Flyeralarm: Start-up-Spirit – Interview mit Firmengründer Thorsten Fischer

Flyeralarm ist nicht irgendein Onlinedrucker, sondern eher der Onlinedrucker schlechthin. 2002 von Thorsten Fischer gegründet, hat das Würzburger Unternehmen die Druckbranche verändert wie kaum ein anderes.

Heute zählt Flyeralarm zu den führenden Online-Druckereien Europas im B2B-Bereich und ist eines der größten deutschen E-Commerce-Unternehmen. Trotz des rasanten Wachstums bewahrte sich das Würzburger Unternehmen seine Macher-Mentalität und damit den besonderen Spirit eines Start-ups. Dieser Geist prägte von Beginn an die Unternehmenskultur. Nur so konnte im Laufe der Jahre eine Vielzahl von neuen Geschäftsbereichen erfolgreich erschlossen werden. Heute werden nicht nur Druckprodukte, sondern auch Marketing-Dienstleistungen und Werbemittel aller Art für einen umfassenden Markenauftritt angeboten. Bernd Zipper hat mit dem Firmengründer und Geschäftsführer Thorsten Fischer über den aktuellen Stand der Dinge und mögliche nächste Schritte gesprochen.

Bernd Zipper: Thorsten, wie wichtig ist für Dich der „Brand Flyeralarm“?

Thorsten Fischer: „Brand“ ist für mich nicht einfach nur eine abstrakte Marketing-Floskel, sondern steht für alle Eigenschaften, die ein Unternehmen ausmachen und wie es sich nach außen und innen darstellt. Ein „Brand“ umfasst auch Produkte sowie Services und die, die diese Dienstleistungen erbringen – also unsere Mitarbeiter. Wenn unsere Mitarbeiter unser „Brand“ positiv nach außen tragen, wenn es authentisch ist, springt das auf die Kunden über, die mit unseren Dienstleistungen wiederum ihr eigenes „Brand“ aufbauen oder stabilisieren wollen. Deswegen ist der „Brand“ für uns wichtig, ja sogar mehr eine Hal­tung – und: We love every brand of every our customers!

Bernd Zipper: Das heißt im Klartext, der „Brand“ ist der Banner, den du mit deinen Mitarbeitern und Kollegen vor dir herträgst und den die Kunden lieben?

Thorsten Fischer: Wenn man so will, ja. Und wenn wir den Auftrag erfüllen, unsere Marke und den „Brand“ unserer Kunden nach außen und nach innen stark zu machen, dann machen wir einen guten Job.

Bernd Zipper: Flyeralarm investiert massiv in Sportsponsoring – um den „Brand“ nach vorne zu bringen und eine starke Marke zu schaffen. Ich vermute aber auch, weil du das ganze Thema rund um Sport, Kampf und Wettbewerb magst?

Thorsten Fischer: Absolut richtig, beides mögen wir – mag ich. Einerseits ist es absolutes „Brandbuilding“, wenn wir im Sport – allen voran auch durch unsere Partnerschaft mit dem DFB, also mit Deutschlands „Verein Nr. 1“ – präsent sind. Andererseits ist Sport immer auch eine Challenge: gewinnen zu wollen, Nr. 1 und Mitglied in diesem Team zu sein; Deutscher Meister zu werden, Weltmeister zu werden, oder was auch immer. Den Ehrgeiz haben wir auch! Damit zeigen wir: Wer mit uns den Weg geht, der ist ganz vorne mit dabei, der will ganz nach oben.

Bernd Zipper: Starke Worte. Andererseits ist Sportsponsoring auch eine recht teure Sache. Muss man sich als Unternehmer dabei nicht auch überlegen „Rechnet sich das für mich?“. Stellst du solche Berechnungen an oder sagst du: „Das lässt sich nicht kalkulieren, das sind Emotionen, das sind die Matches, die die Storys von Gewinnern und Verlierern schreiben?“

Thorsten Fischer: Eher Letzteres, es ist schon sehr viel Gefühl dabei. Es gibt zig Statistiken, die geben uns recht – ich würde auch welche finden, die uns nicht recht geben – aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir in diesem Bereich auf einem absolut richtigen Weg sind und es macht uns auch stolz, in diesem Umfeld unser „Brand“ aufbauen zu können. Sportsponsoring ist aber nur eines der Kernthemen, vielleicht auch das am ehesten sichtbare, in das wir investieren. Nur Sportsponsoring wäre aber zu wenig.

