Usability: Wie schnell sind D/A/CH-Onlinedrucker-Websites?

Usability: Wie schnell sind D/A/CH-Onlinedrucker-Websites?

Sie entscheidet wesentlich mit über die Konversions-Rate und ist ständiges Optimierungsthema im E-Commerce: die Ladezeit von Webseiten. Ich habe mich mit der Performance deutschsprachiger Onlineprint-Shops mal genauer befasst.

Verwunderlich ist es nicht, dass Onlineshops mit schlechterer Gesamtperformance weniger Konversionen haben – das ist nachgewiesen. Niedrige Preise und ein nettes Layout reichen eben nicht, wenn die Absprungrate hoch ist. Also sollten Onlinedrucker, die die Usability in ihrem Shop hochhalten wollen, die Ladezeiten im Blick haben, auch von komplexeren Seiten. Und da Kunden – egal ob B2B oder B2C – nicht immer über die direkte Adresse in den Shop gelangen, spielt die Geschwindigkeit auch für das Ranking eine wichtige Rolle. Denn neben weiteren Faktoren war, ist und bleibt sie eine der wesentlichen technischen Grundvoraussetzungen für ein gutes Suchmaschinen-Ranking. Wer eine HTTPS-verschlüsselte Seite hat – was mittlerweile bei den meisten D/A/CH-Onlinedruckern der Fall ist – der muss sich in puncto Geschwindigkeit auch ranhalten. Denn z. B. Google degradiert Seiten, die nur eine „unsichere“ Verbindung liefern – aber die Verschlüsselung kostet auch Zeit. Die Kunden von Onlineshops ihrerseits nehmen beide Aspekte direkt wahr und entscheiden sich ggf. gegen das Angebot. Und genau wie bei anderen Seiten im E-Commerce, betrifft die Geschwindigkeit als Erfolgskriterium für Konversionen auch alle Onlinedrucker.

Um hier ein belastbares Bild von Onlinedruckern aus der D/A/CH-Region zu bekommen, habe ich mir mal einige Shops rausgesucht und mit meinem Team ein Performance-Monitoring angelegt. Den Monitoring-Vorgang umreiße ich mal kurz für Nicht-Informatiker und die, die es selber ausprobieren möchten: Via Zabbix-Server wurden Anfragen für Seitenaufrufe an 14 Onlineprinter-URLs und deren jeweilige Startseite, an eine Standardprodukt- sowie die Suchseite gestellt. Erfolgreiche Anfragen, die über Google Chrome 17 liefen, wurden dem System mit dem Statuscode 200 – was einem „OK“ entspricht – und der entsprechenden Zeit vom Aussenden bis zur Rückmeldung mitgeteilt, der Response Time bzw. Antwortzeit. Erfasst wurde diese Zeit über einen Zeitraum von zwei Wochen in Abständen von 30 Minuten.

„Wer als Onlinedrucker bei der technischen Webseiten-Performance schludert, der verliert Kunden. Denn auch die Geschwindigkeit ist ein wichtiger Aspekt, um zufriedene Kunden zu haben. Problematisch kann es also werden, wenn eine langsame Seite den Eindruck des gesamten Angebots trübt.“ – Bernd Zipper

Schön und gut – jetzt kommen da ein paar Zahlen raus. Nur wo liegt deren Aussagekraft? Um mich in der Hinsicht abzusichern und eine weitere professionelle Einschätzung zu haben, habe ich mich mit Joscha Krug, Geschäftsführer bei ScaleCommerce, in Verbindung gesetzt und mit ihm die erhobenen Zeiten besprochen. Vorrangig sollte man sich die Durchschnittswerte anschauen, da diese ein repräsentativeres Bild zeichnen als die alleinige Betrachtung der Minima und Maxima. Als Faustformel kann hier gelten:

Ich will dem geneigten Leser hier keine unübersichtlichen Kurven präsentieren, also habe ich die gesammelten Daten in der nachstehenden Abbildung mal zusammengefasst. Als Eingangstor zu den einzelnen Produkten hat die Startseite eine besonders hohe Relevanz, wenn es um die Usability geht. Vor allem bei diesen Seiten zeigt sich, dass die Performance im Mittel bei den meisten betrachteten Printern passt – der Startseiten-Optimierungsbedarf ist also bei vier von fünf Druckern sehr gering bis klein. Selbst die langsameren 15 % haben den Schwellenwert von einer Sekunde nur minimal überschritten. Das zeigt: Auf die Startseite wird anscheinend besonderer Wert gelegt und die meisten haben hier schon optimiert.

