Amazon Custom: Erste Onlineprint-Erfahrungen exklusiv

Amazon Custom ist 2017 auch in Deutschland angekommen. Fragt sich nur, wie die Plattform den Umgang mit individualisierbaren Printprodukten hinbekommt. Gut, wenn man bereits auf Erfahrungen aus dem Print-Umfeld zurückgreifen kann.

Etwa ein halbes Jahr ist es nun her, dass Amazon mit dem Launch von Custom in Deutschland auch den europäischen Markt geentert hat. Und wer mich kennt, der weiß, dass mich das Thema brennend interessiert. Nur wie praktikabel das Programm für Print bzw. die Gestaltung und Individualproduktion von Drucksachen ist, das wollte ich dann schon jemanden fragen, der eigene Erfahrungen beim Anbieten auf Custom gemacht hat. Hierzu habe ich Michael Beck, Geschäftsführer von Photofancy, kontaktiert und ihm einige Fragen zu Amazon Custom gestellt, die auch den ein oder anderen Drucker interessieren dürften, der auch mit dem Gedanken spielt, die Plattform mal „auszuprobieren“.

Bernd Zipper: Seit wann testet Ihr das Custom-Programm und wie hat es sich bis dato entwickelt?

Michael Beck: Wir haben kurz nach der Einführung von Amazon Custom im Herbst 2017 die ersten personalisierbaren Produkte bei Amazon platziert.

Bernd Zipper: Wie sieht´s mit den Datenvorgaben aus? Können Kunden hinreichend erkennen, ob die hochgeladenen Bilddaten für einen qualitativen Druck ausreichen?

Michael Beck: Bei dem Punkt gibt es noch Verbesserungsbedarf. Da das Verhältnis der Druckfläche zum hochgeladenen Foto im Konfigurator nicht berücksichtigt wird, ist die Qualitätsanalyse von Amazon nicht wirklich aussagekräftig. Das führt leider häufig zum Hinweis „Ihre Bildqualität reicht nicht aus…“, obwohl das so nicht korrekt ist.

Bernd Zipper: Welche Fehler konntest Du noch im System erkennen? Denkst Du, dass es dauerhafte Nachteile für das Anbieten von Printprodukten über Custom geben wird?

Michael Beck: Einen Fehler konnten wir bei der Handhabung von Handyfotos erkennen. Hier wird die Ausrichtung des Fotos nicht berücksichtigt, das führt zu falschen Positionsdaten in der Auftragsübermittlung. Grundsätzlich sehe ich eher viele Vorteile von Custom-Produkten bei Amazon. Durch den riesigen Marktplatz und die generellen Produktsuchen des Kunden bei Amazon, sind die Wachstumschancen enorm. Ist die Möglichkeit der direkten Personalisierung von Produkten bei Amazon erst einmal in den Köpfen der Kunden, sehe ich hier einen großen Markt abseits des eigenen Onlineshops.

Einige Produkte bietet Photofancy bereits über Amazon Custom an – es sollen aber noch mehr Artikel mit der Option „Jetzt anpassen“ folgen; Quelle: amazon.de

Bernd Zipper: Wie ist das Kundenfeedback bislang?

Michael Beck: Eindeutig positiv! Das Foto bzw. die eigene Personalisierung steht im Vordergrund, das ist unser Fachgebiet. Hier bieten wir hohe Druck- und Produktqualität an, wie auch in unserem Onlineshop PhotoFancy.de.

Bernd Zipper: Welche Vorteile siehst Du gegenüber dem Anbieten über den Shop auf der eigenen Website?

Michael Beck: Neben den bereits erwähnten Vorteilen, sehe ich auch die Bekanntheit von und das hohe Vertrauen der Kunden in Amazon. Das kann sich positiv auf die Kaufrate auswirken und zu guten Verkaufszahlen führen.

Bernd Zipper: Du hast mir im Vorfeld gesagt, dass man seine Produkte selber „pushen“ muss, damit sie bei den Suchergebnissen weiter vorne landen. Entstehen dadurch zusätzliche Arbeit und Kosten?

Michael Beck: Neben den üblichen Werbemaßnahmen und Amazon SEO sind natürlich eine gute Produktbeschreibung sowie aussagekräftige Produktbilder nötig. Aber auch eine verständliche Konfiguration sollte gewährleistet sein.

Bernd Zipper: Macht es denn Sinn neue Produkte im „Feldtest“ zunächst über Amazon Custom anzubieten, um die Eignung für den eigenen Shop zu testen? Oder ist der Aufwand dafür zu groß?

Michael Beck: Das kommt ganz auf das Produkt an. Allerdings muss ja auch bei einem Verkauf über Amazon eine vollständige Integration in unseren automatisierten Workflow erfolgen. Das ist natürlich ein initialer Aufwand. Schließlich will der Kunde ja ein ausgereiftes Produkt bekommen.