Bernd Zipper: Wenn man mit deinen Kollegen und Mitarbeitern spricht – ich sag immer Kollegen, ich weiß gar nicht, wie du sagst …

Thorsten Fischer: Family sag ich!

Bernd Zipper: Family – ok! Wenn man mit deiner Family spricht, spürt man schon, dass die auf Flyeralarm „steht“. Das ist schon deren Ding! Wie viel investierst du in Mitarbeiter, damit die wirklich an dich und an die Botschaft von Flyeralarm glauben?

Thorsten Fischer: Das kann man ganz einfach beantworten. Ich investiere 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr an Energie in dieses Unternehmen, in diese Familie. Weil unsere Mitarbeiter die Firma nach oben bringen und Flyeralarm zu dem gemacht haben, was Flyeralarm heute ist. Deswegen muss ich 24 Stunden in diese Family investieren – und genau das tue ich.

Ich glaube, es zeichnet uns in ganz besonderem Maße aus, dass wir uns früh entschieden haben, unsere personelle Entwicklung nachhaltig und verantwortungsvoll zu gestalten. Bereits seit 2004 sind wir anerkannter IHK-Ausbildungsbetrieb. Auszubildende und alle Mitarbeiter genießen bei Flyeralarm eine besondere Wertschätzung – in den vergangenen Jahren haben wir intensiv in interne Programme zur Förderung der Fachkompetenz, der persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung investiert. Kurz: Wir kümmern uns.

Bernd Zipper: Flyeralarm hat seinen Sitz in Würzburg – nicht gerade der Nabel der Welt. Wie bekommt man da gute Mitarbeiter? Über die Marke, die Geschichte oder über die Story?

Thorsten Fischer: Ich glaube, dass es in jeder Stadt, an jedem Fleck dieser Welt, gute Menschen gibt, Menschen mit Energie – positiver Energie. Die Kunst ist es, diese für dein Unternehmen zu gewinnen, sie wie ein Magnet anzuziehen. FLYERLALARM lässt sich nicht so einfach kopieren. Du musst authentisch sein und du musst die Leute finden, die für dich brennen, sich für dich zerreißen – wie im Sport. Sie wollen das Tor schießen, sie wollen diese Meisterschaft gewinnen, sie wollen in die Champions League. Diese Leute gibt es in Würzburg, München und Berlin – überall.

Erlaube mir auch den Hinweis, dass wir stolz auf unsere Herkunft sind, auf unsere Verwurzelung mit der Region, der Heimat eines Großteils unserer Mitarbeiter. Der überwiegende Teil des Erfolgsmodells „Deutscher Mittelstand“ ist selten in den Millionenstädten zu finden. Wir wissen, wo wir herkommen. Natürlich profitieren wir auch von unserem Wachstum, unserer Philosophie und unserem heutigen Netzwerk. Wir haben schon länger Stores, ab sofort so genannte City Center, unter anderem in Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf, Stuttgart, München und Berlin, betreiben in den letztgenannten Metropolen Business Lounges für Top-Kunden, haben zudem weitere Teams und Mitarbeiter in Berlin, Wien, Mailand und Paris – also gute Mitarbeiter gewinnen wir über die Marke, die Energie und die Story!

Bernd Zipper: Wie viele Auszubildende habt ihr gerade? Und: Kennst Du Deine Auszubildenden persönlich – und holst sie in die Family?

Thorsten Fischer: Wir haben aktuell 72 Auszubildende, in insgesamt zwölf Ausbildungsberufen und das an acht Standorten. Ich lerne sie an ihren ersten Tagen bei Flyeralarm persönlich kennen, wenn wir ein sogenanntes, zweitägiges „Onboarding“ durchführen. Dann erlebe ich meist schon, wie motiviert und engagiert sie sind.
Durch einzelne, interne Projekte kommt es immer wieder zu spannenden Treffen.

