„Die Heinzelmännchen stecken im Detail“

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(21. November 2008 – ds) Zum sechsten Mal trafen sich Fachleute der IT, Printmedien, Kommunikation, Werbung, Design und Marketing zu einem zweitätigen, spannungsgeladen Informations-Marathon und Meinungsaustausch. Heute bringen wir Ihnen den siebten Teil unseren ausführlichen Web-to-Print-Forums Bericht: Technik: PDF-Libraries und Formulare vs. InDesign.

Und wieder Technik, und wieder Grundlagen: Mit Bravour führten zwei ausgewiesene Experten die Zuhörer durch ein schwieriges Gebiet und vermittelten Informationen, die für das Verständnis der Effizienz von w2p-Lösungen elementar sind.

Wolfgang Boretius, trivet.net, Remscheid, dozierte mit beeindruckender Detailkenntnisse über „PDF-Formulare versus InDesign“ und konnte, auch wenn es scheinbar um Theorie ging, schließlich sehr klar verdeutlichen, welche Aufgabe und Funktionen die verschiedenen Programme haben und mit welcher Leistungsvielfalt sie diese erfüllen. Ihm gelang, die Gemeinsamkeiten – und damit die Beliebigkeit – ebenso klarzumachen wie die Differenzen und damit die Notwendigkeit, je nach Anwendung den einen oder anderen Weg zu wählen. Wichtig sind solche Informationen für Investoren auch deshalb, weil es eben keine „guten“ oder „schlechten“ w2p-Lösungen/-Programme gibt, sondern nur solche, die differente Leistungsumfänge wegen unterschiedlicher eingesetzter Komponenten haben. Oder eben die Möglichkeit bieten, solche Leistungskomponenten untereinander auszutauschen. Wolfgang Boretius kämpfte wacker gegen das Henne-Ei-Problem: die Anbieter fragen (potentielle) Anwender/Käufer, was sie damit machen sollen. Jetzt und später. Und diese Interessenten wiederum fragen meist zurück, was man denn machen könnte. Die theoretisch mögliche Antwort „alles!“ ist eben für beide Seiten höchst unbefriedigend und daher sind diese „Hausaufgaben“ für die Zuhörer eben ein Pflichtprogramm zu ihrem eigenen weit reichenden Nutzen.

Diesen wenn auch ein wenig akademisch, aber souverän vorgetragenen Part vervollständigte Andreas Kurzac, Kinetik, Bayreuth, mit einem tiefen Einblick in die Funktion und Wirkungsweise von PDF-Libraries, die sehr oft zentrales Element von PDF-Lösungen sind. Vereinfacht gesagt: solche Libs (IT-Jargon, Abkürzung für Libraries, „Büchereien“) stellen eine API dar, ein Application Programming Interface, zu deutsch: eine Schnittstelle für Programmentwickler, um Eingabe-Funktionen bei der Bedienung des Programmes so umsetzen und berechnen zu lassen, dass die gewünschten digitalen Datei-Ergebnisse dabei herauskommen. Im Falle des Ausgabe-Formates PDF sind sie von zentraler Bedeutung, da die korrekte Erzeugung der Syntax und Semantik (also der „Sprach-Gesetze“ und -Regeln) der Seitenbeschreibungssprache PDF gleichzeitig die Qualität der Ausgabe unmittelbar beeinflussen. Ein sozusagen „schlecht geschriebenes PDF“, also eines mit syntaktischen Fehlern, hat ähnliche Fehler zur Folge wie jemand provoziert, der nuschelnd und undeutlich spricht: ein anderer versteht ihn nicht oder falsch und kann mit dem Gesagten nichts anfangen oder interpretiert falsch. Exakt so muss man PDF sehen: je klarer diese Seitenbeschreibung von einem Programm generiert wird, desto raffinierter können die Effekte sein, die damit erzeugt (sprich belichtet bzw. gedruckt) werden. Im Falle von Editoren für grafisch-visuelle Progamme (sozusagen von Word über Quark bis InDesign), die ein in sich abgeschlossenes Programmpaket darstellen, übernehmen auf den Funktionsumfang der Pakete getrimmte Programmierungen diese Aufgaben. Alles das, was das Programm optisch-funktionell „kann“, kann es auch in einen sauberen PDF-Code verwandeln. Doch da, wo Datenbanken, on-the-fly-Editoren (z. B. Eingabe durch irgendwelche Nutzer an irgendwelchen Browsern „draußen im Internet“ in mittels Flesh-Technologie interaktiv gestalteten Eingabefeldern), müssen eben PDF-Libraries genereller Art her, um diese ja nur rein virtuell bestehenden Datenfiles korrekt in eben jene PDF-Codierung umzusetzen, die dann den gewünschten Ausdruck erzwingen, auf Digitaldruckern und -Belichtern mit ihren teils sehr unterschiedlichen RIPs gleichermaßen. Schon alleine der Versuch der einfachen Beschreibung des Themas zeigt, wie verzwickt es ist – und es für Programmierer auch wirklich ist. Nicht, dass w2p-Anwender vom Detail etwas wissen müssten, aber sie müssen ahnen, wie wichtig diese Schnittstelle ist und dass man über sie die Qualität der Arbeitsergebnisse entscheidend beeinflussen kann. Und das wiederum ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass es sich genau hier lohnen kann, einem Standard-Programm noch ein gewisses individuelles Extra zukommen zu lassen, um eine noch höhere Effizienz herauszuholen.

Was insofern keine Theorie ist, weil viele – fast muss man schon sagen – ehemalige Kunden der Druckindustrie hier den IT-Hebel ansetzen, um eigene Lösungen für firmeninterne spezifische Lösungen zu programmieren. „Wir sehen in der Druckvorstufe einen deutlichen Trend zum Inhousing, das heisst, immer mehr Printbuyer trauen sich durchaus zu, bei genügendem Volumen hauseigene w2p-basierte PrePress-Lösungen einzusetzen, um unabhängig von Dienstleistern zu werden, die Kosten zu minimieren.
 

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Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Seine Fachgebiete sind u.a. Online-Print, Mass Customization, Strategie- und Technologie Assessment für Print, sowie die Entwicklung neuer Strategien im Print- und Mediaumfeld. Bernd Zipper ist Initiator und Vorsitzender der Initiative Online Print e.V. und neben seiner Beratertätigkeit Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen für die Druck- und Medienindustrie. (Profile auch bei Xing, LinkedIn).

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