Print-on-Demand: Kinderbücher mit individualisierten Helden

Personalisierte Produkte sprechen nicht nur Erwachsene an – der besondere Inhalt macht eben den Unterschied, vor allem bei Büchern. Was können die Anbieter rund um die Kindergeschichten?

Wer auf dem diesjährigen Online Print Symposium – oder im Rückblick hier auf beyond-print.de –dem Vortrag von Tal Oron, Co-Founder von Lost my Name, gefolgt ist, der weiß spätestens seit diesem Zeitpunkt, dass Printpersonalisierung auch bei Kindern funktioniert, und zwar mächtig gut. Seit April 2017 hat sich bei Lost my Name einiges getan: Das Kreativunternehmen ist zu Wonderbly umfirmiert und mehrere weitere Themenbücher ins Portfolio aufgenommen, aktuell aber größtenteils auf Englisch. Märkte im E-Business sind nicht auf einzelne Nationen beschränkt – warum also nicht mal gucken, wer außer Wonderbly noch personalisierbare Kinderbücher anbietet, und in welchem Umfang. Vorweg kann ich schon sagen: Es gibt auf dem Feld mehrere Teilnehmer, die mindestens genauso aktiv werben und vermarkten wie das vormalige Ein-Produkt-Unternehmen.

Wonderbly: Mit dem Topseller „Ach, du Schreck, mein Name ist weg“ ist das Kreativunternehmen seit 2012 am Markt. Im Vergleich zu dem englischsprachigen Angebot (fünf Titel) sind die auf Deutsch erhältlichen Kinderbücher deutlich in der Unterzahl. Gerade einmal zwei verschiedene Storys umfasst das Angebot für D/A/CH-Kunden. Wahrscheinlich ist es eine Frage der Zeit, wann Wonderbly hier nachlegt und fleißig übersetzt. Von Kundenseite gibt es in den sozialen Medien zumindest mehrere Anfragen an das Unternehmen mit Hauptsitz in London. Interessierte werden aber auf die Zukunft „vertröstet“. Und wie sieht es preislich aus? Die beiden auf Deutsch erhältlichen Storys liegen beim Standard gleichauf: Für die Softcover-Variante fallen 29,99 Euro inklusive weltweitem Versand an – und wer die Deluxe-Version mit Präsentationsbox haben möchte, der muss für 49,99 Euro etwas tiefer in die Tasche greifen. Was die Individualisierungsmöglichkeiten angeht, so bewegt sich das Wonderbly-Angebot mit Namensgebung, Widmung und Tierauswahl für die einzelnen Buchstaben des Namens bei dem „Klassiker“ im Mittelfeld. Das neue Weltraumabenteuer, dem zweiten deutschsprachigen Buch, wird durch die Angabe der eigenen Adresse mit den passenden Aufnahmen aus der Luft untermalt. Nette Idee.

Wichtiges Merkmal des zweiten deutschsprachigen Werks von Wonderbly sind die Aufnahmen aus der Luft vom entsprechenden Wohnort; Quelle: wonderbly.com/de

Ein absolutes Basisprogramm in Sachen Produktauswahl und Personalisierungsmöglichkeiten fährt „Die Magie meines Namens“. Das Team dahinter hat sich 2015 gegründet und seit dem Launch Anfang 2016 hat das Angebot mitsamt Abwicklung laut Trusted-Shops-Bewertungen einen sehr guten Job gemacht. Das Portfolio umfasst nur ein Produkt, was aber die Nachfrage scheinbar nicht schmälert. Die mindestens 38 Seiten umfassende Kindergeschichte gibt es wahlweise mit Soft- oder Hardcover-Finishing. Inhaltlich richtet sich die Geschichte nach dem Namen der Hauptfigur und leitet dabei das Kind durch eine Reise, bei der es nacheinander kleine Abenteuer erlebt, die mit dem jeweiligen Buchstaben des Namens verbunden sind. Zunächst wird dazu der Name durch den Ersteller vorgegeben und eine von vier Möglichkeiten für das Aussehen des Protagonisten/der Protagonistin ausgewählt. Für ein Exemplar mit Hardcover fallen rund 32 Euro an, was im Vergleich zu den anderen Anbietern eher günstig ist, zumal der Standardversand inbegriffen ist.