„Kleinere „Problemzonen“ gibt es noch bei Amazon Custom. Für Onlinedrucker ist die Plattform aber nicht nur wegen der extrem breiten und erfolgreichen Kundenansprache ein alternativer Absatzkanal.“ – Bernd Zipper

Bernd Zipper: Testet Ihr zunächst, wie die anpassbaren Printprodukte ankommen oder seid Ihr bereits von dem Absatzkanal überzeugt?

Michael Beck: Es müssen noch einige Optimierungen und Funktionen seitens Amazon erfolgen, um das ganze Potenzial personalisierter Produkte ausschöpfen zu können. Dazu zählen Usability und Konfigurationsmöglichkeiten. Auch Bestellungen über mobile Geräte sind noch nicht möglich. Allerdings zeigt uns die jüngste Entwicklung schon, dass man hier auf dem richtigen Weg ist. Deshalb bauen wir auch hier unser Produktportfolio aus.

Bernd Zipper: Ist das Einstellen mehrerer Produkte/Varianten einfach bzw. schnell zu erledigen?

Michael Beck: Im Gegensatz zu unpersonalisierten Produkten, sollten hier noch die Vorschaugrafik und die Optionen des Konfigurators berücksichtigt werden. Auch die dann übermittelten Informationen und Bilder müssen im Anschluss zu Druckdaten verarbeitet werden. Steht dieses System einmal, geht es relativ einfach weitere Custom-Produkte online zu stellen.

Für viele Fotoprodukte reicht der „schlanke“ Editor bei Amazon Custom. Aller Voraussicht wird es hier aber noch Entwicklungen geben; Quelle: amazon.de

 Bernd Zipper: Schränken Euch die wenigen Gestaltungsfunktionen via Amazon Custom eher ein oder empfindet Ihr diese als sinnvoll für das Handling?

Michael Beck: In unserem Onlineshop stehen dem Kunden natürlich viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten sowie Layoutvorlagen zur Verfügung. Das ist schon ein besonderes kreatives Einkaufserlebnis. Bei Amazon ist die Individualisierung nur auf Grundfunktionen beschränkt – noch. Wir haben unser Feedback auch bereits an Amazon übermittelt, stehen hier also auch mit unserem Account Manager bei Amazon in Kontakt.

Bernd Zipper: Schafft das Anbieten über Amazon Custom (reduziert auf die bisher online stehenden Produkte) eine höhere Konversionsrate als über den regulären Shop?

Michael Beck: Die Conversionrate ist vergleichbar mit unserem Online-Shop.

Bernd Zipper: Wie wird es weitergehen mit Amazon Custom? Welche weiteren Möglichkeiten bei der Personalisierung und Bestellung von Printprodukten via Amazon Custom wird es noch geben?

Michael Beck: Das Thema AC ist in Deutschland noch relativ neu. Von daher bleibt es abzuwarten, wie Amazon diese Möglichkeiten in Zukunft positionieren wird. Wir werden als nächstes unseren PhotoFancy Brand-Store bei Amazon aufbauen, um auch an der Stelle mit unserem Content und unseren Produkten zu überzeugen.

My Take: Geringe Chancen wird Amazon seinem Custom-Programm nicht beimessen, sonst würde es der E-Commerce-Riese nicht auch in UK starten. Ja, Sie haben richtig gelesen: Custom gibt es jetzt auf den beiden größten Märkten Europas. Und wie bereits an gleicher Stelle angekündigt, wird der Internet-Riese auch in Sachen Textildruck mit Merch by Amazon in UK wohl 2018 durchstarten. Mobile als wichtiger Absatzkanal? Noch Fehlanzeige bei Amazon Custom. Das erklärt auch die von Michael beschriebenen Probleme bei der Ausrichtung von Handyfotos. Dass das Programm hier noch deutlich ausbaufähig ist, habe ich ja bereits letztes Jahr erwähnt. Aber: Hier wird Amazon sicherlich nachlegen – ein solches Potenzial lässt die Plattform – erfahrungsgemäß – nämlich nicht liegen. Klar, die Gebühren bei Amazon sind hoch und den Umgang mit druckfähigen Daten muss Amazon anscheinend zwar (teilweise) noch lernen, aber die Reichweite und das Vertrauen in die größte existierende E-Commerce-Plattform sind mindestens ebenso hoch. Der eine oder andere Drucker kann die Konversionsrate via Custom – direkt auf Amazon oder auch im eigenen Shop – erhöhen. Von Amazon Custom können also auch Print-Affiliate-Shops profitieren, insofern sie die Workflow-Integration mehr als kostendeckend schaffen. Aber die Automatisierung im Umgang mit (Druck-)Daten ist eben nicht für jedermann etwas. Das können wir aber gerne an anderer Stelle nochmal genauer diskutieren.

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Amazon Custom ist 2017 auch in Deutschland angekommen. Fragt sich nur, wie die Plattform den Umgang mit individualisierbaren Printprodukten hinbekommt. Gut, wenn man bereits auf Erfahrungen aus dem Print-Umfeld zurückgreifen kann.
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beyond-print.de
27.03.2018|Markt|0 Comments

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