MARKT: DER WELTWEITE EINFLUSS VON COVID-19 AUF DIE DRUCKINDUSTRIE

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Cloudprinter.com hat in einer Studie den weltweiten Einfluss von Covid-19 auf die Druckindustrie untersucht. Laut dem Bericht prägen die Personalisierung von Fotos, die Möglichkeiten via Amazon und die Sendungsverfolgung die Digitaldruckbranche. Es ist mehr als ein Jahr her, seit sich COVID-19 weltweit verbreitet hat. Die beispiellosen Maßnahmen haben eine Krise verursacht und die Welt in Unordnung gebracht. Viele Branchen leiden, während andere bemerkenswert gut abschneiden. Die Studie hat die Auswirkungen des Coronavirus vom Jahr 2020 bis Anfang 2021 sowohl auf die Druck- als auch auf die E-Commerce-Branche im Fokus.

Quelle: © Photo by Cloudprinter / www.cloudprinter.com

Der stationäre Handel war gezwungen, seine Geschäftsmodelle zu ändern und sich an neue Bedingungen anzupassen. Gleichzeitig begann die Mehrheit der Onliner, einige Verbesserungen umzusetzen, um ihre Effizienz zu steigern. Amazon stellte beispielsweise 427.300 zusätzliche Mitarbeiter ein, um die wachsende Nachfrage zu befriedigen, und rechnete laut von FactSet befragten Analysten erstmals im vierten Quartal mit einem Quartalsumsatz von über 100 Milliarden US-Dollar.

Klar ist, dass sich die E-Commerce-Branche praktisch über Nacht verändert hat:

  • Die Anzahl der Käufe während des 3-monatigen Lockdowns entspricht der Anzahl der Käufe der letzten 10 Jahre.
  • Während der Quarantäne haben 75% der US-Verbraucher verschiedene Shops, Webseiten oder Marken ausprobiert. 80% der Käufer wollen weiterhin online einkaufen.
  • Das Online-Liefervolumen stieg in 8 Wochen um den gleichen Betrag wie im gesamten letzten Jahrzehnt.

Cloudprinter.com ist eine Plattform für den Digitaldruck und die Bereitstellung von Druckautomatisierungslösungen für E-Commerce und hat ein natürliches Interesse an den Auswirkungen des Lockdowns auf die Druckindustrie.

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In der Digitaldruckbranche hat sich eine gemischte Situation entwickelt: Während der Bereich mit persönlichen Fotos profitierte, benötigten andere Segmente wie beispielsweise Gastronomie (Hotel, Restaurant, Catering) und die Reisebranche deutlich weniger Drucksachen.

Es ist unmöglich zu sagen, dass der Drucksektor während der gesamten Quarantäne problemlos gewachsen ist, da dieses Wachstum ungleich verteilt war. Einige Unternehmen druckten mehr als üblich, während andere überhaupt keine Drucksachen mehr bestellten.

Angesichts der Quarantäne haben viele Unternehmen auf Homeoffice umgestellt, was den Trend zum papierlosen Betrieb aus geschäftlicher Sicht zusätzlich beschleunigte (es wurden deutlich weniger Bestellungen für Umschläge, Visitenkarten, Briefköpfe, Ordner usw. getätigt). Da die Menschen zu Hause bleiben mussten, suchten sie nach Ablenkung und gaben das Geld online aus.

Während dem stationären Handel die (Lauf)kunden fernbleiben mussten, nannten die Onliner den Lockdown ein großes Weihnachtsfest. In Bezug auf Fotobuchdruckdienste oder Leinwand- / Forexdruck beschert die Weihnachtszeit den Druckereien normalerweise 80% ihres Umsatzes. Im Jahr 2020 hat sich dieser Zeitraum vom Frühjahr bis Oktober mit einem leichten Rückgang im Sommer und einem massiven Anstieg von November bis Dezember verlängert.

Ein weiterer wichtiger Faktor sind geschlossene Grenzen und nationale Sperrungen. Aufgrund dessen wurden die globalen Vertriebskanäle unterbrochen, während die Nachfrage gleichblieb und sogar wuchs. Die chinesische Schließung hat sich beispielsweise stark auf das Verlagsgeschäft ausgewirkt, da die Lieferkette unterbrochen wurde und den Buchhändlern der Nachschub ausblieb.

