MyPostcard: Berliner Startup will Branchen-Primus werden

National sehr erfolgreich und seit 10 Monaten auch in den USA vertreten: MyPostcard bietet App-to-Print für Urlaubskarten und andere Grüße an. Ein Review vor der anstehenden Ferienzeit.

Ein Selfie vor dem Olivenhain auf Kreta oder der Kleine in der Poollandschaft – keine langweiligen Postkarten von der Stange mehr. An gelungenen Urlaubsbildern auf dem Smartphone mangelt es nur wenigen Reisenden – warum nicht mal adhoc eine Postkarte gestalten und den Versand via App in Auftrag geben. Das Aussuchen am Postkartenständer im Souvenir-Shop entfällt damit und der Urlaubsgruß bekommt eine ganz persönliche Note. Das hat sich auch Oliver Kray gedacht, als er Anfang 2014 MyPostcard in Berlin gegründet hat. Damit war er zwar nicht der erste in diesem Segment – in Anbetracht der kurzen Zeit aber bislang einer der erfolgreichsten. Grund genug also, dass ich mir das App-to-Postcard-Business und den Markt mal genauer anschaue.

Die Funktionen im Editor sind leicht verständlich – hier das skalierte Bild mit Rahmen und abgerundeten Ecken; Quelle: zipcon consulting

MyPostcard ist einer der Vertreter, die mit App-to-Print Digital für Print nutzbar machen und damit den Spagat zwischen reinen elektronischen Urlaubsgrüßen und den klassischen Postkarten aus dem Souvenirladen schaffen. Die Postunternehmen freut das, zumal dadurch jährlich einige Millionen zusätzliche Postkarten versandt werden. Laut einer Bitkom-Umfrage aus 2016 verschickt etwa die Hälfte aller Urlauber ihre Grüße in die Heimat noch auf dem Postweg – und einfach zu bedienende Apps wie die von MyPostcard sind dafür mitverantwortlich. Einen Namen hat sich der App-to-Print-Anbieter schon gemacht und pflegt Kooperationen zu diversen großen Unternehmen aus der Tourismusbranche. 2016 standen rund zwei Millionen Euro Umsatz auf der Haben-Seite; im Hinblick auf die Mitarbeiterzahl zählt das Berliner Startup nach deutschen Maßstäben aktuell zu den kleinen Unternehmen. Der CEO und Gründer von MyPostcard ist von Hause aus Designer, was sich auch in dem Grußkarten-Store bemerkbar macht. Denn dort finden sich auch mehrere tausend fertige Designs, Motive und Elemente, die solo oder in Kombination mit dem eigenen Bildmaterial genutzt werden können.

Die mobile Gestaltung der persönlichen Urlaubsgrüße funktioniert denkbar einfach: Nach dem Download der App bei iTunes oder aus dem Google Playstore lässt sich zwischen verschiedenen Postkarten-Vorlagen aussuchen, z. B. eine Kollage mit mehreren Elementen auf der Vorderseite. Der Upload eines oder mehrerer Bilder erfolgt aus dem frisch geschossenen Bildmaterial heraus, aus dem Fotoalbum oder direkt aus Instagram. Danach lässt sich das Bildmaterial noch skalieren und mit Rahmen versehen. Maximal 450 Zeichen – je nach gewählter Schriftart und dem Schriftgrad – stehen dem Besteller bei der textlichen Gestaltung der Rückseite der Postkarte zur Verfügung. Bezahlt wird im Anschluss daran, und zwar entweder via PayPal, SEPA-Lastschrift, Kreditkarte oder über das zuvor mit Guthaben aufgeladene Kundenkonto. Für den Preis von 1,99 Euro wird innerhalb Deutschlands oder weltweit versendet.

Oliver Kray will mit MyPostcard Marktführer werden – auch international. Deshalb habe ich nachfolgend mal eine kleine Übersicht erstellt, die auf den Daten aus iTunes, dem Google Playstore und den Unternehmenswebseiten basiert (Stand: 13.06.2017). Da ich niemanden schlechterstellen möchte, habe ich hier auf die Durchschnittsbewertung verzichtet; es ging mir lediglich darum zu zeigen, wie viel die spezialisierten Anbieter den Onlineprintern voraushaben, die App-to-Postcard nur als Nebengeschäft betreiben.

