Heidelberg: Fokussierung aufs Kerngeschäft

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Der Vorstand der Heidelberger Druckmaschinen AG hat harte Maßnahmen ergriffen, um, wie es heißt, die Strukturkosten zu reduzieren und die Profitabilität des Unternehmens zu verbessern. Mit anderen Worten: Der Druckmaschinenbauer wird einmal mehr umgebaut. Kostensenkungen und eine verbesserte Profitabilität sind das Ziel.

Lesen Sie hier eine kürzere Fassung des Interviews, eine längere in beyondprint unplugged oder hören Sie das Gespräch in voller Länge im Podcast auf zippers insights oder Spotify.

Bernd Zipper: Herr Hundsdörfer, Sie haben gerade ziemlich viel vor der Brust. Es gab über Heidelberg in jüngster Zeit einiges in der Presse zu lesen – nicht nur schönes. Inzwischen haben Sie ein Maßnahmenpaket angekündigt, einen „Befreiungsschlag“, um Heidelberg wieder profitabel zu machen. Aber jetzt ist die Coronakrise dazwischengekommen. Wie nehmen Sie diese gerade wahr in der Druckindustrie?

Rainer Hundsdörfer: Es ist ein weitgehender Shutdown in verschiedenen Bereichen dieser Welt. Wir können das bei Heidelberg ja sehr genau verfolgen, da wir die Daten von mehreren tausenden Druckmaschinen in aller Welt bekommen und daher wissen, wie viele Jobs, welche Auflagen und so weiter unsere Kunden drucken – und da sehen wir einen drastischen Einbruch. Allerdings sehr unterschiedlich in den verschiedenen Ländern. Die gute Nachricht ist: China kommt gerade zurück, produziert wieder, unsere chinesischen Kunden auch und unsere Fabrik in Shanghai läuft wieder auf dem Niveau wie vor der Krise. Die Hoffnung ist da, dass das Leben in wenigen Monaten wieder zur Normalität zurückkehrt.

Bernd Zipper: Sie haben über 11.500 Mitarbeiter weltweit, sehr viele im Hauptwerk Wiesloch. Wie sieht es da aus?

Rainer Hundsdörfer: Das Werk ist runtergefahren – wir haben durch die Krise zu wenig Aufträge. Es gibt aber Ausnahmen: Wir halten einen Notbetrieb aufrecht, der die Kunden versorgt. Wir sind systemrelevant und haben im Verpackungsdruck den höchsten Maschinenanteil in der Welt. Alle Verpackungsdrucker laufen zum großen Teil noch gut und werden mit Ersatzteilen, Services, Backoffice und mit allen Hilfen, die notwendig sind, versorgt. Und natürlich läuft die Produktion für Komponenten und Teile für das Werk in China. Die Fabrik läuft wieder seit Mitte März – und seit Anfang April wieder bei 100%.

Bernd Zipper: Eine andere Auswirkung der Krise ist die Verschiebung der drupa aufs nächste Jahr in den April. Wie sehen Sie das?

Rainer Hundsdörfer: Das ist bedauerlich. Wir haben uns alle auf die drupa gefreut. Doch Messen haben heute nicht mehr den herausragenden Charakter, den man braucht, um Innovationen zu zeigen. Innovationen gibt es kontinuierlich – auch außerhalb des drupa-Zyklus. Wir haben viele unserer Neuheiten schon vor der Verschiebung lanciert. Wir hätten sie auf der drupa zwar gerne in den Mittelpunkt gestellt, jetzt kommen sie eben ohne drupa.
Was jedoch fehlt, ist der soziale Aspekt einer Messe wie der drupa, wo sich die Branche alle paar Jahre einmal trifft und persönliche Kontakte pflegt oder neue knüpft. Ein wichtiges Element für uns ist zudem immer der Besuch von 5.000 bis 6.000 Kunden, die ins Werk nach Wiesloch kommen – das fällt dieses Jahr flach, wird aber hoffentlich nächstes Jahr im April nachgeholt.

Bernd Zipper: April ist aus meiner Sicht ein ziemlich ungünstiger Termin, da ballt sich alles. Glauben Sie, dass die drupa ebenso erfolgreich sein wird, wie eine drupa im Sommer oder Mai?

Rainer Hundsdörfer: Es wird eine Herausforderung für alle werden. Zumal viele Hersteller ihre Neuigkeiten für die drupa aufgespart haben, um sie dort zu zeigen. Die werden die Produkte auch jetzt an den Markt bringen wollen und haben nichts Neues mehr bis zum April 2021. Das heißt, der Neuheitseffekt fehlt ein bisschen.
Und das Reisen wird nach Corona ein anderes sein in dieser Welt. Es wird weniger werden. Wir alle lernen ja gerade, dass viele Dinge online gehen, wo wir früher dachten: „Da muss ich unbedingt hin“. Jetzt geht es nicht und wir finden neue Wege. Ich sag mal: Unser Reisebudget könnte sich halbieren. Sicher nicht beim Servicetechniker, aber viele andere Dinge werden wohl online bleiben.

