Onlineprinters: LaserTryk wird Teil der Gruppe

Kaum ist die eine Übernahme in der Onlineprint-Branche verkündet, folgt auch schon die nächste große Sache: LaserTryk wird Teil der Onlineprinters-Gruppe. Was steckt dahinter?

Erst vorgestern ist bekannt geworden, dass der Fotoprint-Branchenprimus Cewe Laserline übernimmt und damit sein Betätigungsfeld im „kommerziellen Onlinedruck“ deutlich erweitert. Die Hauptbeteiligten an der Onlineprinters-Gruppe Bregal Unternehmerkapital und Project A engagieren sich durch die Beteiligung am dänischen Printer LaserTryk nun weiter im europäischen Onlinedruck. Das zukünftige Ziel der Gruppe wird damit mehr als deutlich. Klar, die Position im deutschsprachigen Raum ist schon wichtig – aber so wie bei anderen großen Playern aus der D/A/CH-Region geht die Blickrichtung der Onlineprinters merklich in Richtung Europa. Da Onlineprinters ausschließlich in Neustadt an der Aisch in Süddeutschland produziert, ergeben sich durch die Erweiterung nordwärts breitere Möglichkeiten, um weitere Kunden zu erreichen. Werden die Produktions- und Logistikkapazitäten der Gruppe gebündelt, können die Lieferzeiten für die Märkte in Skandinavien bei gleichzeitiger Aufwandsverringerung für den Drucker kurzgehalten werden. Immerhin betreiben die Onlineprinters bereits Domains für Dänemark, Schweden und Norwegen – also genau für die Märkte, in denen LaserTryk führend ist.

Als größte Onlinedruckerei Dänemarks, mit etwa 300 Mitarbeitern, bietet LaserTryk u. a. Visitenkarten, Aufkleber, Poster, Banner, Bücher und Messestände an; Quelle: https://www.lasertryk.dk/

Bei der Onlineprinters-Gruppe hat sich alleine in 2017 einiges getan: Die bisherige Nummer 3 im deutschsprachigen Onlinedruck hat im Frühjahr Solopress als profitablen Printer aus Großbritannien übernommen und damit die Reichweite und lokale Präsenz westlich von Deutschland gestärkt. Nun also LaserTryk aus Dänemark. Der skandinavische Web-to-Print-Marktführer hat seit 2011 ein jährliches Umsatzwachstum von mehr als 20 % eingefahren und konnte 2015 einen Umsatz von 42 Mio. Euro verbuchen, wovon etwa die Hälfte mittels Offsetdruck und etwa 40 % mittels Digitaldruck abgebildet werden. LaserTryk wurde 1999 gegründet und ist – ebenso wie diedruckerei.de – seit 2004 online vertreten. Begonnen haben die Gründer Esben Mols Kabell und Anders Grønborg mit dem Druck von Marketingmaterialien für regionale Unternehmen und seit dem Launch des Onlineprint-Shops wurde zunächst mit einer aggressiven Preispolitik agiert. Die Umsätze zeigen, dass die Entwicklung bis dato erfolgreich verlaufen ist. In Bezug auf das Aussehen begeistert mich der Shop von LaserTryk zwar nicht gerade, aber die Usability stimmt und überzeugt offenbar dänische Kunden – wahrscheinlich ist das in Kombination mit der Portfolio- und Preisgestaltung. Dies ist wohl neben den zusätzlichen Vetriebsniederlassungen in Bremen, Oslo, Stockholm und London wohl ebnso Grund für den länderübergreifenden Erfolg. Genau den will sich die Gruppe in dem wachsenden skandinavischen Markt zunutze machen, um das Gesamt-Umsatzziel für das Geschäftsjahr 2017 von 200 Mio. Euro zu erreichen. Damit würde der Umsatz, den Onlineprinter 2016 (105 Mio. Euro) noch ohne die beiden Marken Solopress und LaserTryk erwirtschaftet hat, nahezu verdoppelt.