Warum sind das hier nur so weniger Anbieter? Weil einige von denen, die ich bei meiner Recherche noch finden konnte, laut meinen Eindrücken und anderen Nutzermeinungen eher schlecht als recht funktionieren, was sich auch in der mangelnden Update-Pflege einiger Anbieter widerspiegelt. Und wie gesagt: Die Mengen an Bewertungen stehen keinesfalls für die Anzahl an Nutzern oder gar Downloads. So wurde die App von MyPostcard bislang mehr als eine Millionen Mal runtergeladen, womit sie bei den Großen aus dem Bereich hinter TouchNote liegen, die (noch) Download-Primus sind.

„Kein Suchen nach Briefmarken, die Möglichkeit zur mobilen Gestaltung und Bezahlung und die preisliche Attraktivität für Urlaubsgrüße mit persönlichem Schliff – MyPostcard erfüllt mit seinem soliden Konzept gleich mehrere Wünsche von Urlaubern gleichzeitig.“ – Bernd Zipper

Klar, solche Dienste gibt es schon seit mehreren Jahren – die Fülle an Anbietern in dem Segment ist aber deutlich größer geworden, und Branchengrößen aus dem Onlinedruck wie Cewe machen auch bei den App-Services mit. MyPostcard ist aber deshalb interessant, weil die erst seit drei Jahren auf dem Markt und zudem eigenfinanziert sind. Deren Fokus liegt auf den personalisierbaren Postkarten und das Wachstum für das ehemalige Nischenangebot (mittlerweile bieten die auch weitere Produkte an) wird aktiv durch Expansion forciert. Während MyPostcard erst seit 2014 mit dem App-Postkartendienst online ist, ist der aktuelle Marktführer in diesem Segment, TouchNote (UK), schon einige Jahre länger dabei. Die sind zwar aufgrund der geografischen Distanz (noch) keine direkten Konkurrenten, das wird sich aber durch die weitere Expansion von MyPostcard in naher Zukunft ändern. Der Berliner App- und Digitaldruckservice deckt mit dem bisherigen Standort ganz Europa ab und geht seit dem Markteintritt in den USA – durch die Eröffnung eines Standortes in New York – weiter auf die Suche nach Investoren in den USA und in Deutschland.

My Take: Durch die Möglichkeit, eine Postkarte selber via App zu designen und direkt ortsunabhängig bezahlen zu können, ist das Versenden nicht unbedingt eine Generationenfrage bei den Usern. Neben dem Preisargument – die per App generierten Kartengrüße sind keineswegs zu teuer – ist das für mich einer der Hauptgründe, weshalb das App-to-Postcard-Prinzip nicht nur bei den jüngeren Reisenden aktuell und auch zukünftig rege genutzt wird. Speziell MyPostcard hat durch den aussagekräftigen Markennamen 2014 sinnvoll firmiert (genau wie Willie Brandl von meinnotizbuch.de, über den ich an gleicher Stelle berichtet habe) und knüpft mit der seit August 2016 laufenden Expansion in den USA an den Erfolg der letzten drei Jahre an. Über die Zeit haben die sich auch von einem Ein- zu einem Mehr-Produkt-Unternehmen mit Fotodrucken via App-Bestellung entwickelt. Eine entsprechende Browser-Version hat MyPostcard für alle Produkte nachgeschoben, um sich nicht nur auf die App zu beschränken. Von den Anbietern aus dem App-to-Postcard-Bereich werden sich diese Saison sicherlich noch einige vom Markt verabschieden, da sie einfach im Schatten anwenderfreundlicherer Programme stehen. Einigen Großen aus der Onlinedruck-Branche fehlt eine so wertvolle App noch im Portfolio – mal sehen, wie lange das noch so ist.

2017-06-13T14:07:00+00:00 13.06.2017|Entwicklung|0 Comments

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