Wenn Unternehmen nicht in der Lage sind, kostengünstig im Ausland drucken und liefern zu lassen oder die Stammdruckereien aufgrund von Coronavirus-Ausbrüchen geschlossen werden, wird das lokale automatisierte Print-on-demand, gesteuert von intelligenten Algorithmen, zur interessanten Alternative. Infolgedessen verschaffen sich inländische Märkte, Hersteller und Anbieter einen Vorteil gegenüber ausländischen Wettbewerbern, da diese den Hauptanteil des landesweiten Druckbedarfs decken. Cloudprinter.com berichtet, dass die Vorferienzeit in ihrem Unternehmen ähnliche Auswirkungen gehabt hätte. Kunden suchten nach neuen Fulfillment- und Bereitstellungsoptionen aufgrund von Coronavirus-Spitzen.

Grundlagen der Marktanalyse

Von den insgesamt 1,3 Millionen Bestellungen, die im Zeitraum von März 2020 bis Januar 2021 über die cloudprinter.com Plattform verarbeitet wurden, wurden 65.000 zufällig ausgewählte Druckaufträge genutzt, um sie für die COVID-19-Studie zu analysieren.

Niemand weiß, wie und wann die Pandemie enden wird. Die Dauer ist unklar und die Nachrichten über weitere Wellen der Pandemie verbreiten sich. Um über Auswirkungen der Krise oder aktuelle und potenzielle Verluste zu sprechen, sind belastbare Zahlen Gold wert.

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Wie man erkennen kann, ist die Coronavirus-Situation für Anbieter von Druckerzeugnissen in Europa kein Hindernis geworden. Obwohl Länder wie Deutschland, Italien und Frankreich im Frühjahr zum Epizentrum der Pandemie in der EU wurden, belegten sie mit über 32% aller Bestellungen den 2., 3. und 6. Platz.

Während des analysierten Zeitraums befanden sich die USA, Indien, Großbritannien und Malaysia unter strengen Sperrungen mit leichten Lockerungen, was bedeutete, dass E-Commerce Unternehmen nach Möglichkeiten suchten, ihre Aufträge auszuführen.

Im Vergleich zum Herbst 2019 sieht die Reihenfolge nicht viel anders aus: Die Niederlande und Belgien nehmen die führenden Positionen ein, die USA, Deutschland und Frankreich folgen.

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Druckprodukte mit hoher Nachfrage

Wenn wir die Länder außer Acht lassen und uns auf die Produkte konzentrieren, sehen wir ein deutliches Wachstum in der Kategorie der Personalisierung von Fotos. Unabhängig davon tendieren Unternehmensaufträge ab Juni zu einem stetigen Wachstum.

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Persönliche Produkte wie Fotos (46,81 %) auf Leinwand, Forex oder ähnliches, Fotobücher (37,57 %) und Poster (2,07%) machten zusammen 86,45% aller Bestellungen während der Pandemie aus.

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Diese Tendenz erklärt sich aus den Gegebenheiten des Lockdowns:

  • Die Leute hatten mehr Zeit, um ihre Reisen der Vergangenheit zu ordnen und bestellten mehr Fotobücher.
  • Da die Menschen mehr zu Hause waren, begannen sie häufiger über die (Neu-)Innendekoration nachzudenken und bemühten sich, ihre Häuser gemütlicher zu gestalten.
  • Während des Lockdowns gab es, außer beim Online-Einkauf, nicht so viele Möglichkeiten das Geld auszugeben.

Es ist offensichtlich, dass Geschäftsdrucksachen mit nur 13,55% der Aufträge geringer waren. Aber selbst, wenn wir die Anzahl der Bestellungen mit dem ähnlichen Zeitraum von 2019 (z. B. September) vergleichen, sehen wir den Trend der Unternehmen zur Optimierung und Automatisierung der Druckbestellung.

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Die Nachfrage nach Visitenkarten oder Grußkarten stieg ab Beginn des Sommers, nachdem die Quarantänebeschränkungen aufgehoben worden waren. Selbst konservativere Unternehmen suchten laut Cloudprinter.com nach automatisierten und kontaktlosen Lösungen, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen.

Die Nachfrage nach Druckprodukten wie kundenspezifischen Verpackungen, Werbeartikeln und Etiketten hat während der Covid-19-Pandemie stetig zugenommen. Cloudprinter.com reagiert laut eigener Angabe darauf und fügt diese Produkte dem bestehenden Katalog hinzu.

