Payment-Markt: Instant Payment – was bringt die neue Entwicklung für Onlineprinter?

Das Angebot an Payment-Systemen wächst. Für ständige Verfügbarkeit und Echtzeit-Zahlung in 34 europäischen Staaten soll ab 2018 Instant Payment sorgen. Was bringt das dem Onlinehandel wirklich?

Aufkäufe und Konsolidierungen haben auch im Bereich Payment in den letzten Jahren für Bewegung und auch dafür gesorgt, dass sich einige bekannte Namen vor allem im E-Commerce profilieren und ihre Position als Anbieter festigen konnten. Landesweit vereinheitlichten, elektronischen Zahlungsverkehr gibt es in wenigen europäischen Staaten bereits. Seit ein paar Jahren entwickelt die Europäische Zentralbank (EZB) als zentrale Institution des Eurosystems aber eine Alternative, die mehr können soll. Lange ist es nicht mehr hin, bis der Plan für das von der EZB initiierte Instant-Payment-Verfahren für den sogenannten Einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum (SEPA) mit 34 teilnehmenden Ländern vorgestellt wird. Den 21. November 2017 hat sie dafür angepeilt. Die Umsetzung des Plans soll dann ein Jahr später, im November 2018, erfolgen. Das hört sich zwar lange an – ist es aber in Anbetracht der infrastrukturellen Voraussetzungen nicht. Und mit dem Launch mitten im Weihnachtsgeschäft 2018 könnte der Echtzeit-Zahlvariante ein erster Härtetest bevorstehen, sollten die Banken schon bereit und die Payment-Service-Provider und die Händler schon willens zur Integration des neuen Dienstes sein.

Instant Payments in Zahlen; Quelle: ecb.europa.eu

Nur was soll der neue Dienst Händlern und Kunden bringen? Da das Verfahren auf Vereinheitlichung abzielt, soll es vor allem länderübergreifende Transaktionen im SEPA-Raum durch Vereinfachung beschleunigen. Laut Angaben der EZB wird Instant Payment keine Zahlvariante, die in Onlineshops integriert werden muss. Sie soll als standardisierter Dienst eine Alternative zu den marktführenden Zahlungsmöglichkeiten bieten. Dabei bedeutet Instant, dass die Buchung nicht nur direkt angezeigt wird, sondern auch prompt erfolgt – auch am Wochenende, was den neuen Dienst für schnelle Transfers und direkte Bezahlung für Beträge bis 15.000 Euro qualifizieren soll. Privatwirtschaftliche Payment-Dienste können damit Konkurrenz aus dem Banken-Lager bekommen. Von denen arbeiten bislang einige „nur“ mit Zahlungsgarantien, die in Echtzeit übermittelt werden und dem Händler den baldigen Geldeingang bestätigen, ohne dass die Buchung auch adhoc geschieht. Fest steht – und das lässt sich in den Pressemitteilungen der EZB zwischen den Zeilen lesen –, dass der Aufwand dafür sehr hoch ist. Denn, um einen „echten“, direkten elektronischen Zahlungsvorgang nahezu europaweit ausführen zu können, wird TIPS (TARGET Instant Payment Settlement) als Umsetzungskonzept gemeinsam mit den Banken Europas entwickelt.

„Wie attraktiv Instant Payment für Onlinehändler und Kunden ist, das wird sich nach der Einführung im November 2018 zeigen. Sollten die genannten Transaktionskosten jedoch zutreffen, kann die Zehn-Sekunden-Variante echte Konkurrenz für die führenden Anbieter bedeuten.“ – Bernd Zipper

Was die Kosten angeht, so sollen für die ersten zwei Jahre für teilnehmende Banken maximal 0,002 Euro pro Transaktion anfallen; als maximaler Kostenbeitrag für Unternehmen wurden zuletzt 0,005 bis 0,01 Euro pro Bestellung genannt. Zumindest dieser Aspekt macht Instant Payments – im Vergleich zu bestehenden System – attraktiv. Mal abwarten, wie es mit der Umsetzung aussieht. Und wie ist es im Onlinedruck? Besteht da noch Bedarf für weitere Bezahlsysteme? Dazu habe ich mir mal die Kundenmeinungen und die Bezahlmöglichkeiten auf den Seiten von mehr als 30 Onlineprintern aus D/A/CH angeschaut. Einbezogen habe ich dabei die folgenden Zahlungsarten: Kreditkartenzahlung, Lastschrift, E-Rechnung/Klarna, Sofortüberweisung, Nachnahme, Vorauskasse, Barzahlung bei Abholung und PayPal/paydirekt.

Mehr als 80 % der betrachteten Shops im D/A/CH-Onlinedruck bieten vier und mehr Zahlvarianten an; Quelle: zipcon consulting

Anhand der Grafik lässt sich schnell erkennen, dass mehr als 80 Prozent der betrachteten Onlinedrucker schon vier oder mehr Zahlvarianten in ihre Shops integriert haben. Aber: Es gibt noch ein paar Printer, die sich meines Erachtens auf zu wenige Zahlungsarten beschränken (zwei oder weniger), was den ein oder anderen Kunden von einer Bestellung abhalten kann, insofern sein präferiertes System nicht angeboten wird. Und wer sind die Top-Vier-Zahlungssysteme? Bei der Zusammenstellung habe ich ermittelt, dass Zahlungen via Kreditkarte und Paypal/paydirekt (von fast 90 Prozent der Onlinedrucker angeboten) die absoluten Spitzenreiter sind, dicht gefolgt von E-Rechnung (Klarna) und Sofortüberweisung (jeweils von mehr als 60 Prozent der Onlinedrucker angeboten). Damit ist die D/A/CH-Onlineprint-Branche sehr nahe an dem, was sich auch im „allgemeinen“ E-Commerce zeigt.

Wohlgemerkt: Die Anzahl an Bezahlsystemen ist im Onlinedruck nicht direkt an die Unternehmensgröße gekoppelt, denn es gibt auch ein paar Große in der Branche, die mit vier Bezahlverfahren auskommen. Entscheidend ist letztendlich, ob die Kunden, egal ob B2B oder B2C, den gewünschten Service erhalten. Der Trend geht aber hin zu mehr Verfahren im Angebot, was durch die zunehmende Menge an Payment-Service-Providern einfacher wird und auch die Aufnahme des EZB-Systems begünstigen kann.

My Take: Wie das neue Instant Payments ab 2018 vom Markt angenommen wird, das hängt größtenteils von den echten Vorteilen und dem Integrationswillen der Onlinehändler ab – und die schauen nach den Kosten, und ob die Kunden überhaupt Bedarf dafür „anmelden“. Zunächst mal wird Instant Payment „nur“ eine weitere Bezahlmöglichkeit unter vielen bereits etablierten sein. Aber ähnlich wie der Marktführer PayPal ist Instant Payment auch tauglich für Zahlungen zwischen Privatpersonen und ein weiteres Ziel der EZB scheint zu sein, mit dem System eine elektronische, direkte Zahlvariante am PoS zu etablieren, die via Smartphone ausgeführt werden kann. Bis zum Launch ist es aber noch mehr als ein Jahr hin – in dieser Zeit wird auch der eine oder andere Onlinedrucker in Sachen Payment-Systeme noch nachlegen. Zu gegebener Zeit werde ich mich dem Thema Bezahlsysteme nochmal widmen – und dann sehen, ob trotz der vergleichsweise geringen Kosten noch Platz für Instant Payment bleibt.

2017-07-11T11:34:34+00:00 11.07.2017|Entwicklung|0 Comments

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