Mit einem ambitionierten Vorhaben plant Spreadshirt 2017 die Führung in den USA auf dem lukrativen Markt mit designten und gestaltbaren Textilien zu erreichen. Lässt die Konkurrenz das zu?

Wenige Tage ist es her, dass Spreadshirt über seinen CEO Philip Rooke die neue Strategie für 2017 hat verlautbaren lassen: „US first“ bzw. „Fokus USA“. Nach den stagnierenden Umsätzen in 2014, die auf das für Spreadshirt starke Jahr 2013 mit fast 72 Mio. Euro Umsatz folgten, gab es im Jahr 2015 wieder ein sattes Umsatzplus. Noch nicht vollständig belegt ist die Zahl von 95 Mio. für das Geschäftsjahr 2016, wovon bis dato schon ein größerer Anteil auf das Geschäft in den USA entfällt. Nun also ist die Marschrichtung für 2017 fixiert – in den USA sollen massiv Anteile gewonnen werden und die Position in Europa soll weiterhin gestärkt werden. Die Weltmarktführung ist das Ziel.

Spreadshirt-CEO Philip Rooke will sein Unternehmen auch in den USA zu einer festen Größe machen; Quelle: flickr.com/photos/spreadshirt

Als durchaus ambitioniert kann man die Sache mit der Weltmarktführung schon betrachten, zumal es an Wettbewerb in dem Betätigungsfeld des 2002 gegründeten Unternehmens nicht mangelt. Mass Customization bei Textilien haben auch andere große Anbieter im Portfolio, und die investieren auch. Massiv sogar. Flyeralarm treibt die Erweiterung seines Produktportfolios im Textildruck seit 2015 ebenso deutlich voran und hat in diesem noch jungen Jahr bereits zwei Investitionen in dem Bereich vermeldet. Mit der in diesem Monat gekauften LFP-Maschine Allegro des Herstellers Kornit sollen ab März 2017 auch größere Heimtextilien angeboten werden. Und noch vorher, im Februar, will Flyeralarm mit der Storm II (vom selben Hersteller) den T-Shirt-Direktbedruck deutlich ausbauen. Nicht zu vergessen wären da noch Cimpress und Amazon, die einen nicht unerheblichen Teil im E-Commerce mit mass customized Produkten ausmachen. Denn das Geschäft mit den online bestell- und gestaltbaren Textilien wird in den nächsten Jahren mächtig wachsen – dazu aber später mehr..

Spreadshirt ist als mittlerweile international agierender Spezialist für den On-Demand-Druck von Kleidung und Accessoires bekannt und bietet Designern und Unternehmen auf diesem Gebiet Vermarktungsmöglichkeiten via Marktplätzen, White-Label-Shops und Personalisierungsmöglichkeiten für Einzel- und Sammelbestellungen. Stärken hat Spreadshirt natürlich mit seinem Affiliate-Programm. Deren im November 2016 neu aufgesetzte Plattform schafft für Reseller nämlich ein attraktives und breites Angebot. Nach etwa einem Monat konnte das Unternehmen mit Hauptsitz in Leipzig durch den Partnerbereich eine Zunahme von 28 % bei den neu angemeldeten Shops und darüber hinaus auch ein Viertel mehr an Erstkäufern vermelden – logisch, wenn mehr Partner als Anbieter die gleiche Plattform nutzen. Der neue Partnerbereich und das Umsatzplus von mehr als 10 % – jeweils von 2014 auf 2015 und nochmal von 2015 auf 2016 – mit ihrem weltweiten Geschäft lässt Rooke und Co. zuversichtlich in das Jahr 2017 gehen. Immerhin beläuft sich die Zahl der Partner laut Unternehmensangaben auf weltweit mehr als 70.000. Und abwegig ist der Ausbau des US-Geschäfts nicht, da schon seit Längerem auch Werke in den USA vorhanden sind, und zwar in Greensburg, Pennsylvania und Henderson (Las Vegas), Nevada. Mit diesen zwei Standorten an der Ost- und der Westküste kann Spreadshirt seine Ware sinnvoll distribuieren. Produziert wird in Deutschland seit der Schließung der Leipziger Produktionsstätte nicht mehr; der Hauptsitz des Unternehmens ist jedoch weiterhin im Osten der Republik zu finden. Zulasten des Leipziger Werkes wurden Mitte 2016 vor allem die Europa-Produktionsschwerpunkte auf die Werke in Legnica, Polen und Krupka, Tschechische Republik gelegt. Zusammengenommen werden aktuell mehr als 180 Länder beliefert.

Unspektakulär aber ordentlich ist der aktuelle Designer, mit dem man auf der Website eigene T-Shirts gestalten kann; Quelle: spreadshirt.de

Und weshalb wollen die jetzt in den USA richtig loslegen? Mit dem neuen Partnerbereich und den zuletzt starken Umsätzen im Rücken wollen die Textilspezialisten den dort ansässigen Marktführern den Rang ablaufen, weiterwachsen und weltweit noch bekannter werden. Schaut man sich nämlich die Zahlen zum E-Commerce im Bereich Textilien an, wird das Begehren verständlich, denn mass customized Produkte, die man anziehen kann, werden in Zukunft erheblich stärker nachgefragt. Textildruck lohnt sich also und wird sich umso mehr lohnen, je besser man sich etabliert hat.

