bidolubaski.com: türkischer Onlineprint-Provider startet durch

Mit Print lässt sich kein Geld mehr verdienen? Und wie! Vorausgesetzt, man kennt seinen Markt genau, was er bietet – und vor allem: was nicht. Ein türkisches Onlineprint-Start-up zeigt, wie das funktioniert.

Die Besucher des Online Print Symposiums wissen, dass der Branchenleitevent internationales Format hat. Es führt auch Unternehmer aus Nationen in die D/A/CH-Region, in denen der Onlinedruck noch nicht die gleiche Verbreitung gefunden hat wie hierzulande. Alleine deshalb ist es interessant zu sehen was in anderen Gebieten auf diesem Kontinent in Sachen Printvermarktung noch möglich ist. Fest steht, dass man dafür nicht über Druckmaschinen verfügen muss. Mit Onur Durmuş, COO und Mitbegründer von bidolubaski.com, gelingt in diesem Interview ein kleiner Blick auf den wachsenden türkischen Onlineprint-Markt – und wie sich der Print-Provider auf selbigem entwickelt. So viel vorab: Das Onlineprint-Start-up (gegründet 2014) weiß ziemlich genau, wo die „Reise“ hingeht. Mehr will ich nicht vorwegnehmen – lesen Sie selbst 😉

Bernd Zipper: Für alle in der D/A/CH-Region, die Dich und Dein Unternehmen noch nicht kennen: Was macht Bidolubaski und wie seid Ihr zum Onlinedruck gekommen?

Onur Durmuş, COO und Mitbegründer von bidolubaski.com

Onur Durmuş: bidolubaski.com ist ein WtP-Unternehmen, das es kleinen und mittleren Unternehmen ermöglicht, alle Marketingmaterialien über eine Online-Plattform zu erwerben.
Wir sind drei Freunde, die viele Jahre in verschiedenen Teilen der Welt gelebt haben. Mit unserer unternehmerischen Denkweise haben wir verschiedene Geschäftsideen in Betracht gezogen. Schließlich haben wir beschlossen, dass unsere Erfahrung als Investoren und Gründer in der Druckindustrie für unser neues Unternehmen von Vorteil sein würde, und haben deshalb bidolubaski.com gegründet. Wir sind mit dieser Entscheidung sehr zufrieden.

Bernd Zipper: Wie groß ist der Onlinedruck-Markt in der Türkei in Bezug auf Umsatzvolumen und Anteil am Gesamtmarkt? Wie groß ist Bidolubaski?

Onur Durmuş: Der kommerzielle Druckmarkt in der Türkei wird auf 10 Milliarden türkische Lira (ca. 1,8 Mrd. Euro) geschätzt. Derzeit können wir sagen, dass der Markt fast ausschließlich aus traditionellen Druckereien besteht. Innerhalb der letzten 3 Jahre konnte bidolubaski.com von 2,5 Millionen kleineren und mittleren Unternehmen 75.000 KMU als Kunden akquirieren und bis heute mehr als 200.000 Bestellungen ausliefern. Wir sind sehr stolz auf unseren Net Promoter Score von 47. Unsere jährliche Wachstumsrate liegt nach diesen 3 Jahren weiterhin bei 100 %. Unser Ziel ist es, uns als führende Marke für alle B2B-Unternehmen in der Türkei zu etablieren und schließlich ein regionaler Player zu werden.

Bernd Zipper: Pflegt Ihr Kooperationen oder Partnerschaften zu anderen Druckern?

Onur Durmuş: Da wir keine Produktionsstätten bei bidolubaski.com haben, basiert unser Geschäftsmodell auf transparenten Partnerschaften mit den besten Lieferanten in der Türkei. Wir haben sehr starke Geschäftsbeziehungen zu 86 verschiedenen Lieferanten aufgebaut und liefern über unser Netzwerk täglich mehr als 150 verschiedene Produkte aus. Dieses Geschäftsmodell ermöglicht es uns, asset-light, finanzstark und flexibel für neue Ideen zu sein.

Onlineprint auf Türkisch – auf bidolubaski.com gibt es aktuell neun Produktkategorien, der Shop macht trotzdem einen schlanken Eindruck; Quelle: bidolubaski.com

Bernd Zipper: Du warst als Besucher beim diesjährigen Online Print Symposium. Was unterscheidet Deiner Ansicht nach die Mentalität westeuropäischer Unternehmen von solchen aus dem Nahen Osten im Printsektor?

