Interview: sourc-e – Cloud-Einkaufstool für Drucksachen nutzt Marktnische

Effizienz, Kosteneinsparung, Transparenz – sourc-e verspricht Druckeinkäufern alles auf einmal. Was steckt hinter dem cloudbasierten Einkaufstool?

Um Print über einen Online-Kanal zu beschaffen, muss es nicht immer ein Portal oder die klassische Shop-Lösung sein. Das haben sich die beiden Gründer und Geschäftsführer von sourc-e, Lucas Scherer und Felix Severing, gedacht und sich auf die Fahnen geschrieben zu helfen, und zwar die Kosten von Unternehmen aller Größen für die Beschaffung von Druckleistungen zu optimieren. Dabei verfügt das junge Unternehmen aus Köln über keine eigene Maschinenausstattung – dafür aber über ein Qualitätsranking, in das die wertvollste Feedback-Quelle eingeht, die Print haben kann – Kundenmeinungen. Was sourc-e von anderen Systemen und Angeboten aus der Onlineprint-Welt unterscheidet, das habe ich bei Lucas Scherer nochmal genauer nachgefragt.

Bernd Zipper: sourc-e soll den Einkaufsprozess von Printprodukten digitalisieren. Wie macht es das und für wen ist es damit geeignet?

Lucas Scherer: sourc-e unterstützt Unternehmen im Einkauf von Druckleistungen und hat hierfür einen Algorithmus entwickelt, der den Einkaufsprozess digitalisiert. Für Unternehmen mit einem hohen Druckvolumen (größer 0,5 Millionen Euro) und vielen Anfragen stellen wir unseren Algorithmus in einer Softwarelösung zur Verfügung. Unternehmen, für die die Software nicht in Frage kommt, möchten wir ebenfalls von unserem qualifizierten Netzwerk und starken Konditionen profitieren lassen, weshalb wir für diese Unternehmen die Produktion und Abwicklung des Druckprodukts übernehmen.

Bernd Zipper: Findet dabei alles im Browser statt?

Lucas Scherer: sourc-e connect ist eine SaaS-Mietlösung. Dabei wird die Software als Online-Dienstleistung angeboten, inklusive Wartung, Administration, Konfiguration, Updates, Weiterentwicklung und Support. Somit nutzen Kunden ausschließlich die Funktionalität unserer Lösung. Wir haben uns bewusst für eine cloudbasierte Softwarelösung entschieden, die jederzeit per Web-Browser erreichbar ist. Somit ist unsere Lösung stationär oder mobil (mit Internet-Verbindung) erreichbar, ohne die Software installieren und permanent aktualisieren zu müssen.

Bernd Zipper: Und wo liegt dann der konkrete Unterscheid beim Einkauf über sourc-e anstatt über Web-to-Print-Portale, wie sie sich mittlere und große Kunden von Druckern einrichten lassen? Wo liegen die Vorteile?

Lucas Scherer: Unternehmen, die sich Web-to-Print-Portale einrichten, verfolgen folgende Ziele:

  • Sie wollen einen geschlossenen Einkaufsprozess
  • Sie wollen CI-konforme Vorlagen einfach mit wenig Aufwand handeln
  • Sie wollen ihre Abwicklung von Bestellprozessen vereinfachen

Bei höheren Auflagen und komplexeren Produkten kommen diese Portale jedoch an ihre Grenzen, da keine freie Auswahl der Druckerei möglich ist und in der Regel mit Preislisten für bestimmte Formate beziehungsweise Produkte agiert wird.

sourc-e ist ideal für individuelle Produkte mit mittleren bis hohen Auflagen, sprich Produkten, die ausgeschrieben werden müssen. sourc-e macht diesen Ausschreibungsprozess redundant und erstellt eine Angebotsübersicht auf Basis eines definierten Lieferantenpools, in Sekundenschnelle.

Bernd Zipper: Besteller von Printprodukten dürfte interessieren, wie die zugeschnittenen Angebote angezeigt werden. Wie sind dafür die Kundenbereiche in sourc-e gestaltet?

Lucas Scherer: Jeder Kunde hat seinen individualisierten Bereich. Es werden individuelle Stammdaten (Lieferadressen, Zahlungsbedingungen, Papiere etc.) hinterlegt und der eigene Druckereipool definiert. Es können die von sourc-e auditierten Druckereien ausgewählt und, nach deren Implementierung, ebenfalls eigene angelegt werden.

 „Verbindlichkeit von Preis und Qualität bietet für beide Seiten – Druckdienstleister und Kunden – Erleichterung bei Vertragsabschlüssen. Wenn das Ganze cloudbasiert und damit schnell und einfach zugänglich geschieht, umso besser.“ – Bernd Zipper

Bernd Zipper: Sie haben eine Reihe angeschlossener Druckdienstleister. Anhand welcher Kriterien werden Druckereien in den Dienstleister-Pool aufgenommen und wie viele Drucker befinden sich bereits in Ihrem Netzwerk?