Bestellmengen und Werte

In der Regel bestellen Kunden selten mehr als ein Produkt mit einer Bestellung. Die einzige Ausnahme war im Oktober 2020, als die durchschnittliche Anzahl der Artikel pro Bestellung 5 erreichte.

Dieser Anstieg wurde höchstwahrscheinlich durch zwei Faktoren verursacht. Erstens die bevorstehende Aktivität in der Weihnachtszeit: Sowohl Unternehmenseinkäufer als auch Konsumenten bestellten Geschenke und Souvenirs (z. B. war neben den üblichen Unternehmensdruckprodukten ein Anstieg der Bestellungen von Kalendern zu verzeichnen). Zweitens wurde der Herbst zu einer Zeit, in der sich der Unternehmenssektor von den Folgen der Pandemie zu erholen begann.

Die Bestellungen lassen sich in zwei Kategorien (Unternehmen und Handel) aufteilen. Kommerzielle Bestellungen (ausgenommen Wandkunst – Leinwände, Fotokacheln) bestehen in den meisten Fällen nur aus einem Stück. Bei Wandkunst erhöhen sich diese Zahlen auf bis zu 5 Stück.

Bei den Geschäftsaufträgen ist der Ansatz anders, da Unternehmensaufträge normalerweise eine große Anzahl von Exemplaren voraussetzen. Die durchschnittliche Anzahl beträgt 861 Stück mit beispielsweise durchschnittlich 2.050 Exemplaren in der Reihenfolge der Flyer und 645-650 Exemplaren in der Reihenfolge der Visitenkarten und Ordner.

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Wenn man über die Entwicklung des Bestellwerts spricht, scheint die Tendenz ziemlich typisch zu sein. Mit dem Plattformwachstum und der Erweiterung des Drucknetzwerks verringert sich der durchschnittliche Bestellwert, da er umgekehrt proportional zum Volumen ist: Je mehr wir drucken, desto niedriger ist der Preis einer Bestellung.

Mehrere Gründe erklären dies: Eine höhere Anzahl von Druckpartnern impliziert, dass Bestellungen noch lokaler gedruckt werden müssen. Dies führt zu besseren und wettbewerbsfähigeren Preisen von Druckereien. Außerdem verkürzt sich die Versandentfernung, wodurch die Versandkosten gesenkt werden.

Während dieses Zeitraums schwankten die durchschnittlichen monatlichen Bestellwerte in der Regel nur geringfügig (13,10 bis 13,80 €) und betrugen im analysierten Zeitraum durchschnittlich 13,82 € (ohne MwSt.) pro Bestellung.

Betrachtet man den gesamten Zeitraum, so ist die Tendenz zu einem Rückgang des durchschnittlichen Auftragswerts ziemlich deutlich: Beginnend mit 16,96 € im März 2020 und endend mit 8,15 € im Januar 2021.

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Jobtracking ist entscheidend

Lieferung und Versand sind heute entscheidende Faktoren. Verbraucher erhalten alles geliefert und achten viel mehr auf die Versandarten: Was sind die Preise und sind Pakete nachverfolgbar oder nicht.

Aus diesem Grund ist ein Blick auf die Lieferoptionen, die von den Benutzern ausgewählt wurden, um ihre Bestellungen zu erhalten, spannend.

In einer Zeit mit dem Motto „Alles liefern“ wählt die Mehrheit der Verbraucher eine nachverfolgbare Lieferung, da sie Echtzeit-Updates erhalten und die Möglichkeit haben möchten, den Status ihres Pakets jederzeit zu überprüfen.

Während des Lockdowns wurde bei 90 % der Lieferungen die Nachverfolgung als Option für die Sendung gewählt. Die Tendenz zur Nachverfolgung im analysierten Zeitraum nimmt ständig zu, während die Nachfrage nach nicht nachverfolgbaren Optionen stabil bleibt und im Grunde kein Wachstum aufweist. Dies bedeutet, dass je mehr Verbraucher bestellen, desto größer ist der Wunsch nach Kontrolle, um die Lieferungen im Blick zu behalten.