Onur Durmuş: Ich denke, die Mentalität ist nicht sehr unterschiedlich, aber die Zusammenhänge und der Zeitrahmen sind anders. Die wichtigsten Erwartungen der Kunden, wie schnellere Lieferung, bessere Preise, Qualitätsprodukte und Dienstleistungen, sind überall auf der Welt gleich. Diese Erwartungen prägen auch unsere Mentalität, doch die „Benchmark“-Erwartungen im Nahen Osten entsprechen noch nicht den europäischen Standards. Wir sehen dies als Chance, da wir glauben, dass Unternehmen aus dem Nahen Osten, die sich an die europäischen Standards gehalten haben, die Erwartungen in ihrem lokalen Markt übertreffen werden, was ihnen einen erheblichen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschafft.

Bernd Zipper: In ländlichen Gebieten in der Türkei ist das Internet noch nicht so stark – wie siehst Du die Entwicklung hier?

Onur Durmuş: Die Internet-Verbreitung ist in den letzten Jahren jährlich um 10 % gestiegen und erreichte 2017 in der Türkei 70%. Auf der anderen Seite lag die Online-Shopping-Quote bei 24,9 % für die Konsumenten, was einem Anstieg von 20,9 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Wenn man bedenkt, dass diese Quote in Zentraleuropa bei ca. 40 % liegt, gehen wir davon aus, dass der Markt in den nächsten Jahren doppelt so groß sein wird.

Wir sehen eine ähnliche Korrelation, wenn wir das BIP in Europa und der Türkei betrachten. Während der E-Commerce-Anteil in der Türkei im Jahr 2017 nur 4,1% betrug, lag er in den Industrieländern bei 9,8%. Zudem stellt eine junge Bevölkerung (15 bis 24 Jahre) von 13 Millionen Menschen auch ein Wachstumspotenzial für den elektronischen Handel dar.

Gerade in unserer Branche und im Vergleich zu Europa ist es für KMU in der übrigen Türkei (außerhalb von Istanbul mit 60 Millionen Einwohnern) schwieriger, Drucksachen zu beschaffen. Wir sind uns bewusst, dass sie in kleinen Druckereien in Anatolien qualitativ minderwertige Produkte zu einem hohen Preis kaufen; daher bleibt dies auch in Zukunft eine spannende und wichtige Geschäftsmöglichkeit für uns.

„Was den Anspruch an online bestellbare Printangebote angeht, so setzt der europäische Onlinedruck-Markt Maßstäbe, an denen sich umliegende Regionen orientieren!“ – Bernd Zipper

Bernd Zipper: Unterscheiden sich analoge Drucker von Onlinedruckern in der Türkei im Hinblick auf ihren regionalen Stellenwert bei den Kunden? Und verhalten sich türkische Printkunden anders als mitteleuropäische?

Onur Durmuş: Kunden, die eine schnelle Lieferung wünschen, bevorzugen aufgrund ihrer Lage manchmal traditionelle Druckereien. Wir versuchen jedoch, diese Herausforderung zu meistern, indem wir schnelle Produktionsmöglichkeiten und kostenlosen Versand über unsere professionellen Lieferpartner an jeden Standort in der Türkei anbieten. Schnelle Lieferung, qualitativ hochwertige Produkte und Service (was bei traditionellen Druckereien oft Unzufriedenheit hervorruft) sowie unsere kundenorientierte Struktur helfen unseren Kunden, ihre Gewohnheiten zu ändern.

Das laut eigenen Angaben größte türkische Onlineprint-Unternehmen zeigt, wie einfach die Abläufe bei Bestellungen über die Website sind; Quelle: bidolubaski.com

Bernd Zipper: Wie lässt sich denn die Kundenansprache mit Print in der Türkei und der Umgebung am besten bewerkstelligen?

Onur Durmuş: Betrachtet man die derzeitige Situation, wird ein deutlich höherer Anteil des Umsatzes durch traditionelle Außendienstbesuche und einige Verkaufsstellen erzielt. Der Markt ist fragmentiert und scheint preisempfindlich zu sein, aber es gibt eine große Anzahl unterversorgter KMU in der Türkei, die hohe Erwartungen haben. Der Aufbau einer Marke um eine gleichbleibende, exzellente Kundenbetreuung mit einer vernünftigen Preisspanne ist der beste Weg, um Kunden zu erreichen.