Bernd Zipper: Ich glaube auch, dass sich viel verändern wird – gerade im Zusammenhang mit der Digitalisierung. Das ist jetzt noch einmal ein Ansporn, ein Schub für alle, digital zu kommunizieren. Wie ist das denn innerhalb Ihrer Organisation? Sind viele im Home-Office? Wie wird da zusammengearbeitet?

Rainer Hundsdörfer: Bei uns sind praktisch alle, die nicht wirklich etwas produzieren müssen, im Home-Office. Wir haben uns aufgrund unserer Aktivitäten in China schon sehr früh um Corona gekümmert. Seit Januar gibt es einen Krisenstab und wir haben sehr schnell und überall auf der Welt Maßnahmen zum Schutz unserer Mitarbeiter ergriffen, um sie arbeitsfähig zu halten. Aber auch, um unsere Kunden versorgen und unterstützen zu können. Home-Office ist bei uns ein eingespieltes Thema. Selbst die letzte Aufsichtsratssitzung war online.

Rainer Hundsdörfer, der Heidelberg-CEO, hat sich trotz der Krise die Zeit genommen, mit Bernd Zipper eine lange Liste an Fragen abzuarbeiten und über den „Befreiungsschlag“ des Weltmarktführers im Offsetdruck zu sprechen. Quelle: © Photo by zipcon consulting / zipcon.de

Bernd Zipper: Aber was passiert jetzt mit der Druckindustrie? Viele Fragen sind heute noch nicht zu beantworten. Aber Sie haben einen Schritt gemacht und einen Brief an den Wirtschaftsminister geschrieben, wo Sie ausdrücklich noch einmal auf die Relevanz und zugleich die Notlage der Druckindustrie hinweisen.

Rainer Hundsdörfer: Das habe ich ganz bewusst gemacht. Aber nicht etwa, um die Verbände zu hintergehen, die haben ja ihre eigenen Funktionen und Aufgaben, sondern im Sinne der Kunden die Brancheöffentlich wirksam zu unterstützen. Denn gerade, weil der Spruch „Druck und Papier sind tot“ in den Köpfen ist, muss man der Politik noch einmal bewusst machen, dass das Thema Druck und Papier a) nicht tot und b) systemrelevant ist.

Das ist der eine Aspekt, und der andere: Mir sind meine Kunden viel wert. Kundenzentrierung ist eben kein Selbstzweck. Alle Unternehmen leben davon, dass es ihren Kunden gut geht und sie gute Geschäfte machen. Deshalb will auch Heidelberg seine Kunden in die Lage versetzen, zu überleben und in Zukunft wieder gute Geschäfte zu machen.

Das sind die zwei wesentlichen Motivationen, die mich veranlasst haben, Herrn Altmaier einen offenen Brief zu schreiben. Ich kenne ihn persönlich – er wird den Brief mit Sicherheit auch gelesen haben. Er hatte mir vor nicht allzu langer Zeit gesagt, die Druckindustrie läge ihm am Herzen.

Bernd Zipper: Gute Idee. Es gibt aber auch welche, die das kritisieren und sagen: Jetzt will der Herr Hundsdörfer die Kunden retten – aus Eigennutz. Dabei ist es doch kein falscher Weg, wenn man Kunden helfen will, oder?

Rainer Hundsdörfer: Für unsere Kunden tun wir heute das, was in unserer Macht steht. Allerdings sind wir finanziell nicht so gut aufgestellt, dass wir unseren Kunden weltweit über die nächsten Monaten unsere Leistungen so einfach stunden könnten. Das hält Heidelberg auch nicht aus. Das ist eine Systemaufgabe, eine Aufgabe der Öffentlichkeit, der Regierungen, die das, was systemrelevant ist, aufrechterhalten muss.

Bernd Zipper: Trotzdem wäre ja schön zu sagen: „Heidelberg macht günstigere Kurse.“ Geht das?

Rainer Hundsdörfer: Wir unterstützen, wo immer geht und wo es möglich ist. Aber wie gesagt, die Mittel sind auch bei Heidelberg begrenzt. Wir kommen unseren Kunden dennoch, wo wir können, finanziell entgegen. Und versuchen auch, wo es geht, mit Rat und Tat zu helfen. Etwa dann, wenn ein Kunde nicht weiß mit dem Thema Kurzarbeit umzugehen. Da helfen wir im Rahmen der Möglichkeiten und der Haftung. Da muss man natürlich vorsichtig sein – nichtsdestotrotz: Erfahrung hilft.

Bernd Zipper: Ich jedenfalls finde es gut, dass Sie Initiative ergreifen. Es gibt aber auch Reaktionen auf ihren offenen Brief aus der Branche – und natürlich viele Nörgler. Geht Ihnen so etwas nicht auf die Nerven? Sie wollen etwas tun und sofort kommt wieder irgendeiner und nörgelt?

Rainer Hundsdörfer: Herr Zipper, das bin ich gewohnt. Wenn Sie nichts tun, wird kritisiert. Wenn Sie aber etwas tun, gibt es immer welche, die es besser wissen. Wenn Sie sich danach richten, kommen Sie aber nicht weiter. Sie müssen Ihren Weg selbst wählen, diesen Weg gehen und Nörgler einfach abtropfen lassen.