Ein kleines Beispiel: Wir haben in allen Abteilungen Kaffeemaschinen mit diesen Alu-Kapseln. Unlängst hat mir eine Gruppe Auszubildender ein Projekt präsentiert, auf Filterkaffee umzusteigen, um Energie sowie Geld zu sparen und auch umweltpolitisch etwas Gutes zu tun. Wir haben diese Initiative zum Leuchtturmprojekt ausgebaut und stellen nun tatsächlich komplett um. Mit den Effekten, dass wir allen Mitarbeitern nun kostenlos Kaffee anbieten können, dabei immer noch Geld sparen und zudem die Umwelt schonen. Hört sich erst einmal unspektakulär an – ist aber für eine Firma unserer Größe durchaus ein Faktor. Ferner lernen Azubis so, dass man sie durchaus ernst nimmt und dass JEDER etwas bewegen kann.

Bernd Zipper: Wie viele Mitarbeiter habt ihr jetzt?

Thorsten Fischer: 2.300.

Bernd Zipper: … wenn die bisher alle drei bis vier Tassen Kapselkaffee getrunken haben, hast du am Tag zentnerweise Kapseln zu entsorgen.

Thorsten Fischer: Natürlich ist aufs Jahr gerechnet eine riesige Menge angefallen, die wir durch dieses Konzept zukünftig konkret sparen werden. Toll auch, dass die Auszubildenden mit ihrer Initiative einen IHK-Preis gewinnen konnten. Das bedeutet zusätzliche Motivation. Die Jugend ist unsere Zukunft!

Bernd Zipper: Wenn jemand bei euch als Auszubildender, sagen wir einmal als Drucker, beginnt – entdeckt ihr sein Talent, wenn er mehr kann? Kann er oder sie auch nach oben kommen oder bleibt es beim Drucker?

Thorsten Fischer: Bei uns gibt es sehr viele Menschen, die vor 15 oder 16 Jahren jung angefangen und beispielsweise an einer Schneidemaschine gestanden haben, inzwischen aber ganze Abteilungen leiten. Etwa unser Leiter LFP, der heute Verantwortung und die Leitung über 200 Mitarbeiter hat. Er hat vor 14 Jahren zunächst in der Weiterverarbeitung als Abräumer begonnen – und dann selbst einen neuen Geschäftszweig und seine leitende Stellung aufgebaut. Das heißt, ich fordere und fördere meine Mitarbeiter, damit sie sich entwickeln. Jeder Mitarbeiter hat bei uns die Chance, seinen eigenen Leuchtturm aufzubauen.

Bernd Zipper: Flyeralarm bietet nahezu alle Produkte an, die man in irgendeiner Art und Weise als visuelle Kommunikation via Print definieren kann. Ihr seid ein 360°-Anbieter von der Visitenkarte bis zum Messestand. Produziert ihr das alles selbst?

Thorsten Fischer: Wir produzieren einen Großteil selbst. Es war von Beginn an unsere Philosophie, mit eigenen Mitarbeitern und eigenem Maschinenpark eine Inhouse-Produktion „Made in Germany“ zu ermöglichen. Dies ist nach wie vor unser Herausstellungsmerkmal. Aber wir arbeiten natürlich auch mit Lieferanten – ich sage lieber Partnern – zusammen. Der große Unterschied zwischen uns und einigen anderen Wettbewerbern am Markt ist der, dass wir mit etlichen Partnern seit der ersten Stunde eng zusammenarbeiten. Diese haben sich mit uns und gelegentlich auch durch uns weiter optimiert und sind deshalb auch mit uns gewachsen.

Flyeralarm bietet seit Kurzem auch einen Augmented Reality (AR) Service für kleine und mittlere Unternehmen: Das Angebot macht Produkte, Dienstleistungen und sonstige Inhalte über Smartphones und Tablets digital erlebbar und verheißt eine faszinierende Welt voller interessanter Werbemöglichkeiten.

