Marketing-Services: Was bieten die großen Onlineprinter?

Einige große Onlinedrucker beschränken sich nicht mehr nur auf das Drucken. Wie weit sind die Marketing-Services unserer Onlineprinter jenseits der physischen Medien?

Websites, Social Media und Offline-Marketing – wer als kleines oder mittelständisches Unternehmen keine Medienprofis in seinen Reihen weiß, aber trotzdem verschiedene Kanäle für sein Business nutzen möchte, der braucht einen kundigen Dienstleister dafür. Die Bedürfnisse von B2B-Kunden wachsen mit der Anzahl der relevanten Kanäle und den Gewohnheiten der Endkunden. Wer damit Geld verdienen will, und dazu das notwenige Know-how bzw. die personelle Power hat, der muss sich als Unternehmen mit dem Kerngeschäft Drucken schon ins Zeug legen. Es gilt, den Kundenbedürfnissen gerecht werden, und zwar in vollem Umfang. Daher haben einige große Onlinedrucker große Schritte in Richtung vollumfänglicher Marketing-Services getan. Und da Marketingagenturen in diesen Zeiten Gegenwind (manche aber auch Rückenwind) von Branchen-Größen wie Flyeralarm oder Vistaprint in Sachen Dienstleistungen bekommen, lohnt sich durchaus ein Blick auf das Angebot, das die großen Onlinedrucker – neben Druck, Weiterverarbeitung, Veredelung und Logistik – im Portfolio haben.

Sucht man auf den Websites der Onlineprinter in D/A/CH nach oben genannten Zusatzangeboten, so zeigt sich nur ein kleiner Kreis an Druckern, der etwas in der Richtung anbietet. Woran liegt das? Tja – nicht nur in der (Online)Print-Branche kosten profunde Kenntnisse und Fähigkeiten Geld. Vorab:  Solche Leistungen sind nichts für Nischenanbieter oder Printer ohne eigene Marketing- sowie IT-Abteilung – dafür fehlt es den meisten einfach an personeller Dichte. Aber die wenigen Großen, die es anbieten können, verfolgen damit natürlich einen konkreten Nutzen. Wer mehr Dienstleistungen für Business-Kunden in Bezug das Marketing anbieten kann, der erreicht eine breitere Kundenbasis. Digitalkunden werden zu Printkunden – und umgekehrt. Welche Drucker da schon Konzepte haben, und wie erfolgreich bzw. gut umgesetzt das Ganze erscheint, das habe ich mir mal genauer angesehen.

Vistaprint offeriert einen Website-Builder mit Domain-Service inklusive. Die haben ihr bisheriges Webseitenangebot überarbeitet, Ende 2016 angekündigt und herausgebracht. Nach eigenen Angaben soll das Angebot anderen Anbietern von Website-Tools, die mehr kosten, durchaus Konkurrenz machen können. Fragt sich nur, weshalb das Flaggschiff von Cimpress das Geschäft mit den Homepages unter der Kategorie Vistaprint Digital relauncht hat? Vistaprint ist immerhin seit mehr als 20 Jahren (1995) im Geschäft und hat einiges an Erfahrung mit seinen Kunden, von denen ein Großteil nur über wenige Mitarbeiter verfügt, sammeln können. Kleine Mitarbeiterzahlen bei den Business-Kunden bedeuten gleichzeitig, dass nur selten Spezialisten für Marketing, Webseiten oder allgemein für den digitalen Vertriebsweg in den Teams sind. Und wer als Kunde des Onlineprinters aus Venlo mit dessen Leistungen zufrieden ist, mit seinem Business auch online gehen will (wohl eher: muss), für den liegt es doch nahe mal bei Vistaprint Digital reinzuschauen. Print-Werbematerial und Hilfe beim digitalen Marketing aus einer Hand; es muss einfach und mobiltauglich sein sowie eine ausreichend große Auswahl an Designs vorweisen. Der Bedarf ist sicherlich da – Social Media, Marketing via E-Mail (Direktmarketing) schaffen Kontakt zu potenziellen Kunden. Wer also zahlt, der sollte in dieser Hinsicht sorgenfrei werden; zudem können sich Unkundige uninteressant wirkende, „selbstgebastelte“ Homepages sparen. In verschiedenen Kategorien und für verschiedene Branchen bietet Vistaprint Digital insgesamt mehr als 800 vorgefertigte Designs an, die – falls vorhanden – farblich und mit Logos etc. CI-konform angepasst werden können. Wie schon gesagt – Print-Kunden von Vistaprint können zu Digital-Kunden werden, aber auch andersherum klappt das. Denn ein Großteil derer, die den Website-Builder und andere Digitalmarketing-Angebote von Vistaprint beanspruchen, bestellen in der Folge auch ihren Printbedarf dort. Bei Betrachtung der vorgestalteten Designs wird aber auch klar, dass die Zielgruppe keine sehr hohen Ansprüche an die Anpassbarkeit der Block-basierten Designs haben darf. Nutzer berichten z. B. davon, dass sich Änderungen am Design zum Teil global auswirken, obwohl es nicht sinnvoll und gewünscht war. Es ist alles auf Einfachheit in der Eigengestaltung und späteren Pflege ausgelegt – für einen monatlichen Preis zwischen fünf und 25 Euro ohne eigene Arbeitszeit gibt es eben keine maßgeschneiderte Website. Profiarbeit kostet ein Vielfaches: Mit dem, was das mittlere Homepage-Abo im Jahr kostet (rund 190 Euro), können Sie nur in den seltensten Fällen das einmalige Aufsetzen einer Homepage beim Designer/Programmierer bezahlen – von der Pflege ganz abgesehen.