„In Sachen personalisierbarer Merkmale bei online konfigurierbaren Kinderbüchern hat sich im letzten Jahr einiges getan. Personalisierung von Drucksachen ist eben für jede Altersgruppe ein Kaufargument.“ – Bernd Zipper

 

Besonders angetan hat es mir das Angebot von Framily. Das Hamburger Unternehmen offeriert aktuell 19 verschiedene Storys, zu denen unter anderem klassische Lieblingsakteure wie Benjamin Blümchen, Die Olchis, Biene Maja, Bibi Blocksberg, Wickie oder Playmobilfiguren gehören. Am Beispiel einer Bibi Blocksberg-Geschichte zeigen sich auch die diversen Personalisierungsmöglichkeiten: Name des Kindes, Frisur und Haarfarbe, Kleidung, Name des besten Freundes und der Geburtstag lassen sich neben weiteren Eigenschaften einstellen. Zusätzlich lässt sich der schon besonders zugeschnittene Inhalt mit dem Upload eines Portrait- oder Familienfotos weiter personalisieren. Framily gehört zur StoryDOCKS-Gruppe, die unter anderem Geschäftszweige für digitale Kinderbücher mit interaktivem Inhalt unterhalten. Über die gleiche Website mit den individualisierbaren Kinderbüchern macht Framily noch weitere Geschäfte mit Printpersonalisierung, und zwar mit bedruckten Geschenken zum Schulstart. Das Produktbundling könnte hier zwar noch aktiver betrieben werden, es gibt aber ausreichend viele Querverweise auf die jeweils andere Produktgruppe. Ein tolles Gesamtkonzept, das zurecht durchweg zufriedene Kunden hat.

Bei dieser Geschichte können in fünf Kategorien mehrere Merkmale personalisiert werden; Quelle: framily.de

Mumablue hat seinen Hauptsitz in Madrid und basiert sein noch recht junges (seit Anfang 2016) personalisierbares Bücherangebot auf einem pädagogischen Konzept:  Durch die Wahl von einer aus vier Geschichten wird jeweils auf eine schwerpunktmäßige Wertevermittlung, unter anderem in Richtung Toleranz, Selbstbewusstsein und Kreativität abgezielt. Die gut aufgeräumte Website klärt über das Konzept umfangreich auf und spricht vor allem Kinder zwischen zwei und neun Jahren an. Neben dem Namen kann das Aussehen in vielfältiger Weise angepasst werden; dazu gehören – gemessen an den anderen Anbietern – standardmäßig Haar-, Haut- und Kleidungsfarbe und zusätzlich noch Brille, Augenfarbe und, ob das Kind ein Hörgerät trägt oder nicht – wohlgemerkt auch farblich anpassbar. Damit ist Mumablue Spitzenreiter im Hinblick auf die konfigurierbaren Merkmale. Und mit 40 Seiten Inhalt sind die Bücher umfangreich genug, um den im Vergleich zu den anderen Anbietern hohen Preis zu rechtfertigen. Der beträgt 35,89 Euro, wofür in in 11 verschiedene Länder in Nord-, Süd- und Westeuropa geliefert wird.

In Sachen konfigurierbarer Merkmale des Hauptakteuers ist Mumablue Primus; Quelle: mumablue.de

Ein personalisierbares Malbuch gibt es bei den Hurrahelden zu jeder Bestellung on top. Das 2013 gegründete Unternehmen führt für seine personalisierten Kinderbücher vier verschiedene Domains (.de, .at, .si und .it), auf denen die mehr als zehn verschiedenen Storys abgebildet sind. Zu jeder Landesseite gibt es auch einen entsprechenden Unternehmenssitz, wobei keine Angaben über den Produktionsort gemacht werden. Besteller müssen sich beim Standardversand mit einer Lieferzeit von bis zu zehn Werktagen zufriedengeben. Aber selbst diese Zeit wird von den anderen Anbietern nur selten unterboten – und wenn, dann ist das meist mit zusätzlichen Kosten von 4,90 Euro und mehr verbunden. Was die Konfigurationsmöglichkeiten bei Hurrahelden angeht, so lassen sich hier ähnlich viele Merkmale wie bei Mumablue einstellen. Die Seite macht auf mich einen strukturierten Eindruck, wobei die Konfigurationsmöglichkeiten besser beschrieben sein könnten. Dafür sind die Hurrahelden umso präsenter in den sozialen Medien und haben dadurch eine schnelle Kundenansprache mit sehr guten Rückmeldungen.

My Take: Das Ziel war hier nicht, einen detaillierten Einblick in alle Angebote zu geben, sondern vielmehr einen kleinen Basar der Möglichkeiten aufzuzeigen. Gut hat mir definitiv bei allen aufgeführten Anbietern im Bereich der personalisierbaren bzw. konfigurierbaren Kinderbücher gefallen, dass sie – unabhängig von der Menge der Merkmale  – eine Live-Vorschau für den Besteller generieren. Drei der fünf Printer beschränken sich bei den Kinderbüchern auf Hardcover-Varianten, die in Kinderhänden nachvollziehbar langlebiger sind. Und bei kostenfreiem Versand sind die Lieferzeiten sind mit sieben bis zwölf Werktagen akzeptabel. Wer sein Werk dann etwas flotter braucht, der kann bei allen auch den schnelleren Versand gegen Aufpreis wählen. Bei den konfigurierbaren Merkmalen dürfen wir in Zukunft sicherlich noch weitere erwarten – spätestens dann, wenn die ersten Anbieter mit komplexeren Editierfunktionen ankommen, natürlich muss dabei immer die Usability für Nicht-Grafiker erhalten bleiben.

2017-08-28T09:57:50+00:00 25.08.2017|Markt|0 Comments

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