Fyul, die On-Demand-Merchandise-Plattform hinter Printify, Printful und Snow Commerce, arbeitet künftig mit TrusTrace aus Schweden zusammen. Ziel der Partnerschaft ist es, Lieferkettendaten, Zertifikate und Compliance-Nachweise über das globale Produktionsnetzwerk hinweg zentral zu erfassen – auch mit Blick auf kommende EU-Anforderungen wie EUDR oder dem Digital Product Passport.
Mit Hilfe der strategischen Partnerschaft will Fyul die Transparenz in seinem globalen Lieferantennetzwerk erhöhen, Compliance-Dokumente zentralisieren und die Datengrundlage für regulatorische Anforderungen verbessern.
Daten statt E-Mail-Ketten
Wie es in einer Mitteilung der beiden Unternehmen heißt, soll die TrusTrace-Plattform Fyul in drei Bereichen unterstützen:
- Supply Chain Mapping und Risikoanalyse: Erfassung von Daten auf Lieferanten- und Produktebene, um Risiken im Produktionsnetzwerk zu identifizieren.
- Zertifikatsmanagement: zentrale Sammlung von Zertifikaten für Lieferanten, Produktionsstätten und Produkte.
- Compliance Readiness: Aufbau der Datenbasis für Anforderungen rund um EUDR und Digital Product Passport.
Laut Isabella Holmgaard, Sustainability Director bei Fyul, liege der Vorteil der Plattform vor allem in der Ablösung manueller Prozesse. TrusTrace ersetze „hunderte manuelle E-Mails“ durch eine KI-gestützte Datenerfassung und schaffe eine gemeinsame Informationsbasis. Das erhöhe die Transparenz und beschleunige zugleich das Onboarding von Kunden, die hohe Standards bei Nachvollziehbarkeit und Compliance verlangen.
Auch TrusTrace-CEO und Mitgründer Shameek Ghosh verweist auf die besondere Komplexität des Fyul-Modells: On-Demand-Fertigung in großem Maßstab für international bekannte Marken müsse auch auf der Daten- und Transparenzebene mit den Erwartungen von Regulatoren und Markenpartnern Schritt halten.
EU-Regulierung erhöht den Druck
Die gerade verkündete Partnerschaft kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die regulatorischen Anforderungen an Produkt- und Lieferkettendaten in Europa deutlich zunehmen. Die EU-Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte ist bereits am 18. Juli 2024 in Kraft getreten und erweitert den bisherigen Ökodesign-Ansatz auf nahezu alle physischen Produkte. Ein zentraler Baustein dieser Verordnung ist der Digitale Produktpass, der relevante Informationen zur Nachhaltigkeit, Kreislauffähigkeit und Rechtskonformität von Produkten digital verfügbar machen soll.
Zusätzlich ziele die EU-Entwaldungsverordnung EUDR darauf ab, dass bestimmte Produkte und Rohstoffe, die in der EU in Verkehr gebracht oder aus der EU ausgeführt werden, nicht mit der Entwaldung oder Waldschädigung verbunden sind.
Für Anbieter im On-Demand-Commerce bedeutet das: Wer für Marken produziert, muss zunehmend (und produktabhängig) belegen können, woher Materialien stammen, welche Produktionsstätten beteiligt sind, und welche Zertifikate vorliegen. Das betrifft nicht nur große Markenartikler, sondern mittelbar auch Dienstleister, Fulfillment-Partner und Plattformen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Relevanz für Onlineprint und Merchandising
Gerade im Merchandising- und Print-on-Demand-Umfeld treffen zwei Entwicklungen aufeinander: kleinteilige, dynamische Bestellstrukturen und wachsende Nachweispflichten. Wo Sortimente schnell erweitert, Produkte kurzfristig angepasst und Lieferanten global eingebunden werden, kann Compliance schnell zur operativen Bremse werden.
Die Partnerschaft von Fyul und TrusTrace soll daher zeigen, dass die On-Demand-Produktion nicht nur über Automatisierung, Produktvielfalt und Fulfillment-Performance entschieden wird. Immer wichtiger sei künftig auch eine belastbare Dateninfrastruktur, die Transparenz, Zertifikatsmanagement und regulatorische Anforderungen von Anfang an mitdenkt.

