Beyondprint unplugged: Über den Druck hinaus

Niemand hat damit gerechnet, es wurde auch nicht großartig angekündigt, aber jetzt ist sie da: „beyondprint unplugged“, die neue Fachpublikation im Zeitungs-Look, die sich mit E-Commerce und der Transformation von Print beschäftigt.

Eigentlich war ein solcher Titel längst überfällig. Denn wer sich den Markt der Fachzeitschriften in der Druck- und Medienindustrie einmal genauer angeschaut, analysiert, was überflüssig ist, was zu verbessern wäre oder was fehlt, kommt schnell zu dem Schluss, dass sich viele Fachzeitschriften überlebt haben und dass es zum dringendsten Thema, eben der digitalen Transformation von Print, nichts gibt.

Diese Lücke schließt „beyondprint unplugged“ und ist zugleich der erklärte Versuch, Fachjournalismus wieder zu dem zu machen, was er sein sollte. Eben keine neue Lärmquelle im ohnehin schon lauten Umfeld, sondern informativ, frei in der Wahl der Themen und unabhängig in der Berichterstattung. „beyondprint unplugged“ orientiert sich dabei an allen (auch über den Druck hinausgehenden) Entwicklungen, die für sich transformierende Unternehmen von Relevanz sind oder sein könnten. „Print, Transformation und E-Commerce“, so der Untertitel von „beyondprint unplugged“, gibt zudem einen Hinweis auf die nahezu unerschöpfliche Vielfalt an Themen, die sich an den Aktivitäten von  Online-Druckereien orientieren. Denn Onlineprint ist in weit mehr Märkten unterwegs als klassische Druckereien: Im Akzidenzdruck, im Zeitungsdruck, mit neuen Geschäftsmodellen im Markt der Verpackungen und Etiketten, im Book-on-Demand-Geschäft, bei Fotobüchern, Kalendern, Fun-Artikeln und vielem mehr. Und von dort zu den Werbemitteln ist es nun wirklich nicht mehr weit.

Die Zeitung erscheint 6 mal pro Jahr im Format 245 x 340 mm, wird im hochqualitativen farbigen Zeitungsdruck hergestellt und vermittelt exklusives Fachwissen.

Dabei nutzen die Akteure im Onlineprint zwar prinzipiell die gleichen Werkzeuge, Software-Tools, Maschinen und Geräte wie traditionelle Druckereien, allerdings werden diese bei professionellen Onlinedruckereien immer unter dem Gesichtspunkt der Automatisierung und Vernetzbarkeit eingesetzt.

Aus dieser Tatsache lässt sich noch ein viel wesentlicherer Aspekt ableiten: Onlineprint ist Vorreiter in Sachen Standardisierung, Automatisierung und digitaler Transformation und deshalb zu einer Marktmacht geworden, an der niemand mehr vorbeikommt. Onlineprint in seinen verschiedenen Ausprägungen ist ein Business-Modell der Zukunft, das den Weg zur Industrie 4.0 weist. Deshalb ist die neue Publikation im ansonsten immer müder werdenden Blätterwald entstanden.

Wahnsinnig geworden?

Mit „beyondprint unplugged“ ist eine neue Publikation für die Druckbranche entstanden. Mehr über das Konzept und die Hintergründe im folgenden Interview.

Klaus-Peter Nicolay und Bernd Zipper bewegen sich schon seit „Urzeiten“ in der grafischen Branche als Fachjournalisten, Referenten, Organisatoren, Moderatoren und Unternehmensberater. Jetzt auch gemeinsam als Medienmacher.

„beyond-print.de“, Zippers Meinungs-Blog rund um die Themen E-Business Print und Onlineprint ist bekannt. Auch der „Druckmarkt“ ist vielen seit mehr als 20 Jahren als Fachzeitschrift rund um Print und Finishing geläufig. Jetzt sind die Macher der beiden Medien eine enge Kooperation eingegangen und publizieren mit „beyondprint unplugged“ ein völlig neues Medium – eine Zeitung für Print, Transformation und E-Commerce. Julius Nicolay, Redakteur beim arcus verlag, hat die beiden Akteure, Bernd Zipper und Klaus-Peter Nicolay, nach den Gründen für ihr gemeinsames Projekt befragt.

