Markt: Apollo investiert 300 Millionen Dollar in Cimpress

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Der Private-Equity-Gigant Apollo Global Management aus New York investiert 300 Millionen US-Dollar (rund 275 Mio. €) in die internationale Druckereigruppe Cimpress, die von der Coronavirus-Pandemie offenbar schwer getroffen wurde.

Weltweit beschäftigt Cimpress mehr als 10.000 Mitarbeiter in einem guten Dutzend Unternehmen, zu denen unter anderen Vistaprint, Wir machen Druck, Druck.at, easyflyer, National Pen oder BuildAsign gehören. Das an der Nasdaq notierte Unternehmen, Anbieter von kundenindividuellen Druck-, Merchandise- und Marketingprodukten, hatte seinen offiziellen Sitz aus steuerlichen Gründen Anfang 2019 aus den Niederlanden nach Dundalk in der Republik Irland verlegt.

Bis Ende Februar entwickelten sich Umsatz, EBITDA und Cashflow laut einer Cimpress-Mitteilung vom 29. April 2020 entsprechend den Erwartungen. Die COVID-19 Pandemie hat jedoch auf der ganzen Welt Auswirkungen auf die Geschäftskunden von Cimpress, was ab März 2020 zu einer geringeren Nachfrage nach Drucksachen geführt habe. Die Umsätze verschlechterten sich im März bereits um 30% und gingen in den Aprilwochen im Jahresvergleich um etwa 65% zurück, wobei die Auswirkungen der Pandemie auf den Umsatz je nach Unternehmen, Land, Produktlinie und Woche sehr unterschiedlich seien.

Da die Dauer und das Ausmaß der Pandemie nicht bekannt sind, hat Cimpress im März und April 2020 neben erheblichen Kostensenkungen vorsorglich Maßnahmen ergriffen, um die Liquidität zu schonen und die operative Kontinuität so weit wie möglich aufrecht zu erhalten. Das ist auch gut und weitsichtig.

Jonglieren für die Finanzen

Ich versuche einmal, die komplexen Zusammenhänge einigermaßen verständlich wiederzugeben. Am 28. April 2020 änderte Cimpress den Vertrag eines vorrangig gesicherten Kredits. In diesem Zusammenhang wurde am gleichen Tag ein Vertrag zur Beschaffung von 300 Mio. $ mit Apollo Global Management unterzeichnet. Cimpress beabsichtigt, diesen Betrag zur Rückzahlung eines Teils des langfristigen Darlehens sowie zur Zahlung von Gebühren und Ausgaben, die im Zusammenhang mit der Finanzierung der oben beschriebenen Änderung anfallen, zu verwenden.

Die Aktien von Cimpress, deren Kurs von Anfang März bis zum 28. April um fast 50% gefallen war, stiegen nach der Vereinbarung mit Apollo wieder um rund 23%. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens belief sich am 28. April auf etwa 1,7 Milliarden Dollar.

Apollo ist kein Unbekannter in der Druckbranche. Erst vor kurzem kaufte er die Online-Fotodienstleister Shutterfly und Snapfish und fusionierte sie zu einem Unternehmen. Jetzt erhält Apollo siebenjährige Warrants auf den Kauf von umgerechnet knapp 4% der ausstehenden Aktien von Cimpress und ist in mindest dieser Höhe an Cimpress beteiligt.

Mit einem Vermögen von mehr als 330 Mrd. Dollar war Apollo in den letzten Wochen einer der aktivsten Investoren, nachdem das Coronavirus die Märkte und die Wirtschaft in Aufruhr versetzt hatte. Seit Anfang März hat Apollo mehr als 10 Mrd. Dollar in Private Equity und Kredite investiert.

Maßnahmen zur Kostensenkung

Cimpress ist aktuell also ordentlich unter Druck – wie fast alle anderen der Branche – und hat seit März als Reaktion auf die abrupten pandemiebedingten Umsatzeinbußen die Werbung reduziert, befristete Arbeitsverträge beendet und die Arbeitszeit für die Produktions- und Kundendienstteams nach oben oder unten angepasst.

