Interview: MIS-Revolution in der Cloud? Keyline!

Die Leistung in Alltag und Integrationsfähigkeit markieren den Wert eines MIS für eine Druckerei. Keyline wählt hierzu einen frischen Ansatz: In der Cloud, agil aufgebaut und mit einem AppStore, über den auch eine Web-to-Print-Anbindung realisiert werden kann.

In meinem letzten „Jahresabschluss-Artikel“ habe ich noch betont, was der Print-Branche –und einigen etwas trägen Druckern ganz speziell – fehlt: ein umfassendes Verständnis für moderne Anbindungs- und Abwicklungsmöglichkeiten, die zumeist auf dem eigenen Mindset und/oder aktueller Software beruhen. MIS/ERP-Systeme gehören unbedingt dazu – und bilden für viele Printer, neben bzw. mit entsprechenden E-Commerce-Systemen, das Herzstück der Unternehmenssoftware. Bei Matthias Prinz, Geschäftsführer von Crispy Mountain, der Mainzer Firma hinter der Software, habe ich mal etwas genauer nachgefragt, was Keyline als MIS einer neuen Generation besonders macht.

Bernd Zipper: Matthias, Du sprichst von einem Print-MIS einer neuen Generation. Was können sich Drucker darunter vorstellen, wenn Du sagst, dass Ihr „rückwärts“ an das Thema rangeht?

Matthias Prinz: MI-Systeme haben sich bislang im Wesentlichen auf die betriebswirtschaftlichen Aspekte von Druckbetrieben fokussiert, also Auftragsmanagement, Kalkulation, Datenanalyse und so weiter. Trotzdem sind es oft unhandliche Software-Kolosse, die schwer bedienbar sind. Außerdem mangelt es an der Offenheit für die Integration mit anderen Applikationen oder gar Maschinen. Unser Ansatz ist ein anderer: Wir nähern uns der Thematik von der Produktion her und gehen von da aus rückwärts in die Kalkulation, ins Lagermanagement und die Logistik. Wir sagen immer: Keyline ist das Datenrückgrat einer modernen Druckerei – zukunftsfähig durch eine offene Cloud-Architektur und so einfach zu bedienen wie die Apps, die wir in der Freizeit nutzen.

Bernd Zipper: Ein MIS soll möglichst breit aufgestellt und integrationsfähig sein. Welche Vorteile soll Euer neuer Ansatz gegenüber anderen, ggf. vorherrschenden Systemen haben?

Matthias Prinz: Rede mit 100 Druckern und du wirst 100 verschiedene Anforderungen an ein MIS haben. Die klassischen Anbieter haben versucht, das umzusetzen: Alles wurde in ein System gepackt. Damit wurden diese Dinger unheimlich komplex und schwer zu bedienen. Zudem braucht der Drucker vielleicht nur einen Bruchteil der Funktionen.
Wir haben eine No-Bullshit-Philosophie: Wir wollen die Prozesse in den Druckereien vereinfachen, damit sich Mitarbeiter wieder um den Kern ihrer Arbeit kümmern können. Wenn wir nicht sofort alle Prozesse einer Druckerei abbilden können, dann nehmen wir das in Kauf – und die Kunden in der Regel auch. Wichtig ist doch, dass eine Software zuverlässig läuft, weiterentwickelt wird und flexibel über Schnittstellen erweitert werden kann.

Anforderungen an MI-Systeme gibt es viele, eine wesentliche ist, dass Übersichtlichkeit gewährleistet ist – am besten auch auf mobilen Geräten; Quelle: Crispy Mountain

Bernd Zipper: No-Bullshit-Philosophie klingt etwas „marketingorientiert“ – Wie funktioniert Euer Konzept am Beispiel von Maschinenintegrationen?

Matthias Prinz: Wir behandeln Maschinen nicht anders als Software. Beide stellen Informationen über den Status von Prozessen bereit, die von Keyline aufgegriffen und an andere Systeme und Maschinen übergeben werden, um weitere Prozesse auszulösen.
Auch Keyline sendet ständig Informationen in Form von sogenannten „Events“, etwa wenn Objekte angelegt, verändert oder gelöscht werden. Eine App kann diese aufgreifen und auf deren Basis Prozesse und Workflows anstoßen. So können Ereignis-gesteuerte Prozessketten gestaltet und Abläufe automatisiert werden. Wir beschränken uns dabei nicht nur auf Druckmaschinen: Für uns haben alle Maschinen – Vorstufe, Druck oder Weiterverarbeitung – den gleichen Stellenwert.