Julius Nicolay: Ihr seid beide Kapazitäten im Markt ‒ aber auch nicht mehr die jüngsten. Was hat Euch denn geritten, in Zeiten, in denen Printmedien angeblich out sind und niemand mehr für Informationen bezahlen will, eine neue Zeitung aufzulegen – noch dazu eine Publikation in der und für die Druckindustrie? 

Klaus-Peter Nicolay: Das mit dem Alter lassen wir mal. Aber die andere Frage kenne ich nur zu gut. Als ich vor fast 25 Jahren den Druckmarkt in Deutschland und 2001 den Druckmarkt Schweiz auflegte, hat mich auch jeder gefragt, ob ich wahnsinnig geworden wäre, in solchen Krisenzeiten mit einem neuen Produkt in den übersättigten Fachzeitschriften-Markt einzusteigen. Und meine Antwort – damals wie heute: Es gibt in allen Märkten und zu allen Zeiten immer Platz für fundierte Fachinformationen. Heute sogar noch mehr als damals. Denn trotz Internet, vielleicht auch gerade deshalb, ist eine seriöse Berichterstattung über Märkte und Produkte sowie die entsprechenden Hintergründe Mangelware.

Bernd Zipper: Richtig. Würde ich nicht den Blog beyound-print betreiben, gäbe es zum Thema Onlineprint nichts als Werbung im Netz. Aber davon abgesehen finde ich die Idee faszinierend, die Hintergrund-Informationen und spontanen Meinungen aus dem Blog auf das Medium Print zu übertragen und dort breiter darstellen zu können. Im Blog kann ich jederzeit etwas ändern oder aktualisieren, in der Zeitung steht es wie in Stein gemeißelt.

Julius Nicolay: Trotzdem – wird nicht alles, was rund um den Druck passiert, schon genügend in den etablierten Fachmagazinen oder deren Newslettern abgehandelt?

Bernd Zipper: Eben nicht. Hintergrund für das neue Medium sind die massiven Veränderungen in der Branche. Es sind zwar nicht grundsätzlich andere Themen als die, die wir bisher schon in unseren Medien angesprochen haben. Aber die wirklich relevanten, die brennend aktuellen Fragen fokussieren sich immer mehr auf die digitale Transformation der Druckereien hin zu Unternehmen, bei denen das Drucken nur noch als ein Teil des großen Ganzen verstanden werden darf.

Daher darf auch ein zeitgemäßes Fachmagazin Produkte oder Lösungen nicht mehr isoliert betrachten, sondern muss sie einordnen. Es gilt herauszufinden, für wen welche Produkte überhaupt geeignet sind, wie sie sich in einen automatisierten Workflow integrieren lassen und ob die Produkte Teil einer digitalen Strategie sein können. Zeitschriften alter Machart und Struktur, die lediglich die gewünschte Zielgruppe der Anbieter zitieren, bieten solche Einschätzungen nicht. Sie müssen, wollen sie ihre Leser noch erreichen, völlig neu konzipiert werden.

Julius Nicolay: Und das habt ihr jetzt getan?

Klaus-Peter Nicolay: Ich denke schon. Denn wir haben bei unserer Analyse, was bei Publikationen für die Branche verbessert werden muss, alle deutschsprachigen Fachzeitschriften unter die Lupe genommen und festgestellt, dass dort zwar zum Teil kompakt und fundiert berichtet wird, dass dies aber unter den von Bernd genannten Aspekten nicht mehr ausreicht. Mit Print 4.0 ändert sich auch die Aufgabenstellung für Fachredaktionen. Sie müssen ihre Rolle als Chronisten und Berichterstatter ablegen und neu konzipiert werden.