Und da wir keine Knebelverträge, oftmals gar keine Verträge haben, glaube ich behaupten zu können, dass uns unsere Partner lieben. Sie haben sich durch uns ihre Existenz aufgebaut oder abgesichert und profitieren von uns. Und das ist es auch, was eine Familie auszeichnet: Alle sollen profitieren, allen soll es gut gehen. Und deshalb wächst die Familie auch weiter, immer neue Lieferanten kommen zu uns. Jeder, der etwas sehr Spezielles – und das auch noch besonders gut – macht, ist bei uns herzlich willkommen.

Bernd Zipper: Es gibt auch Fälle, in denen sich Flyeralarm von Partnern getrennt hat – und das mit zum Teil fatalen Folgen für diese ehemaligen Partner, denen auf einmal die Aufträge und der Umsatz mit Flyeralarm fehlten.

Thorsten Fischer: Hier im Plural zu sprechen, ist gewiss falsch. Klar ist aber: Wenn wir mit jemandem zusammenarbeiten, gilt es beidseitig Standards für Qualität, Liefergüte und Loyalität einzuhalten – das sind die Grundlagen für den Deal. Wenn aber nach wiederholter Anmahnung die Qualität nicht mehr stimmt oder – noch schlimmer – für Mitbewerber günstiger produziert wird als für uns, dann möchte ich so jemanden nicht mehr in der Familie. Dann müssen wir uns auch von einem Partner trennen. Solch einen Fall gab es. Das ist aber auch ein normaler Vorgang.

Natürlich ist dies dann für den Partner ein Schlag, wenn wir unsere Produktionspakete anderweitig vergeben. Daher lege ich Wert darauf, dass unsere Partner starke Partner und grundsätzlich auch ohne uns überlebensfähig sind – nur dann operiert man auf Augenhöhe. Auf der anderen Seite gibt es sehr gute Gegenbeispiele, bei denen eine Partnerschaft mit Flyeralarm Betriebe vor dem Aus gerettet hat und diese heute grundsätzlich auch alleine gut auf dem Markt zurechtkommen würden.

Bernd Zipper: Ich kann mir vorstellen, dass einige Partner durchaus Angst davor haben, dass Flyeralarm, wenn ein Produkt sehr erfolgreich ist, hierfür eine eigene Produktionsschiene aufmacht und die Aufträge abzieht. Wie ist hier eure Politik in diesem Fall?

Thorsten Fischer: Zunächst einmal kann ich die Angst nachvollziehen, möchte sie aber auch gleich abbauen. Gemeinsam mit einem Partner versuchen wir immer, die Produktionsgröße zu optimieren und ihm so zu helfen, dass er am Markt einzigartig ist und er davon auch profitieren kann. Eine eigene Produktion neu aufzubauen, kostet immer Zeit, Geld und Ressourcen. Es wird also die absolute Ausnahme bleiben, zumal dann, wenn ein Partner Top-Qualität sowie besten Kundenservice bietet und die Philosophie von Flyeralarm trägt. Zudem vergrößern wir ständig den Markt. Flyeralarm steht für Standardisierung und „Mass customization“, was auch dem Partner größere Stückchen vom Kuchen beschert. Wir möchten unseren Familiengedanken wahren und dazu stehen wir auch.

Bernd Zipper: Haben potenzielle Zulieferer in Flyeralarm also einen verlässlichen Partner?

Thorsten Fischer: Eine sehr gute Frage. Wenn ich mir unsere Partner anschaue, glaube ich, dass es keinen vergleichbaren Wettbewerber gibt, der hinsichtlich seiner Partner auf solch eine lange Historie blicken kann wie wir. Wir haben Partner, die seit dem ersten Tag unserer Gründung dabei sind, jedes Jahr auf unserer Partnerparty mitfeiern und Flyeralarm – ohne Übertreibung – lieben.

Bernd Zipper: Warum ist das so?

Thorsten Fischer: Weil sie immer fair behandelt wurden, sich mit uns weiterentwickeln konnten und dabei gewachsen sind. In Sachen Partnerschaftstreue setzen wir meines Erachtens ebenfalls die Benchmark, was ich ja schon erwähnt habe. Und die Zahl unserer Partner steigt zwangsläufig – denn die vielen neuen Produkte, die wir in der Zwischenzeit anbieten, bedürfen auch neuer Partner.

