Interview: „Wir wollen den Plattform-Gedanken im Verpackungsdruck weiter vorantreiben und wachsen“

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Labelprint24 und Packaging Warehouse gehören seit kurzem zur All4Labels Global Packaging Group, werden als Tochtergesellschaften aber auch weiterhin unter eigener Marke agieren. Beyond Print hat mit Labelprint24-Geschäftsführer Stefan Harder über die Hintergründe der Übernahme gesprochen und darüber, welche Pläne die Unternehmen nun – mit der Schlagkraft der Gruppe im Rücken – haben.

Beyond Print: Stefan, du bist mit Labelprint24 schon seit vielen Jahren erfolgreich am Markt unterwegs, deine Söhne Nils und Lasse haben mit Packaging Warehouse zudem inzwischen ihr eigenes Unternehmen gestartet. Was waren die Hintergründe für die Übernahme durch All4Labels?

Stefan Harder: Wir wollen weiter wachsen, auch in andere Produktfelder hinein, und bereiten gerade unsere nächsten Erweiterungsschritte vor; mit einem Anbau, mehr Produktionsfläche und einem größeren Portfolio. Weil man etwas in dieser Größenordnung aber nicht alleine stemmen kann, waren wir bereits mit einem Finanzinvestoren im Gespräch, als All4Labels auf uns zukam.

Unsere Interessen haben gut zusammengepasst: Ich möchte das Onlinegeschäft massiv ausbauen und ich denke, das funktioniert gut zusammen mit einer Gruppe, die ebenso daran interessiert sind, das Onlinebusiness im Verpackungsbereich zu internationalisieren und das Thema breit auszurollen. Das hat mir gefallen, ebenso wie das Netzwerk, das All4Labels mitbringt. Die Gruppe ist ja schon in vielen Ländern aktiv, hat außerdem andere Einkaufskonditionen. Insgesamt, so denke ich, wird uns das unser weiteres Vorgehen erleichtern.

All4Labels auf der anderen Seite hat unser Geschäftsmodell gefallen und unsere Automatisierung. Die Gruppe ist ja nicht mehr nur im Etikettenmarkt tätig, sondern auch in den Bereichen Faltschachteln und flexible Verpackungen. Im Mai wurde zudem das Start-Up Palamo für den Online-Bereich gegründet. Was ihnen aber noch gefehlt hat, ist jemand, der als Onliner in diesem Markt bereits seit vielen Jahren etabliert ist, sowie Erfahrung und ein entsprechendes Know-how mitbringt. All4Labels weiß, dass die Zukunft im Online-Geschäft liegt. Und wer das erkannt hat, hat zwei Möglichkeiten: Entweder man baut den Online-Bereich aus eigener Kraft auf. Das dauert natürlich und auch mit viel Geld könnte man diesen Weg nicht schneller gehen. Oder man holt sich einen erfahrenen Onliner ins Boot, wie das All4Labels mit uns jetzt getan hat. Wo wir heute in Sachen Online und Verpackung stehen, sind wir schon sehr weit gegenüber anderen. Und: Die Ziele von uns und All4Labels sind deckungsgleich und das war eigentlich auch der Grund, warum ich mich für den Zusammenschluss entschieden habe.

Beyond Print: Welche Ziele sind das konkret?

Stefan Harder: In einem Wort: Expansion: wachsen, wachsen, wachsen. Den Verpackungsmarkt online machen.

Beyond Print: Labelprint24 und Packaging Warehouse sind vollständig online unterwegs. Bei der All4Labels Group sieht das noch ein bisschen anders aus, auch wenn die Gruppe mit Palamo im Frühjahr 2021 ein Start-Up für den Online-Vertrieb gegründet hat. Wie passt das zusammen?

Stefan Harder: Wir wollen natürlich den Gruppengedanken stärken und idealerweise über eine Plattform versuchen, das Ganze auszurollen. Hier können wir Palamo als Online-Vertrieb ideal unterstützen. Und ganz allgemein können alle Unternehmen der Gruppe viel voneinander lernen.

Ich glaube nicht, dass ein konventionelles Druckhaus ohne weiteres zum Onliner werden kann. Denn Online, das Mindset, muss in der DNA stecken und wenn ich eine konventionelle DNA habe, mache ich nicht einfach eine Online-DNA daraus. Aber es gibt Module, es gibt Themen und viele andere Bereiche, in denen man sehr gut miteinander kooperieren kann – immerhin sind wir sehr Software-affin und stark aufgestellt und können uns entsprechend gut einbringen.

Beyond Print: Während klassische Druckereien unter der Pandemie zum Teil stark gelitten haben, hat das Geschäft im Etiketten- und Verpackungsmarkt sogar angezogen. Wie ist es Labelprint24 und Packaging Warehouse in den letzten Monaten ergangen?

Stefan Harder: Es ist sehr viel aus dem stationären Handel weggegangen in Richtung Online – im normalen Konsum, aber auch in der Verpackung. Hier haben sicher die Geschwindigkeiten, die Flexibilität und die Produkterweiterungen, die wir zuletzt angestoßen haben, eine große Rolle gespielt. In den letzten zwei Jahren haben wir tatsächlich eher mit Wachstum „zu kämpfen“ und mit allem, was dazu gehört, inklusive neue Mitarbeiter finden.

Wir haben in diesem Jahr die flexible Verpackung dazu geholt, wir haben in den Wellpappen-Direktdruck investiert, die kaschierte Wellpappe kommt als nächstes dazu. Wir investieren zum Teil in komplett neue Produktbereiche hinein. Wir wollen – ähnlich wie wir das schon bei den Etiketten und Faltschachteln gemacht haben – auch die Bereiche flexible Verpackung und Wellpappe weiter ausbauen.

