Fotobücher 2017: Qualität, Preise und Datenhandling – was wird besser, wo steckt weiteres Potenzial?

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Seitdem Amazon ins Foto-Business eingestiegen ist, geraten immer mehr etablierte Printer unter Druck. Aber was hält der Markt rund um das Fotobuch in Sachen Technik und Peripherie für die Zukunft bereit?

Lukrativ ist das Geschäft mit gedruckten und belichteten Fotos und Fotobüchern durchaus – das zeigen uns nicht nur der Markteinstieg von Amazon in dieses Feld, sondern auch die qualitativen Weiterentwicklungen bei den fertigen Produkten. Preiskämpfe und Verdrängung spielen da vor allem im niedrigen und mittleren Preissegment eine große Rolle. Immerhin hat Amazon noch kurz vor dem Jahreswechsel auf seine Fotoprodukte bei Prints 75 % Rabatt gewährt, um die „besinnliche Zeit“ zu nutzen und unter anderem Shutterfly weitere Marktanteile abzugraben.

Für viele, die ein Fotobuch online zusammenstellen und ordern, wächst der Anspruch mit der Fülle des Angebots. Fragt man semi- und professionelle Fotografen, so druckt oder entwickelt von denen kaum noch einer seine Bilder selber. Denn es gibt auch für die höheren Ansprüche mittlerweile „erschwingliche“ Premium-Drucke bei einigen Anbietern.

Aber aus welchen Gründen werden Fotobücher auch in 2017 und darüber hinaus erfolgreich in Millionenstückzahlen abgesetzt? Nun, die Verfahren und Maschinen werden nicht nur im Druck, sondern auch in der Weiterverarbeitung immer besser und effizienter. Haben sie ihren Workflow im Griff, dann sollten sie also mindestens die gleiche Qualität wie bisher garantieren können. Vielleicht – und das hängt wesentlich von der Konkurrenz auf dem Markt ab ­– werden die Preise trotz erhöhter Mehrwertsteuer, aber bei steigender Qualität, durch den Konkurrenzdruck sogar sinken. Im Endeffekt müssen wir die Preisentwicklung und den Absatz von Fotobüchern in Deutschland abwarten – nicht jeder Printer wird sich in 2017 gleich entwickeln.

Wölbungsfreies Aufschlagverhalten ist für besondere und doppelseitige Motive wertvoll; Quelle: imagingsolutions.ch
Wölbungsfreies Aufschlagverhalten ist für besondere und doppelseitige Motive wertvoll; Quelle: imagingsolutions.ch

Ein Spezialist für die Weiterverarbeitung von Fotoartikeln ist das Schweizer Unternehmen Imaging Solutions. Deren zuletzt vorgestelltes fastBook Professional Buchblock-System ermöglicht Fotobuch-Formate bis zu 457 mm x 457 mm, und zwar mit einem besonderen Layflat-Verhalten, das auch bei doppelseitigen Motiven eine verlustfreie Darstellung des Sujets ermöglicht. Und wie wird ein aufgeschlagen über 90 cm breites Fotobuch so produziert, dass auch anspruchsvolle Motive durch den Falz keinerlei Qualität verlieren? Partner von Imaging Solutions sind Fuji und HP Indigo – klar also, dass sowohl Echtfotopapier als auch Digitaldruckpapier verarbeitet werden können. In jedem Fall wird Hotmelt Klebstoff bei den Layflats benutzt. Der hat den Vorteil, dass seine Eigenschaften recht flexibel durch die Art und Anteile der Bestandteile beeinflusst werden können – ein höherer Anteil des Basispolymers (EVA oder PA) sorgt bei den großen Fotobüchern für Stabilität bei gleichzeitig ausreichender Flexibilität des Buchblocks und der Seiten im Falz. Wesentlich ist auch, dass der Rücken des Blocks nicht mit der Einband-Innenseite verbunden ist. So werden bei den großen Seiten – im Gegensatz zu kleineren Einzelseiten – Versatz und Wölbung vermieden. Und dass die Seiten schick planliegen, lässt sich zudem durch Karton zwischen denselben schaffen. Der sorgt dann auch für zusätzlich ansprechendere Haptik. Ein Highend-Printprodukt für das es, unabhängig von Druck- und Weiterverarbeitungsmaschinen, mittlerweile mehrere Anbieter gibt. Um hier nur vier zu nennen, die im hochpreisigen Bereich regelmäßig Top-Ergebnisse bei Tests und Kundenrezensionen erreichen: Whitewall, Saal Digital, Bubu und Pixum. Preislich bewegen wir uns bei den großen (Format etwa A3) hochwertigen Fotobüchern auf Fotopapier mit Hardcover ab 70 EUR aufwärts bei einem Seitenumfang ab 26. Bei fotobuch.de gibt es das große Format mit den gleichen Merkmalen aktuell sogar für weniger als 60 EUR.

