Jed Seiferts Vision: Eine inklusive Onlineprint-Branche

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Auch die Berücksichtigung von Menschen mit Behinderung als Konsument*innen gerät in der Onlineprint-Branche zunehmend in den Blick, wie die Diskussion um das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz zeigt. In Bezug auf die Inklusion von Menschen mit Behinderung als Arbeitnehmer*innen diagnostizierte Jed Seifert in seinem Vortrag im Rahmen des Online Print Symposiums 2025 jedoch deutlichen Verbesserungsbedarf.

Stakes Manufacturing: Onlinedruckerei auf Wachstumskurs

Seit seiner Gründung im Jahr 2019 hat sich das Unternehmen schnell zu einem Branchenführer im amerikanischen Print-on-Demand-Markt entwickelt. Die Gründer Jed Seifert und Vince Bartozzi haben Stakes Manufacturing erfolgreich zu einem führenden Online-Druckunternehmen ausgebaut, das mit Partnern aus den Bereichen Sport, Unterhaltung, Mode, Einzelhandel und E-Commerce zusammenarbeitet. Stakes Manufacturing versteht sich nicht nur als reine Online-Druckerei, sondern vielmehr als Engineering- und Technologieunternehmen, das von Eastlake, Ohio, aus auf einer Produktionsfläche von über 10.000 Quadratmetern ein breites Kundenspektrum bedient.

Das Unternehmen verwendet die Kornit Max-Technologie für den Direktdruck auf Bekleidung sowie proprietäre Direct-to-Film-Geräte und Tinten, um lebendige, langlebige Designs zu produzieren. Ziel ist es, hohe Qualitätsanforderungen zu erfüllen, so dass das Endprodukt nicht von im Siebdruckverfahren hergestellten Produkten zu unterscheiden ist.

Jed Seiferts Mission: Kein Purpose ohne biografische Erfahrung

Wirtschaftlicher Erfolg und soziale Verantwortung müssen Hand in Hand gehen, davon ist Jed Seifert überzeugt. Deshalb setzt sich Seifert leidenschaftlich für eine inklusive Arbeitswelt ein. Geprägt wurde diese Überzeugung durch die persönliche Erfahrung mit seinem älteren Bruder Darren, der an einer genetisch bedingten Form des Autismus, dem Fragiles-X-Syndrom, leidet. Diese Erkrankung führt bei den Betroffenen unter anderem zu einer unterschiedlich stark ausgeprägten Intelligenzminderung und einer Reihe weiterer körperlicher und geistiger Symptome. Das Syndrom ist nach Trisomie 21 die zweithäufigste Form genetisch bedingter geistiger Behinderung.

Vor 25 Jahren bekam Darren die Chance, in der Poststelle der Börsenaufsichtsbehörde in Washington D.C. zu arbeiten, was sein Leben und das seiner Familie grundlegend veränderte. Er war nun in der Lage, selbständig zu leben, finanziell unabhängig zu sein, Freunde zu finden und Ziele für ein unabhängiges und sinnerfülltes Leben zu entwickeln.

Der Einfluss, den die Erwerbstätigkeit seines behinderten Bruders hatte, veränderte auch Jed Seiferts unternehmerisches Denken und Handeln. Jemandem mit Behinderung finanzielle Unabhängigkeit zu ermöglichen, betrachtete er fortan als das größte Geschenk, das man einem Menschen, seinem sozialen Umfeld und der Gesellschaft machen kann.

Er begann mit einer Organisation zusammenzuarbeiten, die die Integration von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt organisierte. Seitdem hat er mit mehr als 300 großen Unternehmen in der Region Washington D.C. zusammengearbeitet, darunter Hotel- und Apothekenketten und das National Institute of Health.

Bemerkenswerterweise befand sich unter diesen Unternehmen keine Druckerei, obwohl sich die Arbeit in Druckereien gut für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen eignet, da die sich wiederholenden Arbeiten bzw. Routinen Menschen mit Behinderungen Sicherheit geben.

Die Fakten: Zahl der Menschen mit Behinderung und deren Besonderheiten

Wenn von Inklusion die Rede ist, denken viele zuerst an ethnische Herkunft, Religion, Geschlecht, sexuelle Orientierung oder Alter. Behinderung wird dabei oft vergessen. Dabei haben 15% der Weltbevölkerung eine Behinderung. 80 Prozent der Behinderungen sind zudem nicht angeboren und treten im Alter zwischen 18 und 65 Jahren auf, der produktivsten Lebensphase.