Und zum Vorwurf Eigennutz – ja, natürlich tue ich das auch aus Eigennutz. Denn Kundenpflege ist letztendlich Eigennutz. Ich möchte, dass es meinen Kunden gut geht. Und wenn ich für sie ein Wort einlegen kann, weil Heidelberg eben einen größeren Einfluss hat als ein mittelständischer Drucker mit zehn Mitarbeitern, dann hilft es vielleicht ein bisschen, die Aufmerksamkeit auch auf diese kleinen, für uns aber nicht unwichtige Kunden zu richten.

Bernd Zipper: Kommen wir noch einmal zum Maßnahmenpaket von Heidelberg. Wie geht es mit Heidelberg nun konkret weiter? Die Primefire und die Großformatmaschinen werden eingestellt, es soll einen Stellenabbau von etwa 2.000 Stellen geben, es wurden 375 Millionen € aus dem Heidelberg Pension Trust ins Unternehmen zurückgeführt. Das sind – jede Maßnahme für sich – schon einmal dicke Nummern.

Rainer Hundsdörfer: Ja, aber die wirtschaftliche Lage von Heidelberg im letzten Jahr war unbefriedigend. Um es auf den Punkt zu bringen: Wir haben unser profitables Kerngeschäft mit Dingen belastet, die zwar technisch ausgereift – wirtschaftlich aber nicht tragbar sind, weil sie Verluste anhäufen. Die hätten Heidelberg früher oder später in große Schwierigkeiten gebracht.

Das war bekannt, aber es hat die Idee gefehlt, wie man dieses Problem löst. Denn auch das Einstellen von Produkten, der Abbau von Überkapazitäten und Personal kosten erst einmal viel Geld. Dazu schlagen wir jetzt neue Wege ein, wagen es und gehen sie auch mutig an.

Nun ist es aber nicht etwa so, dass wir irgendwem etwas wegnehmen. Heidelberg hat den Pensionsfonds 2005 gegründet, als das Unternehmen noch reich war. Um für eine feindliche Übernahme unattraktiver zu sein, wurde Geld aus der Kasse genommen. Denn es war damals nicht unwahrscheinlich, dass jemand Heidelberg übernimmt, das Geld entnimmt und weiterverkauft. Um das zu vermeiden, wurde der Pensionsfonds gegründet – deshalb war er auch öffenbar. Und mir ist ganz wichtig festzustellen: Alle Pensionsansprüche sind davon unberührt. Selbst in dem etwas unwahrscheinlichen Fall einer Insolvenz von Heidelberg werden die Ansprüche ganz normal durch den Pensionssicherungsverein abgesichert. Mit dem entnommenen Geld können wir jetzt die Dinge umsetzen, die wir in den letzten drei Jahre nicht realisieren konnten.

Bernd Zipper: War denn die Strategie in den letzten Jahren falsch?

Rainer Hundsdörfer: Nein, falsch war sie nicht. Wir wollten Profitabilität durch Wachstum erreichen. Das ist aber aus zwei Gründen nicht gelungen. Die Digitaldrucktechnologie ist in der Verpackung nicht so angesprungen, wie wir es erhofft haben. Und das zweite ist eine seit einem guten Jahr schlechter werdende weltweite konjunkturelle Lage. Deshalb mussten wir handeln.

Bernd Zipper: Und das sind ziemlich harte Schritte für das Unternehmen und die Mitarbeiter …

Rainer Hundsdörfer: Der Aufsichtsrat wurde neu besetzt, um dort Einigkeit zu schaffen. Er steht zu 100 Prozent hinter allen Maßnahmen, die vor uns liegen. Ebenso die Arbeitnehmerseite. Jetzt geht es nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie – und da werden wir Lösungen finden.

Das Thema Produktbereinigung ist natürlich bitter, auch für Leute wie mich, die technikbegeistert sind, die sich am Druck erfreuen können, die sich an modernen Entwicklungen wirklich begeistern können. So etwas einstellen zu müssen, tut richtig weh. Aber es ist kein Abschied von Heidelberg aus dem Digitaldruck, es ist der Abschied von einem Produkt.

Jetzt steht das Kerngeschäft, die Wiederherstellung der Profitabilität und der Aufbau von Eigenkapital im Fokus. Das schulden wir unseren Mitarbeitern, das schulden wir unseren Aktionären und nicht zuletzt unseren Kunden: Damit Heidelberg auch künftig ein zuverlässiger Partner für die weltbesten Druckmaschinen bleibt.

„Rainer Hundsdörfer hat Initiative ergriffen und im Sinne der Branche einen Brief an den Wirtschaftsminister geschrieben, wo er ausdrücklich noch einmal auf die Relevanz und zugleich die Notlage der Druckindustrie hinweist. Das verdient großen Respekt.“ – Bernd Zipper.

Bernd Zipper: Das war jetzt ein großer Rundumschlag. Danke dafür, aber ein paar Detailfragen habe ich noch.

Schaut man sich den Schlingerkurs der letzten Jahre an – Einführung dieser Maschine, Abkündigung, Software hier und doch keine Software da – da fällt das mit dem „zuverlässigen Partner“ schwer. Was passiert jetzt mit den Kunden, die die Primefire gekauft haben?