Bernd Zipper: Das sagen andere Hersteller ja auch – gibt es dabei Kompatibilitätsgrenzen?

Matthias Prinz: Der Vorteil eines Event- und API-basierten Systems wie Keyline ist es, dass es unabhängig von der eingesetzten Datenstruktur und Programmiersprache funktioniert. Die Events aus Keyline können von jeder Art App empfangen werden und diese können damit anstellen, was sie möchten. Das Ergebnis wird wieder über unsere REST API an Keyline übergeben. So kann jeder zum Keyline-Entwickler werden, was zu einer aktiven Community führt, in der alle mit den Tools arbeiten können, die sie am besten beherrschen.

Bernd Zipper: Besonders interessant finde ich bei MIS die Verwendbarkeit mit und in E-Commerce-Systemen. Wie ist Keyline in der Hinsicht aufgestellt? Gibt es Praxisbeispiele?

Matthias Prinz: E-Commerce- und Web-to-Print-Systeme sind eine natürliche Ergänzung für Keyline. Das Problem besteht meist darin, dass Produkte, Preise und Aufträge in Webshop und MIS getrennt gepflegt und bearbeitet werden mussten. Das ist nicht sinnvoll – es muss einen „Single Point of Truth” geben, und in unseren Augen ist das Keyline.
Für einen Kunden in Lettland – einer der größten Buchdrucker Europas – haben wir ein Portal entwickelt, das ganz anders als ein klassischer Webshop funktioniert: Hier werden Preise nicht aus Preislisten abgerufen, sondern der Kunde kann sich sein Buch individuell zusammenbauen und das Portal übergibt diese Produktdefinition über unsere Schnittstelle an Keyline. Dort wird das Produkt semantisch korrekt erfasst und eine dynamische Kalkulation auf Basis der Produktionssituation und Herstellkosten angestoßen. In Sekunden meldet Keyline den Preis zurück an den Shop. Wenn der Kunde das Angebot annimmt, schickt Keyline den Job in die Produktion, wo er automatisiert bearbeitet wird.

„Stark in der Kommunikation, offen in der Anbindung – Crispy Mountains MIS Keyline liefert einen frischen Ansatz in einem Bereich, den einige Softwarehersteller in Bezug auf Offenheit und Agilität vernachlässigen.“ – Bernd Zipper

Bernd Zipper: Zuletzt habt ihr den Keyline AppStore gelaunched – welche Rolle spielt dieser in eurem Konzept? Können Kunden hier aus einem Pool an Anwendungen wählen?

Matthias Prinz: Zuerst zum zweiten Teil Deiner Frage – genau, das ist der Zweck des Keyline AppStores. Hier bieten wir ein wachsendes Angebot von Apps für die einfache und schnelle Integration von Keyline mit Applikationen und Maschinen. Weil diese Integrationsfähigkeit, diese Offenheit, eine tragende Säule der Keyline-Philosophie ist, spielt der AppStore eine entscheidende Rolle in unserem Konzept.
Natürlich behaupten andere Anbieter auch, dass sie mit allem integrieren können. Aber die Frage ist zu welchem Preis und mit welchem Aufwand? Die Grundidee des AppStore ist es, mit wenigen Klicks und ohne kostspielige Consulting-Projekte eine Verbindung zu anderen Systemen herstellen zu können.

Bernd Zipper: Welche Apps sind noch geplant? Wird die App-Nutzung über Keyline für Kunden zukünftig auch Möglichkeiten im Bereich Web-to-Print erweitern?

Matthias Prinz: Wir arbeiten mit einer Reihe von Software-Entwicklern und Maschinenherstellern zusammen, um ein breites Spektrum interessanter Apps für unsere Kunden anbieten zu können. Das reicht von CRMs wie Salesforce über Collaboration-Tools bis hin zu Buchhaltungs- und Analysetools wie DATEV, Sage und Microsoft Business Intelligence. Bezogen auf Web-to-Print – auch hier sind wir in Gesprächen aktiv und haben bereits einige Kunden, die demnächst über Apps ihre Shops an Keyline andocken werden.

