Interview: Schmid punktet mit breitem Lösungsportfolio – Fokus: knifflige Drucksachen

Onlineprint bietet auch für Druckunternehmen mit mehr als 30-jähriger Offline-Firmentradition Potenziale. Die Verpackungs- und Nischenproduktdruckerei Schmid weiß darum und kann zudem auf ein fast einmaliges Logistiknetzwerk zurückgreifen.

Seit dem letzten Interview mit einem Kopf aus dem Onlinedruck-Business ist es nun eine Zeit her. Und da die Initiative Online Print im Herbst 2017 gleich drei neue Mitglieder in ihren Reihen begrüßen durfte, führe ich die Interviewreihe im Jahr 2018 an dieser Stelle weiter. Beginnend mit dem Kopf von Schmid Druck + Medien: Sven Burkhard, Geschäftsführer des im bayrischen Kaisheim verorteten Mitglieds der Elanders-Gruppe. Mit Sven habe ich über seine Sicht auf den Onlinedruck-Markt gesprochen. Seit 2015 gehört die Druckerei Schmid zu dem schwedischen Elanders-Konzern und damit zu den größten Unternehmen, die sich unter dem Dach der IOP versammeln. Umso interessanter ist es also, wie der Spezialdrucker mit der mehr als 30-jährigen Firmentradition und der breiten, internationalen Kundenbasis (durch den Konzern) die Möglichkeiten im gegenwärtigen und zukünftigen (Online-) Druckmarkt einschätzt.

Bernd Zipper: Kurz und knackig: Wer ist die Schmid Druck + Medien GmbH? Was macht das Unternehmen aus und wo liegen Eure Spezialbereiche im Print?

Sven Burkhard: Wir verstehen uns als Fullservice-Anbieter und DEN Ansprechpartner für alle klassischen und kreativen Printmedien in High-End-Qualität. In unserer hauseigenen Produktentwicklung finden wir tagtäglich für jedes Produkt die perfekte Lösung. Zu unseren Hauptproduktgruppen zählen neben den klassischen Verpackungen Produkte wie Funktionskarten (Werbemittel aus Karton mit überraschenden Falt-, Spring- und Schiebetechniken), Displays, Aufsteller, Mappen sowie verschiedenste Mailingvarianten. Als Teil der schwedischen Elanders Gruppe, die über 16 Niederlassungen in neun Ländern auf vier Kontinenten verfügt, stellen wir unseren weltweit operierenden Kunden globale Lösungen für alle Arten gedruckter Informationen zur Verfügung.

Bernd Zipper: Wie seid Ihr dazu gekommen einer auf den Onlinedruck spezialisierten Initiative beizutreten? Misst Du als ursprünglicher Offlinedrucker dem Onlinedruck eine besondere Bedeutung in der zukünftigen Druck- und Medienindustrie zu?

Sven Burkhard: Natürlich wird bei uns auch zukünftig die individuelle Offline-Kundenbetreuung und die damit verbundene Produktentwicklung das Herz der Firma bilden. Dennoch sehen wir durch den Onlinedruck eine Chance unsere Produkte & Dienstleistungen einem noch breiteren Publikum zu präsentieren und dadurch auch in Zukunft ähnliche Wachstumszahlen wie in den letzten Jahren zu realisieren.

Bernd Zipper: Und wie siehst Du den Aspekt Kooperation zwischen teils konkurrierenden Druckunternehmen? Als Mitglied der Initiative Online Print hast Du davon doch eine konkrete Vorstellung, oder?

Sven Burkhard: Ich sehe insbesondere für die Zukunft den Aspekt Kooperationen als immens wichtigen Erfolgsfaktor. Meine ersten Erfahrungen innerhalb der Initiative Online Print zeigen, dass es sich bei dem gegenseitigen Informationsaustausch vielmehr um einen Erfahrungsaustausch als um konkurrierende Themen handelt. Auch große Online Printer werden zukünftig ihr Produktportfolio noch weiter mit vermeintlichen „Nischenprodukten“ erweitern und benötigen hierzu passende Spezialisten und Kooperationspartner. Das Netzwerk innerhalb der IOP bietet hier eine perfekte Möglichkeit zum einen als Dienstleister für Marktbegleiter aktiv zu werden und zum anderen das eigene Produktportfolio durch neue Partner zu erweitern.

Deutschland ist für Elanders der wichtigste europäische Standort; Quelle: elanders.com/about-elanders/the-elanders-group/

Bernd Zipper: Neben der Produktqualität spielt auch der Serviceausbau in der Druckindustrie eine wichtige Rolle. Wie stellt Ihr sicher, dass Ihr nicht nur technologisch, sondern auch von der Denkweise her up-to-date bleibt?