Designauswahl gibt es bei Vistaprint Digital ausreichend – für viele Kleinunternehmer ohne entsprechendes Know-how eine Bereicherung; Quelle: vistaprint.de

Bei Betrachtung der Design-Vorlagen merkt man schon, dass sich hier um ein Angebot handelt, das sich an nicht an „reine“ Onlineunternehmen richtet. Ich will nicht sagen, dass die Designs etwas für Anspruchslose sind, aber die Einfachheit der Entwürfe ist schon merklich. Aber genau das ist es ja, womit Vistaprint wirbt – das einfache Aufbauen einer Website.

Das Homepage-Angebot fügt sich zweckdienlich in das Gesamtkonzept ein. Mit der Verbindung von Dienstleistungen in Digital und Print begegnet die Cimpress-Marke den Markterfordernissen ihrer Kunden. Erschwinglich, bequem und einfach zu bedienen – so könnte man den Service beschreiben. Zudem erhält ein kleines oder mittelständisches Unternehmen alles das, was es an Marketingmitteln benötigt, aus einer Hand. Was Werbung angeht, so wird Vistaprint für das ein oder andere Kleinunternehmen damit zur ersten und einzigen Anlaufstelle für Online- und Offlinematerialien zur Außendarstellung. Den Kleinen will der große Onlinedrucker damit die digitale Vertriebs- und Kommunikationswelt kostengünstig – in Relation zu den eigenen Fähigkeiten – zugänglich machen. Ein solides Basispaket.

Und was ist mit Marketing-Services für soziale Netzwerke? Auch für verstärkte Kundenbindung und neue Geschäftsmöglichkeiten mit einer professionellen Präsenz in sozialen Netzwerken bietet der Venloer Onlineprinter etwas an. Es wird zwar von der Mehrzahl an Kanälen gesprochen, integriert ist aber bislang „nur“ Facebook. Zudem sehen die Angebotsseiten von Vistaprint zu den digitalen Marketing-Services noch etwas „halbgar“ aus, da die Anzeigen auf dem Desktop in verschiedenen Browsern zum Teil die Schrift überlappen.

Wer als Onlineprinter noch einen Homepage-Service anbietet, das sind nettl und printing.com, beides Marken der Grafenia plc (GB). Und wer das Interview mit Peter Gunning, CEO von Grafenia, gelesen, oder seinem Vortrag auf dem Online Print Symposium gelauscht hat, der kennt das Prinzip mit den lokalen Geschäftseinheiten. Denn mit diesen werden die Dienstleistungen im Bereich Webseiten-Gestaltung verbunden. Wer also eine responsive Website bei nettl oder printing.com für umgerechnet ab 350 Euro erwirbt, der kann sich zuvor sowie während der Erstellung der Homepage in einem der lokalen Stores (kostenfrei) beraten lassen. Inbegriffen ist beispielsweise, dass die Homepage auf Grundlage der Vorgaben als Wireframe erstellt wird. So kann das Frontend schon in einem frühen Entwicklungsstadium begutachtet und die Eignung für mobile Endgeräte beurteilt werden. Auf das responsive Design wird dabei besonderen Wert gelegt – zurecht. Die Business-Kunden von printing.com erhalten damit eine mobiltaugliche und integrationsfähige Website, denn für die Ein- und Anbindung von Social Media (Facebook, YouTube), Kommentar- und Diskussionssystemen (Disqus, Muut) und Bezahlsystemen (Paypal) in bzw. an die Website ist gesorgt.

Auch in GB gibt es große Onlinedruck-Anbieter, die Homepage-Services anbieten – printing.com, eine Marke der Grafenia plc; Quelle: printing.com

Für die Pflege der Website bzw. den begleitenden Service nach dem Aufsetzen kann der Kunde entweder selbst aufkommen oder den Service konsultieren. Klar, für Kunden aus D/A/CH sind die Marken von Grafenia keine direkte Anlaufstelle; ich denke aber, dass für einen preislichen Überblick schon wichtig ist, mal zu schauen, was weiter westlich von uns angeboten wird.