Zumal ja noch etwas dazukommt. Bislang eher „branchenfremde“ Segmente wie Werbemittel, Textilien, Dekore oder Signs werden durch neue Technologien und den Online-Druck Teil der Druckindustrie. Konsequent zu Ende gedacht, erweitert sich damit die Aufgabenstellung für die Redaktionen radikal. Gerade bei der Bewertung der Technologien und bei der Bedeutung von Onlineprint als Triebfeder standardisierter und Industrie-4.0-fähiger Produktionen ist bei der etablierten Fachpresse ein Vakuum entstanden. Mit „beyondprint unplugged“ wollen wir das mit Leben füllen.

Julius Nicolay: Deshalb also der Untertitel „Print, Transformation und E-Commerce“?

Bernd Zipper: Ganz genau.

„beyondprint unplugged“ will ganz bewusst Themen anpacken, die über den Druck hinausgehen und Menschen zu Wort kommen lassen, die etwas zu sagen haben. Hier das Interview mit TV-Moderator Jörg Schieb.

Julius Nicolay: Nico, dafür gibst Du aber den „Druckmarkt“ auf?

Bernd Zipper: Lass mich das mal übernehmen. Nico und ich haben schon seit geraumer Zeit die Vision, unser Fachwissen auch der englischsprachigen Welt zu vermitteln, denn Fachleute findet man nicht nur in England oder den USA, sondern auch in Deutschland. beyondprint unplugged wird es demnächst auch in Englisch geben – als PDF. Da käme der Titel Druckmarkt nicht so gut. Und schon gar nicht, wenn man sich die Begriffe genauer ansieht. „Beyond“ bedeutet „darüber hinaus“. Genau das bietet die neue Zeitung: Informationen zu Print und darüber hinaus. Und der aus der Musik entlehnte Begriff „unplugged“ soll unterstreichen, dass gedruckte Medien auch ohne Strom funktionieren. Denn beyondprint unplugged ist als gedrucktes Medium konzipiert, das man überall lesen kann.

Klaus-Peter Nicolay: beyondprint unplugged erscheint im arcus-Verlag, der bisher den Druckmarkt publiziert hat und nun auch für das neue Medium verantwortlich ist. Damit sind aber weder der Blog beyond-print noch der Druckmarkt Geschichte. Beide leben in und neben dem neuen Medium weiter. Der Blog veröffentlicht nach wie vor unabhängig seine Meinungen und Kommentare im Internet, der Druckmarkt konzentriert sich auf Themenhefte, die wir einmal Druckmarkt Collection genannt haben. Aber wie sich das alles entwickelt, wird die Zeit zeigen. Wenn unser neues Projekt einschlägt, sehen wir mal weiter.

Julius Nicolay: Und warum sollte es auf Anhieb erfolgreich sein?

Klaus-Peter Nicolay: Weil wir ein eindeutiges Ziel verfolgen: Fachjournalismus wieder zu dem zu machen, was er einmal war. Was mich immer faszinierte: Die britische Financial Times hatte sich Ende des 19. Jahrhunderts das Motto „Without fear and without favour“ – ohne Furcht und keinem gefällig – zueigen gemacht und die Aufgabe des Journalismus damit in knappen Worten eindeutig beschrieben. Für mich bedeutet das: Publikumsmedien informieren die Bevölkerung, um sie in ihrer Meinungsbildung zu unterstützen und zu guten Entscheidungen für das Gemeinwohl zu befähigen. Wir als Fachmedien müssen die Entscheider in unserer Branche begleiten und ihnen als neutrale Quelle mit relevanten Informationen zu nachhaltigen Entscheidungen und Investitionen verhelfen.

Genau diesen Anspruch hat beyondprint unplugged und will sich damit als Qualitätsmedium der Branche profilieren. Dazu werden wir viel Arbeit selbst in den kleinsten Artikel stecken.

