Interview: Picanova – die vielen Wege der Print-Monetarisierung

Geschäftsfelder für Print sind nicht statisch. Man muss „nur“ wissen, wie man zusätzliche Absatzkanäle generiert, und zwar auf Basis aktueller Entwicklungen. Picanova weiß, wie das funktioniert.

Mehr und mehr Fotos werden täglich gemacht – und aufgrund der zunehmenden Möglichkeiten immer häufiger auch auf verschiedene Artikel gedruckt. Eines der wenigen erfolgreichen, online tätigen Print-Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen, das sich auf den Fotodruck-Bereich spezialisiert hat und sich Jahr für Jahr mit Marken und Services breiter aufstellt, ohne dabei von den Kernkompetenzen abzuweichen, ist Picanova. Mit Philipp Mühlbauer, Geschäftsführer des Kölner Unternehmens und Mitglied der Initiative Online Print, habe ich über die Entwicklung und die aktuellen Geschäftsfelder des Print-on-Demand-Anbieters gesprochen.

Bernd Zipper: Seit etwas mehr als 10 Jahren seid Ihr jetzt am Online-Markt für individualisierbare Fotoleinwände und andere Fotoartikel vertreten. Was hat sich seitdem bei Picanova getan, worin liegen die wichtigsten Entwicklungen Eures Unternehmens – auch im Hinblick auf das Markenportfolio?

Philipp Mühlbauer: Im Jahr 2006 haben mein Bruder und ich Picanova in einer kleinen Garage im Kölner Süden gegründet. Nach weniger als 10 Jahren sind wir im Jahr 2015 als eines der weltweit führenden Unternehmen für individuelle Wanddekoration und Fotoprodukte ausgezeichnet worden. Doch wir ruhen uns nicht auf unseren Erfolgen aus und entwickeln uns und unser Portfolio ständig weiter. So haben wir den ersten massentauglichen 3D-Scanner entwickelt, der pro Ganzkörperscan nur 4 Sekunden benötigt. Außerdem haben wir unsere Social-Commerce-Plattform Monetize.ly entwickelt, mit der sich Social-Media-Fotos und -Grafiken zu Geld machen lassen. Neu ist auch unsere API, die es Unternehmen und Einzelhändlern möglich macht, ihren Kunden personalisierte Fotoprodukte anzubieten – entweder als Schnittstelle im bestehenden Shopsystem oder als White-Label-Lösung.

Bernd Zipper: Über nahezu alle Märkte hinweg geht der Trend – auch und vor allem im Printbereich – immer mehr hin zu individualisierbaren und hochpreisigen Produkten. Macht sich das bei Euch als Digitaldruckern bemerkbar? Und wie reagiert Ihr als Unternehmen mit so vielen Marken darauf?

Philipp Mühlbauer: Natürlich merken wir das, unser Wachstum ist seit Jahren ungebrochen rasant. Wir arbeiten stetig daran unsere Produkte zu verbessern und den Kunden mehr Individualisierungsmöglichkeiten zu bieten. Trotz steigender Qualität werden wir unseren Kunden die Produkte weiterhin zu günstigen Preisen anbieten können und trotzdem Gewinne erwirtschaften. Als Unternehmen mit Kölner Wurzeln ist es uns wichtig, weiterhin in Deutschland und nicht in einem Niedriglohnland zu produzieren, um eine hervorragende Qualität garantieren zu können.

Bernd Zipper: Flyeralarm hat den 3D-Druck letztes Jahr wieder aus dem Programm genommen und Ihr habt im März 2017 einen 3D-Scanner in einer Kölner Rewe-Filiale aufgebaut. Was war das für eine Aktion? Sprichst Du der additiven Fertigung „echte“ Zukunftschancen in der Druckindustrie zu?

Philipp Mühlbauer: Dabei handelte es sich um eine Kooperation mit REWE. Wir konnten den ersten massentauglichen 3D-Scanner von 3D.me live einem breiten Publikum präsentieren. Ohne Termin und Wartezeit konnten sich Kunden kostenlos scannen lassen. Im Anschluss erhielt jeder einen digitalen 3D-Avatar. Wenn gewünscht, konnten sich die Kunden dann eine 3D-Figur bestellen. REWE-Kunden erhielten außerdem einen Rabattgutschein für den 3D-Druck.

Das Potential für 3D-Scans ist enorm. Scans können beispielsweise fürs Gaming (Virtual und Augmented Reality), für Online-Fashion-Retailer zur Reduzierung der Retourenquoten oder zum Aufzeigen von Erfolgen bei Fitnessprogrammen genutzt werden. Interessierte Unternehmen können in Kürze sogar unsere Scanner für Veranstaltungen wie Roadshows, Messen etc. mieten. Individuelles Branding und ein digitaler 3D-Avatar im Anschluss an jeden Scan eignen sich perfekt, um die eigene Marke positiv aufzuladen.

Im nächsten Schritt können auch passende Produkte gedruckt werden – ob der perfekt sitzende Schuh oder Bauteile für die Autoindustrie. Bis der 3D-Druck massentauglich ist, wird sich die Technik erst noch weiterentwickeln, um schneller und kostengünstiger zu werden. Dies ist allerdings nur noch eine Frage der Zeit.

Bei Picanova umfasst Print auch 3D-Druck: Auf Basis des neuen, eigenen 3D-Scanners soll die Beschaffung des eigenen Miniaturabbildes noch einfacher werden; Quelle: Picanova

Bernd Zipper: Und wie hängt das Social-Media-Printprogramm Monetize.ly mit Euren bisherigen Marken zusammen. Kannst Du uns einen Überblick über die Resonanz zur Social-Media-Print-Symbiose geben?