Nach der Unternehmensinformation vom 29. April sollen die Fixkosten auf Jahresbasis um etwa 140 Millionen US-Dollar reduziert werden. Dazu gehören erhebliche Kürzungen der Reise- und Schulungskosten, strenge Einstellungsbeschränkungen sowie der Verpflichtungen gegenüber externen Dienstleistern. Cimpress will zudem staatliche Unterstützungsprogramme nutzen, um einen wesentlichen Teil der Personalkosten zu minimieren. Außerdem hat sich Cimpress proaktiv mit Lieferanten und Vermietern zusammengesetzt, um mehr als 20 Millionen Dollar an Zahlungen hinauszuzögern, um finanzielle Flexibilität zu schaffen.

„Auch wenn Rezessionen schmerzhaft sind, schaffen sie auch Chancen und Wettbewerbsvorteile für Unternehmen mit starken Geschäftsmodellen, die den Kundennutzen verbessern.“ – Bernd Zipper

In diesen außergewöhnlichen Pandemiezeiten war es für Cimpress (natürlich auch) oberste Priorität, die Gesundheit und Sicherheit seiner Mitarbeiter zu schützen. Alle, die dazu in der Lage sind, arbeiten von zu Hause aus. Wenn das nicht möglich ist, wie etwa in der Fertigung oder in Funktionen des Kundendienstes, stellen die Unternehmen von Cimpress sicher, dass die einschlägigen Gesundheitsrichtlinien eingehalten werden. Mehrere Produktions- und Dienstleistungsstandorte von Cimpress wurden vorübergehend geschlossen, die überwiegende Mehrheit der Betriebe blieb aber offen oder wurden wiedereröffnet.

Und Robert Keane, CEO, Chairman und Gründer von Cimpress, denkt bereits weiter und versprüht Optimismus. „Cimpress plant weiterhin, in Technologie, Qualitäts- und Kostenverbesserungen, Daten und Analysen, neue Produkte und die Rekrutierung talentierter Teammitglieder zu investieren. Wir haben Cimpress so positioniert, dass wir während und nach dieser Pandemie in der Offensive bleiben können, indem wir Maßnahmen ergreifen, auch weiterhin Schlüsselprojekte zu finanzieren, von denen wir glauben, dass sie unseren Kunden und langfristigen Aktionären zugutekommen werden“, so Keane.

Vorläufige Finanzergebnisse des 3. Quartals

Allerdings muss er – wie die vielen Tausend anderen Druckereien – erst einmal durch diese Krise kommen. Dabei verschafft ein Quartalsrückblick zwar keine gesicherten Erkenntnisse, gibt aber zumindest eine Orientierung für Risikobewertungen.

Die Ergebnisse von Cimpress für die ersten drei Monate des Jahres (es ist das 3. Quartal im Cimpress-Geschäftsjahr) sind noch nicht endgültig, zeigen aber Gesamteinnahmen von ca. 598 Mio. $ – ein Rückgang von 10% im Vergleich zum Vorjahr. Der konsolidierte Umsatz stieg bis Februar im Jahresvergleich noch um 2%, ging jedoch ab März um 30% zurück.
Bleibt ein Betriebsverlust von ca. 88 Mio. Dollar, einschließlich Abschreibungen von etwa 101 Mio. Dollar aufgrund der veränderten Perspektiven in mehreren Geschäftsbereichen. Das bereinigte EBITDA von etwa 71 Mio. $ entspricht einem Rückgang von 20% gegenüber dem Vorjahr. Cimpress drückt zudem eine Gesamtverschuldung von 1.672 Mio. $, die einem Barguthaben von 228 Mio. $ gegenübersteht.
Weitere Details kann man sich hier wohl sparen – sie dürften allesamt Makulatur sein. Am 5. Mai 2020 wird Cimpress die Finanzergebnisse für das 3. Quartal des Fiskaljahres 2020 und die Erwartungen für das 4. Quartal bekannt geben. Dabei weist Cimpress ausdrücklich darauf hin, dass sich Investoren nicht länger auf die bisherigen Prognosen des Unternehmens verlassen sollten.