„Warnung an alle, die mit (finanziellen) Entscheidungen gerne warten: Auch wenn die Druckindustrie als Ganzes nicht wächst – gut laufende Onlinedruckereien sind lukrative Investitionsobjekte. Bregal und Project A werden die Gruppe um die Onlineprinters bei Bedarf sicherlich noch weiter ausbauen.“ – Bernd Zipper

Dr. Michael Fries, CEO Onlineprinters

Nun stellt sich natürlich die Frage nach den Hintergründen zu der Gruppen-Integration des skandinavischen Marktführers. Ist es eine (vollständige) Übernahme, eine Partnerschaft? Läuft LaserTryk als eigenständige Marke weiter – und was verspricht sich Onlineprinters von der Zusammenarbeit? Da Informationen aus erster Hand nicht schaden können, habe ich bei der Geschäftsleitung der Onlineprinters, bei Dr. Michael Fries (CEO), mal nachgefragt. Er sagt dazu: „LaserTryk wird Teil der Onlineprinters Gruppe und die beiden Gründer werden Shareholder von Onlineprinters. Onlineprinters und LaserTryk sind beide im B2B Geschäft tätig. LaserTryk bietet zusätzlich mit BrandCentral und Whitelabel Web2Print Lösungen für Unternehmen an, die auch für unsere Kunden in anderen Ländern interessant sein können. LaserTryk ist ein erfolgreiches Onlinedruck Unternehmen, wir werden uns in Bezug auf Produktangebot, IT Lösungen, Produktionsorganisation, Marketingkompetenz und vielen anderen Themen gegenseitig befruchten und gemeinsam stärker werden.“

Was einige Kenner der Onlineprint-Branche natürlich noch brennend interessieren dürfte ist, ob das Wachstum von Onlineprinters in den kommenden Jahren nur noch mit Kapitalhilfe aus dem Hause Bregal und Project A „befeuert“ wird – oder ob auch weiter in organisches Wachstum investiert wird. Fries hierzu: „Der Onlinedruckmarkt wächst auf breiter Front. Mit Onlineprinters, diedruckerei.de, Solopress und LaserTryk haben wir gut positionierte Marken, die in ihren jeweiligen Kernmärkten eine führende Position einnehmen und in die wir weiter investieren werden. Wir wachsen damit natürlich mit all unseren Marken auch organisch erfreulich und das wird der wesentliche Wachstumstreiber für die Zukunft sein.“

Ob es sich hierbei nun um eine Mehrheitsbeteiligung am dänischen Marktführer im Onlinedruck handelt, bleibt – genauso wie das Transaktionsvolumen – noch unbekannt. Unabhängig davon ist aber auch bei dieser Beteiligung von einer langfristig geplanten Investition vonseiten Bregal und Project A auszugehen – und vielleicht wird es in naher Zukunft weitere „Gruppenmitglieder“ geben. Mal abwarten. Lasertryk wird Teil der Onlineprinters Gruppe und die beiden Gründer werden Shareholder von Onlineprinters, bestätigt mir Michael Fries im Gespräch.

My Take: Wie ich bereits bei der Übernahme von Laserline durch Cewe schon gesagt habe: Das bleibt nicht der letzte Zusammenschluss, der den deutschen bzw. europäischen Onlinedruckmarkt noch in diesem Jahr mitbestimmen wird. Übernahmen und Partnerschaften werden in der Onlinedruck-Branche immer relevanter. Gruppen wachsen, Konzerne verleiben sich kleinere und mittlere Player aus der Branche ein – es ist nicht ausgeschlossen, dass immer mehr große europäischen Onlinedrucker über kurz oder lang eine Cimpress-ähnliche Markenstrategie mit regionaler Ausrichtung aufbauen. Fest steht damit: Für einige kleine Onlinedrucker mit solide laufendem Geschäft kann das gute Anschlussmöglichkeiten bieten – für andere bedeutet es das Ausscheiden aus dem Markt. Die Onlineprinters-Gruppe zumindest gehört zu denen, die sich der internationalen Strategie verschrieben haben und haben das Zeug zu einem echten „Europäer“.

2017-10-25T14:55:00+00:00 25.10.2017|Markt|2 Comments

2 Kommentare

  1. Marc 27. Oktober 2017 at 9:47 - Reply

    Auf welche Zahlen/Auswertung bezieht sich die Aussage:

    „Die bisherige Nummer 3 im deutschsprachigen Onlinedruck“

    da jedes Unternehmen für sich eine andere Datenbasis sieht. Die einen Umsatz, die anderen Kunden und/oder Mitarbeiter und der letzte evtl. nach Gewinn.

    • beyond-print.de 27. Oktober 2017 at 17:03 - Reply

      Hi Marc – die Größe ist immer Umsatz und das Segment. Hier: Flyeralarm – WirMachenDruck – Onlineprinters – im Segment Onlinedruck, ohne Foto

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