Philipp Mühlbauer: Mit Monetize.ly haben wir ein Social-Commerce-Tool entwickelt, das es erstmals möglich macht, Social-Media-Inhalte zu monetarisieren. Das Prinzip ist einfach: Unternehmen und Privatpersonen können ihre Fotos und Bilder in wenigen Schritten auf Monetize.ly hochladen und so auf Leinwand, Tassen, Handyschalen oder Mousepads gedruckt ihren Freunden, Kunden und Fans anbieten. Damit erhält jeder Post und jedes Bild einen konkreten Mehrwert und lässt sich nebenbei zu Geld machen, ohne dabei bestehende Markenpartnerschaften für Product Placements zu kannibalisieren.

Monetize.ly ist kostenlos, ohne Verpflichtungen und bietet einen weltweiten Versand. Interessant ist das Tool außerdem für Agenturen und Influencer-Netwerke, die mit einem erweiterten Provisionsmodell berücksichtigt werden. Die Resonanz auf Monetize.ly ist äußerst positiv. Social-Media-Influencer haben zahlreiche Bilder und mit Monetize.ly können sie diese zu Geld machen. Diverse Prominente nutzen die Plattform bereits – wohl bekanntester Star ist der brasilianische Fußballprofi Ronaldinho.

„Print-Individualisierung kann man in mehreren Dimensionen denken. Die jüngeren Onlinedruck-Unternehmen sind darin zum Teil deutlich innovativer als die alteingesessenen Branchenteilnehmer!“ – Bernd Zipper

Bernd Zipper: Mit Eurer API und Monetize.ly nutzt Ihr ganz bewusst weitere Vermarktungsmöglichkeiten. Ist die Arbeit mit Absatzmittlern für Euch mittlerweile genauso wichtig wie der direkte Verkauf über die eigene Plattform?

Philipp Mühlbauer: Unser Kerngeschäft liegt weiterhin im direkten Verkauf über unsere Plattformen. Jedoch haben wir in der Vergangenheit häufig Anfragen von Unternehmen und Influencern bekommen, die unsere Produkte ihren Kunden und Fans anbieten wollten. Vor diesem Hintergrund haben wir eine eigene API entwickelt, mit der Unternehmen unsere Produkte in ihr bestehendes Shopsystem integrieren oder als White-Label-Lösung nutzen können. Nun können sowohl Kunden als auch Geschäftspartner aus den Vollen schöpfen. Auch Monetize.ly ist vor diesem Hintergrund entstanden.

Bernd Zipper: Meinst Du, dass sich einige Druckunternehmen in Zukunft breiter aufstellen müssen? Soll heißen mit mehr Marken, Produkten bzw. Produktionsverfahren und Serviceleistungen?

Philipp Mühlbauer: Sicher werden sich einige Druckunternehmen umstellen müssen. Wir haben bereits ein sehr breites Produktangebot, das wir ständig weiterentwickeln und unseren Kundenwünschen anpassen. Durch unsere relativ neuen B2B-Angebote wie unsere API und Monetize.ly können auch Geschäftspartner unsere Services nutzen.

Bernd Zipper: Pflegt Ihr auch Kooperationen zu anderen Druck- und Medienunternehmen? Denn als Mitglied der Initiative Online Print habt Ihr doch massig Anknüpfungspunkte für strategische Partnerschaften.

Philipp Mühlbauer: In der Tat kooperieren wir mittlerweile mit einer ganzen Reihe an vermeintlichen Mitbewerbern. In einigen Fällen erweitern wir unsere Produktpalette um Produkte, die wir nicht selber herstellen können und wollen. Zahlreicher sind die Kooperationen, in denen wir für andere Druckunternehmen drucken, entweder weil es für sie günstiger ist, sie die Produkte selber gar nicht herstellen oder gewisse Länder nicht beliefern können. Wir sind nun mal sehr breit aufgestellt und haben eine riesige Produktionspower, vor allem für die Wand.

Basisprodukt der ersten Stunde und Erfolgsschlager bei Picanova – das Wandbild; Quelle: Picanova

Bernd Zipper: Wo siehst Du die wichtigsten Wachstumsfelder für Printprodukte in den nächsten drei Jahren und wie werdet Ihr Euch in Zukunft auf den Markt einstellen? Wohin gehen die nächsten Investitionen?

Philipp Mühlbauer: 3D-Druck ist definitiv eine gigantische Sache und da wird richtig viel passieren. Ob und wie wir da einsteigen, hängt stark von der technologischen Entwicklung ab. Ansonsten erweitern wir unser Portfolio um Produkte, von denen wir ausgehen, dass sie langfristiges Potential haben. Sicher geht es vermehrt in den Bereich „Home“ und da sind wir aktuell schon dabei, maschinell aufzurüsten.

My Take: Picanova geht einen modernen Weg der Print-Vermarktung – und einen erfolgreichen! Die Services und das breite Produktportfolio werden auf verschiedene Marken verteilt, und auch die Nutzung von Social Media für „Printzwecke“ ist den Kölnern nicht fremd. Und da die zusätzliche Print-API im Fotobereich eine noch breitere Partner- und Kundenbasis schafft, fußt das Geschäft von Picanova auf einem zukunftsfähigen Fundament. Denn Programmierschnittstellen zu Print-Fulfillern sind für viele Drucker ein Zukunftsthema, nicht nur für den jeweiligen Plattformanbieter. Was das Thema Social Media in Verbindung mit Print angeht, kann ich für die kommende Woche auch schon einen interessanten Beitrag ankündigen. Bis nächste Woche also!

19.01.2018|Menschen|0 Comments

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