Fotoprodukte für Anspruchsvolle, Quelle Bubu AG
Fotoprodukte für Anspruchsvolle, Quelle Bubu AG

Wenn es um hochwertige Bindungen geht, sollte man definitiv die Bubu AG (Buchbinderei Burkhardt) im Auge haben. Als alteingesessener Schweizer Spezialist für das Buchbinderhandwerk stehen die für qualitativ hochwertige, handwerkliche und industrielle Bindungen gedruckter Erzeugnisse. Mit der zu Bubu gehörenden Fotobuch-Plattform Bookfactory werden seit 2004 verschiedene Fotoprodukte angeboten. Gedruckt wird unter anderem auf HP Indigo und auch ein ordentlicher Konfigurator für Fotoprojekte steht bereit. Dass es sich bei den Fotoprodukten um Erzeugnisse für Anspruchsvolle handelt, erkennt man an der Preisstruktur und an der Informationsbasis, denn Bubu stellt ebenso wie andere Anbieter im eher hochpreisigen Segment Profile zur Farbverwaltung und ausreichend informierenden Background zur Verfügung.

Bevor es mit der Bestellung losgeht, kann man bei Bubu die Preise für verschiedene Konfigurationen ermitteln; Quelle: bookfactory.ch
Bevor es mit der Bestellung losgeht, kann man bei Bubu die Preise für verschiedene Konfigurationen ermitteln; Quelle: bookfactory.ch

Die Flatbooks mit dem besonderen Aufschlagverhalten finden sich bei Bubu in den beiden Kategorien Premium bzw. Professional Flat – auf mattem Naturpapier mit edlem Look – sowie Photographic bzw. Photographic Plus. Wie schon der Name verrät, werden die letztgenannten auf Echtfotopapier (matt oder glänzend) produziert und ermöglichen umfassende Veredelung auch in der Weiterverarbeitung. Selbst im großen Format mit 400 x 294 mm sind bis zu 100 Seiten möglich, und zwar mit geprägtem Einband, wahlweise in verschiedenen Ledervarianten oder mit edler Japanseide. In Auflage 1 schlägt das maximalkonfigurierte Haptik-Erlebnis mit 50 Seiten aber auch mit mehr als 250 EUR zu Buche (Wortwitz) – für einmalige und besondere Anlässe ist das aber eine sinnvolle Investition!

Bubu informiert im technischen Merkblatt umfassend über die Möglichkeiten der Layflat-Fotobücher. Gut finde ich, dass wenn ein Veredelungswusch nicht wählbar ist, direkt eine technische Begründung geliefert wird. So bekommt man von Anfang an ein Bild von den Verarbeitungsmöglichkeiten. Wer hier sein Fotoprojekt in Auftrag gibt, der muss zwar tiefer in die Tasche greifen, erhält dafür jedoch im Gegenzug Schweizer Qualitätsware. Und ganz nebenbei: Auf der letzten Photokina habe ich diverse Fotobuch-Anbieter aus Osteuropa gesehen, die keine Software zur Verfügung stellen, eine vergleichsweise schwache Webpräsenz haben und trotz geringerer Kosten preislich gleichauf liegen mit Bubu und vergleichbaren Anbietern. Qualität hat ihren Preis und lohnt sich allemal.

Whitewall ist bei Fotoartikeln im Highend-Segment eine echte Größe und bietet Qualität nach Maß; Quelle: whitewall.com
Whitewall ist bei Fotoartikeln im Highend-Segment eine echte Größe und bietet Qualität nach Maß; Quelle: whitewall.com

Finden in Zukunft mehr zahlungswillige Kunden Gefallen an den bestkonfigurierten Fotobüchern, werden die Preise auch für Käufer lukrativer, die bisher eher die günstigen Varianten geordert haben. Und da die Hersteller ihre Prozesse – ob digital, im Druck oder in der WV – zunehmend automatisieren werden, sinken mit den Preisen auch die Produktionszeiten. Je nach Auslastung stellt dann der Versand das langsamste Glied in der Kette dar. Mal sehen, ob Amazon nach den aktuellen Angriffen auf das Foto-Niedrigpreissegment in den USA auch hochqualitativ und schnell kann. Dass die zielgruppengerecht anbieten und expandieren, habe ich bereits in meiner Prognose für 2017 formuliert.

