Labelexpo: Flexible Etikettenproduktion – Software für den Online-Druck?

Aktuelle Digitaldruckmaschinen erzeugen flexible Bedingungen im Label- und Packagingbereich und markieren gleichzeitig Qualitätssprünge. Wir haben uns auf der Labelexpo angesehen, ob Gleiches auch für die Software rund um Labelprint und Label-Web-to-Print gilt.

Ist man so viel unterwegs wie mein Team und ich, dauert die Nachlese manchmal etwas. Wir haben uns auf der Labelexpo, die Ende September in Brüssel stattfand und merklich größer als die letzte Expo 2015 war, mal nach Neuheiten im Bereich Workflow-Software für die Etikettenproduktion und Software für Label-Web-to-Print umgesehen und zum Teil interessante Lösungen vorgefunden. Vorab kann ich schon sagen, dass die Labelexpo – in dem für uns wichtigen Bereich – besonders im Zeichen von Technologien stand, die kleine Auflagen, kurzfristige Produktionen und Spezialanwendungen ermöglichen. Und warum ist das wichtig? Nun – alleine der Etikettenmarkt macht immerhin mehr als zehn Prozent des Produktionswertes der gesamten deutschen Druckindustrie aus – und beim Umsatz im Labeling-Bereich ist in den kommenden Jahren mit weiterem Wachstum zu rechnen. Und da dabei das Produktionsvolumen nicht zwangsläufig steigen wird, gilt für den Label- und Packagingbereich das Gleiche wie für andere Bereiche im Print-Business auch: Kleine Auflagen plus Personalisierung ermöglichen und zugleich Qualität und Produktivität steigern.

Neben der neuen Workflow-Label Application Software, einer Prepress-Software, hat Durst eine Web-to-Print-Lösung auf der diesjährigen Labelexpo vorgestellt, die im Zusammenhang mit der digitalen Etiketten- und Verpackungsproduktion steht. Das Onlinetool soll in Zukunft u. a. in Workflows mit der ebenfalls frischen und flexiblen Durst 330 RSC UV-Inkjetmaschine eingesetzt werden können, die zur Tau-Serie gehört. Als Module umfasst die webbasierte Plattform einen Etiketten-Konfigurator, einen Template-Konfigurator sowie einen Formen-Designer und komplettiert damit das Durst Workflow-System hinsichtlich der Anbindung an den Online-Markt durch die direkte Gestaltungs- und Bestellmöglichkeit digital produzierter Etiketten. Was die maschinelle Ausstattung angeht, hat durst mit der Tau 330 RSC nachgelegt, um den Bedarf nach digital produzierten Etiketten mit hoher Auflösung zu decken. Dabei schafft das Drucksystem eine effektive Druckauflösung von 1200 x 1200 dpi und Druckgeschwindigkeiten > 1 m/s bei acht Farben; bei Bedarf für Mehrfarbendruck, der über die Prozessfarben hinausgeht, sind Orange, Violett, Grün und Weiß als weitere Aggregate integrierbar.

Web-to-Print von durst für die Labelproduktion – links der Etikettenkonfigurator und rechts der smartEditor; Quelle: label.durst-w2p.com

Auf dem größten Stand der Labelexpo, den HP in Halle 5 errichtet hatte, fand sich auch der 2010 gegründete Softwareanbieter Infigo, der seinen Hauptsitz in Crawley (UK) hat. Und warum waren die mitten auf dem HP-Stand? Infigo ist Partner von HP und deren Softwarelösungen sind Teil des HP PrintOS. Damit wird die Infigo-Software unter anderem von Digitaldruckern mit installierten HP-Indigos genutzt. Das Unternehmen vertreibt ausschließlich Browser-basierte, skalierbare Software mit via CSS anpassbarer Frontend-Optik und durch HTML5-Basis sichergestelltes responsives Design. Die Plattformlösung Catfish von Infigo ist beispielsweise für B2B- als auch für B2C-WtP-Umgebungen nutzbar, da sie als SaaS Onlineportal und Personalisierungssoftware verbindet. Ein Modul der Plattformlösung ist deren Dokumentendesigner MegaEdit PRO, der u.a. im Labelbereich Anwendung findet und für die Individualisierung von Etiketten genutzt wird. Dieser ermöglicht die Gestaltung des Designs mit Hilfe von Uploadmöglichkeiten und einfach zu bedienenden Editier-Tools, z. B. für personalisierte Flaschenetiketten mit 3D-Voransicht für das Endprodukt, und zwar mitsamt der Anzeige von Veredelungen wie Folierung, Lackierungen und Prägung.

