Ein stiller Roll-up: Onlineprinters-Gruppe kauft sich in Köln ein

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Anfang Mai hat die Scandinavian Print Group die Limberg-Gruppe übernommen – mehrere Druckereibetriebe im Raum Köln, die Muttergesellschaft sogar aus der Insolvenz heraus. Eine Pressemeldung von Onlineprinters gab es dazu keine. Dabei gehört die Scandinavian Print Group seit 2017 zum Konzern, und im Halbjahresbericht steht der Zukauf sogar drin. Nur eben ohne Namen. Ein Blick auf eine Konsolidierung, die absichtlich leise läuft.

Die Nachricht selbst ist unstrittig. „Druck & Medien“ berichtete bereits Ende Mai davon, dass die dänische Scandinavian Print Group die Limberg-Gruppe von Unternehmer Robert Kramer übernimmt. Die Meerbuscher M&A-Beratung starkpartners, die den Verkaufsprozess begleitet hat, nennt in ihrer Mitteilung die Limberg-Druck GmbH als Muttergesellschaft und dazu die SDK Systemdruck GmbH sowie die NetMarket PMS GmbH. Die Limberg-Druck GmbH wurde aus einem laufenden Insolvenzverfahren heraus verkauft.

Interessant ist, wo diese Betriebe sitzen. Die Druckhaus Süd Medien GmbH befindet sich am Maarweg 233 in Köln-Ehrenfeld, Geschäftsführer laut Impressum: Robert Kramer. Unter derselben Adresse ist die SDK Systemdruck Köln GmbH & Co. KG gemeldet. Limberg-Druck selbst produziert in Kaarst im Rhein-Kreis Neuss. Wer also wissen will, wo im Rheinland gerade Druckkapazität und Kundschaft den Besitzer gewechselt haben, landet in einem Gewerbegebiet westlich der Kölner Innenstadt.

Über die Zahl der beteiligten Gesellschaften kursieren unterschiedliche Angaben. Das dänische Onlineportal „Sign, Print & Pack“ schrieb Ende Juni von „sechs Druckereien in der Region Köln“, der M&A-Aggregator mainsights.io von einem Netzwerk aus sieben Betrieben. Ein vollständiges, gegengeprüftes Handelsregister-Set liegt für keine der beiden Angaben öffentlich vor. Namentlich fassbar sind bislang vier Gesellschaften:

  • Limberg-Druck GmbH, Kaarst – aus der Insolvenz übernommen
  • SDK Systemdruck, Köln, Maarweg 233
  • NetMarket PMS GmbH
  • Druckhaus Süd Medien GmbH, Köln, Maarweg 233 – über Geschäftsführer Robert Kramer verbunden

Auf der deutschen Firmenliste der Scandinavian Print Group taucht bislang nur Limberg-Druck in Kaarst auf, neben Schipplick + Winkler in Lübeck, Merkur Druck in Norderstedt und den Neustädter Gesellschaften. Die Kölner Betriebe fehlen dort noch – vielleicht ein Hinweis darauf, wie frisch die Integration ist.

Die Recherche führt nach Neustadt an der Aisch

Die Scandinavian Print Group (SPG) ist nicht einfach nur eine unabhängige, dänische Unternehmensgruppe. Im Gegenteil, denn sie gehört seit 2017 zu Onlineprinters. Die deutsche Gesellschaft, die Scandinavian Print Group DE GmbH, sitzt an der Rudolf-Diesel-Straße 10 in Neustadt an der Aisch – also an der Produktionsadresse von Onlineprinters. SPG-Geschäftsführer ist Esben Mols Kabell, der LaserTryk.dk 1999 mitgegründet hat. Als Gesellschafterin der deutschen SPG weist North Data mit Stand Dezember 2025 die OP HoldCo GmbH aus, die Holding der Onlineprinters-Gruppe und Emittentin der 225-Millionen-Euro-Anleihe 2024/2029. Unter dieser Holding liegen damit zwei Geschäfte: das Plattformgeschäft von Onlineprinters und die dänische SPG-Gruppe, deren bekannteste Marke Lasertryk.dk ist.

Der offensichtlichste Beleg dafür, dass letztlich Onlineprinters hinter der Übernahme der Limberg-Gruppe steht, ist allerdings im Quartalsbericht von Onlineprinters selbst zu finden, abrufbar auf der Investor-Relations-Seite des Konzerns. Dort ist von einer Gruppe mit mehreren Produktionsstandorten im Raum Köln/Düsseldorf die Rede, übernommen im Mai 2026. Die Beschreibung passt auf die Limberg-Transaktion. Eine zweite Übernahme dieser Art hat der Konzern für den Zeitraum auch nicht gemeldet. Konkrete Namen nennt der Bericht nicht.