Maschineneinsatz

Ein weiterer Aspekt der Analyse ist die Ausstattung. Innerhalb des globalen Drucknetzwerks von Cloudprinter.com mit rund 170 Druckpartner weltweit, liegt HP bei den Druckmaschinen vorn. Zwei Drittel der Bestellungen werden auf den HP-Maschinen gedruckt (Indigo, DesignJet, Latex, PageWide-Modelle). Canon (varioPRINT, imagePRESS, Colorado, Arizona) folgt mit etwa 25% der Druckaufträge. Die Maschinen anderer Marken (Xerox, Generic, Kodak, Fujifilm, Ricoh, Mimaki) wurden in 6,5% der Bestellungen eingesetzt.

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Fazit

Natürlich lassen sich Aussagen unterschiedlich interpretieren und es bleibt unklar, wie sich die Zeit nach Corona entwickelt, aber die Analyse lässt sich zusammenfassen und erlaubt vier Schlussfolgerungen:

  • Verschiedene globale E-Commerce-Statistiken zeigen: Die Coronavirus-Krise dürfte die bestehenden Branchentrends beschleunigen. Dies bedeutet, dass der Bereich der Online-Einkäufe und -Lieferungen kontinuierlich wächst – unabhängig davon, ob es sich um Geschäftsdrucksachen oder Endkunden handelt.
  • Aus Sicht des Lieferanten ist eine Automatisierung der Auftragsabwicklung gefragt. Die Nachfrage nach hochautomatisierten und vollständig integrierten Workflow-Systemen wächst, da die Verbraucher die „Amazonisierung“ der gesamten E-Commerce-Branche erwarten. Diese Tendenz zwingt alle Anbieter zur Beschleunigung.
  • Die Automatisierung wird sowohl auf Geräte-, als auch auf Workflow-Ebene immer wichtiger. Hochqualifizierte Fachleute können nicht schnell ersetzt werden. Einfach zu bedienende Systeme, die weniger Kenntnisse erfordern, sind für die Produktion wichtig.
  • Die Rückkehr zum typischen Geschäftsmodell ist möglicherweise noch weit entfernt und niemand kann die Zukunft vorhersagen. Unternehmen sollten, anstatt zu warten und zu hoffen, die Transformation des eigenen Unternehmens angehen, um den Kunden und Geschäftsanforderungen gerecht zu werden.
Bernd Zipper My Take: Cloudprinter.com hat eine beachtenswerte Studie betrieben und die Zahlen bestätigen das Bauchgefühl. Das ist gut so, denn auf etwas muss man sich in diesen Zeiten ja verlassen. Dass die Onliner gut dastehen, weil diese rechtzeitig die Weichen gestellt haben, bedeutet jedoch nicht, dass klassische Druckereien nichts mehr vom Kuchen abbekommen könnten. Auch wenn der konventionelle Drucker morgen noch keinen Shop auf Amazon betreibt, so wird er sich aber doch mit den dort üblichen Gepflogenheiten, spätestens beim Thema Versand und Logistik, beschäftigen müssen. Einfach, weil es gefragt ist und der Einkäufer gegebenenfalls eben vom Homeoffice aus die Warenannahme organisieren muss. Dass diese neuen Gepflogenheiten „Amazonisierung“ genannt werden, mag dem einen oder anderen nicht schmecken, daran vorbeikommen wird man aber an den neuen Standards nicht mehr, auch wenn Corona hinter uns liegt.
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Cloudprinter.com hat in einer Studie den weltweiten Einfluss von Covid-19 auf die Druckindustrie untersucht. Laut dem Bericht prägen die Personalisierung von Fotos, die Möglichkeiten via Amazon und die Sendungsverfolgung die Digitaldruckbranche. Es ist mehr als ein Jahr her, seit sich COVID-19 weltweit verbreitet hat. Die beispiellosen Maßnahmen haben eine Krise verursacht und die Welt in Unordnung gebracht. Viele Branchen leiden, während andere bemerkenswert gut abschneiden. Die Studie hat die Auswirkungen des Coronavirus vom Jahr 2020 bis Anfang 2021 sowohl auf die Druck- als auch auf die E-Commerce-Branche im Fokus.
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Beyond-Print.de

Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Seine Fachgebiete sind u.a. Online-Print, Mass Customization, Strategie- und Technologie Assessment für Print, sowie die Entwicklung neuer Strategien im Print- und Mediaumfeld. Bernd Zipper ist Initiator und Vorsitzender der Initiative Online Print e.V. und neben seiner Beratertätigkeit Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen für die Druck- und Medienindustrie. (Profile auch bei Xing, LinkedIn).

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