Interview: Social Media – nicht nur für B2C-Onlineprinter eine wertvolle Kommunikationsbasis!

Interview: Social Media – nicht nur für B2C-Onlineprinter eine wertvolle Kommunikationsbasis!

Die Bedeutung wird größer – und trotzdem unterschätzen viele Onliner das Potenzial eines ansprechenden Social-Media-Auftritts. Nur wie nutzt man die Chancen des Social-Media-Marketings?

Noch im letzten Jahr habe ich hier auf beyond-print.de einen alternativen Zugang zum Marketing für Onlinedrucker vorgestellt. Und da Multichannel – im Hinblick auf die Marketingaktivitäten von Onlineunternehmen – schon lange wichtig ist und noch wesentlich bedeutender wird, habe ich das Gespräch mit Maria Seywald, Mitverantwortliche im Social-Media-Team der Krones AG, gesucht. Ihr Kerngebiet wird nicht nur für B2C-Onlineprinter eines der wichtigsten Themen für vollumfängliches, zukunftsfähiges Marketing sein. Und weil gemäß den letzten Zahlen zur Social-Media-Nutzung diese Kanäle umso stärker für die Unternehmenskommunikation genutzt werden, je größer das Unternehmen ist, sollten kleine und mittlere Drucker – auch und vor allem aus dem B2B-Bereich – diesen wichtigen Zugang nicht vernachlässigen. Genug verraten – lesen Sie selbst.

Bernd Zipper: Was genau macht die Krones AG und welche Verbindung hast Du zur Druck- und Medienindustrie?

Maria Seywald: Krones ist Komplettanbieter für die Getränkeindustrie und ist dabei ein klassischer Hidden Champion. Jeden Tag durchlaufen Millionen von Glasflaschen, Dosen und PET-Behältern eine Krones Anlage. Denn als Systemlieferant stattet Krones Brauereien, Getränkeabfüller und Lebensmittelproduzenten auf der ganzen Welt aus – mit Einzelmaschinen genauso wie mit ganzen Produktionsstätten. Dabei bietet Krones alles von Prozesstechnik über Fülltechnik und Verpackungsmaschinen bis hin zu IT-Lösungen.
Traditionell legt Krones sehr viel Wert auf Kommunikation und Dialog. Deshalb haben wir einen recht großen Bereich Unternehmenskommunikation, der fast wie eine Inhouse-Agentur arbeitet. Innerhalb dieser Abteilung gestalte ich mit einer Kollegin im Team den Social-Media-Auftritt des Unternehmens.

Bernd Zipper: Welche Stellung nimmt Social Media im Marketing moderner Unternehmen ein – und welchen Stellenwert sollte es in ihrer Kommunikationspolitik einnehmen?

Maria Seywald: Social Media lässt sich schon seit einiger Zeit nicht mehr ignorieren – dazu sind die verschiedenen Plattformen in der Kommunikation viel zu bedeutend und bieten zu viele Vorteile. Modern denkende Unternehmen haben das erkannt und nutzen die Kanäle für ihre Kommunikation bzw. ihr Marketing – mit ganz unterschiedlichen Zielsetzungen. Grundsätzlich lässt sich aber sagen: Wenn ich Menschen erreichen will muss ich das dort tun, wo sie gerne kommunizieren. Und das sind für eine wachsende Menge an Menschen weltweit nun mal soziale Medien. Zudem bieten die meisten Kanäle breite Bewerbungsmöglichkeiten, wie das zielgerichtete Targeting von Zielgruppen, die man im Marketing ausnutzen sollte.

Bernd Zipper: Wo siehst Du hier deutsche Unternehmen verortet?

Maria Seywald: Das möchte ich so nicht verallgemeinern. Einerseits gibt es zahlreiche deutsche Unternehmen, die sehr gekonnt Social-Media-Marketing betreiben. Andererseits gibt es unter anderem im deutschen Maschinenbau allerdings sicher noch viele ungenutzte Chancen.

Bernd Zipper: Was unterscheidet die B2B- von der B2C-Kommunikation via Social Media?

Maria Seywald: Platt gesagt: Während ich im B2C-Bereich verhältnismäßig leicht einen Turnschuh über gutes Social-Media-Marketing verkaufe, fällt mir das mit einer Etikettiermaschine relativ schwer. Der Kaufprozess beim Kunden ist anders, die Zielgruppe tickt anders, das Produkt selbst ist im B2B-Bereich in der Regel komplexer. Trotzdem treffen auch bei Großkonzernen Menschen eine Kaufentscheidung – und die lassen sich durch Kommunikation (via Social Media) beeinflussen. Für viele B2B-Unternehmen spielt außerdem Employer Branding eine große Rolle, hier sind die Unterschiede zum B2C-Bereich deutlich kleiner.

Als B2B-Unternehmen mit mehr als 100.000 Abonnenten alleine bei Facebook weiß die Krones AG, wie Social Media richtig eingesetzt wird – einige Drucker müssen erstmal die Basics lernen!

Bernd Zipper: Die gängigen Social-Media-Plattformen haben alle verschiedene Schwerpunkte. Wie schafft man es als B2B-Unternehmen die Kanäle ordentlich zu verbinden?