Rainer Hundsdörfer: Das besprechen wir mit unseren Kunden. Diejenigen, die die Primefire behalten wollen, dürfen sie behalten. Wir werden sie dabei unterstützen. Heidelberg steht zu den Produkten. Und wer sie zurückgeben will, darf sie auch zurückgeben. Weiterhin bieten wir diesen Kunden auch Lösungen im Offsetdruck an – durch die Digitalisierung und hohe Automatisierung in Sheetfed passt das bei dem einen oder anderen Kunden ganz gut.

Bernd Zipper: Es gab ja auch den einen oder anderen Kommentar, Heidelberg hätte selber in den Bereich Druckdienstleister einsteigen sollen. Wäre das ein möglicher Weg gewesen?

Rainer Hundsdörfer: Ich weiß nicht, ob es so schlau ist, Wettbewerber seiner Kunden zu werden. Es gibt ja den einen oder anderen unserer Kunden, die es nicht gerne sehen, dass wir Subskriptionsmodelle machen, weil sie argumentieren, dass der Wettbewerb verzerrt wird. Was ja nicht unbedingt stimmt – aber Sie sehen daran die Befindlichkeiten und wie vorsichtig wir sein müssen.

Wir stehen nicht im Wettbewerb zu unseren Kunden. Wo wir direkt Dienstleistung anbieten und in die Produktion gehen, sind das Gebiete, wo heute keiner unserer Kunden unterwegs ist. So ein Zukunftsthema ist gerade im Aufbau: Das ist das Drucken von organischer Elektronik. Dort werden wir nicht die Maschinen verkaufen, sondern die Produkte. Wir bauen hier als Produzent von gedruckten Sensoren ein völlig neues Geschäft auf.

Bernd Zipper: Noch mal Restrukturierung – darunter können sich viele nichts vorstellen. Wie soll das denn aussehen? Gibt es jetzt neue Abteilungen? Der Vorstand ist verkleinert worden, ok. Aber was passiert jetzt?

Rainer Hundsdörfer: Wir bauen gerade unsere Führungsstrukturen um. Der Vorstand ist verkleinert. Die nächste Ebene ist ein Executive Komitee, wo alle wesentlichen operativen Funktionen vertreten sind. Das ist im Prinzip das Gremium, das das Unternehmen zukünftig operativ führt.

Bernd Zipper: Wie stelle ich mir da so eine Vorstandssitzung vor? Ich kenne den Heidelberg Vorstand noch, da waren es, glaube ich, sieben Leute, dann waren es irgendwann einmal fünf und jetzt sind es nur noch zwei. Das ist dann immer eine kurze Vorstandssitzung, oder?

Rainer Hundsdörfer: Heute ist es ja eine Sitzung mit diesem Gremium, das mit derzeit sieben Personen besetzt ist, die Funktionen von der Entwicklung über die Produktion bis zum Vertrieb repräsentieren. Dort wird sehr knapp und sehr konstruktiv alles besprochen, was zu entscheiden ist und dann umgesetzt. Die Sitzungen sind viel kürzer als früher und es gibt kein Transformations- oder Übersetzungsproblem mehr. Diejenigen, die es umsetzen müssen, haben es ja gemeinsam beschlossen. In dieser Form werden wir auch nach unten die Anzahl der Führungsebenen und die Zahl der Führungskräfte weiter reduzieren – das ist der eine Restrukturierungsansatz.

Wir werden ein stückweit weniger formal, mehr mittelständisch werden. Wir werden natürlich die rechtlichen Bedingungen abdecken müssen. Deshalb besteht der Vorstand aus nur zwei Personen, der dann auch persönlich haftet – mit allen Konsequenzen.

Ein weiteres wichtiges Element der Restrukturierung ist natürlich, dass wir unsere Strukturen insgesamt sukzessive verändern. Wir werden unseren Vertrieb anders aufstellen, wir werden sehr viel mehr Digitalisierung im Vertrieb nutzen. Wir werden unser Produktmanagement optimieren. Wir sind schon dabei, einzelne Silos aufzulösen und End-to-End-Lösungen zu bringen. Da gehören zum Beispiel auch Software und Plattformen dazu, aber nicht mehr als irgendwelche Satelliten, sondern als Teil des Kerngeschäfts von Heidelberg. Und das Kerngeschäft ist drucken. Drucken von der Vorstufe bis zur Rampe, einschließlich Verbrauchsmaterialien, Software, Service und Beratung.

„Jetzt steht das Kerngeschäft, die Wiederherstellung der Profitabilität und der Aufbau von Eigenkapital im Fokus. Das schulden wir unseren Mitarbeitern, das schulden wir unseren Aktionären und nicht zuletzt unseren Kunden: Damit Heidelberg auch künftig ein zuverlässiger Partner für die weltbesten Druckmaschinen bleibt.“ – Rainer Hundsdörfer.

Bernd Zipper: So eine Umstrukturierung dauert mindestens ein Jahr bis 18 Monate. Jetzt haben Sie sich einen Spezialisten dazu geholt, DLA Piepe. Was macht so ein Restrukturierungsspezialist? Kann das Heidelberg nicht selbst?