Eine neue Halle für den Wellpappendruck ist bereits angemietet und bezogen. Da stehen Digitaldruck- und Kaschiermaschinen, sowie Stanzen und alles weitere, was man für die Produktion braucht. Aber wir erweitern derzeit noch einmal um gut 10.000 m2 und wollen dann auch in diesem Bereich die Produktpalette noch breiter aufstellen.

Beyond Print: Auf der Herbsttagung der Initiative Online Print (IOP) wurde berichtet, dass immer mehr Industrieunternehmen die direkte Anbindung an Online-Druckereien über Closed-Shop-Integration nutzen. Ist diese Entwicklung auch im Online-Verpackungs- und Etikettendruck zu spüren?

Stefan Harder: Wir produzieren sehr viele Bestellungen von Kleinkunden, aber auch für Kollegenbetriebe. Das läuft fast ausschließlich über den Onlineshop. Aber wir haben in der Tat auch immer mehr Industriekunden, die wir über eine Schnittstelle direkt an unser System anbinden; also nicht über den Onlineshop. Diese Industriekunden können so Aufträge platzieren, Preise abfragen; und im Prinzip die komplette Funktionalität unseres Systems nutzen.

Dass die Zahl der angebundenen Industriekunden gerade in der Pandemie angestiegen ist, können wir aber so nicht sagen, denn bei uns gibt es diese Entwicklung schon seit Jahren. Wir binden jedes Jahr ein, zwei, drei große Kunden über eine Schnittstelle an. Das lohnt sich natürlich nicht für jeden Kunden. Doch für diejenigen, die kleingliedrige Bestellungen mit tausenden unterschiedlichen Designs, Sprachversionen und verschiedenen Formaten haben, ist es wichtig, dass man so viel wie möglich automatisiert. Danach muss man „nur noch“ produzieren.

Beyond Print: Wie wird eure Zusammenarbeit innerhalb der All4Labels Global Packaging Group künftig aussehen?

Stefan Harder: Am Ende geht es um eine Art Mehrmarken-Strategie: Jemand sucht eine Verpackung im Internet und findet idealerweise eine der All4Labels-Marken. Jedes der Unternehmen hat eine etwas andere Strategie, was die Tiefe, die Erklärungen, die Marketingstrategie oder die Kundenorientierung betrifft. So findet, denke ich, auch jedes seine Zielgruppe.

Die All4Labels-Gruppe hat viele Produktionsstandorte. So haben wir nun die Möglichkeit, auf diese anderen Produktionsstätten zuzugreifen und deren Technologien bei uns in die Systeme, sprich in unsere intelligenten Kalkulatoren, zu integrieren. Wir kalkulieren jedes Produkt live und je mehr Verfahren im System hinterlegt sind, desto mehr können wir dem Kunden anbieten. Also auch Flexo-, Tief- oder Offsetdruck. Alles ist möglich und deswegen werden wir diese Integration über die nächsten Jahre auch immer weiter ausbauen. Wir haben das Ziel, so den Markt ganzheitlich als Onliner in der Verpackung zu bedienen.

Beyond Print: Welche Entwicklungen können wir deiner Meinung nach in den nächsten Monaten im Onlineprint erwarten, speziell im Verpackungsmarkt?

Stefan Harder: Ich denke, im Verpackungsmarkt werden immer mehr konventionelle Verpackungsdrucker in den Onlinemarkt drängen, einfach, weil sie um das Thema nicht herumkommen. Da findet momentan ein Wandel statt, der meines Erachtens nach auch nicht aufzuhalten ist. Ich gehe davon aus, dass es immer mehr Produkte online geben wird, dass immer mehr standardisiert werden wird. Ich glaube, wer es gut macht, kann mit Online sehr erfolgreich sein.

Online bedeutet aber auch eine Umstellung für den Kunden. Wer es gewohnt war, seinen Korrekturabzug in diversen Ausführungen per PDF zu bekommen, auszudrucken, einzuscannen, und zurückzuschicken, muss sich umgewöhnen. Denn auch der Kunde muss, wenn er online bestellt, lernen, die Wege zu gehen, die der Onliner vorgibt.

Beyond Print: Vielen Dank für das spannende Gespräch!

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Labelprint24 und Packaging Warehouse gehören seit kurzem zur All4Labels Global Packaging Group, werden als Tochtergesellschaften aber auch weiterhin unter eigener Marke agieren. Beyond Print hat mit Labelprint24-Geschäftsführer Stefan Harder über die Hintergründe der Übernahme gesprochen und darüber, welche Pläne die Unternehmen nun – mit der Schlagkraft der Gruppe im Rücken – haben.
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Beyond-Print.de

Für viele in der Druckindustrie ist sie keine Unbekannte: Fast 14 Jahre lang war Judith Grajewski für das Fachmagazin Deutscher Drucker tätig; hat als Redakteurin vor allem über den Wachstumsmarkt Digitaldruck berichtet, als Online-Verantwortliche das Portal print.de und die Social-Media-Kanäle mit aufgebaut und sich als „Transaction Editor“ mit Content-Management- und Marketingstrategien beschäftigt. Nach einem kurzen Intermezzo als Chefredakteurin des Werbetechnik- und LFP-Fachportals Sign&Print beim schwedischen AGI-Verlag, bleibt die studierte Dipl.-Ing. für Medientechnik (FH) ihrer Leidenschaft für Print treu und widmet sich nun der Beratung und Projektbegleitung von Druckunternehmen auf ihrem Weg in eine digitalisierte Zukunft. Darüber hinaus gibt sie als Redaktionsleiterin von Beyond Print regelmäßig Einblick in relevante Themen des E-Business Print.

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