Bernd Zipper: Genau das ist die Aufgabe, die Nico übernimmt. Ich als Herausgeber werde ihm dabei auf die Finger schauen. Nein, im Ernst: beyondprint unplugged soll keine neue Lärmquelle sein, sondern Einordnung bieten. beyondprint unplugged ist konzeptionell auf die unabhängige Berichterstattung über das aktuelle Marktgeschehen und alle relevanten Themen rund um Onlineprint ausgelegt. Die Berichterstattung wird mitunter kritisch sein, in jedem Fall aber informativ und nur an Themen orientiert, die von der Redaktion als relevant und berichtenswert erachtet werden. Wir analysieren und dokumentieren, recherchieren eigenständig, wägen ab und scheuen auch kein Urteil. Das dürfte eigentlich das sein, was der Markt von einem zeitgemäßen Fachmedium erwartet.

Tools und Techniken kommen auch nicht zu kurz: Technik-Reportagen aus Praxis und Anwendung zeigen den wahren Stand der Dinge.

 Julius Nicolay: Apropos Medium: Produziert wird das neue Blatt im Zeitungsdruck und einer vom DIN-Format abweichenden Größe. Warum das?

Bernd Zipper: Die Produktion im Zeitungsdruck soll ein Signal setzen: Das Medium Zeitung lebt! Und eine Zeitung ist nachweisbar das vertrauenswürdigste aller Medien. Zudem können wir heute im Zeitungsdruck eine Qualität bieten, die nahe an den Bogenoffset herankommt. Und das über den DIN-A4-Bereich hinausgehende Format symbolisiert unsere Überzeugung, dass die Betriebe unserer Branche über ihr bisheriges Format hinaus aktiv werden müssen.

Julius Nicolay: Eure neue Zeitung ist eigentlich ein Kooperationsmodell. Versprecht ihr euch davon mehr als von den traditionellen Modellen?

Bernd Zipper: Ja. Wer die TV-Kochshow Kitchen impossible kennt, weiß, dass dort zwei prominente Köche gegeneinander antreten, um den in der jeweiligen Situation Besten zu ermitteln. Wir machen genau das Gegenteil. Es mag sich vielleicht überheblich anhören, aber mit beyondprint unplugged treten zwei der besten Branchenkenner gemeinsam an, um Print und sein Umfeld neu aufzurollen und auf diese Weise hoffentlich auch zu stärken. Aus neuen Perspektiven, mit höchst wahrscheinlich außergewöhnlichen Ideen, mit ausführlichen Interviews und Reportagen sowie mit dem Wissen, an welcher Stelle die Branche Tipps, Hintergrundwissen und Orientierung braucht.

Klaus-Peter Nicolay: Aber noch einmal zurück zu deiner Frage mit unserem Alter. Ja, jung sind wir nicht mehr, aber es wächst leider kein Nachwuchs in der Fachpresse Kategorie Print nach. Also müssen die Alten doch wieder ran. Vielleicht finden dann auch jüngere Kollegen Spaß daran.

Julius Nicolay: Vielen Dank für das Gespräch. Ich bin jedenfalls neugierig, wie sich das Projekt entwickeln wird.

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Niemand hat damit gerechnet, es wurde auch nicht großartig angekündigt, aber jetzt ist sie da: „beyondprint unplugged“, die neue Fachpublikation im Zeitungs-Look, die sich mit E-Commerce und der Transformation von Print beschäftigt.
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25.02.2019|Markt|4 Comments

4 Comments

  1. Dieter Kleeberg 27. Februar 2019 at 16:33 - Reply

    Gratulation zu der tollen Idee! Ich bin sicher, dass ihr diese publizistische Lücke erfolgreich schließen werdet!

  2. Guido Pupkes 27. Februar 2019 at 14:23 - Reply

    Wo kann ich die Ausgabe bestellen?

  3. Rosanna 26. Februar 2019 at 9:58 - Reply

    Männer, Männer, Männer…. ich wäre entrüstet, wenn es nicht so langweilig wäre.

    • beyond-print.de 26. Februar 2019 at 12:03 - Reply

      Ja. Du hast absolut Recht. Und nur zu gerne hätten wir 2 Frauen und 2 Männer auf dem Titel. Aber diesmal gaben es die Stories nicht her. Wir geloben Besserung!

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