Bernd Zipper: Wie sieht das Partnergeschäft in der Zukunft generell aus – vor allem im Hinblick auf die Produktentwicklung und neue Produkte? Wie wird sich das bei euch weiterentwickeln?

Thorsten Fischer: Andere setzen auf Partner im Sinne von Lieferanten. Lieferanten brauchen Lieferantenverträge. Wir setzen aber auf Partner ohne beziehungsweise mit mündlichem Vertrag. Bei anderen gibt es Verträge – und teilweise auch knallharte Knebelverträge. Wir sitzen mit unseren Partnern in einem Boot, da gibt es einen Handschlag und einen schönen Wein.

Bernd Zipper: Das klingt aber, um ehrlich zu sein, schon etwas abenteuerlich …

Thorsten Fischer: Ok – dann lass es mich mal so formulieren: Basis für jedes Geschäft ist Vertrauen. Ich glaube nicht daran, dass Verträge dieses Vertrauen effektiv sichern. Ich möchte meinen Partnern in die Augen schauen und einen gescheiten Deal vereinbaren. So arbeiten wir seit Jahren. Unser Erfolg basiert in erster Linie auf dem Vertrauen, das Mitgeschäftsführerin Tanja Hammerl und ich in unsere Mitstreiter investieren.

Bernd Zipper: Wie wichtig ist Qualität? Ich weiß, du definierst Flyeralarm nicht als Onlineprinter, sondern eher als E-Commerce-Unternehmen – aber, wenn ich mir den Markt der online vertriebenen Printprodukte anschaue, dann ist gerade Qualität ein Thema mit viel Verbesserungspotenzial. Wie wichtig ist Qualität für euch?

Thorsten Fischer: Als wir vor 17 Jahren angefangen haben, war der Qualitätsstandard, der von einer Onlinedruckerei gefordert wurde, im Vergleich zu heute eher bescheiden und weit geringer. Aus meiner Sicht aber ist beste Qualität kein nice-to-have mehr, sondern eine Selbstverständlichkeit und Grundlage einer erfolgreichen Strategie.

Wir geben als Branchenführer, das sage ich jetzt ganz selbstbewusst, die Qualität vor und haben diese in den vergangenen Jahren immer weiter gesteigert. Beispielsweise durch permanente Optimierung unserer Prozesse und durch den Einsatz modernster Maschinen, die Flyeralarm zukauft und zum Teil sogar mit den Herstellern gemeinsam entwickelt. Unser Anspruch ist, das beste Leistungs-Preis-Verhältnis zu bieten. Hier steht die Leistung bewusst vorne und wir setzen damit den Maßstab am Markt.

Bernd Zipper: Und was investiert ihr in Qualität?

Thorsten Fischer: Der Aufwand, den wir hier betreiben, ist enorm hoch. Denn Qualitätsmanagement und ebenso Qualitätssicherung erfordern oft mehr, als man sich am Anfang vorgestellt hat. Aber es lohnt sich. Ein Kunde, der seinen Auftrag einmal bei uns druckt, kann durchaus erwarten, dass er den Nachdruck ein paar Monate später in der gleichen Qualität erhält. Das ist bei manch einem Wettbewerber, der häufig seine Lieferpartner wechselt, nicht so.

Bernd Zipper: Ist Qualität eines eurer Differenzierungsmerkmale gegenüber anderen Anbietern?

Thorsten Fischer: Definitiv! Wir werden immer zu dem Preis, den wir anbieten, die beste Qualität liefern. Wenn ein Marktteilnehmer zu einem günstigeren Preis produziert, dürfte das auch in einer schlechteren Qualität sein. Sollte das nicht so sein, haben wir versagt. Das werden wir aber niemals akzeptieren und müssen dann daran arbeiten.

Bernd Zipper: Es gibt auch Flyeralarm vor Ort – ihr seid in vielen Städten mit Shops beziehungsweise Stores unterwegs. Macht sich dieses Konzept bezahlt oder unterstützt das nur die Präsenz der Marke am jeweiligen Standort?