Lucas Scherer: Für sourc-e sind die Leistungsfähigkeit einer Druckerei und ein partnerschaftliches Verhältnis Grundvoraussetzungen für die Zusammenarbeit und die Aufnahme in das Netzwerk. Wir bieten Druckereien eine kostenfreie Vertriebsmöglichkeit ohne Mehraufwand, dabei erwarten wir im Gegenzug Qualität und Verlässlichkeit.

Um in unserem Pool aufgenommen zu werden, werden folgende Kriterien im Vorfeld geprüft: Solvenz der Druckerei, Referenzen, Maschinenausstattung/ Produktionsstätte sowie die Leistungsfähigkeit in bestimmten Produktbereichen. Idealerweise nutzen Druckereien sourc-e connect, um ihre Leistungsfähigkeit produktspezifisch herauszustellen (bspw. 10-Farbenwerk bei 5-farbiger Produktion). Derzeit erfüllen knapp 50 Druckereien diese Kriterien und befinden sich somit in unserem Pool.

Onlinetools schaffen Marktransparenz im Printbereich – sourc-e nutzt dafür eine cloudbasierte Lösung und hilft beim Einkaufsprozess; Quelle: www.sourc-e.com

Bernd Zipper: Werden die Druckereien bewertet, sodass andere Nachfrager Möglichkeiten und Qualität abschätzen können?

Lucas Scherer: Für uns steht das Interesse des Kunden, der großen Wert auf Qualität legt, immer im Vordergrund. Deshalb sind wir dazu verpflichtet, diese konstant zu prüfen und nachhaltig sicherzustellen. Ein bewährter Weg dazu ist, dass wir gemäß des Amazon-Ansatzes versuchen, die “Community” gewinnbringend einzusetzen und uns kontinuierlich von unseren Kunden Feedback zu den Druckereien geben zu lassen. Dazu werden die Druckereien anhand der folgenden Parameter bewertet: Druckqualität, Servicequalität, Termintreue, Kommunikation.

Bernd Zipper: Welche Weiterentwicklungen sind in der Planung für die nahe und mittlere Zukunft?

Lucas Scherer: Wir wollen den Abwicklungsprozess erleichtern. Wir entwickeln eine Lösung, mit der wir die Druckabwicklung (= Softproof) simplifizieren und optimieren können. Somit hat der Nutzer ein System für alle Druckereien.

My Take: Ein Pool von rund 50 Druckereien erscheint auf den ersten Blick nicht groß – aber die Vorgaben und diese Zahl an angeschlossenen Druckdienstleistern zeigt auch, dass lange nicht jede Druckerei Teil des Netzwerks sein und werden kann. Dabei kann sich dieser kostenlose Vertriebskanal für Druckereien durchaus lohnen. Für Print-Kunden kann ein ausgewählter Produzentenkreis Vor- und Nachteile haben, da die Auswahl an Dienstleistern geringer ausfallen kann (nicht muss!) als bei anderen Onlineprint-Angeboten, die nicht bei sourc-e gelistet sind. Aber mal ehrlich: Wer einige gute Partner hat, der braucht keine Unmengen von ihnen – das lässt sich auch an den Referenzen des jungen Unternehmens erkennen. Ein klarer Vorteil für Kunden besteht in der Zeitersparnis und dem von Lucas Scherer beschriebenen, klaren Bewertungsschema. So müssen sich die Druckereien über ihre Qualität einen Platz innerhalb des Netzwerks sichern, was für Print-Kunden ein Stück Sicherheit bringt. Denn egal, ob Drucksachen über Webshops, Web-to-Print-Portale oder eine cloudbasierte Lösung bezogen werden – Print kann und muss seine Stärken neben der via Online-Kanälen generierten Geschwindigkeit und Preisvorteilen über die Qualität ausspielen, immer.

Summary
Interview: sourc-e – Cloud-Einkaufstool für Drucksachen nutzt Marktnische
Article Name
Interview: sourc-e – Cloud-Einkaufstool für Drucksachen nutzt Marktnische
Description
Effizienz, Kosteneinsparung, Transparenz – sourc-e verspricht Druckeinkäufern alles auf einmal. Was steckt hinter dem cloudbasierten Einkaufstool?
Author
Publisher Name
beyond-print.de
29.11.2018|Technik|0 Comments

Hinterlasse einen Kommentar

Mit Abschicken meines Kommentars erkläre ich mich mit den Nutzungsbedingungen einverstanden.

Send this to friend