Marktkonsolidierung: Branchenprimus im Fotofinishing Cewe übernimmt Laserline

Cewe hat sich für den kommerziellen Onlinedruck hohe Ziele gesteckt und peilt für 2018 über 100 Millionen Euro Umsatz im Onlinedruck an. Ein Schritt in diese Richtung ist die Übernahme der Laserline-Gruppe aus Berlin.

Tomislav Bucec, Gründer und bisheriger Inhaber der Laserline-Gruppe

Noch vor wenigen Tagen hat Tomislav Bucec, Gründer und bisheriger Inhaber der Laserline-Gruppe, im Kreis seiner Mitarbeiter das 20-Jährige Firmenjubiläum gefeiert. Bucec ist einer der Pioniere des Onlinedrucks in Deutschland und hat schon früh auf das Internet als Absatzkanal gesetzt. Der Berliner Lokalmatador hat sich über die Jahre auf Geschäfts- und Werbedrucksachen für B2B und kleine Unternehmen spezialisiert. Neben Offset- und Digitaldruck bietet Laserline auch Largeformat-Prints an und hat sich über Produktvielfalt- und Qualität einen Namen im deutschen Markt erobert. In den letzten Jahren hat Laserline jedoch merklich unter dem steigenden Wettbewerb gelitten. Berlin ist ein attraktiver Markt und die Anzahl der Wettbewerber nimmt stetig zu. Still und leise haben sich Mimeo und auch WmD eigene Produktionskapazitäten im Berliner Raum gesichert und andere Anbieter versuchen sich im Markt der Hauptstadt. Da Laserline, über den jüngst relaunchten Onlineshop, auch viele überregionale Kunden anspricht und dies vor allem im Bereich „Highend-Print“ – erscheint die Übernahme durch Cewe durchaus sinnvoll. Mit der Übernahme kann Cewe künftig auch Produkte anbieten, die in der industriellen Produktion von Saxoprint keinen Platz haben. Die Stärke von Laserline ist unbestritten die hohe Anzahl an verfügbaren Produktvarianten- und Materialien – aber auch die Druckqualität, gerade bei kniffligen Aufträgen. Von dieser Qualität konnten wir uns (im Rahmen unserer Drucktest-Aktivitäten bei zipcon consulting) erst jüngst wieder überzeugen. Weitere Punkte die zur Übernahme geführt haben könnten, die auch der CEO der Cewe-Stiftung Christian Friege in der Pressemitteilung anspricht, sind der „ausgezeichnete Kundenbestand“ und die mehr als 160 sehr guten Mitarbeiter des Laserline-Teams.

Mit der Übernahme von Laserline ergibt sich für Cewe ein deutliches Qualitätsplus im selbst so genannten Bereich kommerzieller Onlinedruck; Quelle: laser-line.de

Cewe, mit einem Konzernumsatz in 2016 von fast 600 Millionen Euro und im Fotobuch-Sektor unbestritten die Nr. 1 im deutschsprachigen Raum, liegt in dem Segment „Kommerzieller Onlinedruck“ hinter Flyeralarm, Wir-machen-Druck und Onlineprinters.com mit den Marken Saxoprint, Cewe-Print und Viaprinto auf Platz 4 im Marktranking. Mit der Übernahme von Laserline kann Cewe Marktanteile gewinnen und den Vorsprung, den Onlineprinters jüngst durch die Übernahme von Solopress (UK) gewonnen hat, verkürzen. Normalerweise üben sich Unternehmen die gerade ein anderes Unternehmen übernommen haben ja gern in Superlativen. Umso mehr verwundert es, dass Cewe relativ bescheiden erste Effekte für die Cewe-Gruppe durch die Übernahme erst in 2018 sieht. So ist das Unternehmensziel von Cewe mehr als 100 Millionen Euro im Bereich kommerzieller Online-Druck in 2018 zu generieren, recht zurückhaltend.

Aber Cewe muss etwas tun. Längst hat im deutschsprachigen Onlineprint-Markt der Verteilungskampf um Marktanteile begonnen. Zwar gewinnt Onlinedruck täglich neue Anwender hinzu – aber die Abwanderungsbewegung von Kunden vom klassischen Druck hin zum Onlinedruck bringt längst nicht das Wachstumspotential das Unternehmen wie Cewe oder auch Onlineprinters.com benötigen. Unternehmen dieser Größe benötigen höhere Wachstumsraten, um genügend Investitionskapital für die Erhaltung eines technischen Vorsprungs finanzieren zu können. Ebenso sind die Kosten für Marketing zur Erhaltung von Bestandkunden und zur Neukundengewinnung immens. Daher ist es kaum verwunderlich, dass die großen Anbieter, anstatt nur auf generisches Wachstum zu setzen, gerne erfolgreiche Unternehmen „schlucken“, um schnell neue Umsatzpotentiale zu gewinnen.