Thorsten Fischer: Unsere Stores haben am Brand-Aufbau ganz gewiss einen bedeutenden Anteil gehabt. Wir waren auch die ersten in der Branche, die ein solches Konzept umgesetzt haben. Und interessanterweise ist seit einigen Jahren zu verfolgen, dass auch andere große E-Commerce-Player – etwa Zalando und selbst Amazon – mit stationären Präsenzen in ausgewählten Metropolen nachziehen.

Ein zusätzlicher Aspekt ist für uns in diesem Zusammenhang die Qualität der Beratung – als weiteres Qualitätsmerkmal. Viele Kunden brauchen nun einmal professionelle Unterstützung – und die kannst du nur vor Ort bieten. Deswegen ist es für uns ganz klar eine Strategie, vor Ort Präsenz zu zeigen, um dem Kunden maximale Unterstützung für seinen Erfolg zukommen zu lassen.

Bernd Zipper: Dennoch schließt ihr auch den einen oder anderen Store wieder.

Thorsten Fischer: Schweren Herzens haben wir uns in der Tat für die Schließung von einigen Stores entschlossen – dies aber klar vor dem Hintergrund einer neuen Ausrichtung. Die Flyeralarm Stores übernehmen nämlich zusätzliche Bereiche der Top-Kundenbetreuung sowie des Vertriebs. Um hier wirtschaftlich sinnvoll zu agie­ren, haben wir in Deutschland insgesamt sechs Kernziel-Regionen und Ballungsräume ausgemacht, in denen die Stores zu sogenannten Flyeralarm City Center ausgebaut werden. Dazu gehören unter anderem auch die Umgestaltung, um der gesamten World of Flyeralarm gerecht zu werden sowie der Aufbau von Key Accounts vor Ort. Im Zuge der Umstellung erfolgte aber auch eine Konzentration, weshalb die Stores in Freiburg, Dresden und Nürnberg Ende April geschlossen wurden – europaweit betreiben wir jetzt insgesamt 16 Stores.

Bernd Zipper: Du hast es bereits erwähnt – im letzten Jahr habt ihr in Berlin und München Flyeralarm eigene Lounges an echten Hotspots eingerichtet. Welche Idee steckt dahinter?

Thorsten Fischer: Das lässt sich ganz kurz zusammenfassen: Kundennähe und Service. Wir verstehen auch unsere Top-Kunden als unsere Partner – neben einer persönlichen Betreuung bei ihren Anliegen und Projekten stehen die Lounges jederzeit zur individuellen Nutzung zur Verfügung. Entweder als Gast unserer Events oder als Gastgeber eigener Veranstaltungen. Auf diese Art und Weise lernen wir unsere Kunden auch noch besser kennen – und sie natürlich auch uns und unser ganzes Leistungs-Spektrum.

Für Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen konzipiert und produziert Flyeralarm Magazine komplett aus einer Hand. Jetzt ist mit Townhouse Berlin N°2 die zweite Ausgabe des eigenen Coffee­table-Magazins erschienen – vielfältig, farbenfroh und mit viel Liebe zum Detail.

Bernd Zipper: Außerdem präsentiert Flyeralarm eigene Coffeetable-Magazine – Townhouse in Berlin und Rindermarkt in München – für die Lounges. Für eine reine Kundenbroschüre dürfte das aber zu kostspielig sein. Was bezweckt Ihr also damit?

Thorsten Fischer: Da hast Du Recht – nur als Broschüre wären sie gewiss zu aufwendig. Mit diesen absoluten Premium-Magazinen wollen wir unter anderem unsere Kompetenz als Publisher unter Beweis stellen, denn seit letztem Jahr bieten wir durch eine eigene Unit auch Corporate Publishing Services an. Weitere Eigen-Titel werden sicherlich folgen. Wir bieten komplette Magazin-Produktionen – von der Erstellung des Konzepts, über die Redaktion und die Gestaltung bis hin zum Vertrieb an. Wer bislang Aufwand und Kosten für eine eigene Zeitschrift gescheut hat, kann bei Flyeralarm kostengünstig seine eigene Kundenzeitschrift oder das interne Mitarbeiter-Magazin produzieren lassen.