Rainer Hundsdörfer: Wir haben viele Dinge schon selbst probiert – mit mäßigem Erfolg. Es gibt eben Dinge, die macht man nicht jeden Tag, sondern nur einmal im Leben. Dazu braucht es die Spezialisten. DLA Pieper waren zum Beispiel diejenigen, die uns geholfen haben, den Pensionsfond zu öffnen und so zu gestalten, dass es auch legal und richtig ist. So werden wir weiterhin Spezialisten da einsetzen, um Dinge richtig und zügig umzusetzen.

Bernd Zipper: Sie haben mit dem Verkauf Hightech Coatings an ICP für 25 Mio. € schon einmal Cash gemacht. Gibt es da noch mehr Ansätze?

Rainer Hundsdörfer: Es gibt mehr, aber ist noch zu früh, dazu etwas zu sagen, weil wir uns weiter auf das Kerngeschäft reduzieren werden. Es geht auf jeden Fall nicht um einen Verkauf unserer chinesischen Aktivitäten. Wer verkauft schon seine Zukunft? Unsere Fabrik in China ist eine der besten, vielleicht sogar die modernste Druckmaschinenfabrik der Welt, hat das beste Preis-Leistungsverhältnis, einen Qualitätsstandard, der als Benchmark gilt, und ist in dem einzigen echten Wachstumsmarkt dieser Welt für Offsetdruckmaschinen angesiedelt.

Bernd Zipper: Wenn ich mir den Börsenwert der Heidelberger Druckmaschinen anschaue, könnte ich das Unternehmen eigentlich für eine kleine Mark kaufen. Aber wie soll das gehen? Allein der Immobilienbesitz von Heidelberg übersteigt den Börsenwert ja fast ums zehnfache.

Rainer Hundsdörfer: Heidelberg ist sicherlich wesentlich mehr wert als unsere derzeitige Börsenkapitalisierung.

Bernd Zipper: Das Verschlanken des Konzernes, der Umbau zum digitalisierten Mittelständler, der in über 80 Ländern aktiv ist, ist eine Mammut-Aufgabe. Ich sehe Sie eigentlich nur noch auf einem fliegenden Teppich unterwegs von A nach B.

Rainer Hundsdörfer: Also, erstmal habe ich ja viele Unterstützer und ich habe ein Führungsteam, das eingeschworen ist. Dann gibt es noch die Spezialisten, um das Ganze zu strukturieren. Externe Berater können nur die Rezepte geben, wie man es macht. Das Tun ist bei uns selbst. Und wir sind mittendrin, die Dinge zu starten. Unsere erfahrenen Führungskräfte werden sehr gefordert, ich traue ihnen das aber zu.

Bernd Zipper: Nun gibt es ja viele da draußen, die glauben alles besser zu wissen und sagen: „Warum erhöhen die Chinesen nicht einfach ihren Anteil, dann ist doch alles wieder gut.“

Rainer Hundsdörfer: Das wollen wir aber nicht. Heidelberg ist ein deutsches Unternehmen, wir wollen auch den Weg selbst bestimmen und haben deshalb vorgesorgt. Wir begrüßen die Beteiligung von Masterwork nach wie vor, Masterwork ist ein wertvoller Partner für uns, aber ein Partner. Und wir haben eine Vereinbarung, dass Masterwork nur mit Zustimmung von Vorstand und Aufsichtsrat seine Anteile erhöhen darf – und das nicht über 20%.

Bernd Zipper: Da ist aber noch Luft nach oben. Im Moment sind es 8,5%.

Rainer Hundsdörfer: …und nur über eine Kapitalerhöhung. Die ist im Moment aber nicht notwendig, also gibt es im Moment auch keinen Grund, Masterwork mehr Anteile zu geben.

Bernd Zipper: Warum kommt denn da kein großer Investor? Wir haben ja großartige Unternehmen in Deutschland, die auch wirklich gut investieren. Warum investieren die nicht in deutsche Maschinenbauer?

Rainer Hundsdörfer: Da sind wir bei dem eingangs besprochenen Thema, warum ich für unsere Industrie die Lanze brechen und einen Brief an den Wirtschaftsminister schreiben musste. Die Meinung ist: Papier und Druck ist tot oder zumindest sterbend. Das glauben alle Investoren und deshalb machen hier alle den Bogen herum. Das ist eine gemeinsame Aufgabe, die wir als Industrie endlich einmal lösen müssen – dann wird Heidelberg schnell eine super attraktive Investition.

Bernd Zipper: Bekannterweise bin ich ja nicht der Auffassung, dass Print tot ist – im Gegenteil. Ich glaube, da kämpfen wir an der gleichen Front. Deswegen mache ich mir auch so meine Gedanken. Wir haben jüngst erlebt, dass das Kartellamt ihre Bestrebungen bezüglich MBO zunichte gemacht hat. Ich stelle mir immer wieder die Frage: „Koenig & Bauer und Heidelberg. Warum gehen die nicht zusammen? Die wären doch eigentlich super Partner – vom Umsatz oder auch produktionstechnisch – das wäre doch eigentlich ideal.