Maria Seywald: Pauschal und so kompakt lässt sich das meiner Meinung nach nicht sagen. Die Frage sollte aber nicht sein „Was kann ich auf Kanal XY posten?“, sondern: „Welche Inhalte sind für meine Zielgruppe interessant?“ Und wenn ich auf verschiedenen Kanälen die gleichen oder ähnlichen Zielgruppen habe, dann folgt darauf die Überlegung, wie dieser Inhalt für die verschiedenen Kanäle aufbereitet werden kann. Über den Inhalt sind die unterschiedlichen Kanäle dann im Idealfall automatisch verknüpft. Allerdings machen die verschiedenen Schwerpunkte der Kanäle ja auch Sinn – ich halte es deswegen für nicht sinnvoll, Zielgruppen und Inhalte auf unterschiedlichen Kanälen zwanghaft anzugleichen.

Bernd Zipper: Wie können Onlinedrucker – vor allem kleine und mittlere Unternehmen – Social Media wirksam zur Kundenkommunikation einsetzen?

Maria Seywald: Zuerst muss die Zielsetzung klar sein. Daraus können dann die Zielgruppe und die passenden Kanäle abgeleitet werden. Sehr bald wird dann die Vernetzung im Unternehmen entscheidend: Ohne Zusammenarbeit mit z.B. Vertrieb und Kundenservice wird sich das Social-Media-Team als Insel im Unternehmen mit der Kundenkommunikation sehr schwertun.

„Wer als Unternehmer gleich mehrere Kanäle zur Kommunikation und direkten Zielgruppenansprache einsetzt, der kann von den Vorteilen der passenden Plattformen profitieren. Aber: Ein fähiges Social-Media-Team ist dazu Grundvoraussetzung.“ ­– Bernd Zipper

Bernd Zipper: Gibt es drei flott umsetzbare Tipps, die Du kleinen und mittleren auch online tätigen Druckunternehmen mit auf den Weg geben kannst, um ihre Social-Media-Präsenz zu stärken?

Maria Seywald: Auf drei Tipps konzentriert würde ich sagen:

  1. Lieber erst einmal auf einen Kanal konzentrieren und diesen ordentlich und qualitativ wertvoll bespielen. Verwaiste Firmenprofile sind schlimmer als keines.
  2. Freigabeschleifen klein halten: Inhalte müssen ggf. einmal schnell entstehen können, Nachrichten und Kommentare müssen zeitnah beantwortet werden – ohne lange Abstimmungsprozesse.
  3. Die Auswahl von Bildern nicht unterschätzen. Quasi alle Social-Media-Kanäle funktionieren sehr visuell, da steht und fällt ein Post oder eine Anzeige oft mit der Bildqualität. Ein Blogpost z.B. kann noch so gut sein – mit einem unattraktiven Titelbild wird er es schwer haben.

Bernd Zipper: Was denkst Du, wo die Entwicklung der sozialen Netzwerke und deren Nutzbarkeit für Unternehmen in den kommenden Jahren hingeht? Denn, so lässt sich ja feststellen, auch Facebook und Co. unterliegen einer „Alterung“ – so hat sich ja das Klientel von Facebook in Bezug auf das Alter der Nutzer nach oben verschoben.

Maria Seywald: Mit Sicherheit kann man sagen, dass sich die Social-Media-Landschaft weiter verändern wird. Das ist sehr spannend, kann aber auch anstrengend sein. Bezüglich Facebook: Ja, die Nutzerschaft verändert sich – das heißt aber nicht zwingend, dass Facebook weniger interessant wird. Für uns z.B. hat das aber die Konsequenz, dass wir unsere Ausbildungsinhalte stärker auf Instagram konzentrieren und dabei auch die Stories Funktion vermehrt nutzen. Allgemein denke ich, ist und bleibt der große Trend Bewegtbild – was gerade auch für B2B-Unternehmen sehr gut funktioniert.

Bernd Zipper: Muss sich also der Nutzer bzw. Content-Anbieter von Sozialen Netzwerken auf noch mehr Plattformen oder Social-Media-Kanäle einrichten? Welche neuen Plattformen siehst Du hier?

Maria Seywald: Ich denke nicht, dass es zwingend mehr werden – es fallen ja auch immer wieder welche weg. Und nicht jede neue Plattform setzt sich dauerhaft durch, bei Snapchat beispielsweise wird sich zeigen wo die Reise hingeht. Ganz aktuell beobachten wir unter anderem die Entwicklung von Ripple ­– eine App die für das Employer Branding ggf. interessant werden könnte.

My Take: Ein bisschen „hier und da“ posten bringt nix – der Social-Media-Auftritt hängt wesentlich von Zielsetzung und der Professionalität ab, mit der selbiger geführt wird. Ich freue mich darüber, dass Maria Seywald einen wesentlichen Punkt hervorhebt: die Vernetzung und Kommunikation innerhalb des Unternehmens. Denn die ist grundlegend für erfolgreiche Außenkommunikation. Wer sie beherrscht, der kann soziale Netzwerke dann nicht nur für Kundenkommunikation, sondern auch für die Ansprache von Fachkräften nutzen. Und da die Onlineprint-Branche in so manchen Bereichen nach Fachleuten lechzt, brauche ich die Dringlichkeit von Maßnahmen hier wohl nicht weiter betonen. Teilnehmer des diesjährigen Online Print Symposiums dürfen sich schon mal auf den Event freuen, denn dann wird es von Maria Seywald weiteren Input zum Thema Social Media für (B2B-) Unternehmen geben und wie man das Ganze im Hinblick auf die „anders tickende Zielgruppe“ richtig angeht.

2018-02-01T08:57:02+00:00 01.02.2018|Menschen|0 Comments

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