Bernd Zipper: Wo steht Flyeralarm in fünf Jahren? Wie siehst du die Zukunft?

Thorsten Fischer: Wir verlassen uns nicht alleine auf Onlineprint – ich glaube fest daran, dass nur eine ganzheitliche Strategie aufgehen kann, die dem Kunden dann die richtigen Produkte anbietet, wenn er sie braucht. Wir glauben auch fest daran, dass wir unseren Kunden vor Ort zur Seite stehen müssen und sie einerseits durch Beratung sowie andererseits durch einen smarten Service begeistern können. Und nicht zu vergessen: Wir wollen und werden weiterhin Trendsetter und Impulsgeber einer Branche sein, die wir ja schon einmal disruptiv beeinflusst haben. Natürlich wollen wir dabei den Spirit als „forever Start-up“ behalten.

Bernd Zipper: Ok, leuchtet ein. Vielleicht aber doch etwas konkreter: Wo steht Flyeralarm dann in fünf Jahren?

Thorsten Fischer: Flyeralarm hat in den letzten Jahren ein gesundes Wachstum generiert, wie du weißt – 2018 haben wir mehr als 350 Millionen Euro umgesetzt. Im Gegensatz zu einigen anderen – oft fremdfinanzierten Playern im Markt – unterliegen wir nicht dem Zwang, in jedem Quartal, in jedem Jahr um acht, zehn oder gar 15 Prozent wachsen zu müssen. Wir sind mit rund 85 Prozent Eigenkapital unabhängig und können langfristig denken.

Die Geschichte von Flyeralarm gibt uns dabei recht: Nicht beirren lassen und Schritt für Schritt den Markt glücklich machen – das ist der eigentliche Motor für unser Wachstum. Und glaub mir – wir haben da noch einige Ideen, die uns, unsere Partner und unsere Kunden in den nächsten fünf oder zehn Jahren nach vorne bringen werden. Versprechen kann ich schon jetzt, dass wir uns dabei sehr intensiv der Weiterentwicklung zu bewussteren, nachhaltigeren Produkten und umweltschonenden Produktions-Standards widmen werden. Auch hierbei ist es wiederum unser ausgesprochener Anspruch, Vorreiter zu sein. Lass dich überraschen … es wird spannend bleiben!

Bernd Zipper: Herzlichen Dank für das Gespräch.

My Take: Noch vor wenigen Jahren galten Onlinedruckereien als „Zerstörer“, die mit ihrer Preispolitik die Branche ruinierten. Und noch immer stehen auf der einen Seite viele traditionelle Betriebe mit ihrem Handwerker-Ethos, auf der anderen Seite clevere Unternehmer, die das Handwerk in einen industriellen Prozess gewandelt haben und gleich­zeitig die Werkzeuge des E-Commerce für die Vermarktung nutzen. Thorsten Fischer hat die grafische Branche mit Flyeralarm, einem solchen Hybrid aus E-Commerce und industrieller Druckerei revolutioniert. Und inzwischen sollte auch der Letzte einsehen, dass industrielles Drucken der Königsweg ist, um mit Print noch Geld zu verdienen. Thorsten Fischer war einer der First Mover, vielleicht ist er auch der Erfolgreichste. Und so innovativ das Geschäftsmodell Onlineprint auch sein mag, bei Thorsten Fischer begegnet man gleichzeitig einem Selbstverständnis wie aus einer vergangenen Zeit: Der ehrbare Kaufmann steht zu seinem Wort, sein Handschlag gilt. Der zählt auch für Thorsten Fischer, wenn er Partnerschaften schließt. Eine Mixtur aus knallhartem Business und Lässigkeit, wenn man so will. 

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Flyeralarm: Start-up-Spirit – Interview mit Firmengründer Thorsten Fischer
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Flyeralarm: Start-up-Spirit – Interview mit Firmengründer Thorsten Fischer
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Flyeralarm ist nicht irgendein Onlinedrucker, sondern eher der Onlinedrucker schlechthin. 2002 von Thorsten Fischer gegründet, hat das Würzburger Unternehmen die Druckbranche verändert wie kaum ein anderes.
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29.05.2019|Markt|0 Comments

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