iPad: Eine vorläufige Bilanz

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Das iPad ist erst seit nicht einmal einer Woche im Handel erhältlich und schon ziehen der Spiegel Online und weitere Medien eine vorläufige Bilanz. Das Ergebnis: Begeisterung auf der einen mischt sich mit Enttäuschung auf der anderen Seite. Technische Mängel und der bisherige Verkauf von Apps lassen zu wünschen übrig.

Fotograf: Zach Honig

Die “Wunderflunder”, wie der Spiegel Online Apples neustes Produkt liebevoll nennt, scheint zum einen größere Probleme mit Hitze und direkter Sonneneinstrahlung zu haben. Mehrere Nutzer des schlanken Pads beschwerten sich über Abstürze ihres Geräts, hervorgerufen durch zu hohe Temperaturen. Die Berichte variieren in Bezug auf Zeit und ausschlaggebende Temperatur.

Ausgerechnet Zach Honig, Redakteur des bekannten PC Magazins, hat es erwischt: Nach zehn Minuten in frühlingshaften Temperaturen von rund 21° Celsius gab das iPad den Geist auf und schaltete sich ab. Auf dem Monitor erschien die Aufschrift “iPad needs to cool down before you can use it”. Während andere Nutzer von Abkühlungszeiten von bis zu dreißig Minuten berichten, löste Honig das Problem, indem er das Pad kurzerhand in den Kühlschrank beförderte. Daraufhin reduzierte sich die Abkühlzeit auf gerade einmal eine Minute. Möglicherweise könnten die Überhitzungsprobleme auf den Prozessor zurückzuführen sein, mutmaßt der Spiegel Online.

Ein weiterer Kritikpunkt betraf die immer wieder abbrechende WLAN-Verbindung, die jedes Mal eine erneute Eingabe des Passworts erforderte. Ein User schrieb sogar ins Diskussionsforum von Apple:  “Same thing happens to me. I am lucky to get 10 minutes of use before this happens. I am taking this crap back tomorrow. Not paying $500 for something I cant use. Great job Apple.” Wahrscheinlich handelt es sich dabei jedoch nur um ein kleineres Software-Problem, vermutet zumindest das iPad-Mag.

Dank des Medienhypes warteten zahlreiche Internetnutzer wohl nur auf die ersten schlechten Nachrichten. Es ist auch längst nicht gesagt, dass diese Probleme tatsächlich gehäuft auftreten und nicht nur in Einzelfällen. Dennoch, zum Strand sollte man das iPad vielleicht erst einmal nicht mitnehmen. Da empfiehlt sich wohl eher das klassische Buch zur Lektüre. Womit wir beim nächsten Thema wären.

Screenshot iBook Store

Nein, trotz aller Hoffnung seitens der Verlage: von einem reißenden Absatz an E-Books kann bisher keine Rede sein. Stattdessen investierten die amerikanischen Besitzer der “Wunderflunder” laut Spiegel Online in Bürosoftware, Spiele und Multimedia-Anwendungen. Zwar werden die zukünftigen deutschen Kunden wahrscheinlich weniger Geld für Live-Baseball-Übertragungen ausgeben, Textverarbeitungsprogramme und Autorennen dürften aber auch hierzulande einen hohen Absatz erzielen.

Natürlich ist der Zeitraum zu kurz für langfristige Prognosen, aber nach derartig langen Diskussionen über den Preis von E-Books, den auch Amazon jetzt nach oben anpassen musste, hätte man wohl etwas mehr erwartet. Ein Manko, über das sich zahlreiche Nutzer beschweren: die im iBook-Store gekauften Bücher sind fürs iPad kompatibel, nicht aber fürs iPhone. Was besonders überrascht, wenn man an die kostenlosen Software von Amazon denkt: Hier georderte E-Books sind mit sämtlichen Endgeräten abzurufen (Beyond-Print berichtete), Macs, iPads, iPods, Kindle, PC.

Unabhängig davon sieht der Spiegel jedoch noch andere Probleme. So stehen einige iPad-Ausgaben von Zeitschriften, Zeitungen und Magazinen dem eigentlichen Online-Angebot in vielem nach, selten aber im Preis. Als Beispiel wird das Wallstreet-Journal genannt, das mit 17,99 Dollar fürs iPad ganze 5,50 Dollar über dem Online-Abo liegt. Qualität oft zu niedrig, Preis dagegen nicht – kein guter Verkaufsanreiz.

Vielleicht liegt auch genau dort das Problem: die Preise für E-Books sind einfach generell  sehr hoch gegriffen, zumindest wenn es um Belletristik geht. Man fragt sich doch: warum sollte der bibliophile Mensch mehr Geld für die virtuelle Variante ausgeben als für das klassische Printprodukt? Letzteres kann man wenigstens noch dekorativ im heimischen Bücherregal ausstellen. Auch für einen gemütlichen Leseabend in der Badewanne taugt das schlanke Spielzeug nicht. Ein aufgeweichter Schmöker allein ist ein verschmerzbarer Verlust, ein 500 US-Dollar teures Gerät eher weniger. Zugegeben, hier geht es um den Nutzen von E-Books an sich – aber auch dieser muss schließlich finanziell gerechtfertigt werden.

Wie dem auch sei, die nächsten Wochen werden zeigen, inwieweit sowohl das iPad als auch der daran gekoppelte Verkauf von E-Books,  E-Zeitungen und E-Magazinen tatsächlich den lang geschürten Erwartungen entspricht. Oder eben auch nicht.

(Imke Hans | Quellen: Spiegel Online, Apple, iPad-Mag)

Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Seine Fachgebiete sind u.a. Online-Print, Mass Customization, Strategie- und Technologie Assessment für Print, sowie die Entwicklung neuer Strategien im Print- und Mediaumfeld. Bernd Zipper ist Initiator und Vorsitzender der Initiative Online Print e.V. und neben seiner Beratertätigkeit Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen für die Druck- und Medienindustrie. (Profile auch bei Xing, LinkedIn).

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