VIDA-Anteile verkauft

Wie groß die Not bei Cimpress möglicherweise wirklich ist, zeigt der Verkauf von VIDA. Cimpress hatte sich im Juli 2018 mit 74% an der erfolgreichen Plattform für die On-Demand-Produktion von Textilien beteiligt. Der rund 25 Mio. € (29 Mio. $) schwere Neuerwerb blieb eine eigenständige Marke im Cimpress-Portfolio. „Cimpress, unser Mehrheitsaktionär und Investor, wurde von Covid hart getroffen und hat uns mitgeteilt, dass sie ihre Beteiligung an VIDA verkaufen müssen“, schreibt Umaimah Mendhro, Gründer und CEO von VIDA, an seine Mitarbeiter. „Cimpress hatte im Juli 2018 alle unsere früheren Investoren, einschließlich Google Ventures und Y Combinator, ausgekauft und ist der einzige externe Investor von VIDA. Es gibt aber keine potenziellen Käufer in diesem Umfeld, also bieten wir an, unseren Anteil von Cimpress zurückzukaufen.“

Am 10. April wurde das Geschäft mit Cimpress abgeschlossen. VIDA ist nun zu 100% im Besitz des VIDA-Teams und seines CEO. Natürlich wurde nicht bekannt, welcher Preis dabei aufgerufen wurde.

Bernd Zipper My Take: COVID-19 ist nicht nur für kleinere Unternehmen eine aktuelle Bedrohung, sondern für die gesamte Print-Industrie. Kein Wunder also, wenn es da auch Cimpress trifft. Aber, und das muss man sich vor Augen halten, Cimpress hat aufgrund seiner Größe mehr Möglichkeiten zu agieren, da trifft es den Drucker um die Ecke im Verhältnis heftiger. Allein die Möglichkeit 20 Mio. Dollar an Zahlungen stunden zu lassen, zeigt die Marktmacht von Cimpress. Kleinere Unternehmen sind da auf das Entgegenkommen des Zulieferers angewiesen. Was aber das Investment von Apollo – und das ist die gute Botschaft in dieser Meldung – zeigt, ist ein klares Bekenntnis zum Thema Druck! Und das kann allen Druckern auf dieser Welt Mut machen – selbst wenn es zurzeit in Sachen Umsatz schlimm aussieht, DRUCK wird gebraucht und DRUCK wird nach der Krise wieder auferstehen. Und dies früher, als manch andere Industrie.
Cimpress ist mit 2,7 Mrd. $ Umsatz der größte Onlinedrucker weltweit mit Millionen von Kunden und nach meiner Einschätzung Marktführer im Bereich Mass Customization. Die Nachfrage nach diesen Produkten hat in den letzten zwanzig Jahren ein signifikantes Wachstum mit sich gebracht und sie sind in stabilen wie in schwierigen Zeiten von entscheidender Bedeutung. Auch wenn die aktuelle Krisensituation schmerzhaft ist, bietet sie auch Chancen und Wettbewerbsvorteile für Unternehmen mit starken Geschäftsmodellen, die den Kundennutzen verbessern. Übrigens: Wenn in der Vergangenheit einige Onlinedrucker immer damit protzten, sie seien komplett eigenfinanziert – so ein Scheiß Virus kann alles ändern.
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Der Private-Equity-Gigant Apollo Global Management aus New York investiert 300 Millionen US-Dollar (rund 275 Mio. €) in die internationale Druckereigruppe Cimpress, die von der Coronavirus-Pandemie offenbar schwer getroffen wurde.
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beyond-print.de

Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Seine Fachgebiete sind u.a. Online-Print, Mass Customization, Strategie- und Technologie Assessment für Print, sowie die Entwicklung neuer Strategien im Print- und Mediaumfeld. Bernd Zipper ist Initiator und Vorsitzender der Initiative Online Print e.V. und neben seiner Beratertätigkeit Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen für die Druck- und Medienindustrie. (Profile auch bei Xing, LinkedIn).

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