Übernahme: Onlineprinters übernimmt Solopress aus England

Übernahme: Onlineprinters übernimmt Solopress aus England

Weiter geht es mit den Übernahmen im Onlineprint. Dieses Mal ist nicht Cimpress der Käufer, sondern eine andere große Nummer im Onlinedruck – die Onlineprinters GmbH. Doch wer ist Solopress – das Unternehmen ist in D/A/CH weitgehend unbekannt.

Befindet sich der Onlinedruck in einer Ära der Übernahmen und Zusammenschlüsse? Cimpress hat damals noch als Vistaprint damit begonnen, profitable Konkurrenten vor allem im Ausland zu übernehmen und dadurch die Reichweite und das Portfolio deutlich auszubauen. Der Konzern versammelt mittlerweile viele prominente Namen als Marken unter seinem Dach. Es gibt aber auch andere Drucker, die sich durch Zukäufe weiterentwickeln wollen und werden. Die Onlineprinters sind seit mehr als 10 Jahren in der Onlinedruck-Branche präsent; mittlerweile ist das Unternehmen aus Süddeutschland eine international agierende und erfolgreiche Größe. Die liefern schon seit Längerem von ausschließlich in Deutschland liegenden Produktionsstandorten nicht nur in das angrenzende Ausland. Und separate Shops gibt es aktuell für mehr als zehn Länder, wobei Kunden in 30 europäischen Nationen beliefert werden. Das war auch bisher der Leitgedanke: Zentral drucken und schnell die Kunden im Ausland via (kostenlosem) Versand erreichen.

Visitenkarten bewirbt Solopress besonders – für alle gestaltbaren Drucksachen steht ein Online-Designer im Printshop zur Verfügung; Quelle: solopress.com

Daran scheint sich nun einiges zu ändern. Die Onlineprinters GmbH übernimmt Solopress. Erst hat Bregal Unternehmerkapital sich im September 2016 als Mehrheitsgesellschafter und Project A aus Berlin mit einem einstelligen Millionenbetrag an den Onlineprinters beteiligt. Beide fokussieren offensichtlich den Ausbau ihrer Anteile im europäischen Onlinedruck, denn unlängst sind Bregal und Project A Teilhaber des niederländischen Onlinedruckers Helloprint geworden, der seit seiner Gründung 2013 Druck-Partnerschaften zu verschiedenen Druckereien in Europa unterhält und ordentlich gewachsen ist.

 „Die Marschrichtung der Onlineprinters Gruppe steht fest: Onlinedruck-Marktführer in Europa werden. Mit dem Kapital im Rücken wird Solopress nicht der letzte Erwerb bzw. die letzte Erweiterung der Gruppe bleiben.“ – Bernd Zipper

Nun also Solopress aus Großbritannien. Und was steckt dahinter bzw. weshalb kaufen die einen Onlinedrucker von der Insel? Der Sitz von Solopress befindet sich östlich von London. Gegründet wurde das Unternehmen 1999 mit dem Ziel, mittels schneller Durchlaufzeiten auch eine schnelle Auslieferung zu ermöglichen – demnach stehen die Themen Automatisierung und Effizienzsteigerung ganz oben auf der Prioritätenliste der beiden CEOs Andy Smith und Aron Priest. Letztgenannter hat im Jahr 2016 den Growing Business Of The Year Award, eine Auszeichnung speziell für Unternehmen auf dem Gebiet der Grafschaft Essex, für die erfolgreiche Onlinedruckerei entgegengenommen. Die Zukunft beider CEOs ist auch in Zukunft als Teil der Onlineprinters Gruppe gesichert, denn beide bleiben Geschäftsführer und werden Gesellschafter der Gruppe. Mit den mehr als 50 verschiedenen Produktkategorien hat Solopress eine Umsatzsteigerung von gut 25 % im Vergleich zu 2015 geschafft. Im Portfolio finden sich von Geschäftsdrucksachen über Werbematerial bis zu Fotogeschenken zumeist Druckprodukte aus dem Bereich Commodity. Damit gehört der Neuerwerb der Onlineprinters zu den größten Onlinedruckereien im UK – jetzt ist die 24h-Liefergarantie auch mehr als 800 km weiter westlich einzuhalten. Ich kann mir gut vorstellen, dass die als eigene Marke weiterarbeiten werden, damit der „Heimvorteil“ bestehen bleibt. Die mehr als 200 Mitarbeiter des Umwelt- und QM-zertifizierten Onlinedruckers stellen die Versorgung von mehr als 150.000 Kunden sicher, zu denen auch namhafte wie Red Bull, BBC oder die Western Union gehören.

Die beiden CEOs von Solopress Andy Smith und Aron Priest sind jetzt Teil der Onlineprinters Gruppe; Quelle: onlineprinters

Durch die gestiegene Kapitalkraft der Onlineprinters verleiben sie sich also ein profitables und geografisch sinnvoll gelegenes Druck-Unternehmen ein, das in Bezug auf das Produktportfolio – beide machen B2B und B2C – ähnlich breit und tief aufgestellt ist. In Sachen Kundenzufriedenheit ist Solopress auch obenauf – die drucken ihre Aufträge mit steigendem Anteil auf Recyclingpapier mit „ökologischer“ Farbe und die Rezensionen sind durchweg positiv, sowohl in Bezug auf die Schnelligkeit als auch bezüglich der Qualität. Mit der Verantwortung für die Umwelt werben die Briten auch aktiv und erreichen damit den ein oder anderen Kunden mit „grünem“ Gewissen – durchaus eine sinnvolle Ergänzung zum Schnelligkeits-Argument und zur Preisschiene.

My Take: Die großen Onlineprinter werden 2017 weiterwachsen – das habe ich zum Jahresende 2016 schon gesagt. Durch das frische Kapital, das die Onlineprinters GmbH 2016 erhalten hat, wird nun im Ausland investiert, um die Marktposition zu festigen und auszubauen. Das zeigt, dass einige Investoren das mächtige Potenzial des Onlinedrucks erkennen und in Zeiten scheinbar zunehmender Übermacht von Cimpress – und zukünftig möglicherweise noch Amazon – ihr Geld in stabile und florierende Unternehmen der Onlineprint-Branche stecken. Im Hinblick auf den Brexit kann der Kauf von Unternehmen in Großbritannien auch langfristig den Kontakt zu den Kunden sichern und damit Wachstumshemmnissen vorbeugen. So haben die Onlineprinters mit Solopress und der breiten Kundebasis in UK schonmal vorgesorgt. Die aktuelle Übernahme ist sicherlich nicht die letzte in der Branche für das Jahr 2017…

2017-03-16T18:04:35+00:00 16.03.2017|Markt|0 Comments

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