„Die Ziele sind klar: Dem Print-Bestandskunden einen Mehrwert durch digitale Marketing-Services bieten und Marketing-Service-Kunden für Druckaufträge gewinnen. Große Onlinedrucker können es sich leisten, zusätzliche Kapazitäten, ob inhouse oder nicht, für diese Chance auf mehr Umsatz und eine stärkere Kundenbindung vorzuhalten.“ – Bernd Zipper

Zurück nach Deutschland – Social Media Advertising. Mit diesem Angebot wird Flyeralarm in Sachen Social Media schon etwas konkreter. Was umfasst dieses Angebot? Kurz gesagt: Dem Kunden wird dabei geholfen, eine Kampagne über Facebook und Instagram erfolgreich zu gestalten. Dazu erhält er Unterstützung von Spezialisten, die, nachdem sich der Kunde bei Flyeralarm eingeloggt hat, die hochgeladene Grafik mitsamt Text auf die gewählte geographische Umgebung zum vorgegebenen Zeitpunkt anpassen und online stellen. In der Folge soll der hauseigene Algorithmus dafür sorgen, dass mindestens 10.000 Personen, die in die ermittelte Zielgruppe passen, innerhalb der zehn- bis dreißigtägigen Kampagnendauer mit der Anzeige in Kontakt kommen. Für KMU kann das bei einer gut gestalteten Aktion eine Menge Umsatz bedeuten.

Von der Planung bis hin zur (Print-)Umsetzung des (modularen) Messestandes, der in drei verschiedenen Größen (9, 12 und 18 m2 oder individuelle Größe) mitsamt aller dazugehörigen Materialien gestaltet werden kann, haben die Würzburger auch was im Portfolio: die Flyeralarm Expo Systems. Damit, und mit dem Bereich Moving Screens – nicht zu verwechseln mit Flyeralarm Moving Pictures – komplettiert die Onlineprint-Größe ihr Sortiment. Denn, wie sagte Hartmut Kappes, CFO Flyeralarm Group, auf dem OPSFlyeralarm tritt als „Fullsortimenter im Bereich Druck- und Marketingdienstleistungen“ auf. Mit dieser Breite an Angeboten für die digitalen und physischen Kanäle definitiv.

Auch Bedürfnisse nach Bewegbild-Beiträgen kann der Onlinedrucker aus Süddeutschland erfüllen. Den Bereich Moving Pictures unterhält Flyeralarm seit Anfang 2016; er ist weiter ausgebaut worden und ermöglicht die Produktion von Image- und Erklärfilmen für die eigene Webseite oder den Social-Media-Kanal.

Möglichkeiten an Image- und Erklärfilmen gibt es bei Flyeralarm schon mehrere. Im Vergleich zu anderen Videoprofis sind die Preise dafür durchaus vertretbar; Quelle: flyeralarm-movingpictures.com (Screenshot, Darstellung zusammengesetzt)

Um mal ein Beispiel von einem auf Videoproduktion spezialisierten Unternehmen aufzuzeigen: Wer da etwas tiefer in die Tasche greifen will und kann, der kann auch über explain-it.tv ein Erklärvideo ab 5.800 Euro aufwärts produzieren lassen. Wohlgemerkt beschäftigt sich das Unternehmen mit Standorten in D/A/CH ausschließlich mit der Videoproduktion. Deren Kunden – unter anderem Bosch, Coca Cola, Siemens und Samsung – spielen aber auch in einer anderen Liga als die Business-Kunden von Onlineprintern. Dagegen scheint das Flyeralarm-Angebot Moving Pictures eine echte Budget-Lösung zu sein. Und: Für die rund 2.000 Euro netto bekommt der Business-Kunde einen meines Empfindens nach gut produzierten Erklärfilm.

My Take: Nicht nur die Bedienung solcher Angebote soll einfach sein – auch die Vereinfachung, dass man als Business-Kunde zügig auch online solide dasteht, lockt den einen oder anderen. Kunden, die für Digital gewonnen werden, kaufen danach Printmedien beim gleichen Anbieter vice versa. Damit erreichen die großen Onlinedrucker, die die Kapazitäten und das Know-how dafür vorhalten, eine stärkere Kundenbindung. Aber: Heutzutage gibt es ausreichend viele kostenfreie Möglichkeiten zur Webseitengestaltung, auch mit geringen Kenntnissen. Wer aber Full-Service bezahlen möchte, der ist damit auch ganz gut aufgehoben. Auch interessant in diesem Zusammenhang ist die Saxoprint-Cloud. Die selber nennen das neue Angebot „Teamwork-Marketingportal“. Was da genauer dahintersteckt, damit werde ich mich in den nächsten Wochen befassen. Das, was ich bisher davon gesehen habe, machte aber schon einen anständigen Eindruck – Rock ’n‘ Roll ist das aber noch nicht…

2017-04-25T15:41:52+00:00 25.04.2017|Markt|1 Comment

One Comment

  1. Andreas Weber, Head of Value 25. April 2017 at 17:58 - Reply

    Bekanntlich stinkt der Fisch vom Kopf her. Oder sanfter ausgedrückt: Schuster haben die schlechtesten Leisten. So ähnlich ist es auch bei den genannten Online Print-Firmen, die sich als Kommunikations- und Marketing Service-Plattformen beweisen wollen. — Keiner, auch nicht CIMPRESS, kann am eigenen Beispiel vormachen, wie zeitgemäße Geschäftskommunikation Wirkung zeigt. Da haben alle riesigen Nachholbedarf!

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