Rainer Hundsdörfer: Wenn schon die geplante Übernahme mit MBO am Kartellamt scheitert, dann braucht man über eine Partnerschaft mit Koenig & Bauer erst gar nicht den Versuch starten. Da ist unsere Industriepolitik noch nicht weit genug gediehen, das zu verstehen.

Wir versuchen auf Gebieten, die keine Wettbewerbs-Themen sind, zum Beispiel bei Messen und öffentlichen Dingen schon weitgehend zusammenzuarbeiten. Das darf man auch als Wettbewerber. Aber die anderen Dinge sind in Deutschland derzeit tabu.

Bernd Zipper: Und die Quittung haben wir ja bekommen: MBO ist jetzt bei einem japanischen Wettbewerber. Das tut schon ein bisschen weh, oder?

Rainer Hundsdörfer: Es ist vor allem eine vertane Chance für unsere Industrie in Deutschland. Der Ansatz, die beiden Unternehmen zusammenzubringen, war für uns, eine kritische Masse zu haben, um notwendige Innovationen stemmen zu können. Mit den Innovationen in Automatisierung, Digitalisierung und in die Einbindung in die Workflows hätten wir damit die kritische Masse geschaffen. Es hätte auch weiterhin zwei Produktlinien gegeben, die durchaus Differenzierung gehabt hätten, zwei Marken und zwei Vertriebswege. Das Kartellamt hat es trotzdem anders gesehen.

Bernd Zipper: Glauben Sie, dass es unter dem Zeichen der Corona-Krise eine andere Entscheidung gegeben hätte?

Rainer Hundsdörfer: Ich bin mir nicht sicher. Beamte reagieren in der Regel nicht schnell auf Veränderungen. Die folgen ihren Gesetzen, und zwar sehr eng. Der Interpretationsspielraum ist dort auch vielleicht richtigerweise gering. Ich glaube, es braucht erst einmal andere Gesetzesvorlagen, die sowas ermöglichen. Ich will da nicht den Beamten im Bundeskartellamt die Schuld zuschieben, sondern unsere Rechtslage muss geändert werden.

Bernd Zipper: Was uns natürlich nach dem ganzen Umbau auch interessiert: die Strategie. Heidelberg geht jetzt mehr in den Verpackungsdruck, mehr in den Bereich Digitalisierung. Heißt das jetzt, Akzidenz gibt es nicht mehr? Nur noch Verpackung?

Rainer Hundsdörfer: Nein, Akzidenz ist immer noch unser größtes Geschäftsfeld. Die Drucker im Bereich Commercial sind uns immer noch nahe und wertvoll und wir werden dort auch weiterentwickeln und unsere Kunden selbstverständlich unterstützen. Wir werden auch dort noch neuere digitale Lösungen in den Markt bringen. Das gleiche gilt für den Verpackungsdruck. Die Strategie ist klar: Wir werden unsere digitalen Geschäftsfelder, die wir ja in den letzten drei Jahren sehr erfolgreich angeschoben haben, unser Vertragsangebot bis zur Subskription, weiterentwickeln. Wir werden auch Finanzierungspartner finden. Wir waren vor Corona kurz vor dem Ziel, das hat sich jetzt alles verschoben, aber wir werden weiter daran arbeiten, das weiter forcieren und auch unseren kleinen Kunden, die jetzt Not leiden, helfen – wenn die Dinge wieder normal sind.

Bernd Zipper: Sie brauchen natürlich einen Finanzierungspartner, der dazwischen hängt, ansonsten ist es ja nur schädlich für die Bilanz, wenn man viele Maschinen draußen hat…

Rainer Hundsdörfer: So ist es. Das können wir uns nicht leisten. Das würde wieder zu neuen Schwierigkeiten führen. Aber wir haben Lösungen in Aussicht.

Bernd Zipper: Sie haben schon des Öfteren über eine Plattform gesprochen. Was streben Sie da an?

Rainer Hundsdörfer: Wir arbeiten an unserem Ökosystem und wir haben Crispy Mountain gekauft, damit wir an diesem Thema weiterarbeiten können. Wir müssen allerdings im Rahmen der Krise sehen, was als nächstes kommt. Was kann man sich wie schnell leisten? Das Ökosystem werden wir weitertreiben.

Bernd Zipper: Aber was ist die Vision? Maschinen sprechen miteinander? Ein Printpool, ähnlich wie HP das mal angeschoben hat, in dem sich Heidelberger Drucker in einem Netzwerk zusammentun und auch Druckkapazitäten shiften? Oder ist es einfach nur ein E-Commerce System, wo Sie nur Consumables verkaufen?

Rainer Hundsdörfer: Meine Vision ist es, dass wir vernetzte Maschinen haben – erstmal im Unternehmen, dann irgendwann über die Unternehmen hinaus. Es muss letztendlich eine Plattform werden, die für alle zugänglich ist. Wir haben zu viele Beispiele, dass die begrenzten privaten Plattformen gescheitert sind oder dabei sind, zu scheitern. Den Fehler werden wir nicht machen.

Bernd Zipper: Auf dem Online Print Symposium haben Sie ganz klar gesagt, JDF muss nicht zwingend das System sein, was alles miteinander verbindet. In welche Richtung soll das gehen?

