können eigene Ripples für ihr Unternehmen gestalten – zum Beispiel Markenlogos oder Symbole und sogar Werbebotschaften.

Der Kaffee-Druck mit dem Ripple Maker geht flott und die Qualität kann sich sehen lassen; Quelle: zipcon

Bernd Zipper: Mit welchen Kosten ist die Anschaffung des Ripple Maker verbunden? Was muss ein Unternehmen investieren, wenn es den Ripple Maker zur Kontaktaufnahmen mit seinen Kunden verwenden will?

Yossi Meshulam: Der empfohlene Verkaufspreis für den Ripple Maker liegt bei 2.000 Euro zuzüglich 1.200 Euro im ersten Jahr für das Abo-Paket. Das Paket umfasst die Lieferung von Ripple-Pods, den Zugang zur Ripples-Library sowie Kundenschulungen und -support für das erste Jahr; das Abo-Paket kann danach je nach Anzahl der geplanten Ripples individuell auf den einzelnen Kunden abgestimmt werden. Sobald wir jedoch die Landespartner bekanntgegeben haben, werden die Preise an die jeweiligen Regionen angepasst.

Bernd Zipper: Landa Ventures ist einer Ihrer Investoren. In der Druckbranche gilt Landa Ventures in vielerlei Hinsicht als Vorreiter in Sachen Technologie. Welche Rolle spielt Landa für die Produktion und Entwicklung des Ripple Maker?

Yossi Meshulam: Ripples ist ein im Privatbesitz befindliches Risikokapital-Start-up und Landa Ventures ist der größte Aktieninhaber. Natürlich haben uns das Innovationsspektrum und der Einfluss von Landa auf die Druckbranche in hohem Maße inspiriert und wir wissen zu schätzen, dass Herr Landa unser Vorstandsvorsitzender ist. Dank unserer Verbindung zu Landa Ventures haben wir auch Zugang zu den weltweit besten Fachkräften in der Druckbranche.

Bernd Zipper: Wie sehen Ihre Ziele für den Ripple Maker in den nächsten drei Jahren aus? Sind bereits weitere Schritte geplant? Weitere Systeme?

Yossi Meshulam: Wir haben Ripples gerade in Europa eingeführt und sind dabei, auch Kunden in Deutschland, dem Vereinigten Königreich, der Türkei, Zypern und Russland diese Technologie näherzubringen. Weitere Länder sollen bis Ende des Jahres folgen. Die Technologie im Ripple Maker lässt sich auf eine Vielzahl von Getränken übertragen – wir bieten bereits entsprechende Anwendungen für Nitro-Kaffee, heiße Schokolade, Milchshakes und Smoothies an und wollen in naher Zukunft weitere Anwendungsbereiche an den Start bringen.

My Take: Bisher ist der Ripple Maker ausschließlich für den Kaffee-Bedruck nutzbar. Und wer das System, bei dem ein Tintentank für bis zu 600 Getränke reicht, nutzen möchte, der braucht bei dem Service-Preis entsprechende Verkaufsmengen. Dass die Idee mit der Getränkepersonalisierung durch Drucken noch mehr Potenzial hat, weiß der CEO von Steam CC auch. Wenn die Tinten für die nächsten Anwendungen einmal fertig sind, dann kann die Adaption auf das bestehende System voraussichtlich schnell erfolgen, denn das ist bereits ausreichend erprobt worden, auch und gerade von großen Abnehmern. Ich bin mal gespannt, wann die ersten via Print personalisierten Getränke in den hiesigen Cafés, Eisdielen und Restaurants zu haben sind.

2017-09-28T10:37:35+00:00 28.09.2017|Entwicklung|0 Comments

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