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„Trotz des schrumpfenden Digitalkameramarktes werden Mobile Devices, qualitative Optimierung im Druck, bei der Belichtung und Weiterverarbeitung sowie zunehmende Konkurrenz im Business rund um Fotoartikel in Zukunft weiter für Bewegung sorgen.“ – Bernd Zipper

Technische Verbesserungen in diesem Bereich kann der fotointeressierte Kunde aber nicht nur bei den selbstgestalteten Fotobüchern genießen, sondern auch bei verlegten Bildbänden, die zwar in deutlich geringerer Zahl produziert werden, aber ebenso qualitativ hinzugewinnen.

Was spricht noch für weiter steigende Umsätze mit Fotobüchern?

Einige Besteller von Fotobüchern machen sich keine Gedanken darüber – wer aber eine farbgetreue Wiedergabe seiner Aufnahme im späteren Buch erwartet, für den stehen bei einigen Anbietern auch Farbprofile zur Verfügung. Der Qualitätsanspruch muss schon vor dem Druck bzw. der Belichtung beginnen, und zwar mit dem professionellen Farbmanagement. Oft ist es aber so, dass verärgerte Kunden die Farbprobleme im späteren Fotobuch nicht bei sich, sondern bei dem Anbieter suchen. Wenn man also ein hochpreisiges Fotobuch erstellen möchte, sollte man die Qualität der Bildproduktion gedanklich antizipieren können. In der Hinsicht sind die genannten Anbieter aber umfassend vorbereitet.

Dank der Vernetzung über die Cloud können Bilder vom Smartphone auf dem Rechner editiert und zum Fotobuch verarbeitet werden; Quelle: pc-magazin.de
Dank der Vernetzung über die Cloud können Bilder vom Smartphone auf dem Rechner editiert und zum Fotobuch verarbeitet werden; Quelle: pc-magazin.de

Auch Smartphones, mit ihrer besser werdenden Fotoqualität, werden in Zukunft immer mehr „brauchbare“ Druckergebnisse in diesem Bereich zulassen. Trotz fester Blende reicht die Qualität der Bilder für die meisten Verbraucher sicher aus – vorausgesetzt sie bestellen kein Fotobuch mit formatfüllenden Bildern > DINA4. Der emotionale und haptische Wert eines Fotobuchs überwiegt den schnellen Blick auf das Mobile Device sowieso meistens. Denn, dass Print nicht nur in Form von Fotos bzw. Fotobüchern seine Vorteile gegenüber dem Digitalen auch weiterhin behauptet, kann man unter anderem aus der IFH-Studie ableiten. Ich berichtete darüber an gleicher Stelle.

Immer mehr Bilder aus Smartphone und Tablet finden den Weg auf das Papier und andere bedruckbare Gegenstände sogar direkt aus dem Netz. Dabei helfen Verbrauchern und Profis oftmals Cloudspeicher, die immer populärer und besser verfügbar werden; der Übergang von der Datei zur Bestellung wird damit schneller. Und attraktive Angebote, die nicht nur Fotos Speicher bieten, gibt es zur Genüge. Namhafte Alternativen sind beispielsweise die Creative Cloud, die iCloud, OneDrive, Dropbox oder Google Drive. Gekoppelt mit diversen zusätzlichen Optionen, bekommt jeder bei diesen Anbietern schon für Beträge ab 2,99 EUR eine ausreichende Speichergröße als Gegenwert. In Verbindung mit der entsprechenden App des Fotobuchanbieters wird so ein kurzer Weg vom Schuss bis zur Gestaltung des Buches ermöglicht.

My Take: Das Geschäft mit Fotobüchern wird nicht zuletzt wegen der immer besser werdenden Qualität weiter zuträglich sein. Und da einige – gemäß Trend immer mehr – Kunden bereit sind für Qualität zu bezahlen, werden die Highend-Fotoprodukte den Anbietern mindestens die gleichen Umsätze wie bisher bescheren. Daran wird auch die Erhöhung der Mehrwertsteuer meines Erachtens nicht viel ändern. Denn auch in den niedrigeren Preissegmenten werden weiterhin massig Fotoartikel bestellt – den digitalen Möglichkeiten sei Dank…

 

Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Seine Fachgebiete sind u.a. Online-Print, Mass Customization, Strategie- und Technologie Assessment für Print, sowie die Entwicklung neuer Strategien im Print- und Mediaumfeld. Bernd Zipper ist Initiator und Vorsitzender der Initiative Online Print e.V. und neben seiner Beratertätigkeit Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen für die Druck- und Medienindustrie. (Profile auch bei Xing, LinkedIn).

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