Der frische Keyline-AppStore – die Verbindung zu anderen Systemen sollen Druckereien über eine wachsende Zahl an Apps schaffen; Quelle: Crispy Mountain

Bernd Zipper: Für CRM, Versand, Datenaustausch und interne Kommunikation gibt es auch noch weitere Apps als die bisher integrierten. Wie können andere Lösungs- und App-Entwickler die Integration in Keyline als MIS schaffen?

Matthias Prinz: Der einfachste Weg ist, mit uns Kontakt aufzunehmen und die Sache zu besprechen. Wir und Keyline sind für alles offen. Unsere Philosophie ist einfach: Wir unterstützen unsere Kunden und Partner in allem, was sie tun. Das heißt: Wir befürworten es, wenn Kunden in der Entwicklung selbst aktiv werden möchten oder Partner haben, mit denen sie schon lange erfolgreich zusammenarbeiten. Deshalb ist unsere API-Dokumentation offen verfügbar.

Bernd Zipper: Crispy Mountain ist als Softwaredienstleister im Logistikbereich gestartet – ist es geplant diese Themen an Keyline „anzudocken“? Interessant wäre ja hier – im globalen E-Commerce für Print – insbesondere das Thema Zollerklärung und internationale Logistik.

Matthias Prinz: Das Wissen, das wir im Rahmen der Entwicklung von Systemen für das Frachthandling erworben haben, kommt uns auch im Zusammenhang mit Keyline zugute. Wir folgen aber dem „Best-of-Breed“-Ansatz – wenn es schon gute Lösungen gibt, dann integrieren wir lieber diese mit Keyline, als selbst etwas zu entwickeln. Damit können wir uns auf die Kernfunktionalitäten konzentrieren. Ein Beispiel im Logistikbereich ist die App für die Integration von Keyline mit dem Versandservice-Provider Shipcloud. Damit ist die Anmeldung der Sendungen bei dem gewünschten Versender mit einem Wisch auf dem iPad erledigt – samt dem Druck der Versandlabels und der Bereitstellung der Tracking-Informationen.

Bernd Zipper: Keyline ist auch in der Online-Welt also schon auf positive Resonanz gestoßen. Welche Möglichkeiten und Erweiterungen sind für die nahe Zukunft geplant?

Matthias Prinz: Wir entwickeln Keyline kontinuierlich und agil weiter. Das heißt, dass es nicht erst alle paar Monate oder gar Jahre ein riesiges kostenpflichtiges Upgrade gibt, sondern wir updaten Keyline tatsächlich mehrmals täglich. Wir informieren unsere Kunden jeden Montag über Verbesserungen und neue Funktionen, die wir in der Woche zuvor realisiert haben. Dabei fließt fortlaufend das Feedback unserer Kunden ein. Daher verschieben sich auch unsere Prioritäten permanent auf Basis der Dinge, die unseren Kunden am meisten unter den Nägeln brennen. Weil Keyline eine Cloud-basierte Software ist, stehen diese Neuerungen dann nach Release automatisch allen Nutzern zur Verfügung.

My Take: Management Information Systeme bestimmen wesentlich über das Funktionieren der Abläufe und damit auch über Erfolg und Misserfolg im (Online-)Print-Business. Und wer hier als Softwareanbieter den Weg über einfach bedienbare Module und breite Möglichkeiten im Hinblick auf Anschluss- und Integrationsfähigkeit für weitere, speziellere Software geht, der entwickelt wirklich zukunftsfähige Systeme. Crispy Mountain liefert hierzu einen stimmigen Ansatz mit dem AppStore – und hat auch für alles rund um den Drucksaal etwas im Cloud-basierten MIS Keyline zu bieten. Sollte man im Auge behalten. Und jeder der etwas lernen will, sollte einfach mal selbst testen – denn manchmal ist weniger „mehr“. 😉

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Die Leistung und Integrationsfähigkeit markieren den Wert eines MIS für eine Druckerei. Keyline wählt hierzu einen frischen Ansatz über einen AppStore, über den auch die Web-to-Print-Anbindung realisiert werden kann.
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beyond-print.de
16.10.2018|Technik|0 Comments

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