In den letzten Jahren war Cewe in Sachen Unternehmens-Akquise recht zurückhaltend. Nach der Übernahme von Saxoprint in 2012 und Dein-Design in 2015 wurden keine Akquise-Versuche mehr öffentlich – auch wenn sich einige Gerüchte halten, dass eine größere Akquise im Fotobereich im Frühjahr 2017 gescheitert ist – ist die Übernahme von passenden Unternehmen für Cewe der verlässlichste Weg zu mehr Wachstum. Ich erwarte daher, dass sich Cewe noch weitere Kandidaten anschaut und die Multi-Markenstrategie im Onlinedruck weiter ausbaut.

„Für den Gesamtkonzern Cewe bedeutet die Übernahme von Laserline einen wichtigen Schritt im Ausbau des Geschäftsfelds kommerzieller Onlinedruck. Nutzt der Branchenprimus aus dem Fotobereich zukünftig das volle Synergiepotenzial seiner Web-to-Print-Marken, können sich die Platzierungen im deutschen Onlinedruck-Markt durchaus verändern.“ – Bernd Zipper

Doch was mag die Übernahme für Laserline bedeuten? Klar, unter dem Dach der Cewe-Gruppe können Einkaufs- und Marketingsynergien genutzt werden, aber was mag die Übernahme durch Cewe für Laserline-Kunden bedeuten? So wie ich die Cewe-Politik interpretiere wohl in erster Linie Stabilität und neue Services. Saxoprint hat in den letzten Jahren viel Geld in die Erweiterung des Onlineshops investiert, und da wäre es nur logisch, wenn auch die Laserline-Kunden bald von neuen Services profitieren können. Das Team Sauer/Ackermann macht in Dresden durchaus einen guten Job, auch wenn das Ergebnis in 2016 mit knapp 1,6 Millionen Euro unter dem Strich recht überschaubar war – die Strategie, mit der besten verfügbaren Technik, einem sauberen Onlineshop und mehreren Marken am Markt zu agieren, wird sich mittelfristig auszahlen. Sauber aufgestellt, hat Saxoprint, als operativer Teil von Cewe für den kommerziellen Online-Druck, die besten Wachstumschancen und kann die Basis für eine gesunde Multi-Markenstrategie bilden.

Drei Marken sind es schon – mit Laserline verstärkt die vierte Marke Cewes Portfolio im „kommerziellen Onlinedruck“; Quelle: http://company.cewe.de/de/ueber-uns/kommerzieller-online-druck.html

Auch andere Anbieter, wie Branchenprimus Cimpress, haben die Vorteile der Multi-Markenstrategie erkannt. Lässt man lokale oder spezialisierte Marken „überleben“ – kann man als Konzern nicht nur diversifizierter Kundenkreise adressieren, sondern ebenso Rücksicht auf lokale Besonderheiten nehmen. Eine Lehre die Cimpress in Österreich, Italien und Deutschland gemacht hat. Cewe – mit den Marken Saxoprint, Cewe-Print, Viaprinto und Dein-Design gut aufgestellt – kann diese Strategie nun mit Laserline weiterverfolgen.

Über den Kaufpreis hüllen sich die beiden Unternehmen in Schweigen. Das ist mittlerweile durchaus üblich und auch sinnvoll, um bei potentiellen weiteren Unternehmensübernahmen die Erwartungen der Verkäufer nicht schon im Vorfeld zu steigern. Und, so glaube ich fest, es zeigt wie „angeheizt“ der Markt zurzeit ist – denn dies wird nicht die einzige Übernahme in den nächsten Monaten bleiben, wenn man den Signalen aus dem Markt Glauben schenken mag.

My Take: Die Übernahme von Laserline durch Cewe ist eine echte Traumhochzeit. Laserline kann sich unter Cewe weiterentwickeln und Cewe kann Laserline nutzen, um neue Kundengruppen zu adressieren. Auch der „Hauptstadteffekt“ sollte nicht unterschätzt werden – Berlin boomt und es steht großen Unternehmen gut zu Gesicht den Hauptstadt-Markt gut zu bedienen. Das ist gut für die Wahrnehmung des jeweiligen Unternehmens und ebenso gut für die Wahrnehmung des Onlinedrucks überhaupt. Es bleibt nun abzuwarten wie sich die „Ehe“ Cewe/Laserline entwickeln wird und welche Konzepte von Cewe genutzt werden, um zum einen die Kunden von Laserline weiter zu binden und um Services, die von Laserline ggf. bisher nicht angeboten wurden, auszubauen. Laserline gehörte nicht zu den dominierenden Playern im deutschen Markt (mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz pro Jahr), daher ist die Übernahme für Cewe nur ein kleiner Schritt – aber ein richtiger, und zwar für beide Unternehmen. Es bleibt spannend.

2017-10-23T19:52:22+00:00 23.10.2017|Markt|0 Comments

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