Etwas anders sieht es bei den Produkt- bzw. Detailseiten aus. Trotz deutlich geringerer Schwankungen als bei den Startseiten (hier gab es Peaks von bis zu 14 Sekunden!), gibt es hier insgesamt mehr Handlungsbedarf. Zwei der betrachteten Printer haben bei diesem Seitentyp eine mittlere Ladezeit von mehr als drei Sekunden, was für einige Kunden schon sehr abschreckend wirken kann. Manche Onlinedrucker scheinen noch zu unterschätzen, dass auch im B2B die Wohlfühlfaktoren beim Seitenaufruf wichtig sind. Die Langsameren riskieren hier mehr Absprünge. Weiterhin zeigen vor allem die Detailseiten, dass die großen Player – bis auf Vistaprint, was mich schon etwas verwundert hat – sehr niedrige Antwortzeiten generieren, die bei der Hälfte der getesteten Seiten unter 200 Millisekunden liegt. Der Fachmann meint dazu: „Mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit setzen die Großen einen Cache für die Detailseiten ein, anders sind die Ladezeiten dort kaum zu erklären. Um auch in Peaks eine gute Performance zu erreichen, ist Caching eine gute Maßnahme. Problematisch wird es mit dem Caching aber bei Seitenaufrufen die nicht statisch sind, wie z. B. bei Personalisierungen. Beim Caching ist immer zu bedenken, dass die Applikation damit schneller gemacht werden kann, aber der Shop auch ohne es funktionieren muss.“  Ergo: Die Seite immer schlank genug halten, so dass es auch ohne Caching funktionieren kann.

Wie kann ich mich als Onlinedrucker nun schnell über meine eigene Performance kundig machen? Google beispielsweise stellt mit PageSpeed Insights ein einfaches Tool zur Verfügung, mit dem sowohl die Leistung als auch einfache Optimierungsvorschläge für die Desktop- und die Mobilversion der Seite aufgezeigt werden können. Bei ein paar Tests mit dem Tool schneiden die betrachteten Printer-Webseiten nicht stark ab – vor allem was die mobile Darstellung angeht. Für einen Überblick reicht PageSpeed zwar. Wer sich jedoch ernsthaft verbessern möchte – und in Sachen Geschwindigkeit kann ich das einigen durchaus raten –, der sollte sich fachmännisch beraten und das erledigen lassen.

My Take: Das Performance-Monitoring hat gezeigt, dass einige der D/A/CH-Onlinedrucker schon ganz gut aufgestellt sind. Katastrophale Ergebnisse gab es nicht. Und laut Fachmann sprechen die relativ konstanten Ladezeiten für größtenteils vernünftig dimensionierte Server. Vor allem die Großen – bis auf kleine Ausnahmen – haben das Thema anscheinend mehr auf dem Schirm als die Kleinen. Bei den großen Onlinedruckern ist aber auch davon auszugehen, dass sich damit eben ganze Abteilungen befassen. Schlussendlich soll die Übersicht in keiner Weise Grund zum Ausruhen bieten. Wer jetzt meint, dass ein paar Millisekunden doch nicht ausschlaggebend für die Konversion beim Kunden sind, der sollte zusehen, dass er die Geduld einiger Besteller nicht über- und die Suchmaschinensichtweise auf die Geschwindigkeit nicht unterschätzt. Und da man über Googles PageSpeed bei den zum Teil nicht gerade schlanken Onlineprinter-Websites einige Baustellen erkennt, werde ich mich nach dem Jahreswechsel nochmal mit der Mobiltauglichkeit deutscher Onlinedrucker auseinandersetzen.

2017-11-17T14:12:57+00:00 17.11.2017|Technik|1 Comment

One Comment

  1. Kai Hebenstreit 17. November 2017 at 21:15 - Reply

    Wundert mich mit der Nachlässigkeit beim Speed. Immerhin ist Schelligkeit nicht nur für die Usability wichtig, sondern zudem einer der wichtigsten SEO-Rankingfaktoren. Und spätestens da müssten bei den meisten Betreibern doch die Alarmglocken schrillen. LG, Kai

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