Sven Burkhard: Wünsche und Vorstellungen der Kunden nach ständig neuen Entwicklungen und innovativen Lösungen fordern und fördern eine ständige Aktualisierung der Denkweise und das permanente Streben nach der besten Produkt- und Produktionslösung. Neben dem reinen Druckgeschäft bietet der Elanders-Konzern auch weltweit das komplette Fulfillment sowie die dazugehörigen Logistikdienstleistungen an. Dadurch wird das Printprodukt selbst schnell zum Nebenprodukt und Themen wie Serviceausbau rund um die vollumfängliche Lieferkette rücken in den Fokus. Diese Herausforderungen zwingen uns täglich unseren Workflow zu überdenken und bei Bedarf neue Wege einzuschlagen.

„Wer eine gesunde Markteinschätzung mit den Kooperationsmöglichkeiten im Onlineprint koppelt, der kann auch als ehemaliger Offlinedrucker online Erfolg haben. Voraussetzung dazu ist natürlich fundiertes Produktions-Know-how, am besten (auch) für Spezialprodukte.“ – Bernd Zipper

 

Bernd Zipper: Als Teil der Elanders-Gruppe siehst Du auch direkt, wie sich der europäische (Online-) Druckmarkt entwickelt. Zeichnen sich auf den anderen Kontinenten ähnliche Entwicklungen ab – oder läuft das dort ganz anders?

Sven Burkhard: Bei Themen wie Digitalisierung, Auflagenreduzierung oder Marktkonsolidierung zeichnen sich natürlich ähnliche Entwicklungen wie bei uns in Deutschland ab.  Allerdings realisieren wir bei den unterschiedlichen Märkten (Länder) sehr unterschiedliche Anforderungen. Neben den verschiedenen Produktanforderungen spielen die Themen Lieferzeit und Produktqualität eine sehr länderspezifische Rolle. Hier ist es wichtig die Anforderungen der jeweiligen Kontinente im Detail zu eruieren und die entsprechenden Lösungsansätze zu liefern.  

Bernd Zipper: In welchen Bereichen seht Ihr in den nächsten drei Jahren die wichtigsten Investitionsbereiche für Druckunternehmen? Werden Eure Investitionen in diese Richtung gehen?

Sven Burkhard: Auch in den kommenden Jahren werden wir das Ziel verfolgen Prozesskosten zu reduzieren um der Nachfrage nach immer kleineren Auflagen und kürzeren Lieferzeiten gerecht zu werden. Neben Ausgaben in den Maschinenpark und für Marketingmaßnahmen werden dadurch zukünftig die Investitionen für die Automatisierung und Modularisierung von komplexen Prozessen noch mehr an Bedeutung gewinnen.

Kein konventionelles Marketinginstrument – ein Springwürfel-Mailing aus dem Hause Schmid; Quelle: zipcon consulting

Bernd Zipper: Gibt es etwas, das Du kleinen und mittelständischen Druckern für die Zukunft noch mit auf den Weg geben möchtest?

Sven Burkhard: Ich kann jedem kleinen und mittelständischen Druckunternehmen nur raten seine Stärken / Nischen zu finden, daraus resultierend eine eigene Strategie zu definieren und diese auch konsequent zu verfolgen. Mit den richtigen Produkten, den richtigen Partnern und der nötigen Konsequenz bietet der Onlinedruck eine nie dagewesene Möglichkeit seine Produkte und Dienstleistungen zu präsentieren. Diese Chance sollten sich auch kleinere Unternehmen nicht entgehen lassen!

My Take: Als Druckerei unter dem Dach von Elanders – hat Schmid Druck + Medien einen Platz im Gefüge des europäischen Druckmarktes. Aber nicht nur deshalb – sondern vor allem, weil Schmid als feste Größe im Druck von Spezialanwendungen, Verpackungen und Werbemitteln im oberen Qualitätssegment einen stabilen Kurs verfolgt. Und dem, was Sven Burkhard in Bezug auf die Zukunftsgestaltung vieler Druckereien rät, kann ich mich nur anschließen: Finden Sie die wahren Stärken Ihres Print-Geschäfts und bauen Sie diese weiter aus. Nicht jeder kann alles können – zumindest nie vollumfänglich gut. Und dass das nicht nur mit einem ausschließlichen Online-Business gut funktioniert, hat der schwedische Konzern Elanders erkannt und deshalb Schmid Druck + Medien an sich gebunden, um von der konsequenten Haltung des „breit aufgestellten“ Print-Spezialisten zu profitieren. In den nächsten Wochen wird es an gleicher Stelle weitergehen mit Informationen aus erster Hand, die ich für Sie vorbereite. Also: Dranbleiben.

08.01.2018|Menschen|0 Comments

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