„So lukrativ der Markt mit gestaltbaren Textilien außerhalb von Europa auch ist, die Konkurrenz schläft nicht und arbeitet zum Teil ohne Partnerprogramme. Spreadshirt wird einiges richtig machen müssen, um in den USA  das gleiche Niveau wie hierzulande zu erreichen.“ – Bernd Zipper

Auf Basis der Zahlen von 2016 wird sich der Textilmarkt laut Prognosen (Quelle: statista) wie folgt entwickeln. Ausgenommen – und das habe ich bewusst getan, um das Volumen nur bei „normaler“ Bekleidung deutlich zu machen – sind dabei Schuhe und Taschen, die einige große Onlineprinter aber auch schon in ihrem Mass Customization-Programm anbieten.

Prognose Textilmarkt auf Basis der Zahlen von 2016 (Quelle: statista)

Bei der Darstellung handelt es sich um den gesamten E-Commerce Bereich für Fashion-Produkte, nicht ausschließlich um solche, die selber zu gestalten sind. Wie man aber sehen kann, ist genug Potenzial da – das will sich Spreadshirt zunutze machen. Und bedenkt man, dass den Prognosen zufolge China nahezu doppelt so hohe Wachstumsraten (etwa 17 % jährlich!) in diesem Bereich zu erwarten hat, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die großen Player aus den USA und Europa auch in Asien mit ihrem Programm versuchen. Amazon ist ja – wie eigentlich immer – auch dort schon vertreten. So viel dazu.

Selbstgestaltbare Textilien gibt´s auch über Amazon Custom; Quelle: amazon.com

Und was die USA angeht: Über Amazon Custom gibt es auch reichlich Angebote zu gestaltbaren Textilien – die werden sich das potentielle Mehr an Umsatz in den nächsten Jahren sicherlich auch nicht entgehen lassen wollen. Da müssen sich Spreadshirt und Affiliates schon ganz schön ins Zeug legen, um gleich mehreren Wettbewerbern – die schon ein beträchtliches Volumen abwickeln und ordentlich etabliert sind – wirklich gefährlich zu werden, geschweige denn mittelfristig die Vorherrschaft im Markt für gestaltbare Textilien innezuhaben.

Drei der Anbieter, die Spreadshirt auf dem US-Markt für 2017 selbst als Konkurrenz definiert, sind CustomInk, Redbubble und Teespring. Alle drei sind bis heute zu richtig erfolgreich im Anbieten von Plattformen und/oder designbaren Textilien und Accessoires – da muss Spreadshirt schon richtig was tun, um denen Anteile auf dem lukrativen Markt abzunehmen. Investieren werden die bei den guten Aussichten nämlich sicherlich auch. Damit man mal eine Größenordnung zum Vergleich hat: CustomInk (gegründet 2000) hat 2015 alleine 45 Mio. USD mit Verkäufen über Mobile Devices an Umsatz gemacht, was etwa der Hälfte des Gesamtumsatzes von Spreadshirt in 2015 entspricht. Und auch Teespring, erst 2011 gegründet, ist in Europa (London) präsent und hat in 2016 sein Portfolio deutlich ausgebaut.

US-First? PR-Fehlgriff!

Na ja – was mich aber sehr verwundert ist der Titel der Kampagne die sich arg nach dem Titel der Kampagne des neuen Chefpopulisten der USA, pardon – des neuen Präsidenten der USA anhört. Der tönt „USA-First“ und droht mit Strafzöllen, Mauern und ähnlichem. Ich finde den Titel zwar zielgerichtet, aber dennoch reichlich unsensibel. Oder wollen Sie in den gleichen Sack gesteckt werden, wie der Herr US-Präsident, Herr Rooke? Kann aber auch sein, dass ich nur pampig bin, dass Spreadshirt bisher alle unsere Versuche Kontakt aufzunehmen oder Herrn Rooke zu einem Vortrag auf dem OPS zu bewegen, fehlgeschlagen sind. Schade – wirklich.

My Take: Die Pläne von Spreadshirt sind nachvollziehbar und äußerst ambitioniert. Die Konkurrenz in dem Feld ist nicht gerade klein und ohnmächtig – andere kennen die Zahlen genauso und investieren entsprechend. Deshalb bin ich äußerst gespannt, wie sich die Kampagne dieses Jahr so entwickeln wird. Denn um den anderen Etablierten in den Staaten wirklich gefährlich zu werden, müssen die Entscheider bei Spreadshirt schon Konzept und Geduld bündeln. Und ob das „Mitmach-Partnerprogramm“ in USA auch funktioniert, da bin ich gespannt. Ansonsten ruft der Markt mit gestaltbarer Bekleidung, abgesehen von den großen Playern mit ihren Expansionsvorhaben, auch Einsteiger mit ihren peppigen Ideen auf den Plan. Mit einer davon werde ich mich in Zukunft mal befassen – picturethisclothing.com. Die bieten den Druck selbstgemalter Kleider von und für Mädchen an. Tolle Idee! Schaue ich mir an.