Aber es wird deutlich, worum es bei dieser Übernahme primär geht: „Beyond adding customer relationships, this transaction also brought additional production location into the Group and established an important strategic footprint in Western Germany, supporting further M&A activity in the region going forward.“ Sinngemäß übersetzt heißt das: Zuerst kommen die Kundenbeziehungen, dann die Produktion. Außerdem soll der Westen Deutschlands künftig als Basis für weitere Zukäufe dienen.

Wer die kaum publik gewordene Übernahme also der Onlineprinters-Gruppe zurechnen will, muss sich nicht durch die Impressen der jeweiligen Websites klicken. Der Konzern hat es in seiner Anleihekommunikation selbst geschrieben – nur eben so, dass es keine Schlagzeile ergibt.

Roll-up heißt: Kunden kaufen, nicht Maschinen

Damit sind wir beim eigentlichen Thema. Onlineprinters berichtet in zwei Segmenten. Deren Entwicklung lässt die Zusammenhänge klarer erscheinen. Im ersten Halbjahr 2026 kam das Online-Segment, also das Plattformgeschäft der Holding, auf einen Umsatz von 83,7 Mio. Euro nach 82,6 Mio. im Vorjahreszeitraum – ein Plus von 1,4 Prozent. Das Roll-up-Segment, in dem der Konzern seine Zukäufe bündelt, sprang von 59,5 auf 73,2 Mio. Euro Umsatz, also um 23,0 Prozent. Nach Abzug von 2,5 Mio. Euro Konsolidierung ergibt das einen Konzernumsatz von 154,4 Mio. Euro. Knapp die Hälfte des Geschäfts läuft also inzwischen über zugekaufte Betriebe.

Im Geschäftsjahr 2025 zeigte sich dasselbe Bild, nur noch schärfer: Das Online-Segment schrumpfte von 168,5 auf 164,3 Mio. Euro, während das Roll-up-Segment von 113,9 auf 128,5 Mio. Euro wuchs. Sechs Akquisitionen hat die Onlineprinters-Holding im Jahr 2025 eigenen Angaben zufolge abgeschlossen, darunter Merkur Druck in Norderstedt und die dänische Strandbygaard. Das Wachstum kommt also praktisch vollständig aus dem Handelsregister, nicht aus dem Markt.

Onlineprinters nennt diese Strategie in seinen Berichten „inorganic customer acquisition“, also Kundengewinnung durch Zukauf. Es geht nicht in erster Linie um Bogenoffsetmaschinen im Rheinland, sondern um jene Auftraggeber, die bislang bei einer regionalen Druckerei bestellt haben und morgen über eine Plattform bestellen sollen.

Erhalt der Standorte? Nicht laut Anleihebericht

Die Druck-&-Medien-Meldung zur Übernahme betont, dass Kundenservice und Projektmanagement vor Ort bleiben, während IT und Finanzen standardisiert werden. Von einem Produktionsstandort ist da die Rede, der als lokaler Knotenpunkt bleiben soll.

Der Quartalsbericht der Onlineprinters-Holding an die Anleihegläubiger wird diesbezüglich deutlicher. Dort heißt es, aus dem Englischen übersetzt: „Die Integration verläuft nach Plan. Im Zentrum steht die Zusammenlegung der mehreren Standorte der übernommenen Gruppe an einem einzigen Ort – dem neuen Zentralstandort der Gruppe in der Region Westdeutschland – zusammen mit der Verschmelzung der zugehörigen Gesellschaften, um die gebündelte Verwaltungsstruktur für künftige Akquisitionen zu nutzen.“

Welcher der Betriebe dieser Standort wird und was mit den übrigen Adressen passiert, steht dort nicht. Wer am Maarweg arbeitet, erfährt die Richtung derzeit eher aus einem englischsprachigen Investorendokument als aus einer Mitteilung des neuen Eigentümers.

Bemerkenswert ist übrigens, wohin der Konzern als Nächstes schaut. Im Bericht steht dazu: „Weitere Akquisitionen sind bereits in Vorbereitung, der Schwerpunkt liegt dabei erneut auf Nordeuropa.“ Köln war demnach der Einstieg in eine Region, nicht der Auftakt zu einer Einkaufsserie im Rheinland – jedenfalls nicht kurzfristig.