Der umfangreiche Editor basiert auf HTML5 und ist damit mobiltauglich; Quelle: infigosoftware.com/packaging-and-labels

Was Maschinen-Neuheiten angeht, hat HP die Indigo WS6800 als hochflexible Rollenmaschine ausgestellt, deren Stärke in der abdeckbaren Bedruckstoffbreite liegt. Denn das System kann von 0,012 bis 0,45 mm Dicke sowohl folien- als auch papierbasierte Substrate bedrucken. Dafür sorgt ein vorschaltbares Primer-Modul, das bei Bedarf einen Haftvermittler für den Flüssigtonerdruck mit vier bis sieben Farben vordruckt. Als RIP in der WS6800 wird die Software Harlequin aus dem Hause Global Graphics eingesetzt. Global Graphics entwickelt Softwareplattformen für den digitalen LFP- und Produktionsdruck und stellt neben Harlequin auch die ScreenPro Screening Engine für Digitaldruckmaschinen namhafter Hersteller, wie z.B. durst. In naher Zukunft soll auch in die bereits erfolgreich vermarkteten und größeren Indigo-Modelle 8.000, 20.000 und 30.000 Software von GG einbezogen werden.

„Das Zukunftspotenzial für den Labeldruck ist riesig. Und wer mit dem steigenden Anspruch von Druckern und Kunden nach schnelleren Produktionszeiten, Personalisierung bzw. Flexibilität in der Gestaltung – auch online – wächst, der wird sich auf dem Markt richtig positionieren können.“ – Bernd Zipper

In neuem Gewand war auch Hybrid Software als Aussteller auf der Labelexpo anzutreffen.  Die beiden Lösungen packz, der verbreitete, native PDF-Editor, und Cloudflow werden fortan als Kernprodukte geführt, wobei Cloudflow als umfassende, webbasierte Workflowumgebung weiter modular untergliedert ist. Hybrid bleibt damit als Überbegriff erhalten, umfasst die beiden vorgenannten Lösungen und erfreut sich großer Beliebtheit im Label- und Packagingbereich. Denn wie bei jedem Messeauftritt des weltweit agierenden Software-Spezialisten, war auch dieses Mal wieder einiges los auf deren Stand. Auf die Neuerungen aus dem Hause Hybrid, wozu u.a. erweiterte Preflight-Funktionalitäten gehören, werde ich in einem weiteren Artikel, der sich insbesondere mit Web-to-Packaging-Lösungen und dem Markt für online gedruckte Verpackungen auseinandersetzt, nochmal genauer eingehen.

Auf dem gut besuchten Stand in Halle 8 hat Hybrid die neue Aufteilung seiner Softwaremodule präsentiert; Quelle: zipcon consulting

In Sachen Marketingkoordination hat Dalim auf der Labelexpo ES 5.5 gezeigt, das mit Twist 8.5 die gesteigerten Ansprüche an Workflow-Standardisierung und Geschwindigkeit bei der Produktion von Etiketten erfüllen soll. Mit ES 5.5 können im Label- und Packagingbereich u.a. dreidimensionale Vorlagen verglichen und mit Anmerkungen versehen werden, was Vorteile bei der Marketingkommunikation für neue Produkte – noch vor der eigentlichen Produktion – bietet. So findet seit letztem Jahr auch der Chili Publisher Anwendung als Online-Editierumgebung in der Marketingplattform von Dalim. Im Hinblick auf Marketingkampagnen im Bereich Label und Packaging spielen in ES 3D-Visualisierungen und die Nutzung von Augmented Reality eine wesentliche Rolle. Damit können durch die HTML5-Basis der gesamten Software verschiedene Kanäle für die Verwaltung und das Publishing genutzt werden.

Visualisierung von Verpackungen und Etiketten in Dalims ES 5.5; Quelle: Dalim Software

My Take: Die digitalen Drucktechnologien entwickeln sich in Qualität und Durchsatz sehr schnell weiter und eröffnen zunehmend mehr Möglichkeiten. Abzuwarten bleibt aber noch, wie schnell die dem Offset- und Flexodruck im Etikettenbereich weitere Anteile streitig machen. Verbunden mit der zunehmenden Anzahl an ordentlichen Label-Web-to-Print- und Web-to-Packaging-Plattformen werden sich aber ganz sicher zudem mehr Anteile des Geschäfts ins Internet verlagern. Finden Sie noch weitere Lösungen im Label- und Packagingbereich, die auf der Labelexpo vorgestellt wurden, interessant? Kommentare sind erwünscht! Den nächsten Input über den Verpackungsbereich von meiner Seite gibt es nächste Woche – bleiben Sie dran.

2017-10-18T11:54:28+00:00 13.10.2017|Entwicklung|0 Comments

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