„Menschen mit Behinderung wollen nichts geschenkt bekommen, sie wollen es sich verdienen.“ – Jed Seifert, Co-Founder at Stakes Manufacturing

10% der 225 Beschäftigten bei Stakes Manufacturing sind Menschen mit einer geistigen oder entwicklungsbedingten Behinderung. Für diese Mitarbeiter*innen gelten die gleichen Anforderungen wie für Mitarbeiter*innen ohne Behinderung. Die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung hat vielmehr zu einem allgemeinen Perspektivwechsel in der Unternehmenskultur geführt. Der defizitäre Blick auf einzelne Mitarbeiter*innen bzw. der Abgleich mit einem „Normalarbeitnehmer“ wurde aufgegeben und durch einen Blick auf die Stärken aller Mitarbeiter*innen ersetzt. Der Fokus liegt darauf, Arbeitsbedingungen zu schaffen, in denen alle Beschäftigten – ob mit oder ohne Behinderung – erfolgreich sein können.

 „Jede Schwäche wird in der Regel durch eine Stärke ausgeglichen.“ – Jed Seifert, Co-Founder at Stakes Manufacturing

Mit dieser Einstellung ist Stakes Manufacturing weit davon entfernt, Charity zu betreiben oder gar ein Sozialunternehmen zu sein. Vielmehr ist die Inklusion aller Mitarbeiter*innen Teil der Unternehmensstrategie. Dennoch geht die Mission weit über die Steigerung des unternehmerischen Erfolges hinaus. Stakes Manufacturing möchte ein Vorbild für andere Unternehmen – auch in der Onlineprint-Branche – sein und ein Modell schaffen, wie die Inklusion von Menschen mit Behinderung gelingen kann. Seine Erfahrungen hat Jed Seifert in einem Handbuch für die Onlineprint-Branche zusammengefasst, das in Kürze erscheinen wird. Weitere Informationen dazu hier.

Der unternehmerische Impact: Behinderung als Katalysator für Innovation

Studien belegen, dass Unternehmen, die Menschen mit Behinderung einstellen, profitabler sind und über eine höhere Mitarbeiterbindung verfügen. Darüber hinaus wirkt sich erkennbarer Purpose auch positiv auf die Gewinnung neuer Mitarbeiter*innen und die neuer Kund*innen aus. 

Eine kürzlich im Sage Journal veröffentlichte Studie zeigt am Beispiel eines großen deutschen Automobilunternehmens exemplarisch die positiven Effekte der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung auf das gesamte Team. Bereits die Anwesenheit von Kolleg*innen mit Behinderung erhöhte in dieser Untersuchung die kognitive Flexibilität und Kreativität aller Mitarbeiter*innen signifikant.

Dadurch dass Mitarbeiter*innen die Anforderungen von Menschen mit Behinderung an das Arbeitsumfeld berücksichtigen, werden Schwachstellen und Hindernisse für alle erkennbar und behebbar.

Call for action!

Jed Seiferts Vision beinhaltet nicht weniger als den Aufruf, die Druckindustrie von einer rückständigen Inklusionsbranche zu einem Vorreiter zu machen. Die Branche soll zum Leuchtturm werden, als Beispiel dafür, wie sich Branchen neu erfinden und diverser werden können. Er sei zuversichtlich, dass dies gelingen werde. Die Druckindustrie hat schon oft bewiesen, dass sie mit Krisen und Veränderungen gut umgehen kann.  Let’s do it.

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Auch die Berücksichtigung von Menschen mit Behinderung als Konsument*innen gerät in der Onlineprint-Branche zunehmend in den Blick, wie die Diskussion um das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz zeigt. In Bezug auf die Inklusion von Menschen mit Behinderung als Arbeitnehmer*innen diagnostizierte Jed Seifert in seinem Vortrag im Rahmen des Online Print Symposiums 2025 jedoch deutlichen Verbesserungsbedarf.
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Beyond-print.de

Als studierte Diplom Soziologin (Universität) ist Yvonne Fischer Generalistin rund um die Themen Organisationsentwicklung und Change-Management. Sie verfügt über 15 Jahre Erfahrung in der Strukturierung und Organisation von Learning- und Development-Umgebungen sowie in der Moderation von Transformationsprozessen. Ihr Fokus liegt darauf, persönliche und organisationale Potenziale in Teams, Gruppen und Unternehmen zu entfalten, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Dabei verbindet Yvonne Fischer eine analytische und strukturierte Herangehensweise mit einer beteiligungs- und lösungsorientierten Kommunikation auf Augenhöhe. Aktuell ist sie dafür verantwortlich, die Zusammenarbeit im Rahmen der Initiative Online Print zu optimieren und die Entwicklung des Vereins voranzutreiben. Zusätzlich unterstützt sie das Redaktionsteam von beyond-print.de.

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