Esben Mols Kabell hat die Hintergründe gegenüber „Sign, Print & Pack“ wie folgt beschrieben: Der deutsche Markt bestehe noch aus zahlreichen unabhängigen Grafikbetrieben, genau darin liege Konsolidierungspotenzial.

Die Scandinavian Print Group selbst wuchs 2025 als Gruppe auf 966 Mio. dänische Kronen Umsatz nach 850 Mio. im Vorjahr, umgerechnet gut 129 Mio. Euro, mit einem Betriebsergebnis von 72,6 Mio. Kronen oder etwa 9,7 Mio. Euro (Kurs Ende August: 7,47 DKK je Euro). Für 2026 peilt die Gruppe 1,1 bis 1,25 Mrd. Dänische Kronen an, also 147 bis 167 Mio. Euro. Ende 2025 arbeiteten rund 860 Menschen in Dänemark, Norwegen, Schweden, Deutschland und Polen für die SPG.

Die Muttergesellschaft in Aarhus, die Scandinavian Print Group A/S, kam 2025 laut dem dänischen Handelsregister auf 840,2 Mio. Kronen Umsatz 334 Beschäftigten. Sie hieß bis Oktober 2017 LASERTRYK.DK A/S. Heute ist Lasertryk die Marke und nicht mehr Firmenname.

Gemessen am Konzernumsatz von 289,8 Mio. Euro steht die Scandinavian Print Group damit überschlagen für rund 45 Prozent der gesamten Onlineprinters-Holding. Auffällig dabei ist: Ihr Umsatz liegt fast genau auf dem des Roll-up-Segments: 129,2 gegenüber 128.5 Mio. Euro, im Vorjahr 113,7 gegenüber 113,9 Mio. Euro. Das Segment dürfte also im Wesentlichen die Scandinavian Print Group abbilden, so meine Vermutung.

Was das für den Markt bedeutet

Für Onlinedrucker ist die Botschaft klar: Wachstum entsteht nicht mehr über Reichweite und Preis, sondern über Zukäufe. Wer eine Anleihe über 225 Millionen Euro bedient, im Kerngeschäft aber kaum zulegt und für 2026 nur einstelliges Umsatzwachstum prognostiziert, hat dazu kaum eine Alternative.

Für klassische Druckereien im Mittelstand verschiebt sich damit die Rolle. Der Wert eines Betriebs liegt für einen solchen Käufer weniger in der Technik als in der Kundenliste und in den Menschen, die diese Kunden kennen. Das ist für gesunde Betriebe eine Nachfolgeoption, die vor zehn Jahren kaum existierte. Für angeschlagene Betriebe ist es ein Ausweg aus der Insolvenz, wie das Beispiel Limberg-Druck zeigt. Nur sollte man sich nichts vormachen: Wer verkauft, gibt die Hoheit über die Auftragsabwicklung ab.

My Take: Konsolidierung im deutschen Druckmarkt ist überfällig, dagegen sage ich nichts. Was mich ärgert, sind die widersprüchlichen Aussagen und die Geheimniskrämerei. Der Branche wird erzählt, der Service bleibe vor Ort. Den Anleihegläubigern wird die Zusammenlegung auf einen Standort und die Verschmelzung der Gesellschaften mitgeteilt. Beides kann stimmen. Aber wer so kommuniziert, verspielt Vertrauen und muss sich nicht wundern, wenn Beschäftigte und Kunden künftig den Investorenbericht lesen. Liebe Onlineprinters: Sagt es der Branche zuerst.

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Anfang Mai hat die Scandinavian Print Group die Limberg-Gruppe übernommen – mehrere Druckereibetriebe im Raum Köln, die Muttergesellschaft sogar aus der Insolvenz heraus. Eine Pressemeldung von Onlineprinters gab es dazu keine. Dabei gehört die Scandinavian Print Group seit 2017 zum Konzern, und im Halbjahresbericht steht der Zukauf sogar drin. Nur eben ohne Namen. Ein Blick auf eine Konsolidierung, die absichtlich leise läuft.
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Beyond-print.de

Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Seine Fachgebiete sind u.a. Online-Print, Mass Customization, Strategie- und Technologie Assessment für Print, sowie die Entwicklung neuer Strategien im Print- und Mediaumfeld. Bernd Zipper ist Initiator und Vorsitzender der Initiative Online Print e.V. und neben seiner Beratertätigkeit Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen für die Druck- und Medienindustrie. (Profile auch bei Xing, LinkedIn).

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