Rainer Hundsdörfer: Da wird fleißig dran gearbeitet: Wie können Datenformate der Zukunft aussehen? Die sind eine Voraussetzung, aber die gibt es heute noch nicht. Es gibt zwar viel Diskussion, aber das hängt noch alles in der Luft.

Bernd Zipper: Die Frage für mich ist aber wirklich: wie lange soll das dauern, bis da irgendwas zur Marktreife kommt?

Rainer Hundsdörfer: Wir hatten eigentlich vor, so etwas bis zur drupa zumindest soweit definiert zu haben, dass man es vernünftig hätte mit allen diskutieren können. Die Krise wird das etwas verschieben. Aber es ist eine Voraussetzung, sonst brauche ich keine Plattform.

Bernd Zipper: Ein weiteres Thema ist natürlich das Kleinformat. Im Moment gibt es im Digitaldruckbereich ein OEM-Produkt, mit dem sie unterwegs sind. Wie sieht es mit kleineren Offsetmaschinen aus, kommt da noch was?

Rainer Hundsdörfer: Ein Großteil des kleinformatigen Offsetmarktes ist durch den Digitaldruck weitestgehend substituiert worden. Das muss man einfach anerkennen. Hier bieten wir unseren Kunden nach wie vor beide Technologien an, arbeiten aber vor allem mit unserem Partner Ricoh eng an digitalen Zukunftslösungen.

Bernd Zipper: Aber wie geht es weiter mit Heidelberg und Digitaldruck?

Rainer Hundsdörfer: Wir haben uns von einem Produkt verabschiedet, nicht vom Digitaldruck. Wir haben mit die größte Kompetenz vor allem in Europa. Die werden wir uns auch in geeigneter Weise erhalten und  sind zudem mit unserem OEM-Partner Ricoh ja durchaus eng verbandelt. Wir werden diesen Bereich auf alle Fälle weiterführen und auch weiterentwickeln. Darüber hinaus haben wir die Labelfire für die Produktion von individuellen und personalisierten Etiketten.

Bernd Zipper: Ok, ich fasse nochmal zusammen: Subskription bleibt, wird weiterentwickelt und ein Finanzpartner ist in Sicht, der die Zwischenfinanzierung abdecken kann. Der Digitaldruck ist nicht an den Nagel gehängt, sondern wird weiterverfolgt, in welcher Form auch immer. Die digitale Plattform wird ausgebaut. Das ist eine ganze Menge, wofür man eigentlich mehr Leute braucht. Aber Sie müssen eigentlich Leute nach Hause schicken. Wie soll das funktionieren?

Rainer Hundsdörfer: Es sind jeweils andere Leute, die man braucht, um das zu tun. Wir müssen nur schauen, wie viel Geld wir in welchen Bereich investieren können, um die Dinge profitabel voranzutreiben. Wir können eine gewisse Anzahl der Leute abbauen, einen erheblichen Anteil auch durch sozialverträgliche Methoden. Wir haben in Deutschland eine riesige Anzahl bereits bestehender Altersteilzeitverträge. Wir können nochmal mehrere hundert Leute mit Anstand in die Rente bringen, also sozialverträglich. Gleichzeitig wird die Produktion der Standardmaschinen nach China gehen. Das ist auch nicht neu, das habe ich ja schon öfters gesagt. Alles, was Hochleistungsmaschinen betrifft, wird in Wiesloch bleiben. Das ist alles vorgezeichnet, die Projekte laufen, werden jetzt beschleunigt und dann werden wir auch den entsprechenden Abbau sozialverträglich schaffen. Im indirekten Bereich, in den Verwaltungsbereichen, lassen sich auch Effizienzen durch Digitalisierung und Automatisierung erreichen.

Bernd Zipper: Ich muss natürlich noch eine ketzerische Frage stellen. Es ist natürlich jetzt schön, wenn Sie sagen, wir haben die Leute für die Softwareentwicklung, wir haben da Ideen und mit Crispy Mountain sind auch neue Leute dabei. Aber Fakt ist auch, dass viele Heidelberger Softwareprojekte in der Vergangenheit nicht so funktioniert haben, wie man sich das vorstellt. Ich denke da an Meta Dimension, an die Zusammenarbeit vor vielen Jahren mit Creo. Ich denke an prinect, eine Software, die immer noch im Markt ist, aber eigentlich nicht mehr so richtig gepflegt wird. Eigentlich ein Desaster. Schaffen Sie es, aus diesem Hanomag einen Tesla zu bauen?

Rainer Hundsdörfer: Das ist sicher eine Herausforderung. So bieten wir unsere Software jetzt immer mehr bedarfsgerecht über die Cloud an, was bei den Kunden gut ankommt. Es gibt ja auch andere Firmen, die sehr erfolgreich von Gummistiefeln zu Mobilfunk kamen oder von Stahl zu Mobilfunk oder andere, die mal Autos gebaut haben und heute erfolgreich Haushaltsgeräte bauen. Ich glaube schon, dass sich ein Unternehmen wandeln kann und Krise, verschärft durch Corona, fordert neues Denken, denn Druck hilft und ich bin fest davon überzeugt, Heidelberg kann das schaffen. Es ist nicht die Kunst, alles Mögliche zu machen, die Kunst bei der Strategie ist vor allem zu entscheiden, was mache ich nicht oder was mache ich wenigstens nicht jetzt. Einer der Gründe, warum Heidelberg viele Dinge in der Vergangenheit nicht so gut umgesetzt hat ist, dass wir uns zu oft von Dingen nicht trennen konnten, nicht bereit waren zu sagen: Das mache ich jetzt einfach nicht mehr. Wir haben versucht, alles zu machen – und das geht nicht.