Bernd Zipper: Für viele D/A/CH-Onlinedrucker hat das „Geschäft mit dem Ausland“ einen hohen Stellenwert. Wie sieht es bei Euch und der Konkurrenz mit grenzüberschreitenden Lieferungen aus?

Onur Durmuş: Europa ist unser Nachbar und somit ein Bereich, in den wir expandieren wollen. Mit der Abwertung der türkischen Lira werden auch die türkischen Unternehmen preislich noch wettbewerbsfähiger. Wir sehen darin eine interessante Chance für unser Wachstum (da wir auch Aufträge aus Gebieten in Europa mit hoher türkischer Bevölkerung bemerken).

Bernd Zipper: Laut Prognosen wird sich der umsatzmäßige E-Commerce-Anteil in der Türkei am gesamten Handel in den nächsten vier Jahren fast verdoppeln – gilt das auch für online bestellbare Drucksachen?

Onur Durmuş: Auf jeden Fall. Gerade für Unternehmen mit einem kundenorientierten Ansatz, dem richtigen Leistungsversprechen und einer breiten Produktpalette kann man im Druckbereich noch höhere Quoten erzielen.

Bernd Zipper: In welche Richtung gehen die nächsten Entwicklungen von Bidolubaski? In welche Technologien werdet Ihr investieren?

Onur Durmuş: Bidolubaski will DAS Unternehmen sein, an das die KMU in erster Linie für ihren gesamten Druckbedarf denken. Um dies zu erreichen, wollen wir unsere Produktpalette erweitern und die Nachfrage bei gleichbleibend hoher Servicequalität befriedigen. Unsere Investitionen in Technologien werden in die Bereiche Druckvorstufe, Produktmanagement und Supply Chain Management fließen.

Bernd Zipper: Wo geht’s hin mit dem Onlineprint in der Türkei?

Onur Durmuş: Der Online-Printbereich in der Türkei steckt noch in den Kinderschuhen. Als größter Player haben wir in 3 Jahren das doppelte Volumen unseres nächsten Wettbewerbers, was zeigt, wie sehr die Branche mit dem richtigen Team und den richtigen Investitionen wachsen kann. Das Potenzial für das Online-Printgeschäft in der Türkei zeigt sich auch im Vergleich zum Verhältnis von „E-Commerce zu traditionellem Einzelhandel“ in Branchen wie Bekleidung, Elektronik oder ähnlichem. Sobald die Branche die Konversionsraten anderer E-Commerce-Kategorien in der Türkei erreicht hat, wird er um das Zehnfache gewachsen sein. Wir gehen davon aus, dass der Markt bei anhaltenden Investitionen schnell wachsen wird.

My Take: Wachstumspotenzial für den Onlineprint gibt es in der Türkei genug. Damit ist sie nicht nur ein lukrativer Standort für regionale und landesweite Geschäfte, sondern auch für ein grenzübergreifendes Geschäft mit online bestellbaren Drucksachen. Die Vorgehensweise von bidolubaski.com als Onlineprint-Provider vor allem die alten Print-Versorgungsstrukturen in den Gebieten außerhalb der Ballungszentren neu zu denken, wird noch erfolgreicher werden, wenn die Vorteile des Onlinebusiness auch in diesen Regionen angekommen sind. Und dass das von Onur Durmuş erwartete Wachstum durchaus realistisch ist, zeigen doch Modelle wie die von Helloprint, die in eher gesättigten Märkten ebenso innerhalb kürzester Zeit mächtig gewachsen sind – und dies weiterhin tun. Von dem ambitionierten türkischen Onlineprint-Provider werden europäische (Online-)Drucker in Zukunft also sicherlich noch öfters hören.

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Mit Print lässt sich kein Geld mehr verdienen? Und wie! Vorausgesetzt, man kennt seinen Markt genau, was er bietet – und vor allem: was nicht. Ein türkisches Onlineprint-Start-up zeigt, wie das funktioniert.
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beyond-print.de
16.07.2018|Markt|0 Comments

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