Bernd Zipper: Sie sind ein erfahrener Ingenieur, Sie sind ein erfahrener CEO, aber der Mann, den Sie für die Digitalisierung geholt haben, Dr. Herrmann ist nicht mehr an Bord. Wie soll das funktionieren?

Rainer Hundsdörfer: Ich schätze Ulrich Herrmann sehr, einmal persönlich, aber auch als Fachmann. Er hat viele gute Ideen ins Unternehmen gebracht, etwa das Thema Subskription, Vertragsgeschäft, das sind alles Dinge, wo er sich eingebracht hat. Aber in einer Phase der Fokussierung, in der wir sind, wo man nicht jeden Tag eine neue Idee umsetzen darf und kann, sondern im Gegenteil manche gute Idee mangels Ressourcen auf Eis legen muss, setzen wir andere Schwerpunkte und haben uns im Guten getrennt. In der derzeitigen Phase kommen wir besser mit einem relativ kleinen Gremium klar, das die Dinge schnell und agil umsetzt.

Bernd Zipper: Jetzt haben wir die Krise und hoffen, dass es bald vorbei ist. Wird Druck das Gleiche sein wie vor der Krise nach der Krise? Was meinen Sie?

Rainer Hundsdörfer: Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein und Druck wahrscheinlich auch nicht. Aber es ist noch ein bisschen zu früh zu sagen, was danach ist. Wir müssen erst einmal das Jetzt und das Hier anpacken,  müssen unseren Cash zusammenhalten, müssen unseren Kunden helfen, müssen sehen, dass unsere Mitarbeiter sicher sind und sobald wir die Erholung sehen, hochfahren und mit der neuen Situation umgehen.

Bernd Zipper: Gut, schauen wir in die Zukunft: Wo steht Heidelberg in drei Jahren?

Rainer Hundsdörfer: Heidelberg, da bin ich fest überzeugt, ist in drei Jahren wieder ein finanziell solides Unternehmen. Unsere Position als Marktführer im Bogenoffsetdruck werden wir nicht nur behauptet, sondern vielleicht noch weiter gefestigt haben. Wir werden Lösungen anbieten können für den Workflow, für die Produktion von Druckerzeugnissen, End-to-End von der Vorstufe bis zur Rampe. Das ist unser Ziel, das werden wir erreichen. Wir werden auch, wenn sich der Digitaldruck in den Segmenten, die für uns erschließbar sind, entwickelt hat, mit Sicherheit in einer geeigneten Weise dabei sein. Heidelberg wird deutlich stabiler dastehen, für unsere Kunden, für unsere Mitarbeiter und hoffentlich auch für unsere Aktionäre.

Bernd Zipper: Wo sind Sie in drei Jahren?

Rainer Hundsdörfer: In drei Jahren bin ich 65, dann werde ich mich etwas mehr meinen Hobbies widmen können. Davon gehe ich jetzt mal aus.

Bernd Zipper: Aber das Ziel ist erst einmal umfassend digitalisieren und schauen, dass das Schiff wieder in gutes Fahrwasser kommt.

Rainer Hundsdörfer: Herr Zipper, man verlässt ein Unternehmen nicht in einer schwierigen Lage.

Bernd Zipper: Herr Hundsdörfer, ich bedanke mich, dass Sie die Zeit gefunden haben, in unser improvisiertes, kleines Studio nach Essen zu kommen. Ich wünsche Ihnen eine gute Heimfahrt und drücke Ihnen die Daumen für Sie, für alle Heidelberg-Kunden und für die Branche. Ich glaube, die Impulse sind wichtig! Deswegen nochmal Danke.

Rainer Hundsdörfer: Vielen Dank, ich bin gerne gekommen, Herr Zipper. Es war mir ein Vergnügen.

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Der Vorstand der Heidelberger Druckmaschinen AG hat harte Maßnahmen ergriffen, um, wie es heißt, die Strukturkosten zu reduzieren und die Profitabilität des Unternehmens zu verbessern. Mit anderen Worten: Der Druckmaschinenbauer wird einmal mehr umgebaut. Kostensenkungen und eine verbesserte Profitabilität sind das Ziel.
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Beyond-Print.de

Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Seine Fachgebiete sind u.a. Online-Print, Mass Customization, Strategie- und Technologie Assessment für Print, sowie die Entwicklung neuer Strategien im Print- und Mediaumfeld. Bernd Zipper ist Initiator und Vorsitzender der Initiative Online Print e.V. und neben seiner Beratertätigkeit Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen für die Druck- und Medienindustrie. (Profile auch bei Xing, LinkedIn).

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